| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Sonic Youth sind eine meiner Lieblingsbands. Ihre Konzerte waren absolute Höhepunkte.
1996 auf der wdr Osterrocknacht sind wir Freunde geworden. Sonic Youth, damals mit ihrem Album „Washing machine“ auf Tour, spielten nach den Rappern von Cypress Hill (wer kennt noch das rauchverhangene „Insane in the brain“?) und vor den Smashing Pumpinks. Ich kannte die New Yorker Band, hätte mich damals aber nicht als großen Fan bezeichnet. Bis „Diamond Sea“ kam. Es war einer dieser magischen Konzertmomente. Gänsehaut nach 10 Minuten, totale Sprachlosigkeit nach 17 Minuten. Nach dem „Diamond Sea“ Gewitter ging nichts mehr. Eine Wahnsinnsvorstellung. Ich war schwer beeindruckt. Wie konnte eine Band mit drei Gitarren sowas auf die Beine stellen? Ich war hin und weg, und zum ersten Mal vom Noisesound gepackt.
Die Smashing Pumpkins waren danach nicht mehr wichtig, ich nahm ihr Konzert gar nicht mehr wahr. Der Sonic Youth Eindruck war so stark, dass alles um mich herum verblasste.
Seitdem habe ich versucht, sie wenn immer es möglich war, live zu sehen. Ein magischer Moment dieser Stärke war seither nicht mehr dabei, trotzdem stellte sich regelmäßig ein Gänsehautgefühl ein. Hat man sich erst mal auf die Gitarrenfeeds und Kims seicht säuselnde Stimme eingelassen, ist der Sonic Youth Zauber nicht wegzuleugnen. Keine andere Band schafft es, diese Atmosphäre aus Experimentierkunst, Krack und Melodien gleichzeitig so auf die Bühne zu bringen. Dabei wirkt es nur vermeintlich chaotisch, die Rückkehr zur Grundmelodie ist selbst nach vielminütigem Gitarrengeschrammel immer eingeplant.
Am Freitag waren sie im Rahmen der Kunstausstellung „Sensationell Fix“ in Düsseldorf. Das ist die andere Seite von Kim Gordon, Thurston Moore, Lee Ranaldo und Steve Shelley. Das gesteigerte Interesse an zeitgenössischer Kunst. Sei es nun ein Gerhard Richter Bild als Albumcover ( Daydream nation) oder eine Ausstellung mit verschiedenen Künstlern und unterschiedlichsten Exponaten. „Sensationell Fix“ ist in der Düsseldorfer Kunsthalle zu sehen und läuft noch bis zum 10. Mai diesen Jahres.
Wir sind alle älter geworden. Kim Gordon, Thurston Moore und Lee Ranaldo sind gut in den Fünfzigern, Steve Shelley und Mark Ibold immerhin in den Vierzigern. Der ehemalige Pavement Bassist Mark Ibold war zum ersten Mal bei der „Rather Ripped“ Tour vor zwei Jahren mit Sonic Youth in Deutschland zu sehen, er scheint nun zum festen Live- Establishment der Band zu gehören.
Das Publikum passte sich seinen Helden alterstechnisch an, erreichte sie aber nicht ganz. Auf Mitte bis Ende Dreißig würde ich das Durchschnittsalter der gut 1000 anwesenden Leute schätzen. Damit war das 3001 ausverkauft. Das 3001 ist im wahren Leben eine 1a Schicki-micki Disco mit Red Bull Aktionsabenden, Cocktailladys und Menschen in fliederfarbenden Polohemden. Nun ja, heute war das Publikum ein anderes, und es kam von überall her. Aus Belgien, Belfast, Hamburg und Euskirchen kamen sie nach Düsseldorf, und ich denke niemand von ihnen wird die Anreise zu einem der eher seltenen Sonic Youth Konzerte bereut haben.

Sonic Youth starteten mit zwei neuen Stücken in den Abend. So dauerte es einige Minuten, bis zum ersten mal vertraute Klänge zu hören waren. „Pling, Pling, Pling.“ Als Thurston Moore die ersten drei Töne an der Gitarre zupfte, wusste jeder was kam. „Bull in the heather“, einer der besseren von Kim Gordon gesungenen Songs, ließ die Reserviertheit erstmals weichen. „Tom Violence“, ein alter „Evol“ Klassiker aus den 80ern folgte. Ein gern genommener Livetrack, schön schwer und rauchverhangen. Anschliessend, in einer „special düsseldorf version“, das von Lee Ranaldo gesungene „Hey Joni“. Bisher also ein guter Querschnitt durch das Sonic Youth’sche Gesamtwerk.
Es war eine tolle Setlist, die mit drei weiteren neuen Songs aufgemotzt wurde. „Antenna“, „Sacred Trickster“ („a 2:10 out-of-the gate hardcore matinee track with Kim singing salutes to French painter Yves Klein and Western Massachusetts noise artist Noise Nomads“; hier kostenlos downloadbar) und „What we know“ sind typische Sonic Youth Songs im Murray Street oder Rather Ripped Kontext. Vielleicht ein bisschen rockiger. Vielleicht ist das aber auch nur dem Liveeindruck zuzuordnen. Wir werden es sehen, das neue Album „The Eternal“ erscheint im Sommer.
Nach guten 85 Minuten endete wie ein Sonic Youth Konzert enden muss. Gitarrenfeedbacks bis zum Abwinken. 17 Minuten „Expressway to Yr. Skull“ beendeten den Abend.
„Mehr Rock als vor 2 Jahren.“, simst das Mädel vor mir. Sie hatte recht, Sonic Youth hatten einen rockigen Auftritt. Pech für den Empfänger der SMS, er hatte was verpasst.

Setlist:
01: No way (neu)
02: Calming the snake (neu)
03: Bull in the heather
04: Tom Violence
05: Hey Joni
06: The sprawl
07: Cross the breeze
08: Antenna (neu)
09: Sacred Trickster (neu)
10: What we know (neu)
11: Jams run
12: Pink Steam
Zugabe I:
13: Schizophrenia
14: 100 %
Zugabe II:
15: Shaking hell
16: Expressway to Yr. Skull

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Multimedia:
Fotos: frank@ipernity
Archiv: Sonic Youth – Köln, 26.06.2007

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."