| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

„Hello Holland“, so begrüßte die amerik. Band Social Distortion vor einigen Jahren das Publikum beim belgischen Pukkelpop Festival. Dummheit oder Jetlag?
Ein ähnliches Problem beschäftigte mich am gestrigen Nachmittag, als ich meinen abendlichen Ausflug ins (noch) in der Nähe gelegene Heerlen antrat. Niederlande oder Belgien? Wo liegt diese Stadt denn nun, in der am Abend Sarah Bettens mit ihrer Theatertour gastieren sollte.
Um Aachen herum ist ja alles möglich, sowohl die Niederlande als auch Belgien sind nur Steinwürfe entfernt, und unweit der alten Kaiserstadt treffen sich gar Deutschland, Belgien und die Niederlande (Koordinate: 50.754507 N, 6.021087 O).
Die Streckenrecherche in Google-Maps brachte die Lösung: Heerlen, Niederlande. Okay, dann ist alles klar. Vorberechnete Fahrzeit knappe 95 Minuten.
Wenn ich also um kurz nach fünf loskomme, dann könnte ich vor Konzertbeginn um 20 Uhr noch kurz in die Stadt und ordentlich leckere Fritjes essen. Vielleicht sogar mit Zwiebeln (hallo Sitznachbar, bzw. –nachbarin. Es waren mehrheitlich Frauen anwesend) und als Sättigungsbeilage eine Frikandel obendrauf. Der Plan war gefasst, und so erreichte ich ohne Stau um kurz nach halb sieben Heerlen.
Das Rabotheater liegt verkehrsgünstig im autobahnzugewendeten Teil der Stadt und besitzt eine eigene Parkgarage. So ist die Fahrt mit den vier ausgedruckten Google- Maps Screenshots, die ich auf dem Beifahrersitz griffbereit platziert hatte, kein Problem. Das hätte ich zur Not auch ohne Wegbeschreibung gefunden.. Die Gegend um das Theater sieht relativ neu gestaltet aus und macht einen einladenden Eindruck. Der Vorplatz ist groß und unbebaut, links und rechts vom Theater finden sich im klaren Design gebaute Apartmenthäuser mit großen Fenstern und Balkon in Richtung Theaterplatz.
Sarah Bettens 17112008Der Vorplatz ist nahezu menschenleer. Noch deutet nichts auf die abendliche Veranstaltung hin. Just in dem Moment, in dem ich am Springbrunnen vorbei laufe, hört dieser auf zu plätschern. Es wird Abend in Heerlen. Es ist für einen kurzen Moment totenstill. Als ich mich über die nichtbefahrene Strasse in Richtung Fußgängerzone aufmache, kommt mir kein Mensch entgegen. Beim Erreichen der Einkaufsstrasse bin ich irritiert. Alle Geschäfte sind bereits geschlossen. Den einzigen Lärm verbreiten Marktleute, die ihre Stände für den nächsten Tag aufbauen. In der nächsten halben Stunde begegnen mir vielleicht 20 Menschen. „Hier ist ja noch weniger los als in meiner Stadt“, denke ich, und: „Sieht doch ganz nett hier aus. Schönes Städtchen, dieses Heerlen“ So schlendere ich durch die Einkaufsstrassen und suche eine Abendessengelegenheit.
Doch ich finde keine Fritjes- Bude, laufe dafür an gefühlten 20 Dönerläden vorbei. Hat also die osmanische Fastfoodinvasion auch in der Heimatregion der Kartoffelstäbchen die kleinen Pommesbuden aus dem Stadtbild verdrängt. Schade. Nach Kebap steht mir aber nicht der Sinn, und so einige ich mich mit mir auf den einzig verbleibenden Kompromiss, esse mein mitgebrachtes Käsebrot und gönne mir einen Kaffee im einzig geöffneten Laden der Einkaufsstrasse.
Als ich zum Theater zurückkehre, ist das Foyer schon gut gefüllt. Sarah Bettens 17112008Gegen 20 Uhr nehme ich im Theatersaal Platz. Es ist ein schöner Raum, die Sitzreihen sind mit rotgepolsterten Stühlen ausgestellt, die Wände mit rotem, samtigen Stoff bezogen. Neben der Parterre gibt es 2 Balkonreihen. Die obere bleibt heute aber geschlossen. So groß ist der Zuschauerzuspruch nicht. Das Parterre ist nahezu voll, der offene erste Oberrang nur vereinzelt belegt. Ich schätze mal 500 Besucher sind vor Ort, um sich Sarah Bettens und ihren musikalischen Begleiter Tom Kestens anzuhören. Mehr brauchte es heute nicht. Dazu ein Klavier, ein Keyboard (beides je nach dem von Tom Kestens benutzt, eigentlich immer im Wechsel, so ergab sich ein lustiges Hin- und Her zwischen den Songs), eine Akustikgitarre auch gespielt von Tom) und eine weitere Akustikgitarre und eine E-Gitarre (beide für Sarah).
Als es um kurz nach acht mit den beiden losgeht, eine Vorband gab es nicht, das war aber bekannt, ist der Theatersaal stockdunkel. Die beiden nehmen ihre Plätze ein, Sarah vorne am Bühnenrand auf einem niedrigen Hocker, Tom am Keyboard. Es wird das Bild von Marvin Gaye auf eine rückwärtige Leinwand projiziert und eine kurze Tonsequenz von ihm eingespielt. Dann beginnen Sarah und Tom mit „I heard it through the grapevine“. Die erste Coverversion des Abends.
Das Theaterkonzert wird eine Konzertreise voller Coverversionen. Sarah Bettens nutzt die herbstliche Jahreszeit, um ihre Lieblingslieder aus vergangenen Tagen – eigehüllt in einen seichten Akustikmantel – in diversen Theatern Belgiens und den Niederlanden zu präsentieren.
So wühlt sie sich kreuz und quer durch die Musikgeschichte der letzten 30 Jahre.
Sarah Bettens 17112008Das Schema ist dabei immer gleich: Nach jedem Song geht kurz das Scheinwerferlicht aus, die beiden nehmen ihre Plätze ein (Tom am Klavier oder Keyboard; Sarah je nachdem ob sie Gitarre spielt auf dem kleinen Hocker oder, wenn sie das Instrument nicht benötigt, auf einem Bahrhocker am Klavier) und als Einstimmung zur nächsten Coverversion gibt es einen kurzen Tontrailer des Künstlers. Bei den drei eigenen Kompositionen „I can do better than you“ , „Shine“ und „Slow you down“ erzählt Sarah kurz selbst was zu ihren Liedern.
Zur Hälfte des Sets gibt es, nach „Cry me a river“, eine längere Pause. Zeit für Nikotinnachschub, wenn man ihn benötigt, oder um das Klo aufzusuchen.
Auf der Bühne werden neue Setlist- Zettel ausgelegt. Ich frage mich, ob es mit Coverversionen weitergeht, oder ob die Pause auch einen Bruch im Programm einläutet undSarah Bettens 17112008 nun mehr Sarah Bettens oder gar K’s choice Songs (auf den ein oder anderen warten doch eigentlich alle) gespielt werden.
Jaques Breul und ABBA geben schnell die Antwort. Es geht im alten Stil weiter. Natürlich ist es immer ein Hochgenuss, wunderbar arrangierte Coverversionen zu hören, doch ein wenig mehr Sarah Bettens hätte dem Abend gut getan. So wurde es ein Abend voller persönlicher Lieblingslieder. Ob es die Lieblingslieder aller waren, weiß ich nicht. Ich fand’s phasenweise anstrengend und langweilig. Die Commodores und Prince mochte ich noch nie, und ihre Songs wurden auch im Theater nicht besser.
Und ganz so klein ist doch Sarah Bettens Songkosmos nicht, an Songauswahl hätte es nicht gemangelt. Das auf dieser Tour Coverversionen und Lieblingslieder gespielt werden, war klar, jedoch das war zuviel.
Schade. So war mein mittlerweile fünftes K’s choice / Sarah Bettens Konzert nicht das beste. Sie bleibt meine Lieblingsbelgierin, aber neu verliebt habe ich mich heute leider nicht.

Setlist:
01. Marvin Gaye – I heard it through the grapevine
02. Ella Fitzgerald – Ev’rytime we say goodbye
03. Sarah Bettens – I can do better than you
04. Bill Withers – Just the two of us
05. The Commodores – Three times a lady
06. Stevie Wonder – Don’t you worry ‘bout a thing
07. Captain & Tennille – Do that to me one more time
08. Otis Redding – Sitting on the dock of the bay
09. Julie London – Cry me a river
10. Jacques Brel – Ne me quitte pas
11. ABBA – Money, money, money
12. Sarah Bettens – Win me over
13. Prince – Little red corvette
14. Janis Ian – At seventeen
15. Sarah Bettens – Shine
16. Woodface – I will carry you
17. Counting Crows – A long December
18. Sarah Bettens – Slow you down
Zugabe:
19. Bonnie Raitt – I can’t make you love me

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frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."