| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Weissenhäuser Strand, Ostsee
Bands: Jaill, Get well soon, Airship, K’s choice, Thindersticks, The black keys, Gaslight Anthem

Airship - Rolling Stone Weekender 13.11.2010

Tag 2 von 2:

Der zweite Festivaltag begann am Strand. 100 Meter hinter der Ferienanlage ist das Wasser. Die träge vor sich hindümpelnde Ostsee. Meerluft schadet bekanntlich nicht und ein kleiner Spaziergang zwischen Mittagstisch und Kaffee ist doch die richtige Einstimmung auf den musikalischen Abend.
So dachten auch ganz viele andere Besucher. Ich vermute, so viele Menschen waren zu dieser Jahreszeit noch nie an diesem Strandabschnitt unterwegs. Entweder zu zweit oder zu fünft. Wie ich an den zwei Tagen sehr oft beobachtet habe, schienen das die bevorzugten Gruppengrößen zu sein. Macht ja auch Sinn, die Hauptzimmerkontingente waren zwei oder fünf Personen Apartments. Oder anders: Die Zimmereinteilungen spaltete die Besuchermasse in Pärchen und Freundesbande.
Also ganz grob gesagt und nicht sonderlich ernst gemeint.

Ach, dieser Rolling Stone Weekender gefällt mir immer besser. Das Meer, Musik, Entschleunigung. Der perfekte Kurzurlaub für den Konzertfreund. Was auch am Samstag auffiel: Die Leute waren wegen der Musik hier, die Konzerte waren allesamt gut besucht und den Künstlern wurde die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Ich möchte nicht wissen, wieviel Jahre Musikverstand zum Beispiel bei den Thindersticks im Baltic Festsaal vor der Bühne stand.

Ich hatte es zwei Artikel weiter unten schon erwähnt, Konstantin Gropper von den Indiestrebern Get well soon brachte es auf den Punkt.

„Warum soll man durch die Camping Hölle gehen, wenn man das hier haben kann. Das Festival meiner Träume.“

Recht hatte er, und dass er und seine Musikerkollegen eine ebenso schöne Zeit wie alle an der Ostsee hatten, merkte man ihrer Spiellaune deutlich an. Die war sehr hoch und Get well soon lieferten ein mindestens genauso überragendes Konzert wie tags zuvor The National. Noch kurz bevor die Bayern auf die Bühne gingen, dachte ich insgeheim: „Ach ne, schon wieder Get well soon, viel Lust hab ich nicht drauf“. Aber auf John Hiatt oder Pearly Gate Music noch viel weniger, und so blieb ich im mollig warmen Baltic Festsaal. Bereut habe ich es nicht, denn schon nach sieben Minuten und der oben zitierten Ansage war ich mal wieder begeistert. Genau, mal wieder. Bisher habe ich Get well soon fünf mal live gesehen. Und enttäuscht haben sie mich eigentlich nie.

Doch zuvor schauten wir kurz bei Airship vorbei.
Airship ist eine Teenieband aus Manchester, und wenn alles mit rechten Dingen zugeht, das nächste große Ding aus England. Ihr Debütalbum erscheint Anfang nächsten Jahres, jeder sollte es sich zulegen. Die vier Jungs, ich schätze sie mal auf noch keine 20 lenze, machen untypischen Manchester Sound. Elliott Williams, Tom Dyball (Bass), Marcus Wheeldon (Gitarre, Keyboard) und Steven Griffiths (Schlagzeug) spielen eines der druckvolleren Konzerte des Wochenendes. Ihre T-Shirts sagen, wir mögen The Cure (Elliott Williams) und Biffy Clyro (Marcus Wheeldon). Ihre Musik pendelt irgendwo zwischen ihren Lieblingsbands, Placebo und 90er Alternative Rock. Bisher ist von ihnen eine EP veröffentlicht. Leider war „Algebra EP“ am Merch Stand nicht mehr zu bekommen.
40 Minuten spielten die vier im Rondell alles an die Wand. Es war ein mächtig tolles Konzert, das ich so nicht erwartet hatte. Die kleine Bühne im holzverschlagenen Rondell war also auch Samstag für eine Überraschung gut.
Airship profitierten, wie auch alle anderen Bands, von der zeitlichen Gleichschaltung. Egal, ob um Mitternacht oder um 16 Uhr, jede Band durfte für eine nahezu volle Konzertlänge ran.
Oder, um noch mal Konny zu zitieren: “Wir dürfen 90 Minuten spielen. Wie sollen wir die bloß vollkriegen? Ach was, wir spielen einfach alles, was wir haben.“
Das gab einem die gute Gelegenheit, auch unbekannte Bands ausführlich kennenzulernen. Eine schönes und sinnvolles Konzept seitens des Weekender-Veranstalters. Mit 20 minütigen „Schnupperkursen“ ist doch keinem gedient. Weder Künstlern noch Zuhörern.

Meinen Festivalsabschluss machten K’s Choice. Es war leer geworden im Baltic Festsaal, als die Band um das Geschwisterpaar Sarah und Gert Bettens um kurz nach Mitternacht die Bühne betraten.
Klar, auf der großen Zeltbühne „rockten“ zeitgleich Gaslight Anthem, und morgen wartete auf den ein oder anderen eine längere Heimfahrt. So brannte in einigen Apartments auch schon Licht. Es schien, dass einige Besucher bereits genug Livemusik hatten und sich bereits zurückzogen.
Natürlich darf man auch nicht verhehlen, dass der Alternative Pop der Belgier mittlerweile nicht mehr aktuell ist und auf Dauer sehr langweilig rüberkommen kann. Aber ich mag die Band, und so schaffte ich es, meiner Müdigkeit noch eine Stunde abzuringen. K’s choice sind immer noch die erfolgreichste Band ihres Landes, und dass die Songs aus der „Cocoon crash“ Ära weiterhin ihre Anziehungskraft haben, steht für mich außer Frage. „I believe“, „Everything for free“ oder „Butterflies instead“. Und das anfängliche „uh uh“ von „Not an addict“ ist ja wohl noch jedem im Ohr.
Ein K’s Choice Konzert lebt natürlich von den alten Hits, die Songs des neuen Albums, das letztes Jahr nach gut 10-jähriger Bandpause veröffentlicht wurde, nimmt man so mit. Vielen geht es da bestimmt wie mir. Ich kenne „Echo Mountain“ noch nicht einmal.

Gaslight Anthem, The Black Keys und Jaill komplettierten mein Tagesprogramm. Der hemdsärmelige Rock der Band aus New Jersey (Gaslight Anthem) liegt mir nicht. Ihre im Radio rotierende Single finde ich fürchterlich und auch der halbstündige Konzertauftritt, denn ich im Zelt mitbekam, konnte mich nicht überzeugen. Für so ein Rockzeugs bin ich nicht zu haben.
Dann schon lieber den Bluesrock der beiden Black Keys. In den USA ist ihr Album „Brothers“ in den Top 3 und beim Weekender spielen sie ihre einzige deutsche Headliner Show, wie das Programmheftchen berauschend anmerkt. Dan Auerbach und Patrick Carney sind die Black Keys, und was für eine Dynamik die beiden mit Schlagzeug und Gitarre entfachen, ist sehr beachtenswert. Viele Stücke ihres Sets spielen sie nur zu zweit. Das ist toll und mitreißend, das Schlagzeug dröhnt bombastisch und die Gitarre ist brachial, aber leider auch blueslastig. Und Blues mag ich so gar nicht.
Und zwei Mal nicht mögen heisst dann eben auch zwei Konzerte nicht gucken. Dafür war die Konkurrenz zu groß.

Den Rolling Stone Weekender in dieser Form sollte man auf dem Festivalzettel haben. Alles sehr schön hier.

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
K’s Choice – Hamont, 06.08.2009
Sarah Bettens – Köln, 09.12.2007
Sarah Bettens – Heerlen, 17.11.2008
Get well soon – Heerlen, 07.03.2010
Get well soon – Köln, 26.02.2010
Get well soon – Nijmegen, 25.04.2009
Get well soon – Köln, 07.12.2008
Melt! 2007

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."