| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Parc del Forum, Barcelona
Bands: Friends, Archers of loaf, Mudhoney, The Afghan Whigs, Kleenex girl wonder, The xx, Franz Ferdinand, Japandroids

Dreimal ist Tradition. So oder so ähnlich sagt man doch, oder?! Zum dritten Mal besuchten wir dieses Jahr das Primavera Sound Festival, zum dritten Mal verließen wir nach vier Tagen Musik mächtig beeindruckt Barcelona. Auch wenn es dieses Jahr kein großes P zu bestaunen gab (das 2010 P, das 2011 P), dieses Festival auszulassen stand selten zur Diskussion. Als dann gegen Ende des letzten Jahres The Cure als eine der großen Bands bestätigt wurde, waren alle Argumente hinfällig. Wem von uns bis dahin noch ein „ach ich weiss nicht“ in den Sinn kam, der wurde mit „und Saint Etienne“ überrumpelt. Saint Etienne bereiteten uns bei den Reiseplanungen die größten Kopfschmerzen. Ihr Konzert war am Tag vor des eigentlichen Festivals in einem Park in Barcelona angesetzt worden, ein Flug früh am Mittwochmorgen war das Übel, das wir eingehen mussten um die britische Ausnahmeband am Abend nicht zu verpassen. Flugpläne von Billigairlines sind ein Graus, aber ihre Flüge bei geschickter Buchung eben auch günstig. Es blieb die einzige Reiseschwierigkeit, das Hotel in geeigneter Nachtspaziergangnähe zum Festivalgelände war unproblematisch aufzutreiben. Dass dann Saint Etienne aufgrund des kurzzeitigen Ausfalls von Björk erst am Samstagabend spielen sollten, geschenkt, so war uns das Konzert von The Wedding Present, die ebenfalls am Mittwochabend am Arc de Triomf auftraten, sicher.
Mein erster Festivalabend begann mit Friends. Die Band aus New York war gegen 19 Uhr unser anvisiertes Einstiegskonzert in das Festival. Aus irgendwelchen Gründen wollte ich mir im Frühjahr ihren Auftritt in Köln angeschaut haben, habe es dann aber verpasst. Nun bot Barcelona die Gelegenheit, dieses nachzuholen. Nach guten 20 Minuten hatte ich jedoch genug gesehen, viele weltmusikähnlichen Klänge vertrieben mich zügig von der zweitgrößten Festivalbühne.
Friends wurden nicht meine Freunde (nein, das Wortspiel muss sein!). Unabhängig davon hatte ich eh die Absicht, mir eine andere Band in voller Länge anzuschauen: Archers of loaf. Zugegeben, den Namen hörte ich vor Monaten zum ersten Mal. Ich hatte mir in diesem Jahr vorgenommen, mich auf das Festival besser vorzubereiten, und mir beinahe alle Bands daheim anzuhören, um nichts interessantes zu verpassen. Archers of loaf kamen so in meinen Fokus. Die Band um Sänger Eric Bachmann hatte ihre Hochzeit Mitte der 90er Jahre und macht das, was gemeinhin als Collegerock bezeichnet wird. In Zeiten, in denen Pavement umjubelte Reunionkonzerte geben ließen sich nicht lumpen, und feierten ihre Reunion. Warum ich vor 20 Jahren nicht auf diese Band aufmerksam wurde, es ist mir schleierhaft.

Nach ihrem Auftritt hatte ich das größte Festivaldilemma. Um 21 Uhr sollten gleich drei vier Bands spielen, die ich mir alle ansehen wollte: Bleached, Lee Ranaldo, Grimes und The Afghan Whigs. Lee Ranaldo und Bleached schieden aus den Top vier schnell aus, der Sonic Youth Gitarrist gastiert in einigen Wochen in Köln, Bleached spielten am Festivalsamstags nachmittags noch ein Konzert in einem Park in Barcelona. Hier gibt es also noch Chancen, diese beiden Künstler zu sehen. Bei Grimes und den Whigs gibt es diese Optionen nicht, meine Wahl fiel jedoch eindeutig auf die Afghan Whigs. Schließlich war ihre Reunionshow eine der Hauptgründe, nach Spanien zu fliegen. Ein Bühnenhopping kommt für mich nicht in Frage. Hier mal 20 Minuten, dort eine halbe Stunde, das funktioniert bei mir nicht. Nur ein Konzert von Anfang bis Ende kann magisch oder blöd sein, zwischendrin herausgerissen zu werden versaut alles und da mich beide Konzerte zu sehr interessierten und ich mich faszinieren lassen wollte, musste ein Künstler daran glauben. The Afghan Whigs überzeugten sehr, daher scheine ich alles richtig gemacht zu haben. 1996 auf dem Haldern Open Air sah ich sie zum letzten und einzigen Mal, seit Wochen freute ich mich auf ihren Primavera Auftritt. Die Afghan Whigs, obwohl etwas angesoult in ihren Gitarrenrock, gehören zu meinen Lieblingsbands. 1965, ihr 1998 erschienenes fünftes Album ist eines meiner Allzeitfavoriten. „Crazy“ und „Uptown again“ spielten sie auch an diesem Abend, dazu einige viel ältere Sachen. Greg Dulli wirkte bei alledem frisch und fit, er scheint die Rock’n’Roll Jahre nun wirklich hinter sich gelassen zu haben. Vielmehr muss über diese Band nicht gesagt werden, sie waren groß und sie sind großartig.

Gleiches gilt für die nächste Band, Mudhoney. Obwohl ich sie erst vor einer Woche gesehen hatte war klar, das ihr Konzert genauso gesetzt ist wie das der Afghan Whigs. Koste es, was es wolle. Der Barcelona-Preis hieß Mazzy Star (die ebenso zeitgleich auftretenden Death cab for Cutie spielten in meinen Planungen nie eine Rolle), die ich leider verpassen musste. Mudhoney spielten eines der Festivalkonzerte des Jahres. Ihre fuzzy Gitarren schraubten sich in den Nachthimmel, es war ein Fest. Genau wie in München war es eine Art Best-of Set, das keinen Wunsch offen ließ. Mudhoney funktionieren auch 2012 noch dermaßen gut, dass ihre Konzertbesuche unbedingte Empfehlungen sind. Eine Stunde lang gab es gut was auf die Ohren, die ATP Bühne bebte.

Nicht weniger laut, aber vor viel weniger Menschen fand mein nächstes Konzert statt. Kleenex girl wonder. Kennt die jemand? Ich bis vor fünf Tagen nicht. Das ein Mann Projekt von Graham Smith machte mich mächtig neugierig, nachdem ich einige Videos gesehen und gehört hatte. Und Kleenex girl wonder enttäuschten nicht. Erwartungsgemäß traf Lo-Fi auf spaßige Ansagen und schrullige Songs. Ihre Titel heißen „Why i write such good songs“ oder „I’m pregnant“. Indie, wie er sein muss: sich selbst nicht zu ernst nehmend, schöne Melodien und schiefer Gesang. Nach dem Mudhoneylärm eine wohltuendes Kontrastprogramm vor der überschaubaren Vice Bühne. Als wir vor der Bühne ankamen spielten Kleenex girl wonder bereits. Ich hörte Gesang, entdeckte aber keine Mikrofon bis mir auffiel, das Graham Smith neben einer Gitarre mit abgesägtem Gitarrenhals auch ein Headset trug. Okay das passt. Nach knappen vierzig Minuten wollten sie dann die Bühne verlassen, durften aber nicht. Sie hätten noch 5 Minuten Spielzeit, also müssten sie noch etwas spielen. Es gibt schlimmere Zwänge, als Kleenex girl wonder nochmals auf die Bühne zu schicken. Wir blieben gerne und machten uns anschließend auf den langen Weg an das andere Ende des Festivalgeländes.

The xx waren dort angesetzt. Vor zwei Jahren haben wir die drei hier schon einmal gesehen, damals vor einer kleineren Bühne. 2012 spielen sie vor 10000 Leuten auf der zweitgrößten Festivalbühne. In ein paar Tagen erscheint ihr zweites Album, wir erhofften uns, einige neue Songs bereits hören zu können. Aus einigen wurden fünf neue Stücke. Fazit: The xx klingen weiterhin wie The xx. Das ist gut so.

Nach The xx ist vor Franz Ferdinand. Die Schotten waren der letzte große Act der ersten Festivalnacht. Lange, wirklich sehr lange hatte ich keinen Franz Ferdinand Song mehr gehört. Bewusst wurde mir dies, als „Michael“ und „Take me out“ gespielt wurden. In diesen Momenten war es definitiv das stimmungsvollste Konzert des diesjährigen Primavera Sounds. Auch wenn Alex Kapranos mit schlechter Stimme (aufgrund einer Erkältung) unterwegs war, „i‘m losing my voice“ hörte ich ihn mehr als einmal sagen, gestört hat es ihren Auftritt nicht. Es gab ja noch textsicheres Publikum und Nicholas McCarthy und Paul Thomson, die gefühlt mehr sangen als der Franz Ferdinand Sänger.
Nach einer Stunde Hauptbühne machte ich mich auf den Weg. Nein, das Hotel musste noch warten, die Japandroids zogen mich erneut zur Vice Bühne. Genau wie The xx veröffentlichen auch sie diesen Sommer ihr zweites Album „Celebration Rock“. Leider verpassten wir am Samstagabend die Gelegenheit, es am Merchandisestand zu kaufen. Und wie bei den x’en auch hier: alles beim alten. Gitarre, Schlagzeug, Krach. Passt!
Um halb vier Uhr morgens braucht es auch nicht mehr.

Setlist Archers of loaf:
01: Wrong
02: Plumbline
03: You and me
04: Might
05: Lowest part is free
06: Freezing point
07: Smoking pot in the hot city
08: Greatest of all time
09: Web in front
10: Nostalgia
11: Fabricoh
12: Worst defense
13: Audiowhore
14: Harnessed in slums
15: Floating friends

Setlist The Afghan Whigs:
01. Crime scene
02. Slave
03. Uptown again
04. Fountain and fairfax
05. Going to town
06. We twao parted / Dead body
07. Gentleman
08. Crazy
09. My enemy
10. See and don’t see
11. Love crimes
12. 66
13. Miles iz dead
14. Into the floor

Setlist Japandroids:
01: The boys are leaving town
02. Adrenaline nightshift
03: Younger us
04. Fire’s highway
05: Rockers east Vancouver
06: The nights of wine and roses
07: Wet hair
08. Evil’s sway
09: The house that heaven built
10: Young hearts spark fire
11: For the love of Ivy

Multimedia:
Flickr-Photos San Miguel Primavera Sound 2012

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."