- Seit 2002 Dinge über Musik -

Ort: Parc del Fòrum, Barcelona
Bands: Spiritualized, Belle & Sebastian, The sea and cake, Hinds, Ezra Furman, Sparks, Kelela, Björk, Josh T. Pearson, John Maus, Sevdaliza, Thundercat, Charlotte Gainsbourg, Ride, Car Seat Headrest, Jane Birkin, Belly, Grizzly Bear, Kyle Dixon & Michael Stein, Shellac, Yellow Days

A ha, bei Mango verkaufen sie jetzt auch Klamotten. Eine an und für sich banale und belanglose Feststellung, es sei denn, ich treffe sie im Parc del Fòrum auf dem diesjährigen Primavera Sound Festival. Schallplatten, ja, Poster, ja, allerlei Merchandise, ja, was zu essen und trinken, ja klar, aber Klamotten konnte man – abseits von Bandshirts – hier bisher noch nicht kaufen. 2018 geht das also. Dafür suche ich den Stand mit den Ohrstöpseln vergeblich.
‘Ach, die Musik ist auch nicht so wichtig auf dem Festival!‘, könnte man jetzt gehässiger Weise denken, mit dem Kopf nicken und sagen: ‘Hab ich es doch gewusst, das Primavera ist komisch geworden.‘
Dem muss ich jedoch leider entgegnen: ‘Nein, es ist nicht komisch geworden. Es hat sich vielleicht ein bisschen verändert, aber die Musik steht immer noch im Vordergrund und sie ist nach wie vor wichtig!‘

Gilt auch für mich. Ich versuche jedes Jahr aufs Neue, möglichst viele interessante Bands zu sehen und – wenn es irgend möglich ist – alle besonderen Konzerte in den verschiedenen Spielstätten der Stadt, mitzunehmen. Aber in diesem Jahr war mein Primavera sehr reduziert. Leider, muss ich sagen. Das hatte aber nur etwas mit mir zu tun, nicht mit dem Festival. Lorde, die Monkeys (f.k.a. Arctic Monkeys), Public Service Broadcasting und Abra – um nur einige zu nennen – hätte ich schon gerne gesehen. Blöderweise hat mich am Reisetag eine fiese Erkältung gepackt, die mich in Barcelona zum Abwägen zwang. Sehe ich heute Nacht noch Nils Frahm oder geh ich zeitig ins Bett, um morgen nicht ganz dazuliegen und die und die und die Band sehen zu können? Eine Frage, die mich über die gesamten Tage begleitete und die immer mit einem zeitigen Verlassen des Geländes beantwortet wurde. Ich werde halt nicht jünger, aber scheinbar vernünftiger.

So blieb es bei viel zu wenig gesehenen Künstlern und Bands. Beklagen möchte ich mich aber nicht zu sehr, denn auch 2018 habe ich viele spannende und gute Sachen gesehen:

Das Primavera 2018. Dieses Jahr 5 Tage. Von Dienstag bis Samstag.
Kenner des Festivals mögen jetzt direkt fragen: und warum nicht Sonntag? Sonntag ist der Tag der kostenfreien Konzerte im Stadtzentrum von Barcelona. Eigentlich sehr schön, eigentlich immer gemütlich und ein willkommener Primavera Ausklang. Aber in diesem Jahr war das Konzertangebot auf dem Platz hinter dem CCCB im alten Stadtkern von Barcelona nicht meins und der Montagsrückflug eindeutig zu teuer.
Die nächste Frage, die es zu beantworten gilt, ist die nach dem Dienstag. Das Festival beginnt offiziell erst Donnerstag, am Mittwoch steigt der offizielle Eröffnungsabend mit freien Konzerten im Parc del Fòrum. Bisher reichte es, am Mittwoch anzureisen und dann gemütlich in das Primavera Sound hineinzugleiten. Die Clubkonzerte, die ab Montag all überall in der Stadt angeboten wurden (und zum erweiterten Rahmenprogramm des Primavera gehörten), standen bei meinen vorherigen besuchen nie zur Debatte.

In diesem Jahr allerdings waren eine meiner Lieblingsbands für den Dienstagabend im Sala Apolo angesetzt: The sea and cake. Die Band der älteren Männer in Krempelhosen. Die wollte ich mir nicht entgehen lassen. Und da das Hotel überraschend günstig war, und die Flugverbindungen ähnlich gut wie am Mittwoch, wurde der Dienstag eine Option.Es war nicht schwierig, in den Sala Apolo zu kommen. Der Andrang hielt sich in Grenzen. The sea and cake spielten gegen 22 Uhr, zuvor buhlten einige polnische Bands um die Gunst der Besucher. Coals nahmen wir kurz mit, alle anderen bleiben für uns verschlossen. Es ist für mich immer schwierig, nach einem anstrengenden Anreisetag abends noch genug Motivation aufbringen zu können, ein Konzert zu sehen. Erst recht, wenn ein Festival vor der Brust liegt. So war ich schon froh, The sea and cake doch nicht sausengelassen zu haben. Bei aller Fan Liebe, Müdigkeit ist ein Biest, das ich oft unterschätze.

Dass die Band um Sam Prekop nach Jahren ein weiteres Album gemacht hat, kam für mich überraschend. Noch im Herbst letzten Jahres sagte der Bandleader nämlich folgende Sätze in einen Journalistenblock:

Es ist schön, nicht mehr zu singen – ich konzentriere mich auf die Musik. Sich um den Gesang zu sorgen, ist ganz anders als die Musik zu schreiben – das macht es schön. Mit dem Gesang nicht mehr zu tun zu haben, ist erleichternd. (Quelle: DLFKultur)

Das klang für mich nun wirklich nicht gerade nach einem weiteren Sea and Cake Album. Dann kam es aber und ich freute mich sehr über Any day und neue Songs dieser für mich zeitlosen und nach Erwachsenenpop klingenden Band aus Chicago. Seit 1993 gibt es The sea and cake und keines ihrer zwölf Alben ist langweilig. Die Barcelona Setlist war ein schöner Abriss ihrer Alben, das einstündige Konzert ein guter Start in das diesjährige Primavera Sound Festival.

Setlist:
01: Afternoon speaker
02: Cover the mountain
03: Earth star
04: Midtown
05: Circle
06: Harps
07: Day moon
08: New patterns
09: An echo in
10: Any day
11: I should care
12: These falling arms
13: The argument
Zugabe:
14: Parasol

Erstmals war am Mittwoch das Auditori geöffnet. Der 3000 Menschen fassende Konzertsaal ist einer meiner lieblingsorte; die Sitze sind gemütlich und das Innenleben – sprich der Konzertsaal – von imposanter Größe. Dadurch, dass es keine unterschiedlichen Ebenen und abgetrennten Bereiche gibt, schiebt sich der Zuschauerraum wie ein Keil von der Bühne weg. Das Auge bekommt keine Kanten oder Brüche zu sehen und es entsteht dieser beeindruckende Blick, den ich so mag.

Spiritualized waren mal wieder zu Gast. Vor einigen Jahren sah ich sie hier auf einer der Bühnen das letzte Mal. In diesem Jahr spielten sie mit Orchester im ganz großen Stil. Im ganz Großen!Das war laut! Und wow! Zusammen mit einem Orchester und Chor bespielte Jason Pierce und Band das Auditori. Zum ersten Mal öffnete der Konzertsaal am Mittwoch die Türen für Primavera Ticketinhaber. Das gab es bisher noch nicht, entzerrte aber den ersten offenen Abend im Parc del Fórum. Denn bei freiem Festivaleintritt berstet der Platz vor der Primavera Bühne schnell über. Verständlich, wenn dort Bands wie Suede, Saint Etienne, OMD oder wie in diesem Jahr Wolf Parade und Belle & Sebastian auftreten. So waren es schon mal 2500 weniger, die den Platz bevölkerten und sich stattdessen im Auditori in gemütlichen Sesseln räkeln durften. Alles, was es dafür brauchte war ein kleines Ticket, das man – vorausgesetzt man hatte ein großes Festivalticket – nachmittags für schlappe 2 Euro am Gelände kaufen konnte. Wir hatten Glück und ergattern eins. Glück, weil der Andrang vor der Ticketbude riesengroß war. Ich habe selten eine so lange Schlage beim Primavera erlebt. Und ich habeschon viele Schlangen hier gesehen, das könnt ihr mir glauben!

Ladies and Gentlemen, we are floating into space.

Die Mischung aus Gitarrenwänden, Geigen und engelhaften Chorstimmen passte wie die Faust aufs Auge. Jason Pierce dirigierte Band und Orchester von der Seite aus in vollendeter Art und Weise. Junge, Junge, das war eine gelungene und angemessene Umsetzung des Spiritualized Sounds. Das Auditori schwebte, der Jubel nach einer Stunde war riesengroß.
Aus unbekannten Gründen kam die Band nicht mehr zu einer Zugabe zurück, obwohl alle Planungen darauf hinaus liefen. Setlist und Zeitplan ließen noch 2 Songs zu. Egal, das Haar in der Suppe tauchte schnell unter und war nicht mehr wichtig. Spiritualized lieferten einen wunderbaren Start ins Primavera, einen Wall of Sound, wie ich ihn bis dato noch nicht gehört habe.

Und da ich schon mal vor Ort war, konnte ich Belle & Sebastian doch auch mitnehmen. Ich mag die Schotten nicht sonderlich, finde ihren Bubblepop arg langweilig. Aber mit ein bisschen Abstand zu der Bühne und dem lauen Sommerabend im Nacken tat es nicht allzu weh, ein paar Minuten vor der Bühne auszuharren und den Mittwoch ausklingen zu lassen. Dann reichte es aber auch.

Donnerstag.
Es ist seit langem ein Primavera, bei dem ich nicht nachmittags am Festivalgelände bin. Der Grund ist leicht erklärt: es gibt dafür keinen Anlass. Ein Anstehen für Tickets für die Hidden Stage fiel dieses Jahr genauso aus wie das Anstellen für Tickets für Auditori Konzerte. Die Hidden Stage ist 2018 nicht mehr hidden, sondern liegt direkt gegenüber der Primavera Bühne und der Eintritt bedarf keinerlei Zugangstickets, und im Auditori fanden am Festival Wochenende keine Konzerte statt.
Bang! Das waren mal zwei Neuigkeiten!

So reichte es, Donnerstag, Freitag und Samstag das Gelände erst gegen Abend aufzusuchen und den Nachmittag auf der Rambla del Poblenou oder am Strand zu verbringen.
Hinds am Donnerstag um gegen 19 Uhr war unser Festivalauftakt. Gefühlt geht die spanische Bands auf der großen Seat Bühne, die an diesem Abend nur durch Frauenbands bespielt wird, komplett unter. Zu kleine Band, zu große Bühne. Ein Manko, das viele große Festivals haben.

Ezra Furman macht viel Lärm. Die Sonne scheint ihm ins Gesicht und uns in den Nacken. Der Mann aus Chicago erinnert mich ein bisschen an Conor Oberst. Ich glaube, es ist die Art wie er singt, die mich zu diesem Vergleich hinreißen lässt. Sein queer- Elektro Rock klingt spannend, braucht aber weniger Sonnenschein. Ezra Furman war aber definitiv zu früh am Tag angesetzt. Wir sitzen auf den Steinstufen und schauen aus der Ferne zu. Der Tag will langsam begonnen werden, später folgen ja noch Sparks, Kelela und…

Björk.
Wer was sehen will, muss früh da sein. Entsprechend viel Zeit planten wir vor dem Konzert ein und waren eine Dreiviertelstunde vor Konzertbeginn vor der Seat Bühne, der größten des diesjährigen Primavera Sounds. Ich war gespannt, was die Isländerin bieten wird. Lange hatte ich Björk nicht mehr gesehen, das letzte Mal war es im Airport von Boston, als sie beim Einchecken für einen Flug nach Reykjavik zwei Meter hinter mir stand.Es begann mit Naturklängen. Vogelgezwitscher und Wasserplätschern. Björk spielte im Vollkostümierung und Maske eine Stunde lang Songs, die ich bis auf zwei nicht kannte. „Isobel“ und „Human behaviour“ wurden somit konsequenterweise meine heimlichen Favoriten des Konzertes. Was aber nicht bedeutet, dass die anderen 12 Songs schwach waren. Ich vermute, sie stammen größtenteils vom aktuellen Album Utopia.
Die Bühne gleicht einem botanischen Garten. Aus einer Seerose entstiegen Tänzerinnen, hinter akribisch positionierten Bäumen und anderem Grünzeug spielte die Band. Die Bühne war ein wahrer Augenschmaus. Dazu eine überdimensionale Leinwand, die man mit einem Augenblick nicht gänzlich erfassen konnte. Hier flimmerten weitere Naturszenen in Zeitlupenoptik und/oder im Makrozoom gefilmt.
Nach einer knappen Stunde ist das Konzert vorbei. Es war schön, vielleicht ein bisschen zu kurz.

Die Sparks und Kelela zuvor sind schön anzusehen. Kelela ist die neue R’n’B Queen, da lege ich mich mal fest, und die Sparks machen die Primavera Bühne zur Disco Area. „When do I get to sing My Way“ und „This town ain‘t big enough“ sind große Smash-Hits und als sich Ron Mael das einzige Mal von seinem Keyboardhocker erhebt, seinen Schlips ins Publikum wirft und stakkatohaft tanzt, grölt die Menge. Die Sparks sind wunderbar! Das Publikum ist wunderbar! Es ist das perfekte Festivalkonzert. Solche Konzerte gehören zu Festivals wie ein Bikini zum spanischen Frühstück. Es macht einen Riesenspaß, hier mittendrin dabei zu sein.

Kelela sah ich hier vor einigen Jahren schon einmal. Damals noch auf der kleinsten Festivalbühne und mit nur einer EP im Gepäck. Doch bereits seinerzeit brummte der Bass, floss der Blues. 2018 hat sich daran nichts geändert. Gut, dass Outfit ist eleganter, die Ray Ban Bühne 30 Nummern größer und die Menschen davor enthusiastischer. Aber musikalisch – und das ist ja wichtig – brummt der Bass weiterhin und fließt der Blues unverändert schön. Kelela wird ein Superstar!

Freitag
Mit dem Wegfall des exklusiven Konzeptes der Hidden Stage geht zwar ein bisschen das Besondere flöten, bietet aber für die Nachmittagsgestaltung ungeahnte Möglichkeiten. Es bleibt Zeit, nach dem Frühstück einen Ausflug zu machen, oder sich nachmittags in ein spanisches Restaurant zu verziehen, um in Ruhe Paella und Botifarra zu essen. Sachen, die bei den letzten Primavera Besuchen viel zu kurz kamen. Apropos Essen. In diesem Jahr gab es auch auf dem Festival exklusives Essen. Das sogenannte Primmmavera lud ein, sich von bekannten Köchen Barcelonas das Essen zubereiten zu lassen. Gegen nicht ganz billige Reservierungen konnte man jeweils nachmittags und abends in eigens errichteten Popup Restaurants speisen. Da gab es dann auch Paella, aber anstatt Bohnen mit Wurst Wein vom Sommelier César Cánovas, dem Gewinner des Golden Nose Awards ins Spanien. An jeweils einem Tag kochten Douglas McMaster, Eduardo García, und der 2-Sterne Koch Diego Guerrero. Ich steh nicht so auf Gourmetessen, Essen ist für mich eher eine Notwendigkeit des Überlebens, daher kann zu den angebotenen Delikatessen nichts sagen.
Die Paella und Eintöpfe, die wir hatten, waren aber alle köstlich. Daher empfehle ich einen Besuch der Restaurants auf der Rambla del Poblenou und den umliegenden Gassen.

Essen ist wichtig, Musik aber auch.

Josh T. Pearson spielt auf der Hidden Stage. Es ist so ein Konzert, das man so auf Festivals mitnehmen kann. Extra wegen dem Amerikaner würde ich nicht früh aufstehen, aber hier und jetzt passte sein Konzert in meinen Zeitplan.

Später wollte ich noch zu John Maus, und da ich mir den langen Weg hin und zurück vom anderen Festivalgelände, wo Waxahatchee zeitgleich spielten, schenken wollte, entschied ich mich für einen Besuch der Hidden Stage. Josh T. Pearson hatte ich noch nicht live gesehen, ein Grund mehr, das nachzuholen. Ich assoziierte Country und Folk mit dem Amerikaner. Das ist aber falsch. Zwar hatte er einen Midlake Gitarristen an seiner Seite, aber sein Set war mehr Americana-Rock als Folk. Ich fand es sehr unterhaltsam, auch wenn seine Ansagen und Zwischenbemerkungen etwas merkwürdig waren.John Maus ist irre. Wie wild hüpft er zu seinen Synthiebeats in die Luft, schlägt sich wie wild mit der Faust auf die Brust und brüllt die Texte in sein Mikrofon. Leider höre ich davon kaum etwas, denn am Rand der Bühne stimmt es mit der Mikrofon-Box-Verbindung nicht. Sein Gesang ist viel zu leise. Trotzdem imponiert mir seine Energie, sein Wagemut, sich auch körperlich so in seine Musik hineinzuversetzen, dass es für andere komisch aussehen könnte. Um mich herum lachen und grinsen einige. Nun, sie haben nix verstanden.

Yellow days hatte ich Tage zuvor erst kurz kennengelernt. Der Frühabendslot bot Freiraum, sich den jungen Mann anzuschauen. King Krule scheint das Vorbild, musikalisch erinnerte er mich sehr an den jungen Briten, der mich an gleicher Stelle im letzten Jahr begeisterte.Doch weiter zur iranisch-niederländische Künstlerin Sevdaliza. Ein besonderer Auftritt der Sängerin, die zur visuellen Begleitung einen Tänzer dabei hatte, der wahnsinnige Moves auf das Bühnenparkett legte. Musikalisch möchte ich den Elektropop als eher unspektakulär einordnen, die Show aber, die war phantastisch.

Shellac waren die einzige amerikanische Rockband, die ich dieses Jahr auf dem Primavera sah. Unglaublich, aber wahr.

Ein Wunschkonzert und must-see Auftritt von mir war Thundercat. Drunk ist ein gnadenlos gutes Album. Neben Kamasi Washington ist Thundercat der zweite Jazz Dosenöffner, den ich in den letzten Jahren schätzen gelernt habe. Beide haben Verflechtungen in die West Coast Rap Szene, das hört man. Bei Thundercat mehr als bei Kamasi Washington. Sein Auftritt fasziniert, musikalisch wie visuell.

Thundercat did what he does best, taking his hook-laden, funk melodies and blasting them into interstellar jazz-dimensions, by freestyling-the-fuck out of everything, mesmerizing the crowd with his bass-guitar wizardry. (Quelle: XLR8R)

Ride sind laut. Ich höre die letzten Klängen ihres Konzertes auf der Hidden Stage auf dem Weg von der Ray Ban zur Primavera Bühne, wo ich noch ein paar Augenblicke Charlotte Gainsbourg erhaschen möchte. Zu mehr reicht es aber nicht. Zum einen macht mir ihr Auftritt nicht so viel Spaß wie ich dachte, zum anderen schleppe ich dieses Halskrächzen mit mir rum und ich fühle mich irgendwie hundemüde. Morgen ist ja auch noch ein Tag, also ab ins Hotel.

Samstag
Der Samstag ist schnell erzählt. Der Tag der großen Headliner brachte für mich keine großen Namen.
Neben Car Seat Headrest interessierten mich an diesem Tag in der Hauptsache Belly, die ich nach mehr als 20 Jahren gerne nochmal live sehen wollte, und Grizzly Bear. Auf die Optionen Arctic Monkeys, Deerhunter und Beach House zu späterer Stunde musste ich leider verzichten. Diese dämliche Erkältung knebelte mich mehr, als mir lieb war. So blieb es nach einer frühen Anreise bei einem frühen Abflug ins Hotel. Beim besten Willen, es ging nicht mehr.Bevor es jedoch zum Parc del Fòrum ging, galt es, einen neuen Spielort des Primavera zu entdecken: Das L’Auditori Barcelona. Dieser schöne Brutalismus Zweckbau versteckt sich ein wenig vor den Blicken der Touristen in einer der Seitenstraßen des Plaça de les Glòries, und liegt damit nur einen kurzen Fußweg von unserem Hotel entfernt. In diesem Konzertsaal, der ein wenig an die Kölner Philharmonie erinnert, spielten am Freitag- und Samstagnachmittag die Musiker Kyle Dixon und Michael Stein ihren Stranger things Soundtrack. Netflix habe ich nicht, daher kann ich zu der Serie nichts sagen. Der Soundtrack ist aber toll, und die beiden Keyboards und anderen elektronischen Geräte verbreiteten einen gespenstigen Sound im nachmittäglichen, sonnigen Barcelona. Das hypnotische Leuchtstoffröhrengeflacker tat sein Übriges, um den Soundtrack visuell passend zu untermalen. Gut, dass das Konzert indoor stattfand und gut, dass das L’Auditori Barcelona so schön gemütlich und bequem ist. Das hat Spaß gemacht.

Belly. 1990er Jahre Alternative-Indie-Rock Pop. „Feed the tree“ hörte ich damals rauf und runter, das zugehörige Album Star allerdings weniger intensiv. Belly bauten mir nie so richtig eine Brücke, über die ich Zugang zu ihrer Musik bekam. Manchmal waren sie mir zu seicht, manchmal zu gewöhnlich. 1993 gab es so viel spannende Musik, dass für Belly kaum Platz blieb. 2018 sind die beiden Frontfrauen Gail Greenwood (die nach wie vor das L7 Posing im Blut hat – ihr Gitarrenspiel erinnerte mich stark an das letztjährige L7 Konzert im Kölner Underground) und Tanya Donelly die Eyecatcher. Zusammen mit Chris und Thomas Gormann spielt Belly in der Originalbesetzung. Die Setlist bestand hauptsächlich aus Star und Dove Sachen. Dove ist Belly’s aktuelles Album und ich frage mich, wer diesen 1990er Jahre Alternative-Rock heutzutage noch hört.

Unseren Abschluss des diesjährigen Primavera Sounds bildeten Grizzly Bear. Kann es schöneres geben, als im nächtlichen Barcelona auf den Steinplätzen am Ende der Ray Ban Bühne zu sitzen und dem Knuddelpop der Kanadier zuzuhören? Ich denke ‘nein‘, und deswegen werde ich auch 2019 wieder nach Barcelona fahren, um diesen und viele andere Momente und Eindrücke zum 10. Mal in Folge aufleben zu lassen.

Und dann war da noch Jane Birkin und das spanische Orquestra Simfònica del Vallès. Ein Versuch, E-Musik auf die große Bühne zu bringen. Leider scheiterte das Unterfangen hinsichtlich der Zuschauergunst. Nachdem die ersten Neugierigkeits- und ich-war-da Fotos geschossen waren, leerte sich der Bereich vor der Mango Bühne doch sehr schnell. Auch ich musste zeitig los, Belly wartete, und auf dem Weg über das Gelände stellte ich fest, dass sich mehr Menschen im Food Court als vor der Seat Bühne aufhielten. Schade. Aber das Essen war dieses Jahr scheinbar zu gut, wie ich in diesem Blogeintrag lese.

Kontextkonzerte:
Hinds – Köln, 24.08.2016 / Gebäude 9
Hinds – Pop-Kultur Festival Berlin, 26.08.2015
Jane Birkin – Dortmund, 14.02.2008 / Konzerthaus
Car Seat Headrest – Dortmund, 21.08.2017 / FZW
Car Seat Headrest – Köln, 16.03.2017 / Gebäude 9
Car Seat Headrest – Primavera Sound Festival Barcelona, 02.06.2016
Grizzly Bear – Brüssel, 14.10.2017 / AB
Grizzly Bear – Köln, 02.11.2012 / Essigfabrik
Shellac – Primavera Sound Festival Barcelona, 29.05.2014
Björk – Melt!, 20.07.2008
The sea and cake – Primavera Sound Festival Barcelona, 25.05.2013

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."