| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Parc del Forum, Barcelona
Bands: The Chameleons, Rufus Wainwright, I break Horses, The Cure, Dirty three

Der Cure Tag. Segen und Fluch zugleich. Die knappen drei Stunden Cure Konzert, Entschuldigung, The Cure Konzert, hingen über dem Tag wie das Erreichen-Müssen des Viertelfinales über der polnischen Fussballnationalmannschaft.
Wie würde sich der Ablauf davor gestalten? Wie viel Luft ist danach noch drin? Angesichts des Programms und der Masse an offensichtlichen The Cure Sympathisanten berechtigte Fragen, die einen so beschäftigen. Nach der krankheitsbedingten Absage Björks waren The Cure der einzig große Headliner des Festivals. Und die planmäßig angesetzte Zeit schien den älteren Herren immer noch nicht genug. Tags zuvor wurde bekanntgegeben, dass sich der The Cure Auftritt um 20 Minuten verlängern sollte. Statt um halb eins war er jetzt bis kurz vor ein Uhr terminiert. Ein schier unendlich langes Brett, welches uns da aufgebrummt wurde. für alle The Cure Hardliner selbstverständlich ein Fest, für alle anderen vielleicht nicht. Aber wohin dann? Zeitgleich gab es nicht die ebenbürtigen Alternativen: Sleigh bells und War on drugs? Ach nö, Liturgy und Napalm death? Nicht wirklich. Die Melvins wären eine Möglichkeit gewesen, doch leider hatten sie ihren Auftritt kurzfristig abgesagt. Blieben unter Umständen Wavves und Codeine als The Cure Brecher, also für den Fall, dass ich nach einer Stunde genug der vom Treiben der Hauptbühne haben sollte. Genau, warum nicht einfach mittendrin einen kompletten anderen Auftritt gucken. Das klang doch gut und setzte sich als fixe Idee fest. Aber erst einmal galt die volle Konzentration The Cure.
Da der erste Tag spät bzw. früh am Morgen endete fiel es schwer, sich zeitig aufzuraffen. Überdies lud das Eröffnungsprogramm nicht unbedingt dazu ein, gegen 18 Uhr im Parc del Forum aufzulaufen. Wir entscheiden uns dazu, The Chameleons kurz zu streifen, anschließend bei Herrn Wainwright reinzuhören um so richtig mit den Schweden von I break horses in den Tag zu starten. Beide zuvor genannten Künstler / Bands holten mich nicht wirklich aus dem Sessel, die musste ich nicht sehen. Die jeweiligen 15 bzw. 25 Minuten schienen mich dann auch zu bestätigen. Der Auftritt der Chameleons wirkte im Sonnenschein der Ray-Ban Bühne wie eine ZDF Fernsehgartenshow (wer bitte außer Andy Borg wickelt sein Mikrofonkabel heute noch lassoartig zusammen?) und das schönste am Rufus Wainwright Konzert waren seine Songansagen. Also I break horses.

Die drei Schweden um Sängerin und Keyboarderin Maria Lindén hatte ich mit dem Label Shoegaze im Programmplan notiert. Und da Shoegaze großartig ist, wollte ich mir I break horses nicht entgehen lassen. Ich wollte Shoegaze, und ich bekam Shoegaze. Dröhnend und übersteuert klang der Sound, ich vermute aber, es war so gewollt und kein Technikfehler. Das war aber auch egal, denn der Auftritt der drei überzeugte von der ersten bis zur letzten Minute. Maria Lindén und Fredrik Balck verzückten uns mit schönsten Klangteppichen, die den Begriff Teppich wirklich verdienten. Die guten vierzig Minuten Konzert erinnerten mich oft an ein My bloody valentine Konzert, das ich vor vielen Jahren sah: laut, dröhnig, schwelgerisch und sehr verträumt. Es war genau das richtige um als leicht angemüdeter Mensch in den Tag zu starten.

Nun konnten The Cure kommen. Zur Primetime starteten Robert Smith, Simon Gallup, Roger O’Donnell (der sich vorher noch Rufus Wainwright anschaute – von uns aber erst jetzt als The Cure Bandmitglied erkannt wurde), Jason Cooper und der neue Gitarrist Reeves Gabrels mit dem „Plainsong“ in ihr 3-stündiges Konzert. Die erste Stunde bis Lullaby blieb ich, ich erlebte ein enthusiastisches Publikum, ein Geburtstagsständchen für Simon Gallup am Ende von „The forest“ und die zwei wunderbaren „In between days“ und „Just like heaven“. Ich bin nicht der große The Cure Fan, aber die Songauswahl und die Songaneinanderreihung kamen mir sehr durchdacht, schlüssig und logisch vor. Alles passte zu allem, bei den einzelnen Songs stach keiner heraus, keiner fiel ab. Ihr Set schien wie ein Gesamtkunstwerk. Ein zeitlos schönes Gesamtkunstwerk! Trotzdem, es gibt auch noch andere Musik und so machte ich mich auf. Ich wollte etwas herumlaufen und mir kurze Blicke auf die andren Bühnen gönnen. Stehen da eigentlich Festivalbesucher? Der Platz vor der Hauptbühne war extrem gut besucht, ich brauchte eine ganze Zeit um an der Seite herauszuwurschteln. Daher vermutete ich andernorts nicht so viele Festivalbesucher, ich irrte allerdings sehr.
Wavves spielten parallel ab 23 Uhr und nun setzte ich meinen Plan in die Tat um, mir die Amerikaner anzuschauen. Also machte ich mich auf zur ATP Bühne, groß war meine Annahme, dass die Band dort spielen würde. Als ich dort ankam entdeckte ich allerdings drei Männer auf der Bühne und vernahm Postrock artige Klänge. Das sind doch nicht Wavves, dachte ich, die sollten doch ganz anders klingen. Natürlich kannte ich die Band nur von einem YouTube Video. Da die Melvins ihren Slot absagen müssten vermutete ich, dass die Spielzeiten der übrigen Bands einfach nach vorne verlegt wurden. Also anstatt den Melvins Wavves und anstatt Wavves nun Codeine, die ursprünglich für halb eins angesetzt waren. Codeine kannte ich auch nur flüchtig, doch das, was ich hörte, kam dem schon sehr nahe, was ich über Codeine bisher gehört hatte. Da ich auch Codeine gerne sehen wollte blieb ich. Nach einem weiteren 10 Minuten Instrumentalsong kamen mir jedoch erneut Zweifel. Wo bleibt denn der Gesang, und haben Codeine überhaupt einen headbangenden Geiger?
Ich kramte den Spielplan hervor und musste schmunzeln. Wavves spielten gar nicht auf dieser sondern auf einer anderen Bühne und die Band, die ich gerade sah, war nicht Codeine sondern eine Gruppe namens Dirty Three. So passte es viel besser. Meine Verwirrung war also komplett gerechtfertigt, ich hatte vor lauter Bands und Bühnen alles durcheinandergebracht. Von den Dirty Three hatte ich zuvor noch nichts gehört, ihr Postrock gefiel mir aber gut und ich blieb noch ein bisschen. Dann wollte ich aber dem Getränkewunsch der bei The Cure gebliebenen nachkommen und betätigte mich als Wasserträger. An der Hauptbühne empfing mich totale Müdigkeit. Die Mehrzahl in weiterer Bühnenentfernung saß bereits auf dem Betonboden, The Cure hatten sie müde gespielt. Nur noch die Hardliner der ersten fünfzig Reihen hatten Kondition. Selbst “Lovecats”, dieser gute Laune Song, zu dem ich wieder vor die Hauptbühne zurückkehrte, konnte die Lethargie bei den meisten nicht fortzaubern. Dies schaffte dann erst gegen kurz vor ein Uhr der 36. und letzte The Cure Song an diesem Abend: Boys don’t cry.

The Cure played its second European festival in a week tonight, delivering a 36-song set at Barcelona’s Primavera Sound 2012 peppered with surprises, including the first performance of “Fight” since the Kiss Me, Kiss Me, Kiss Me tour, only the third-ever performance of “The Caterpillar,” a rare airing of “Dressing Up” and the first-ever performance of “Let’s Go To Bed” B-side “Just One Kiss.” (slicingupeyeballs.com)

Danach ging nichts mehr. Auch nicht bei uns. Eine halbe Stunde lungerten wir noch herum, dann machten wir uns auf den Weg ins Hotel. Fertig war der zweite Tag. Der dritte beginnt in 12 Stunden.

Multimedia:
Flickr-Photos San Miguel Primavera Sound 2012

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."