| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Doornroosje, Nijmegen
Vorband: zZz, WM Halbfinale Niederlande vs Uruguay

Was für ein Tag!

McDonalds verkauft Hoeneß Würstchen, die Niederlande zieht ins WM-Finale ein und wir waren bei unseren Lieblingsindies.

Es war ein solider Auftritt. Keine Glanzleistung, wenig Höhepunkte, ein Spiel, das über große Strecken von der Last der Verantwortung geprägt war. Alles in allem jedoch ein verdienter Sieg, der gegen Ende, nach dem sehr späten Anschlusstreffer zum 2:3, dramaturgisch wertvoll auch noch einige Zittermomente enthielt. Die Niederlande stehen also im Finale. Das freut mich sehr, halte ich die Nederlands Elftal doch für eine der besseren Mannschaften der Jetztzeit und der letzten zwei Jahre. Ein gerechter Erfolg, der im Doornroosje vor der Beamerleimwand entsprechend bejubelt wurde. Auf der Bühne jubelten sie auch. Stephen Malkmus, der sich nach vertaner Snjider Chance (irgendwann als es noch 1:1 Stand) die Haare rauft, Bob Nastanovich, der die Zeitlupen der letzten beiden Tore mit Trötenlärm begleitet und anschließend die Hälfte seines Dosenbiersixpacks an die erste Reihe verteilt.

Jubeln im guten Nachbarland sieht ähnlich aus, auch die Fahnenbeflaggung und Autofähnchen sind hier angekommen. Nur die Farben sind anders.
Vor dem Fernseher geht es ruhig zu. Der gewonnene Mittelfeldzweikampf wird nicht frenetisch beklatscht, es wird überhaupt wenig applaudiert zwischendurch. Ist das Spiel zu schlecht, reicht die knappe Führung nicht, um vollends in Dauerjubel auszubrechen? Oder schauen wir nur mit eher sachlich geprägten Menschen zusammen Fußball? Im Doornroosje, in das wir während der Halbzeitpause wechseln, ist es ein bisschen lauter, aber auch hier notiert man das Ergebnis und erkennt das eher durchschnittliche, wenig anmutende Spiel der eigenen Mannschaft.
Nach dem Schlusspfiff bleibt wenig Zeit zum Jubel. „We are in no hurry“ trifft es heute nicht so ganz. Keine Minute nachdem der Schiedsrichter den Ball in die Hand genommen hat beginnen die Amerikaner auf der Bühne zu spielen.
Eröffnet wird der Abend mit „In the mouth a desert“, und die Box links an meinem Ohr dröhnt gewaltig. Wie vor vielen Jahren dachte ich. Seinerzeit stand ich in der Bochumer Zeche ähnlich nah am linken Bühnenrand und habe nach drei, vier Liedern meine Kapitulation gegenüber der laut dröhnenden Box eingereicht. Ich verzichtete auf die gute Sicht und orientierte mich weiter nach hinten. Im Alter werde ich unvernünftiger und drücke die Ohrenstöpsel noch tiefer in den Gehörgang. Das lindert, ein wenig.
Grundsätzlich war der Sound aber okay, für meinen unglücklichen Standort kann ja nur ich was.

Pavement spielten wie die Elftal.
Unspektakulär gut und sehr effektiv kräfteschonend. Wenn man eine Band öfter sieht, dann – so möchte ich behaupten – lernt man die unterschiedlichen Tagesformen kennen. In Berlin war es Stephen Malkmus, der große Lust am Konzert hatte, das spanische Primavera Festival ließ Scott Kannberg zur Höchstform auflaufen und in Nijmegen war es Perkussionist Bob Nastanovich, der noch für die meisten Aktionen auf der Bühne sorgte. Stephen Malkmus wirkte müde, und allgemein hatte ich den Eindruck, dass das Sommerwetter die Band lähmte. So wurde es nicht ihr stärkster Auftritt in diesem Jahr. Ist aber egal, denn die Freude über einen erneuten Pavementabend mit all den tollen Songs schaut lässig über das ein oder andere hinweg.
Sowieso gehören Pavement zu den wenigen Bands, die man sich in kurzen Zeitspannen sehr oft live anschauen kann, ohne gelangweilt zu werden oder die Showhöhepunkte vorherzuwissen. Dafür sind ihre Konzerte zu improvisiert und folgerichtig zu sehr einzigartig, auch oder gerade wenn – natürlich – immer die gleichen Songs in den Sets auftauchen. So hatte ich auch dieses Mal großen Spaß an ihrem Auftritt. Die nächsten Male wird es nicht anders sein. Versprochen!

Auf dem Rückweg fallen mir am Autobahnrand diese großen Hinweisschilder mit klugen Sprüchen gegen übermüdetes Fahren auf. Eines empfiehlt, die Fenster runterzukurbeln und für frische Luft zu sorgen. In Deutschland liest man hier oft: Mach’ mal ne Pause!
Stephen Malkmus, Scott Kannberg, Mark Ibold, Bob Nastanovich und Steve West könnten die nach 38 Konzerten in Europa, Asien, Nordamerika und Australien seit dem 1. März 2010 auch gebrauchen. (Alle 3,6 Tage ein Konzert).


Die wahrhaftig gespielten Songs zuverlässig dokumentiert stehen hier.

Kontextkonzerte:
Pavement – Primavera Sound Festival Barcelona, 27.05.2010
Pavement – Berlin, 19.05.2010 / Columbiahalle

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."