Lee Ranaldo & El Rayo – Köln, 21.11.2016


Lee Ranaldo scheint mir in den letzten Jahren der produktivste des Sonic Youth’schen Gitarrentriumvirats zu sein. Soloalben, diverse Projekte und seit neuestem die Band Lee Ranaldo & El Rayo. Ein Album ist in Arbeit, wie man so sagt, es erscheint wohl zum Ende des Jahres.Ihr Debütauftritt hatte die Combo im Frühjahr beim Primavera Sound. Es war eines von drei Konzerten auf der sogenannten hidden stage, die im zweiten Jahr ihres Bestehens gar nicht mehr so hidden ist. Die Tickets für diese kleinen Konzerte besorgt man sich am Nachmittag an einem separaten Infostand.

Banks & Steelz – Köln, 13.11.2016


Ein Rapper und ein Rocksänger treffen sich und gründen eine kleine Supergroup. Wobei sich das klein auf die Anzahl zwei bezieht, nicht auf die Größe der beiden Musiker. Denn beide sind ohne Frage Weltstars. Paul Banks (der Sänger von Interpol) und Steelz (a.k.a. RZA; der Rapper vom Wu-Tang Clan und Gravediggaz) bilden das Projekt Banks & Steelz. Als ich die ersten Songs hörte, dachte ich sofort, dass die Interpol Gitarre, die Paul Banks nach wie vor vorzüglich spielt, musikalisch verdammt gut zu den Sprechgesängen von Robert Fitzgerald Diggs passt.

Tortoise – Bonn, 08.11.2016


The Catastrophist ist eines der Alben des Jahres, das ich bisher auch nicht gehört habe. Nach sieben Jahren ein neues Album der Band aus Chicago, die den Post-Rock in den 1990er Jahren mitprägte und mich seinerzeit mit einem mir merkwürdig vorkommenden Album komplett überforderte. 1995 hörte ich im Radio einen Instrumentalsong, und der Moderator machte im Anschluss ein Wortspiel über den Bandnamen und die Musik der Band. Die Band hieß Tortoise und mir blieb das bis zum nächsten Plattenkauf irgendwie im Gedächtnis. Also brachte ich Rhythms, Resolution & Clusters mit nach Hause. Und ich glaube, ich hörte die CD, ein Remixalbum, genau drei Mal.

Dinosaur Jr. – Köln, 03.11.2016


Es war eine anstrengende Woche. Arbeitstechnisch lag viel an, die Konzerte der letzten Tage lagen mir noch in den Beinen und auch sonst zeigte sich die obligatorische Herbstmüdigkeit. Aber zum Dinosaur Jr. musste und wollte ich mich aufraffen. Nützt ja nüschts. Auch wenn die Bahn durch Schienenersatzverkehr unmöglich zu nehmen ist, und ich so eine halbe Stunde in der Umgebung der Live Music Hall einen Parkplatz suchen musste, beides ließ mich nicht wirklich davon abhalten, das hier durchzuziehen.
Ein Parkplatz ward gefunden, die Vorband beim letzten Ton des letzten Songs, als ich die Halle betrat.

Warpaint – Köln, 30.10.2016


Als „Undertow“ erklang, war alles gut.
Dieser 30.10. bot konzertmässig einfach zu viele Möglichkeiten, um die richtige herauszusuchen. Die Minor Victories spielten in Düsseldorf, Suuns und Warpaint in Köln. Wo gehste da hin? Ist doch alles gut. Ein Drittel der möglichen Auswahl fiel weg, da sich für die Minor Victories eine weitere Gelegenheit beim Crossing Border nächstes Wochenende auftut, für die andren beiden Drittel gab es leider keinen erreichbaren Alternativtermin. Dadurch, dass ich zu allem Überfluss auch noch für beide Konzerte ein Ticket kaufte – manchmal bin ich schon arg durcheinander -, wurde die Entscheidung nicht leichter.

John Grant – Düsseldorf, 29.10.2016


Kurzentschlossen reifte der Plan, am Samstag dem New Fall Festival einen Besuch abzustatten. Aus Bequemlichkeit (wo ist diese Kirche, in der Kate Tempest spielt?) und aus Mangel an Wilco Karten entschied ich mich für den Auftritt von John Grant im Robert Schumann Saal direkt neben der Tonhalle. Nicht die schlechteste Wahl, ich mag diesen Veranstaltungsort; er ist schön, die Anfahrt ist unkompliziert, ein Parkplatz leicht machbar. Wenn ich schon an einem Samstag die Wohnung verlasse, sind das für mich durchaus Argumente, die mich beeinflussen.

Angel Olsen – Köln, 28.10.2016


Es war eine Szene des Abends. Mittlerweile ist ja Gang und Gebe, dass auf Konzerten auf Teufel komm raus gefilmt und fotografiert wird. Erst neulich bei The Cure stand ein Pärchen vor mir, bei dem der Freund wohl den Auftrag bekommen hat, jeden Song bildlich festzuhalten. Mehrmals! Plus Bühnenselfies. Und so war er mehr mit Fotos machen beschäftigt als mit zugucken. So ist das nun mal heutzutage, ich möchte das gar nicht kritisieren. Die technischen Möglichkeiten sind da, also werden die technischen Möglichkeiten genutzt. Warum auch nicht. Jeder nach seiner Fassong, wie man im Rheinland so sagt.

Poliça – Köln, 27.10.2016


Über die Band aus Minnesota vermag ich gerade gar nicht so viel sagen zu können. 2014 sah ich die Band in der Kölner Kulturkirche, eine detailliertere Erinnerung an das Konzert will mir aber gerade nicht in den Sinn kommen. Poliça wurde 2011 von Ryan Olson und Channy Leaneagh gegründet. Beide sind auch 2016 Bestandteil von Poliça, sie als Sängerin, er als Schlagzeuger und Macbookbediener im Hintergrund. Drew Christopherson und Chris Bierden vervollständigen am zweiten Schlagzeug und am Bass seit jeher die Band. Ein Freund der Band bestreitet das Vorprogramm.

The Kills – Köln, 25.10.2016


Es gibt tatsächlich immer noch Bands in meinem Interessenskosmos, die ich noch nicht live gesehen habe. Das englisch-amerikanische Duo Alison Mosshart und Jamie Hince a.k.a. The Kills zählen dazu. Die Band existiert seit Anfang der 2000er Jahre. Fünf Alben später schaffe ich es endlich, sie live zu sehen. The Kills haben nach längerer Pause just ihr fünftes Album Ash & Ice veröffentlicht, ich muss mir die Platte noch zulegen. Wie so oft bin ich später dran. No wow, so etwas wie ihr Durchbruchalbum, mochte und mag ich sehr, auch das Debüt Keep on your mean side hörte und höre ich dann und wann.

The Cure – Berlin, 18.10.2016


Mein letztes The Cure Konzert passierte in Barcelona auf dem Primavera 2012. Robert Smith und Konsorten spielten mich seinerzeit müde. Unendliche Stunden blockierten sie die große Hauptbühne, spielten einen Hit nach dem anderen und ließen vieles andere zur Nebensache werden. Nach über zwei Stunden hatte ich nach einem harten Festivaltag genug von dunklen Bassläufen und verließ das Konzert, auch um mir parallel spielenden Kram anzuschauen. Als ich nach einer Stunde wiederkam, hallte gerade „Close to me“ über meinen Kopf hinweg. Ich war also pünktlich zur Zugabe zurück.

The Wedding Present – Berlin, 17.10.2016


In der U-Bahn zum Privatclub sitzt mir ein junges Pärchen gegenüber. Das Mädchen schaut auf ihr Handy und sagt dann: ‘Eilmeldung. Wolfsburg entlässt Dieter Hecking. Wen interessiert das denn und warum ist das eine Eilmeldung? Da finde ich die nächste Eilmeldung doch viel interessanter. Ein Toter bei einem Unfall bei BASF.‘ Und nach ein paar Sekunden: ‘Was ist den BASF?‘ Vom The Wedding Present Konzert am Vorabend meines Arbeitstermins erfuhr ich nur zufällig.

The Rifles – Köln, 08.10.2016


2005 waren The Rifles der letzte heiße Britpopscheiss. Und das mit dem letzten ist wörtlich zu nehmen. Während die Klasse von 2005 um Bands wie Maximo Park, HardFi, Franz Ferdinand und wie sie nicht alle hießen die britische Popmusik von all den Oasis- und Blur-meriten loslöste, machten The Rifles starrsinnig da weiter, wo 10 Jahre zuvor Cast, Shed Seven und die Bluetones, oder noch viel früher The La’s, aufgehört hatten: mit Britpop.

L7 – Köln, 07.09.2016


„Pretend you’re dead“. Was für ein Knallersong. Ein Tanzflächenfüller. Einer der wichtigsten Songs der 1990er Jahre. Zumindest für mich. Ich erinnere mich gerne an die Discotage zurück, wenn nach Nirvanas „Smells like teen spirit“ L7 aufgelegt wurde, der DJ damit den Rock-Grunge Level hoch hielt und gleichzeitig einen guten Übergang zu entweder Metallica (damals noch gut!) oder den Ramones / Iggy Pop / Fugazi hinlegte. L7 spielten diese natürliche Melange aus Punk und Hardrock, die prädestiniert war, um diesen Übergang zu schaffen.

Grandaddy – Amsterdam, 25.08.2016


Ende der 1990er Jahre waren Grandaddy eine meiner großen Lieblinge. Under the western freeway und The sophtware slump hörte ich rauf und runter. Verschroben, melancholisch, auf ihre Art dynamisch. Niemand sang so wie Jason Lytle, niemand spielte so wie Grandaddy.
Ich erschrak daher sehr zurecht, als ich in Vorbereitung auf das Konzert feststellen musste, nur 2 Alben der Band zu besitzen. Wie, nur 2 Alben von einer offensichtlichen Lieblingsband im CD-Regal?

Hinds – Köln, 24.08.2016


Es ist der heißeste Tag des Jahres. Selbst am Abend kleben die Unterarme noch an der Holzlehne des Regionalbahnsitzes. Ein wenig Linderung verschafft die Klimaanlage, die im Dauerbetrieb für Abkühlung sorgt. 35 Minuten durchatmen, bevor in Köln-West die Abendhitze der Stadt erneut einen Schweißfilm auf meine Haut zaubert. Eigentlich gibt es besseres, als an solch einem Sommerabend mit dem Zug zu fahren. Eigentlich gibt es besseres, als an solch einem Sommerabend ein Konzert zu besuchen.

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Ein Blog über Musikgedanken und Konzertbesuche.

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