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Tocotronic – Juicy Beats Festival, 31.07.2010

3 Aug 2010 | von frank | Kategorie: konzert | ein Kommentar
Tags: - - -

Ort: Juicy Beats Festival, Dortmund

„Es begrüßt euch die Band Tocotronic. Seid willkommen und habt Spaß.“ Puhh, die Tocos können live sehr anstrengend sein. Bei keinem anderen Konzert ärgere und freue ich mich gleichzeitig so sehr wie bei einem Tocotronic Auftritt.
„Und nun heben wir alle die linke Hand, ballen sie zur Faust und rufen: „Aber hier Leben, nein danke!“
Ich muss das jetzt mal loswerden. Dirk, ich kann mit deinen ruhig vorgetragenen, sprachlich meist wertvollen Ansagen nichts anfangen und eure Bühnengestik geht mir gehörig auf die Nerven. Aber, und ist das nicht entscheidend, ich liebe eure Musik. Die alten und die neue Sachen. Die alten Protestsongs haben mir früher oft aus der Seele gesprochen und die neuen Sachen sagen mir, ja, nicht nur ich bin älter und ausgeglichener geworden. Und bisher hat mich die Liebe zu eurer Musik immer zu euren Bühnen treiben lassen. Ich vermute jetzt mal, dass es so bleibt.
So war es auch am Samstag. Tocotronic spielen, und wir sind zur Stelle. Gut, die Alternative war spärlich. Auf Wallis Bird hatte ich keine Lust, und für Bands, deren Namen Frittenbude oder Bratze sind, fühle ich mich zu alt.
Also die Tocos. Wieder einmal. Vor der Hauptbühne war es gut gefüllt, sag ich mal. Also bevor die Tocos angefangen haben. Die Ordner mussten ein waches Auge haben, um den ein oder anderen am Eintritt in den vorderen Bühnenbereich zu hindern. Nach zwei, drei Songs war dies Vergangenheit. Viele verließen ihren Platz und andere bekamen die Gelegenheit, bis in die ersten Reihen vorzudringen. Ich glaube, die, die gingen, waren verschreckt. Ich kann das verstehen, denn die, wie ich finde, sehr spezielle und tocotypische Livepräsentation kann einen irritieren. Tocotronic live und zuhause im Wohnzimmer sind zwei paar Schuhe. Oder aber sie hatten einfach Hunger, oder sie wollten zu Zoot Woman (warum eigentlich?), die jetzt auf einer der anderen Bühnen anfingen zu spielen.
Nun wir blieben. Und wir haben es nicht bereut. Denn ich fand Tocotronic am Samstag gut. So gut, dass ich mich nicht mehr aufgeregt habe als sonst. Das werte ich als gutes Zeichen und ja, die Stunde Tocotronic hat sich sehr gelohnt. Ihr Set war vergleichbar mit dem der letzten Tour, ein bequemer Mix aus den unterschiedlichen Tocotronic- Epochen. Das hat mir schon damals gefallen, und so wurde ihr Auftritt ein Abbild des E-Werk Konzertes, nur eben auf Festivallänge zurechtgestutzt.
Die Geschichte des Konzertes ist aber eine andere:
Wen entdeckte ich plötzlich nach einer Viertelstunde im Fotograben? Meinen alten Schulfreund Daniel Sadrowski. Mensch, wie lange habe ich ihn nicht mehr gesehen, 17 oder 18 Jahre bestimmt. Gott ist das lange her. Damals haben wir sehr viel gemeinsam unternommen, haben die gleiche Musik vergöttert und zu den gleichen Songs getanzt. Dann, nach der Schule, verloren wir uns aus den Augen. Wie das halt so passiert. Auf einmal ist man weg, nicht mehr so bedeutend. Und jetzt sehe ich ihn wieder und bin überrascht, wie wenig er sich verändert hat. Leider ist die Distanz zu groß, und als ich flux hinübergehen wollte, war er schon verschwunden. Schade, es wäre bestimmt lustig geworden, mich mit ihm nach all der Zeit zu unterhalten.

Setlist:
01: Eure Liebe tötet mich
02: Die Folter endet nie
03: Verschwör dich gegen dich
04: Die Grenzen des guten Geschmacks
05. Aber hier leben
06: Imitationen
07: Jenseits des Kanals
08: Jungs hier kommt der Masterplan
09: Let there be Rock
10: Mach es nicht selbst
11: Drüben auf dem Hügel
12: Stürmt das Schloß
13: Die Idee ist gut doch die Welt noch nicht bereit

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
Hundreds – Juicy Beats, 31.07.2010
Tocotronic – Köln, 04.03.2010

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Hundreds – Juicy Beats Festival, 31.07.2010

2 Aug 2010 | von frank | Kategorie: konzert | 3 Kommentare
Tags: - - -

Ort: Juicy Beats Festival, Dortmund

Hamburger-Tag in Dortmund. Der Fruchtsalatmix (oh Gott, ich glaub’ ich bekomm Hunger) des Juicy Beats – sämtliche Bühnen und Tanzflächen sind nach Früchten benannt – brachte uns nacheinander die Hamburger Hundreds, Tocotronic und die Sterne.
Im weitesten Sinn ergänzt wurde unser Ausflug in den Westfalenpark durch wenige Minuten Dukes of Windsor (bewusst) und der niederländischen Indie- Elektrik Band Daily Bread (zufällig; ihre Bühne lag auf unserem Irrweg zur Konzerthaus-Stage).
Im Vorfeld wurden Hundreds meine heimliche Lieblingsband des diesjährigen Juicy Beats. Vor einigen Wochen entdeckte ich zufällig hier ihr Video zu „Let’s write the streets“, und ich gestehe, ich war direkt sehr angetan. Die Hamburger Band war mir bis dahin völlig unbekannt. Nun gut, aber dafür wälze ich mich ja durch das Netz, um neue Künstler und neue Seiten kennenzulernen. Die Band Hundreds gehörte nun dazu, obwohl, hier von einer Band zu sprechen, ist leicht übertrieben. Hundreds sind ein Duo. Oder noch genauer: die Geschwister Eva und Philipp Milner.
Im Frühjahr erschien ihr Debütalbum, ich kenne es leider noch nicht, werde diese Wissenslücke jedoch umgehend schließen.
Also wie gesagt, ein, zwei Videos reichten, um begeistert zu sein und mich auf ihren Auftritt zu freuen. Ich war mir sehr sicher, dass ihr Konzert irgendetwas tolles und faszinierendes haben wird. Und natürlich sollte ich recht behalten. Konzerte enttäuschen mich sehr selten, daher ist das nicht verwunderlich. Aber überdies war die knappe halbe Stunde Hundreds war zauberhaft. Sie hielt all das, was ich mir von ihr versprach: Sanfte, flockige Beats, die tolle Stimme von Eva Milner und das immer mal wieder aufsprudelnde Abdriften in seichte Technosequenzen ließen die Zeit verfliegen.
Live ist die Rollenverteilung bei den beiden ist klar definiert: Philip Milner ist der Taktgeber und zuständig für die drei K’s Klavier, Keyboard, Komputer. Seine Schwester Eva begleitet den ganzen Beat mit ihrer unaufgeregten Stimme. Und sie tanzt, und sie lächelt und sie schwingt mit den Armen. Wie eine Elfe, eine Elektro-Elfe.
Ich gebe zu, dieser Begriff stammt nicht von mir, aber ich finde ihn sehr passend.
Ich hätte gerne mehr von den beiden gehört, aber leider war der Zeitrahmen nach hinten klar abgesteckt. Da um Viertel vor sechs für eine Viertelstunde alle Bühnen schweigen sollten, war keine Gelegenheit, die anfangs verlorene Zeit nachzuschieben.
Immerhin, zwei, drei Minuten knapsten sie ab. Ihr letztes Stück, das überaus gute und bereits erwähnte „Let’s write the streets“ dauerte ein paar Sekündchen länger als vorher eingeplant.

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
Die Sterne – Juicy Beats Festival, 31.07.2010 (folgt)
Tocotronic – Juicy Beats Festival, 31.07.2010 (folgt)

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IGYOT – Spinning for the cause

30 Jul 2010 | von frank | Kategorie: im cd regal | kein Kommentar
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IGYOT-Spinning for the causeI got you on tape (IGYOT) sind Sänger Jacob Bellens, Gitarrist Jacob Funch, Jeppe Skovbakke (Bass) und Schlagzeuger Rune Kielsgaard. Alle vier stammen aus Dänemark, genauer gesagt aus Kopenhagen.
„Spinning the cause“ ist ihr drittes reguläres Album. Ihr selbst betiteltes Debütalbum aus dem Jahr 2006 und der Nachfolger “2” aus dem Jahr 2007 bilden den ersten und zweiten Output der Band. Ein irreguläres Remix-Album erschien 2008. Das war vier Jahre nach ihrer Bandgründung.
Soweit die musikalischen Eckdaten.

In Deutschland, oder weit fassender gesagt, außerhalb Dänemarks, sind IGYOT irgendwie unbekannt. Also behaupte ich mal. Oder anders gesagt: ich kannte diese Dänen nicht, freue mich aber umso mehr, dass sie mir diese Woche vorgestellt wurden.
IGYOT machen melancholischer Rock-Pop-Folk. Das ist so neu nun nicht, viele haben der Welt schon vor einiger Zeit gezeigt, wie toll dies im 21. Jahrhundert klingen kann. Anschließend kamen andere und haben dieses verfeinert und ausgebaut. Melancholischer Indierock ist also etabliert und eigentlich wurde alles gesagt. Uneigentlich gibt es aber immer wieder kleine Ausrufezeichen, Überraschungen. „The Black heart procession“ zum Beispiel oder eben IGYOT. Also was Neues im Sektor der melancholischen und getragenen Gitarren? Jein. Nicht neu, aber aufhorchenswert, wie ich finde.
Sommersault könnte man kennen. Ich kannte es nicht. Das ist die Single vom zweiten Album „2“ und ein seltsamer Song mit einem merkwürdigen Video. „Sommersault“ ist aber irgendwie gut.
Und genau so ist es mit „Spinning For the Cause“:
Seltsam, aber irgendwie gut.
Da wäre die sehr britisch klingende Stimme des Sängers, die mich an Blur oder die Bluetones denken lässt. Ein Umstand, der mir spontan sehr sympathisch ist. Der Eindruck legt sich im Laufe des Albums, und live ist davon ehedem nicht allzu viel übrig. Aber das sammelt erste Pluspunkte. Und mehr Pop als im sehr guten „The Blacksmith“ geht eigentlich nicht. Das macht Spaß.
Und dann sind da die merkwürdigen Momente. Das aus dem Takt fallende Schlagzeug im Eröffnungsstück, das mich kurz an der Funktionalität meines mp3 Players zweifeln lässt, oder das letzte Stück des Albums, „Wedding Song“. Ein Song, der durch seine Shoegazeästhetik völlig aus dem Rahmen fällt und den ich hier nicht erwartet hätte. Es ist das lauteste Stück auf „Spinning the cause“ und passt einerseits so gar nicht zu den anderen neun Songs. Andererseits macht es großen Sinn.
Trotz aller netten Merkwürdigkeiten ist „Spinning for the cause“ Pop. Erst etwas munterer, dann etwas melancholischer. Pop und Melancholie, eine Kombination, die in den nördlichen Breitengraden nicht ungewöhnlich ist.
In diesem Sinn sind IGYOT eine skandinavische Band.

Viel Spaß beim hören. Das Tracklisting des Albums liest sich wie folgt:
01) Cabaret
02) Permanent Vacation
03) The Blacksmith
04) Ace In The Hole
05) Polkadots
06) Spinning For The Cause
07) Waking Up The Brotherhood
08) Beggars And Bangers
09) Talk About The Threadmill
10) Wedding Song

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K’s choice

28 Jul 2010 | von frank | Kategorie: platzhalter | 2 Kommentare
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Eine Geschichte aus dem Leben.
Naivität ist meine größte Schwachstelle. Zu oft glaube ich, dass Menschen generell so handeln, wie ich in bestimmten Situationen handeln würde. Sehr oft wurde ich belehrt, dass dies nicht so ist. Trotzdem, das Denken an den guten Menschen lässt mich diese Enttäuschungen vergessen und mich – ohne groß darüber nachzudenken – zu Handlungen hinreißen wie dieser:
Im April musste es schnell gehen. Die lange vorher gekaufte Konzertkarte für das K’s Choice Konzert in der Kölner Kulturkirche wollte ich nicht unnütz verfallen lasen. Da mir ein Termin einen Strich durch die Besuchsrechnung gemacht hatte, dachte ich, ein Verkauf wäre die ideale Lösung. Ich könnte jemanden anderes glücklich machen, in dem ich ihm ein Ticket für ein ausverkauftes Konzert überlasse, und ich selbst könnte so den Kartenpreis wieder hereinwirtschaften. Ein lohnenswerter Deal für zwei Leute, wie er tausendmal gemacht wird. Mehr als den Originalpreis wollte ich nicht verlangen. Schon kurz, nachdem ich eine Anfrage über last-fm gestartet hatte, meldete sich Frau Schmitz*. Nach kurzem Mail hin und her entschied ich, die Karte für glatte 30 Euro abzugeben. Da die Zeit voranschritt und ich sichergehen wollte, dass das Ticket rechtzeitig bei der neuen Besatzerin ankommt, verschickte ich es umgehend per Post. Der Betrag, so dachte ich, mein Gott, wird dann schon überwiesen. Warum auch nicht?
Genau, warum denn nicht …
An diesem Punkt – denn natürlich ist der Fortgang der Geschichte sehr vorhersehbar – denkt bestimmt der ein oder andere: Schön blöd, selber schuld. Und ich sage: Stimmt. Wie erwähnt: Gutgläubigkeit ist meine große Schwachstelle.

Ich warte immer noch auf die Überweisung, aber vielleicht ist ja auch was dazwischengekommen. Mittlerweile aber habe ich einen Gegenvorschlag: Du lädst mich zum nächsten Kölner K’s Choice Konzert ein.
Ach, so was ist ärgerlich und im höchsten Maß unsportlich. Leider werden die Leidtragenden Mal wieder andere sein, denn natürlich werde ich jetzt nicht mehr auf diese Art Tickets weiterreichen. Aber so ist es ja immer. Und, nun ja, einige Menschen denken halt nur bis zur eigenen Wohnungswand.
Leider ist es nicht die erste unsportliche Aktion, die ich im Rahmen von K’s Choice Konzerten beobachten konnte. Ich weigere mich aber zu glauben, dass dies kein Zufall ist.

Everything’s for free

* im Kölner Telefonbuch gibt es über 1700 Einträge zum Namen Schmitz, so las letztens in der Zeitung. Namensübereinstimmungen können rein zufällig sein.

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Sonic Youth

27 Jul 2010 | von frank | Kategorie: video - late night(s) live | kein Kommentar
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Direktlink: youtube

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Marie Fisker

24 Jul 2010 | von frank | Kategorie: bands und musiker | ein Kommentar
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Dänin. Aufgewachsen und wohnhaft in Kopenhagen. Ihr Debütalbum „Ghost Of Love“ erschien vor über einem Jahr. In Dänemark, nicht hierzulande. In unseren Regionen ist Marie Fisker weitestgehend unbekannt. Doch das muss sich ändern. Jetzt und sofort. Der erste Schritt: „Ghost of love“ wird in einigen Wochen auf Cargo Records veröffentlicht.
Bis dahin bleibt noch ein wenig Zeit, sich auf YouTube oder MySpace mit der Künstlerin auseinanderzusetzen. Wer dies macht, wird mit wunderbaren, spärlichen, behutsamen und feinen Songs belohnt. Alternative-Folk, Rock. Einiges erinnert an PJ Harvey oder Cat Power, womit ich Marie Fisker den Menschen, die besagten Sängerinnen nahe stehen, unbedingt empfehlen möchte. Alle anderen sollten aber auch mal klicken.
Marie Fisker wurde 1976 in Kopenhagen geboren. Anfang 2000 richtete sie sich ein Studio im Zentrum von Kopenhagen ein. Dort komponierte sie Lieder, nahm Demos auf und lud Musiker ein, sie im Studio zu begleiten. So entwickelte sich ein eigener musikalischer Klang, der auch ihr Debütalbum prägt, das Marie zusammen mit Schlagzeuger Jakob Høyer (ex-The Raveonettes) produziert hat.

Toll ist auch ihre Zusammenarbeit mit Anders Trentemøller. Auf der Single Sycamore Feeling seines zweiten Albums „Into the great wide yonder“ singt Marie in atemberaubender, Sandoval-esker Schönheit. Das Video selbst ist überdies von besonderer, dunkler Eleganz.

Marie Fisker @ myspace
Marie Fisker @ home

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