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Good Weather Girl

14 Feb 2010 | von frank | Kategorie: bands und musiker | ein Kommentar
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Dion‘s Stimme ist gewöhnungsbedürftig, auf Dauer anstrengend. Sie singt wie meine Schwester. Und wenn meine Schwester singt, ist das nicht schön. Sie kann nämlich keinen Ton halten, quakt und quält sich durch die Strophen. Mir geht es nicht besser, und auch Dion Lucas fällt das Halten der Tonlage schwer. Ihre Stimme leiert, pendelt zwischen den Tönen.
Das wirft zwangsläufig die Frage auf: Muss man gut singen können, um gute Musik zu machen? Schaden verursacht eine Ausbildung natürlich nicht, aber genauso wichtig ist der Wiedererkennungswert. Markant sollte eine Stimme sein, unverwechselbar der Gesang. Whitney Houston kann gut singen, sehr gut sogar, aber unterscheidet sie sich groß von Mariah Carey? Will sagen: Nico’s Gesang erkennt man sofort, und Soko’s I kill her blieb seinerzeit für einen Moment hängen, weil Frau Sokolinskis Gesang besonders ist. So wird ein Schuh draus.
Das Geschwisterduo Dion und Shem Luca sind Good Weather Girl. Während Dion die Gesangsparts übernimmt, begleitet sie Bruder Shem auf der Gitarre. Das ursprünglich auf rein akustische Klänge ausgerichtete Duo mutiert auf ihrem Debütalbum “Boon” zu einer kleinen Band mit Vollinstrumentalisierung. Schlagzeug, Bass, Gitarre, ab und zu hört man Streichinstrumente. Es ist das typische Indie-Anti-Folk-Folk Paket, das geschnürt wurde.
“Boon” hat tolle Lieder. Die Melodien stimmen, die Songs, größtenteils kurz und knackig unter zweieinhalb Minuten, klingen nach Samstagnachmittagen. Entspannt, unaufgeregt, ruhig. Und Dion‘s nicht-Gesang macht definitiv süchtig.
“I’ve never seen Paris” heißt einer ihrer Songs. Vielleicht schaffen Good Weather Girl es ja dieses Jahr. Es würde mich nicht wundern.

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06 Lassie Singers

11 Feb 2010 | von frank | Kategorie: (un)vergessene indiehelden | ein Kommentar
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Anfang der 90er Jahre machte sich eine neue deutsche Musikbewegung auf, die dahin schlummernde Indieszene mit deutschen Texten zu bereichern. Blumfeld, Cpt. Kirk &., Die Erde und Die Sterne und später Tocotronic standen für deutschsprachige Musik jenseits von Schlager und Liedermacher. Hamburger Schule nannte man das Modell, über das Wikipedia berichtet:
“sie sei nicht einfach ein „Sammelbecken ähnlich klingender Musik“. Sie zeichnet sich vor allem durch deutschsprachige Texte aus, denen oft ein hoher intellektueller Anspruch zugemessen wird und die umfangreich mit Gesellschaftskritik, linkspolitischer Einstellung und postmodernen Theorien verbunden sind. Dies insbesondere wurde von der Musikpresse wie etwa der Spex als lobenswerte Eigenschaft hervorgehoben. Im Vordergrund stand aber nicht die deutsche Sprache als solche, denn wie schon bei den frühen Punks in Deutschland wurde diese weniger bewusst gewählt, sondern war ganz natürlich als Muttersprache das Medium Ausdruck und Inhalt. Von nationalistischen Interpretationen des Singens in deutscher Sprache distanzierten sich die Bands teilweise deutlich (z.B. Die Sterne, „Ich scheiß auf deutsche Texte“). Die Homogenität findet sich somit im Hintergrund – in den Einstellungen gegenüber einer „modernen“ Welt – in der Musik – vielleicht auch einer der Gründe, warum vor allem die frühen Bands der Hamburger Schule deren Existenz gerne bestreiten. Die sozialen und insbesondere politischen Kooperationen (einige Bands waren personell verflochten mit den so genannten Wohlfahrtsausschüssen in den 90ern) unterstützten wiederum den Bewegungsgedanken.”
Mit den Lassie Singers hat dies erst mal nicht viel zu tun. Ich würde sie nicht der Hamburger Schule zugehörig zählen, aber sie profitierten sicherlich von der neuen medialen Sprachbewusstheit dem “es ist okay, in Deutsch zu singen”.
Denn neben der neuen, deutschsingenden Indieszene etablierten sich Anfang der 90er auch erste deutsche HipHop Projekte wie “Advanced chemistry” und die “Fantastischen Vier”.
Die Zeit war also reif, und die Lassie Singers waren da.

1988 gründeten Britta Neander, Christiane Rösinger, Almut Klotz und Funny van Dannen die Lassie Singers. Musikalisch die trotzige große Schwester Blumfelds und entfernte Verwandte der Rainbirds sangen die Lassies über das Leben. Sie wollten nicht sozialkritische und politische Gesellschaftskritik übern, sie wollten lieber über Autofahrten, den nächsten Freund oder das ein oder andere menschliche Desaster erzählen. Mit feinen Alltagsbeobachtungen brachten sie die Dinge auf den Punkt. “Pärchen verpisst euch, keiner vermisst euch”, so ist es, so soll es gesungen werden. Ohne Rücksicht auf tralala Gesänge und mit viel Liebe zur Melancholie waren sich die Lassies für keinen Scherz und Wortwitz zu schade, wirkten herrlich kämpferisch und mit ihrem trashigen Geschrammel immer sehr direkt.

Lassie Singers // kurze Kurzbio
- Stil: deutschpop
- gegründet: 1988
- aufgelöst: 1998

Lassie Singers // wichtige Mitglieder
Britta Neander
Christiane Rösinger
Almut Klotz

Lassie Singers // Alben:
1991 Die Lassie Singers Helfen Dir
1992 Sei À Gogo
1994 Stadt, Land, Verbrechen
1996 Hotel Hotel

Lassie Singers // unser Kennenlernen
Übers Radio. Die Singles “Hamburg” und “Es ist so Schade” hatten einen respektablen Radioeinsatz. “Hamburg” war lange Zeit unser Lieblingsautofahrsong. “Pause, nein geht nicht… dreh mal die Kassette um… die Landschaft hier ist fucking thrill”. Ach, das war so toll frisch, echt, charmant und do-it-yourself klingend zugleich, dass “Hamburg” nur eins werden konnte: ein Ohrwurm. Es gab nichts spaßigeres als auf der A1 zu fahren und direkt vor Ort in Echtzeit mitzugrölen: “am Kamener Kreuz links vorbei, im Radio läuft hr3…Toy-R-Us? Komisch …”
Lassie Singers: urkomisch!
Die erste deutsche Girl Band hatte mich. Und da “Mein Freund hat mit mir schlussgemacht” (“…helfen dir”) oder “Loswerden” dem “sexy Hamburg” (beide auf “Sei À Gogo”) in nichts nachstanden, weiterhin ein Schmunzeln auf mein Gesicht zauberten und gute Laune verbreiteten, blieb ich ihnen treu. Die Lassie Singers schilderten immer das wahre Leben. Ich glaube, dass machte die Songs aus. Man schmunzelte, erkannte Situationen wieder und lachte schlussendlich über das eigene Leben. Auch dann, wenn es gar nicht lustig ist. Musik als Therapie und Fröhlichmacher. Gibt es besseres?

Lassie Singers // Lieblingssong
Nur weil wir keine Ausbildung haben, machen wir den ganzen Scheiß!
Nicht nur, weil ich es hier schon zitiert habe: “Hamburg”. Kühe , Kühe , Kühe!!!

Lassie Singers // Noch was?!
Christiane Rösinger und Britta Neander gründeten 1997 die Band Britta.
Und ein Zufall brachte mich neulich nach langer Zeit wieder auf die Lassie Singers: Beim hören des Samplers “Berlin Songs Vol. 3“ entdeckte ich im Booklet den Namen Christiane Rösinger. Sie ist also weiterhin musikalisch aktiv.

Lassie Singers // Links
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10 Feb 2010 | von frank | Kategorie: video - live im konzert | kein Kommentar
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10 Feb 2010 | von frank | Kategorie: video - late night(s) live | ein Kommentar
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Japandroids – Köln, 08.02.2010

9 Feb 2010 | von frank | Kategorie: konzert | kein Kommentar
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Noch so eine Herbstentdeckung aus dem letzten Jahr. “Post nothing”, das Debütalbum der Japandroids überrumpelte mich unvorbereitet. Noiserock von zwei Mann, Gitarre und Schlagzeug. Wuchtig. Ich höre Swervedriver Gitarren und denke an “…and you will know us by the trail of dead” oder “At the drive-in”. “Post nothing” ist Rockmusik der Jetztzeit. Dieser immer melodiös klingende Lärm ist nicht neu, keineswegs. Vor 20 Jahren gab es im weitesten Sinne erste Noiserock Attacken, seinerzeit unter dem Mantel des Alternative Rock verborgen. Helmet, zum Beispiel. Und noch einige andere…
Bands, die so was fabrizieren, können nur aus Nordamerika kommen. Ah, die Japandroids kommen aus Kanada, oh aus Vancouver. Genau, Brian King und David Prowse wohnen in Vancouver, der it- Stadt der nächsten Wochen.
“Will they find their way back home?“ Ach, bestimmt. Der Weg nach Vancouver ist ja derzeit überall ausgeschildert. Die Welt befindet sich in olympischer Vorfreude, Vancouver, der zentrale Ort der nächsten Tage, ist aus den Medien und den Flugplänen nicht wegzudenken.
Doch bevor am Samstag das olympische Feuer erglimmt, wir uns in die Regeln des Curlings und Skeleton vertiefen, ist ein bisschen Vancouver in Köln. Die Japandroids sind da, im Luxor.
Das Duo, das irgendwann im Rahmen erster Demoaufnahmen die Suche nach einem Sänger aufgegeben hat, vertreibt sich die vorolympische Zeit in Europa. * Oder mögen sie gar keinen Sport und befinden sich quasi auf der Flucht vor den Sporttouristen und den Wolf-Dieter Poschmann’s dieser Welt? Oder haben sie ihre Wohnungen vermietet und können die nächsten Wochen eh’ nicht zurück. Ich weiß es nicht, und eigentlich ist es auch egal. Also erst mal Europa begeistern, bitte.

* Ergänzung: Auch die olympische Zeit. Ihre Tour führt sie erst im April wieder in heimische Gefilde.

Grundsätzlich gilt: ein Konzert muss nicht lang sein, um ein gutes Konzert zu sein. Manchmal glaube ich, meine liebsten Konzerte sind die, die keine Stunde dauerten. Warum ich das erwähne, nun, ich erwartete von Brian King und David Prowse kein abendfüllendes Programm. Meine Schätzung ging auf ungefähr 50 Minuten. Dass die Japandroids ihr Set über knappe 70 Minuten ausdehnten, überraschte mich dann umso mehr. Eine Menge Zeit für eine Band mit nur einem Album im Gepäck; erst recht wenn man weiß, dass das “Post nothing” gerade mal knappe 40 Minuten lang ist.
So peppten die Vancouveraner ihr Set durch zwei B-Seiten und einen alten, bisher nicht veröffentlichten Song auf. Wie viele Stücke sie spielten, kann ich nicht mehr nachhalten. Viele können es aber nicht gewesen sein, denn jeder einzelne dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Die schon auf dem Album nicht gerade kurz geratenen Häppchen wurden live noch um einige Minuten an druckvollem Gitarrenspiel ergänzt. Ich tippe auf zehn Songs, das könnte passen.
Das Konzert war so, wie ich es mir vorgestellt habe. Vor allem war es laut, ich glaube sogar, sehr laut. Leider war die Lautstärke nicht gut verteilt. Was die Gitarre zu viel ab bekam, hatte der Gesang zu wenig. Größenteils untersteuert versinken die Gesangsparts bei vielen Songs, Gitarre und Schlagzeug dagegen verschmelzen zu einem großen Klangbrei, der als Folge daraus leider weite Teile des Konzerts zu einer Einheitssuppe geraten ließ. Tontechnisch durchaus ausbaufähig, performancetechnisch dagegen sind die Japandroids on-top.
Gitarrist Brian King erinnerte mich an Lou Barlow in den 90ern. Die Art wie er Gitarre spielt kommt dem Sebadoh Frontmann sehr nahe. Vielleicht lag es aber auch an den lockigen Haaren und dem tief ins Gesicht fliegenden Pony, der mich zu diesem Vergleich animierte.
Vom Gesamtbild kam es einer Health Show sehr nahe. Kraftvoll, wuchtig, nach-vorn gehend. Die beiden machen Lärm für fünf. Ihre Hits haben sie klug im Set platziert, wie Bojen weisen “Heart Sweats“, “Crazy/Forever“ und “Sovereignty“ ihnen und uns die Richtung. Erste Boje ist als zweites Stück “The boys are leaving town“. Spätestens ab hier ist der Weg frei: weg, raus, fort. Weiter, immer weiter. Es macht Spaß zuzuschauen. Brian King ist ein erster Eyecatcher. Klar, er kann sich frei bewegen, er ist nicht an sein Mikrofon gebunden wie Bandkollege David Prowse an sein Schlagzeug. Er okkupiert die Bühne, macht und tut, verausgabt sich. In den Songpausen, in denen er seine Gitarre nachjustiert, wirkt er entsprechend kurzatmig.

Nach einer halben Stunde, die Japandroids haben gerade vier Songs gespielt, wird es merkwürdig. Ich merke, wie meine Konzentration nachlässt. Der diffuse Sound, die ungemein brummende Gitarre, die ungestümen Drums und die sich überschlagenden Stimmen scheinen mich zu überfordern. Es ist die Zeit um „Wet Hair“, in der ich gar nichts mehr weiß. Ist es nun ein famoses Konzert oder ist es ein missglückter Auftritt?
Hätte man mich gestern Abend im Zug auf der Heimfahrt gefragt, ich hätte mit “fürchterliches Konzert“ geantwortet. Heute jedoch glaube ich: es war ein famoser Abend, der noch lange nachhalten wird.
Japandroids Konzerte sind keine leichte Kost. Sie müssen erst sacken, damit man ihre Großartigkeit erkennt. Ja, ich glaube, dass ist es.
Beim nächsten Mal bin ich besser vorbereitet, dann weiß ich Bescheid.
Prädikat sehenswert.
“It’s raining in Vancouver – but I don’t give a fuck – ’cause I’m far from home tonight.”

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
Health – Köln, 17.10.2009

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Trespassers William

5 Feb 2010 | von frank | Kategorie: video - live im konzert | ein Kommentar
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