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Ort: Bumann & Sohn, Köln
Vorband: Hater

An diesem Abend fiel mir die Entscheidung nicht leicht. Lucy Dacus oder Ought? Schon früh hatte ich mir ein Ticket für die Kanadier besorgt, in den letzten Wochen jedoch mehr und mehr die US-amerikanische Sängerin für mich entdeckt.
Beide gingen aber nicht. Köln ist nicht Brüssel, wo tags zuvor beide Bands nacheinander in der Botanique Konzerte gaben. Das kleine Festival schlappe 200 km entfernt wurde komplettiert durch die Band Hater und war damit zum einen musikalisch stimmig und reizvoll besetzt.
In Köln spielte Lucy Dacus im Blue Shell, Ought zusammen mit Hater im Bumann & Sohn. Beides kleine Läden, beide irgendwie toll für überschaubare Konzerte. Durch den zeitigen Ticketkauf war die Wahl quasi entschieden, selbstläufig fiel meine Wahl auf Ought. Schließlich sind sie sowas wie eine verkappte Lieblingsband. Verkappt deswegen, weil ich gerne auf ihre Konzerte gehe, dieses sollte mein drittes Konzert sein, ihre Platten zuhause dagegen fast nie höre. Tatsächlich besitze ich gar nur ihre Debütplatte More than any other day, und die sogar nur als digitalen Download. Strange, isn’t it?!

Wenn selbst ich ihre Platten nicht kaufe, muss ich mich nicht wundern, dass Ought nicht größer sind. Tue ich aber doch, denn die Band macht vieles richtig, um eine große Band zu sein: sie haben schöne Referenzen an die Postpunk Bands der 1980er Jahre, sie haben einen musikalischen Wiedererkennungswert, der sie einzigartig sein lässt, sie haben schöne Melodien, Tim Darcy, der Sänger, eine tolle unverwechselbare Stimme, sie haben schöne Gitarren und nicht zuletzt haben sie fantastische Songs. Ihr More than any other day ist ein Indie Meilenstein, mit das beste Album der letzten 10 Jahre. Ought erinnern mich an Television, an die Talking Heads (wegen der stimmlichen Ähnlichkeit zu David Byrne) und an Pavement. Von all diesen haben sie etwas, verlassen sich aber nicht darauf sondern ergänzen, erweitern, modifizieren. Ought sind nicht bloße Kopisten, das wäre auch zu billig. Für mich sind Ought eine der am meisten unterschätzten Band der 2010er Jahre.

Das mit dem Wiedererkennungswert hat sich mit dem letzten Album ein bisschen geändert. Room inside the world klingt schon anders als die beiden Vorgänger. Sind da mehr Keyboards drin? Ja, da sind mehr Keyboards drin und auch der Gesang wirkt auf mich melodiöser und weniger leiernd. In der Summe wirkt Room inside the world auf mich reifer, professioneller, weniger verschroben. Verschroben in Anführungsstrichen. Sei es, wie es ist, ein schönes Album ist Room inside the world und die Veränderungen schrecken mich nicht ab. Ich bleibe Ought Fan.

Hater, da war doch was.
Gab es nicht auch eine Seattle Band mit Namen Hater, die sich aus Soundgarden Mitgliedern und dem Bruder des damals schon verstorbenen Mother Love Bone Sängers zusammensetzte? Das Projekt hat, wenn ich mich recht erinnere, ein Album herausgebracht. Unabhängig davon, Hater, so heißen doch nur Heavy Speed Black Metal Bands. Zackig geschriebener Namenszug inklusive, gerne auch als Aufnäher für Jeansjacken am Merch zu kaufen. Diese Hater dagegen, die das Vorprogramm bestreiten, sehen lieb aus und machen lieblichen Indiepop. Hater kommen aus Malmö und sind als Quartett unterwegs. Die Sängerin Caroline Landahl wird unterstützt durch Måns Leonartsson, Adam Agace und Lukas Thomasson. Ihre Musik zu beschreiben ist einfach: Dreampop, Indiepop.

Taking their musical cues from the likes of Alvvays, The Pretenders, Neil Young and The Radio Dept, all led by Landahl’s gorgeous vocals, Hater soon drew a lot of attention, including praise from international music publications such as The FADER and The Line of Best Fit.

So steht es auf der bandcamp Seite der Band, die ich dringend empfehlen möchte. Also die Band, nicht die bandcamp Seite. Hater haben ein Album (You tried)und eine EP draußen, beide sind sehr gut anhörbar.

Das Hater sich lohnen, hat sich rumgesprochen. Das Bumann & Sohn ist bereits zur Vorgruppe gut gefüllt. Hater wirkten sehr sympathisch.

Als Ought gegen kurz nach neun Uhr die niedrige Bühne betreten, ist es dann gut voll. Ich bin zum ersten Mal hier, fühle mich aber direkt wohl. Eigentlich ist der Laden für Konzerte nicht ausgelegt, vermittelt dadurch andererseits jedoch eine besondere Atmosphäre.
Ought beginnen mit Stücken vom neuen Album. Die aktuelle Single „These three things“ ist auch darunter. Als sie im weiteren Verlauf zu den älteren Sachen switchen, bemerke ich auch live den Unterschied zwischen älteren und neuen Songs. Bei „Habit“ und „Beautiful blue sky“ klingt es gleich eine Spur zackiger und bassgetragener. Eine Leichtigkeit wie in „These three things“ ist hier für mich nicht zu spüren. und weniger poppig.
Der Drummer spielt stoisch, leicht einschläfernd. Da ist kein wildes Gekloppe, kein überstarker Körpereinsatz. Ab und an ein Kopfnicken, das muss reichen. Tim Keen strahlt eine wohltuende Ruhe und Entspanntheit aus, ganz anders als die letzten The Animal Schlagzeuger, die ich an den Schlagzeugen gesehen habe. Überhaupt sind Ought eine supercoole Band in Chino Hosen. Keine großen Gesten, kein großes Rumgehampel. Damit erinnern sie mich an Pavement. Hier und da ein Fingerzeig von Tim Darcy, ein gezischtes ‘Yessss‘, das ist es. Die anderen beiden Oughts Matt May und Ben Stidworthy sind zu sehr mit ihren Instrumenten beschäftigt, als dass sie etwas anderes machen könnten.

Ich gebe zu, „Beautiful blue sky“ und alle anderen älteren Stücke machten mir am meisten Spaß. Mit den neuen Sachen fremdle ich noch ein bisschen. Aber das wird sich legen, da bin ich mir sicher.

Zugabe. ‘We play a Greatful Dead Cover‘. Ah ha, okay. Das Cover entpuppt sich schnell als „Today more than any other day“. Sehr schön. Fehlt ja nur noch „The weather Song“, um das Hit Trio von More than any other day komplett zu machen. Ich habe gerade zuende gedacht, als Ought  ihren allerletzten Song anspielen: „The weather Song“. Noch schöner!

Ein wunderbarer Abschluss eines schönen kleinen Konzertes.

Kontextkonzerte:
Ought – Köln, 13.11.2014 / King Georg
Ought – Primavera Sound Festival Barcelona, 28.05.2015
Ought – Le Guess Who? Utrecht, 19.11.2015

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."