| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Meine Mitbewohnerin bemerkte neulich, sie könne sich kaum was Langweiligeres vorstellen als einen Film zu schauen, der 90 Minuten lang die Bewegungsabläufe eines Fußballers während eines Fußballspiels dokumentiert. Und sei dies nicht schon genug, sich anschließend auch noch die schottische Band Mogwai live zu anzusehen, das sei ja wohl die Krönung der Langeweile. (Ich muss ergänzen, dass meine Mitbewohnerin Mogwai nicht ganz so toll findet.)
Da gingen doch nur Jungen hin, war ihr kopfschüttelndes Schlusswort.
Na ja, so ist sie halt.
Ich möchte aber sagen, dass es sich bei dem Fußballer nicht um irgendeinen Kicker handelt, sondern um das schwitzende Genie und weltbesten Mittelfeldspieler der letzten Dekade Zinedine Zidane (genau, der mit dem unrühmlichen Abgang im WM Finale 2006), und das Mogwai hochspannende Musik machen.
Im Rahmen des Theaterfestivals Bochum schaffte es das Schauspielhaus, die Band zu einem Konzert im Anschluß an die Vorführung des Films „Zidane: a 21st Century Portrait“ zu ermutigen, zu dem Mogwai den herausragenden Soundtrack geliefert hatten.
Und ob nur Jungen da waren, galt es zu überprüfen. Durch diverse Staus auf diversen Autobahnen kam ich zum ersten Gong auf dem Vorplatz des Schauspielhauses. Von wegen nur Jungs, ich habe definitiv mehr als 10 Mädchen ausmachen können. Tendenziell glaube ich zwar auch, dass Mogwai eher eine Jungs- als Mädchenband ist, aber heute war davon nicht allzu viel zu merken. Auch der Fußballfilm schien sie nicht abzuschrecken, wenn ich mal unterstellen darf, dass Mädchen weniger mit dieser Ballsportart anfangen können als Jungs. Nein ich weiß, Pauschalurteile haken immer!
Also, erst Herr Zidane, dann Mogwai. Von der Platzanweiserin erfuhr ich, das Mogwai nach einer halbstündigen Aufbaupause ein volles Konzert spielen werden. Ich hatte gedacht, dass sie höchstens eine Stunde Musik machen, mehr als Ergänzung zum Film und nicht als eigenes Konzert.
Aber da habe ich die Rechnung ohne die Schotten gemacht. Als der Film lief, saßen die fünf Glasgower noch beim Barbecue, wie Stuart Braithwaite später erzählte. Überraschend für mich, dass viele Besucher nicht auf den Film vorbereitet waren. Ich hatte den Eindruck, dass sie nicht wussten, was sie hier erwartet. Hätten sie sich doch vorher mal das filmische Vorbild Fussball wie noch nie angeschaut. Nach guten 20 Minuten lag ein gewisses, „ohh ist das zähh“ in der Luft und noch vor der Halbzeit verließen die ersten Jungs (!!) den Saal. Zu diesem Zeitpunkt führte der FC Villarreal mit 1 zu 0 und Zinedine Zidane lief viel ohne Ball, hatte aber keine rechte Bindung zum Spiel. Nach einer guten Stunde, gerade fiel der Ausgleich, verabschiedeten sich erneut einige Jungs und Mädchen aus dem Schauspielhaus.
Im Pausengespräch vor dem Mogwai Auftritt hörte ich, dass viele doch sehr an der eindimensionalen 90 Minuten Dokumentation zu knabbern hatten. Kann ich verstehen, ist halt nicht jedermanns Sache 80 Minuten einem Paar Beine beim Laufen zuzuschauen.
Aber nun war es ja um, und der laute Teil des Abends konnte beginnen.
Und laut war es!! Nach fünf Minuten hatte ich das Verlangen, mir Taschentücher in die Ohren zu stopfen. Dabei saß ich in der vorletzten Reihe und somit schon einige Meter von der Bühne entfernt. Mogwai starteten mit „I am Jim Morrison, i‘am dead“ und „May nothing but happiness come through your door“ vom 99er Album „Come on die young.“Es schlossen sich weitere zehn Songs an, die alle das Prädikat herausragend verdienen. Das Set war dem Veranstaltungsort würdig, der rahmen passte maßgeschneidert. Gemütlich und entspannt drückten wir uns in die Theatersitze, konnten so der leicht drückenden Luft trotzen und uns voll auf Mogwai einlassen. Es wurde wundervoll und die Zeit verging. Mogwai redeten nicht viel, abgesehen von den vielen „Thanks“ und der Barbecue Danksagung an die Organisatoren. Das machen sie immer so und mir fällt es schwer, etwas über Mogwai zu schreiben.
Also lasse ich es. Es war ein toller Abend mit einer tollen Band! Ach ja, Madrid gewann noch 2:1, Zinedine Zidane sah kurz vor Schluss die rote Karte.

Setlist (via setlist.fm):
01: I’m Jim Morrison, I’m dead
02: May nothing but happiness come through your door
03: Scotland’s shame
04: Hunted by a Freak
05: Christmas steps
06: Cody
07: Friend of night
08: Autorock
09: Small children in the background
10: Thank you Space Expert
11: Helicon Pt. 1
12: Two Rights make one Wrong
Zugabe:
13: Like Herod
14: Batcat

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Multimedia:
Archiv: Mogwai – Essen, 11.09.2006
Archiv: Mogwai – Köln, 29.10.2008

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."