| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Es war eines dieser ich-komm-einfach-mal-mit Konzerte. Grundsätzlich würde ich mich nicht als großen Fan französischer Chansons bezeichnen. Bei Namen wie Benjamin Biolay, Dominique A., Coralie Clement oder Françoiz Breut fangen meine Augen nicht automatisch an zu leuchten. Dass ich diese Namen überhaupt kenne, verdanke ich meiner Mitbewohnerin, die sich in diesem Bereich gut auskennt und sich bei jedem Besuch der französischen oder belgischen Hauptstadt stundenlang im FNAC oder sonstigen CD Läden rumtreibt. Immer auf der Suche nach neuen Namen und neuen Alben, an die in Deutschland nur schwer ranzukommen ist. Ihr habe ich auch mein erstes Nouvelle Scène Française Konzert zu verdanken: Coralie Clement vor vielen, vielen Monaten. Das war sehr schön, und so musste ich nicht lange überlegen, dem Besuch des diesjährigen Le Pop Events im Kölner Stadtgarten zuzustimmen.
Le Pop, ein kleines Label zweier umtriebige Kölner, die mit einer Reihe von Samplern versuchen, die französische Musikszene bekannter zu machen. Le Pop en tour ist die dazugehörige, alljährlich stattfindende, Konzertreihe.
In diesem Jahr – passend zum neuen Le Pop Sampler Les Filles – gehörten zwei Frauen zum Line Up, Marianne Dissard und die Françoiz Breut.
Über den Namen Françoiz Breut könnte man schon mal gestolpert sein, Marianne Dissard, die gerade ihr erstes Album veröffentlicht hat, ist vielleicht die große Unbekannte.
Wüstenrock. Dieses Wort verbindet man nicht unbedingt mit der „Nouvelle Scène Française“. Auch „Desert Chanson“ sind zwei Worte, die scheinbar nicht zusammen gehen.
Doch mit diesen Begriffen wird die Musik Mariannes umschrieben, die gestern zusammen mit Gitarrist Clay Koweek und Schlagzeuger Andrew Kolberg ein launiges Set ablegte.
Desert Chanson. Wem ist denn da nichts Besseres eingefallen. Dass Marianne Dissard derzeit in Tucson / Arizona lebt, und das Debütalbum „L’Entredeux“ zusammen mit Calexicos Joey Burns entstand, war bestimmt ein Grund. Ebenso die starken Verpflechtungen zwischen Marianne und Calexico und Giant Sand. Unter anderem drehte sie den Dokumentationsfilm „Drunken Bees“ über Giant Sand und sang in Calexicos „The Ballad of Cable Hohue“.
Ihr 45 minütiges Set ist ruhig und melancholisch. Zwischen den Stücken flüstert sie geradezu ihre Ansagen ins Mikrofon. Ab und an taucht eine raue Gitarrensequenz auf, nicht zu stark, gerade so, als wolle Gitarrist Clay Koweek ein kleines Lebenszeichen funken. Sonst hält sich der Lärm zurück. Die Säge, die in einem ihrer Songs als Instrument herhalten darf, vernimmt man kaum, der Gesang ist unhektisch, langsam und zurückhaltend.
Calexico sind das Bindeglied zur zweiten Künstlerin des Abends, Françoiz Breut. Zusammen mit der amerikanischen Band tourte sie 2005 durch Deutschland und übernahm zeitweise den Gesangspart von Marianne Dissard bei „The Ballad of Cable Hogue“. Im Gegenzug coverten Calexico „Si tu disais“, dem kleinen Hit aus Françoiz erstem Album „Vingt à Trente Mille Jours“.
Aber auch Giant Sand coverten ihre Stücke, und so scheinen die beiden Protagonistinnen des diesjährigen Le Pop viele Gemeinsamkeiten zu haben, die einem auf der Bühne nicht sofort ins Auge fallen. Da schließt sich der Kreis und ich denke es ist kein Zufall, das die Le Pop Leute diese beiden Künstlerinnen engagiert haben.
Francoiz Breut, Mittegründerin und Pionierin der „Nouvelle Scène Française“. Das klingt bedeutsam, doch ich muss eingestehen, dass ich nicht vielmehr über die Französin, die jetzt in Belgien wohnt, sagen kann. Hier weiß Wikipedia mehr, und alle anderen sowieso:

„Als habe sich Morrissey in eine Französin verwandelt“ (Die Zeit)
„Die Sängerin und Komponistin aus Nantes hat die packendsten, mysteriösesten Neo-Chansons, die man kriegen kann […]. Ein wunderschönes französisches Blutmärchen.“ (Rolling Stone)

Na gut.
Genau wie Marianne Dissard kommt auch Françoiz Breut mit zwei Begleitmusikern auf die Bühne. Luc Rambo Frank Baya am Schlagzeug, oder französisch „Batterie“, was viel lustiger klingt, und Boris Gronemberg an der Gitarre oder wahlweise am Banjo. Zusätzlicher Begleiter ist ein kleiner Schallplattenspieler. Da hört man mal Klaviermusik, eine Stimme das Alphabet runtersprechen oder sonstige Soundkompositionen. Auf diese Art wird jeder der Songs des regulären Sets eingeläutet. Einzig bei den drei Zugaben verzichtet Françoiz auf dieses Gimmick.
Das Konzert ist ein gesunder Querschnitt aus ihren letzten drei Alben. Zweimal wurden englischsprachige Stücke berücksichtigt „Over all“, das letzte Stück des regulären Sets und „Please be angry“. Beide stammen vom vorletzten Album „Une Saison Volée“ und wurden von der schwedischen Band Herman Dune geschrieben.
Eine Coverversion gab es auch, „Le Premier Bonheur Du Jour“, ursprünglich von Françoise Hardy.
Nach guten 100 Minuten ging Françoiz Breut entgültig von der Bühne. Interessant und abwechslungsreich war es. Ich habe viele neue Sachen kennengelernt, die sonst wahrscheinlich an mir vorbeigegangen wären. Zum „Nouvelle Scène Française“ Fan werde ich aber nicht. Dafür ist meine Begeisterung (noch) nicht groß genug. Nichtsdestotrotz war es ein schöner Abend! Ich komme gerne wieder.

Konzerttipp: Coralie Clement im Luxor, 24.04.2009

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Multimedia:

Fotos François Breut: frank@ipernity
Fotos Marianne Dissard:frank@ipernity

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."