Ort: Live Muisc Hall, Köln
Vorband: Sleigh Bells

M.I.A. - Köln, 16.11.2010

Ich bin neugierig. Und ich habe keine Ahnung darüber, was mich heute Abend in der Live Music Hall erwartet.
Als ich mir vor Wochen ein Ticket für das M.I.A. Konzert im Kölner E-Werk gekauft habe, war ich in einer kurzen HipHop Phase. Neben einigen anderen Platten hatte ich mir auch „MAYA“, das aktuelle Album der englischen Künstlerin Mathangi Arulpragasam gekauft. Ich fand es auf Anhieb toll und es wurde mir ein dauerhafter Weggefährte auf dem mobilen mp3 Spieler.
Dann gingen die Wochen dahin, neue Alben kamen und eroberten die Festplatte. „MAYA“ verlor ich so ein bisschen aus den Ohren, ab und an gab ich mir noch kurze XXXO Schnipsel, aber mehr nicht. Vor einigen Tagen erhielt ich eine Mail, die mir mitteilte, dass das M.I.A. Konzert vom E-Werk in die kleinere Live Music Hall verlegt wurde.
Nun, dachte ich, der große Zuspruch schien ja ausgeblieben zu sein. Was mich ehrlich gesagt überraschte, denn die üblichen Musikzeitschriften lobten sowohl das Album und brachten auch größere Geschichten über die Sängerin.
Auch die Live Music Hall war bei weitem nicht ausverkauft. Gut besucht, würde ich es nennen, denn als ich um kurz nach acht die Halle betrat, war es gähnend leer vor der Bühne. Das Publikum, eine gute Mischung aus gemeinem Indievolk und Dance-HipHop Partygängern hielt sich dezent im Hintergrund.
Da ich es in den letzten Tagen nicht mehr geschafft hatte, nochmals in das Album hineinzuhören, freute ich mich darauf, dies in wenigen Augenblicken live machen zu können. Die Tracks waren irgendwie aus meinem Kopf verschwunden. Der November ist aber auch ein blöder Monat, viele Alben werden veröffentlicht, viele Konzerte stehen an. Soviel Musik kann sich kein Mensch merken.

Sleigh Bells aus New York City eröffneten den Donnerreigen. Acht große Boxen zusätzlich mittig auf der Bühne stehend bildeten ihr Bühnenbild. Nicht schlimm, also fürs Auge, denn vor lauter Disconebel und dunklem, blauen Licht konnte man eh kaum etwas erkennen. Für die Ohren wurde es da schon kritischer. Laut und mit so einem Wummsbass, der mir voll auf den Magen schlug, dass ich davon Hunger bekam, spielten Alexis Krauss und Derek Miller ihr Set. Vor ihrer Boxenwand hüpften sie hin und her und feierten die großen Gesten. Ihr Brachialsound aus Gitarre und Beats erinnerte mich an eine weibliche Variante der Prodigy. Weiblich deswegen, weil der Gesang von Alexis Krauss, wenn man ihn denn hörte, nicht ganz so tough herausgebrettert ankam wie bei den drei Briten. Der gesang war heute das problem. Weder bei den Sleigh Bells noch später bei M.I.A. war allzu viel davon zu hören. Die Beats waren einfach zu dominant und laut.
Das Publikum war eingestimmt, als kurz darauf das Set von M.I.A. begann.
Und es startete erst einmal ohne die Hauptkünstlerin. 20 Minuten lang schraubte und drehte ein DJ die Platten auf seinen beiden Tellern. Das machte er mal besser, mal langweiliger. Als die Langweiler immer stärker wurden und sich erste leichte Unruhe bemerkbar machte, erklangen endlich die ersten Samples von „The message“.
Es ging also los. M.I.A. stürmte in golden glänzender Hose und schwarzem, rot bedrucktem Seidenhemd die Bühne. Und sie ging sofort in die Vollen.
2 Tänzer, eine DJane und eine Schlagzeugerin hatte sie mitgebracht. Und eine wilde Videoshow.
Nachdem am Montag Amy Macdonald mit eher sanften Bildern ihr Konzert untermalte, wählte die Engländerin die wildere Variante. Macht ja Sinn, wenn man sich an die sehr unterschiedlichen Musikstile der beiden erinnert.
Also, Licht gab es, zwei Tänzer auf der Bühne auch, ein wild hüpfendes und tanzendes Publikum vor der Bühne obendrein und weiterhin sehr laute, dröhnende Beats. Na das konnte ja was werden!
Beim dritten Song durfte die halbe Live Music Hall auf die Bühne um dort weitertanzen, nach einer halben Stunde war der Tempozeiger immer noch auf Maximum. Zwei kleinere Stagedive Einlagen M.I.A.s wurden nur durch eine Kamikazeaktion der beiden Tänzer getoppt: Urplötzlich sprangen sie aus vollem Lauf in die ersten Reihen. Ob sie aufgefangen wurden, ich mag das anzweifeln. Zumindest habe ich sie die nächsten 2 Tracks nicht zu sehen bekommen. Erst zum letzten Stück nach gerade mal 45 Minuten Spielzeit (exklusive DJ Set) tanzten sie wie eh und je.
Richtig, und dann war Schluss. Blaues Bühnenlicht, mehr sahen wir nicht mehr.
Nach einiger Zeit folgten noch drei Zugaben, bevor sich Mathangi Arulpragasam endgültig mit einem kaum verständlichen „Thank you, good nicht“ verabschiedete. Ohne „XXXO“ gespielt zu haben, das einzig blöde an diesem Abend.
Eine Stunde M.I.A. waren Geschichte. Ich war zufrieden, die Show hatte meine Erwartungen weit übertroffen. Und meine Ohren brauchte mal eine wenig Ruhe. Jede weitere Minute wäre einer Reizüberflutung gleichgekommen.
Man soll doch aufhören, wenn es am schönsten ist, und nach einer Stunde war für mich dieser Moment erreicht.
Vielleicht bin ich nicht „Raver-Techno-Dance-Grime-Clash“- Biest genug, um das länger aushalten zu können. Doch das ist mir aber egal, das möchte ich auch gar nicht sein. Ich hatte meinen Eindruck, und der war sehr positiv. Man sollte wissen, dass ich eigentlich nicht auf ein Zeug stehe. Aber M.I.A. ist toll, das hat sie mir an diesem Abend gezeigt.
M.I.A. = Missing in Action

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Muckefukk

    Guter Artikel. Hätte sie gerne mal gesehen, gestern war sie in Berlin (leider hab ich’s verpasst) und anscheinend war dort bereits nach 50 Minuten Schluss – ohne Zugabe.
    Ich würde mir trotzdem gerne mal selber ein Bild machen, was MAYA und co. live so kann. Viele Tracks (vor allem auf dem neuen Album) sind ja eher schwierig (lange) zu ertragen.
    Vielleicht nächstes Mal…

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