| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ein Bandname, der klingt wie eine Orangensaftmarke bei Rewe. Nicht böse sein, Neil, Ellen, Ollie, Tom, Gareth, Harriet, Kim und Robert, aber das lag mir einfach auf der Zunge.
Also, Los Campesinos!, was soviel heißt wie „Die Bauern“, sind eine überaus nette, sympathische, junge Band, die tolle Konzerte spielt und der man nie nie böse sein kann, geschweige denn auch nur ein schlechtes Wort über sie schreiben kann.
Wenn man an einem Samstagabend mit dem regionalen öffentlichen Personennahverkehr unterwegs ist, kann das mitunter sehr anstrengend sein. Frauengruppen, Männergruppen und junge Erwachsene hibbeln in den Waggons. Der Abend in der Großstadt ist ihr Ziel, die gute Laune jetzt schon erreicht. Hinten links klirren Flaschen, wechselt sich Gekichere mit lautem Erzählen ab. Es ist schön zu erfahren, dass Sabine die Kondome eingepackt hat und erste Planungsstrategien zwecks gerechter Einteilung der gebuchten Doppelzimmer vornimmt. Sie bleiben also über Nacht. All das wollte ich gar nicht erfahren.
Der Geräuschpegel ist hoch, die Sitzplätze sind rar. Tocotronic sangen mal: „Samstag ist Selbstmord“. Solche Zugfahrten kommen nahe dran!
Nun gut, ich verabschiede mich aus dieser Welt mit Musik. Gott sei Dank hat vor einigen Jahren jemand tragbare Musikabspielgeräte erfunden und so lausche ich noch dieser walisischen Band, die ich gleich im Gebäude 9 sehen werde. Los Campesinos!, acht junge Menschen aus Cardiff und seit dem Melt! 2007 für mich die personifizierten Hotelfrühstücksbuffet-Mineralwasserflaschen Klauer.
Die Einladung zum Konzertbesuch konnte ich nicht abschlagen, war es doch eine willkommene Abwechslung zu den samstäglichen Sportverpflichtungen, denen ich an diesen Abenden gewöhnlich nachgehe, die aber an besagtem Abend nicht stattfand.
Und die Abwechslung ist ihnen gelungen. Ich hatte die Band erst einmal für 10 Minuten gesehen, und auch albentechnisch sind mir die Waliser eher durchgegangen, als das ich sie bewusst in meinen Interessenfokus gesetzt hätte. Doch das muss sich jetzt ändern! Denn das, was Los Campesinos! am Samstag live abgeliefert haben, war sehr überzeugend. Gute 70 Minuten lang Pop der angenehmeren Sorte. Twee Pop, dessen Begeisterung mehr als ansteckend ist. (Den platten Vergleich mit den erst kürzlich hier erwähnten Throw that beat zieh ich glatt!)
Bäder in der Menge! Am Ende waren mehr Campesinos vor der Bühne als auf derselben zu finden.
Die Minuten davor waren geprägt durch Synchrongeklöppel auf den beiden mitgebrachten Glockenspielen, Duettgesängen zwischen den Geschwistern Kim und Gareth und Kim sowie virtuosem Geigen- und Schlagzeugspiel.
Das Publikum, das alters- und kleidungstechnisch durchaus auch hätte Band sein können, tanzte und feierte. Die Stimmung war top und überhaupt denke ich, dass die Los Campesinos!, ähnlich wie ihre Kollegen von Sky Larkin, zu dieser Art von Musikern gehören, die man am liebsten mit nach Hause nehmen möchte. Unheimlich sympathisch, unheimlich liebenswert.

Großen Respekt an die acht Musiker, die es binnen weniger Songs schafften, alle auf ihre Seite zu ziehen, lange bevor mit „You!Me!Dancing“ und den letzten beiden Songs „Sweet dreams, sweet cheeks“ und „ Broken heartbeats sound like breakbeats“ alle Dämme brachen.
Ihre Unbeschwertheit und Heiterkeit sorgt dafür, dass die ein oder andere schwächere Phase des Abends, die es durchaus gab, kaum ins Gewicht fiel und in der Nachbetrachtung längst verschwunden ist. Ausgelassenheit für eine Stunde, das funktioniert. Falls die Band jemals längere Konzerte planen sollte, könnte es Probleme geben. In der Kürze liegt … Blabla, und hier sind die Los Campesinos! wahre Helden und live sehr empfehlenswert. Getreu dem Motto: „We Throw Parties, You Throw Knives“.
Die Rückfahrt mit der Bahn gestaltete sich der Hinfahrt sehr ähnlich. Die Menschen waren jedoch ruhiger, der Abend schien seine Spuren hinterlassen zu haben. Gedämpft wurden die beobachteten Eindrücke ausgetauscht. Ich war scheinbar nicht der Einzige, der einen feinen Musikabend genossen hat. Andrea Berg, Trägerin des Verdienstkreuzes am Bande, trat an diesem Abend in der Kölnarena auf und schien für ähnliche Begeisterung gesorgt zu haben.

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
Sky Larkin – Köln, 25.02.2009
Sky Larkin – Zürich, 02.03,2009

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."