| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

„Wie geht’s?“ fragte uns Sänger Tom Meighan. Aber warum spricht er seine Landsleute in deutscher Sprache an, frage ich mich.
„Sie fangen pünktlich an und sind zu den Tagesthemen fertig“, so die lapidare Ansage des Mannes an der Kasse, als ich mich über die Uhrzeiten informierte. Überrascht war ich nicht. Britische Bands, und gerade solche des Schlages Kasabians, machen es nicht über 90 Minuten. Fußballspiellänge und ideale Konzertdauer. Plus Vorband und plus Umbaupause hatte ich diesen zeitlichen Ablauf auch ungefähr eingeplant, als ich den fast- spontanen Trip nach Köln ausheckte. Kasabian hatte Zwar hatte ich schon des längeren auf meiner Live Liste, eine Karte für ihren Kölner Auftritt hatte ich mir aber nicht besorgt. Und ich war mir ziemlich sicher, dass dies nicht notwendig sei. Zwar müsste nach meinem Ermessen Kasabian mindestens im Palladium spielen, aber für mich sind ja auch Oasis die größte Band der Welt. Und ehrlich gesagt war ich der festen Überzeugung, dass es in der Live Music Hall nicht allzu voll werden würde.
Anfänglich sah es auch nach einer überschaubaren Veranstaltung aus. Gegen acht Uhr war die Halle zu knapp drei vierteln gefüllt. Während des knapp 50 minütigen DJ Plattenauflegens füllte es sich merklich, und als Kasabian zu ihrem 90 Minuten Set aus dem Backstagebereich hervorkamen, war es ordentlich gefüllt und kuschelig warm.
Den DJ hätte man sich schenken können, da seine Aufgabe einzig die war, Beatplatten schlechter Scheunenfetenqualität aufzulegen. Eine vorkonfigurierte Ipod Playliste hätte das genauso hinbekommen. Ich will sagen, es war kein DJ Set im Sinne von, z. B. den 2manyDJs, sondern eher das eines Disco DJs. Platten auflegen ohne weitere Zugaben. Staubtrocken wie Streuselkuchen. Und so hörten wir „Break on through“ und „My Generation“ und all so Zeugs. Wenig spannend, sehr langweilig. Der Kollege schien aber ein Kumpel der Band zu sein. Wenn ich gehässig wäre, könnte ich jetzt schreiben, na, der wollte wohl mit auf Europatour und die Rowdie und Fahrerjobs waren schon vergeben. Also hat man ihn einfach ins Vorprogramm gestellt.
Kasabian ließen dann noch ein paar Minuten auf sich warten, bevor mit „Mothman“ der Liveabend so richtig begann. Jetzt entdeckte ich ein etwas anderes Konzertverhalten. Als die Band die Bühne betrat, flogen vier bis fünf Bierbecher, von voll bis fast leer, Richtung und auf die Bühne. Ein eher britisches Fanverhalten, wie ich aus Erzählungen wusste. *
Und ab da wurde mir klar, dass die 10 Briten um mich herum nicht die einzigen Supporter heute hier waren. Die Frage „Is anybody from the UK?“ wurde mit einem grölenden „Yeah“ beantwortet und beinahe sämtliche Hände des Mittelblocks vor der Bühne flogen in die Höhe. Denn gut ein Drittel der Live Music Hall war in UK-Hand.

Wer die Kasabian Alben kennt weiß, dass er auf eine bunte Mischung unterschiedlichster Einflüsse trifft. Punk, Elektro, Pop, fast die gesamte Beatpalette wird tanzbar umgesetzt. Das letzte Album „West Ryder…“ ist an Hibbeligkeit ja kaum zu überbieten.
Das Liveerlebnis ist eine Blaupause. Auf der Bühne geht die Kasabian Clash Collage weiter. Hibbelig, aufgedreht und durch bunte Scheinwerferstafetten und Stroboskoplichter ausgeleuchtet wird die Unruhe des Kasabian Sounds gut metaphiert.
Verschnaufpausen gibt es für Tom Meighan und die ersten Reihen kaum. Wieso der lederne Trenchcoat des Frontmanns erst zur Hälfte des Sets weichen muss, ist mir nicht klar.
Spätestens zum zweiten Song „Underdog“ ist die Halle auf Betriebstemperatur. Es ist ein Geklatsche und Gehüpfe, das bei „Fire“ und „L.S.F.“ gegen Ende des Abends gar die vorletzten Reihen der Live Music Hall erfasst und selbstverständlich ist die UK-Fraktion Feiervorreiter. Um mich herum wird getanzt und mitgesungen. Aber auch der kontinentale publikumsteil feiert, vielleicht nicht ganz so extrovertiert, aber er feiert.
Ein wenig Ruhe kehrt erstmals bei „Where did all the love go?“ (sehr wenig) und im Doppel „Cutt off“ / „Thick as thieves“ (etwas mehr) ein, letztmalig bei „Secret Alphabets“. Der Rest ist Begeisterung und Schweiß.
Kasabian sind eine britische Band durch und durch. Sie gehören zu dem Typ, der mit den Launen des Publikums lebt oder stirbt. Ist die Stimmung gut, ist es die Band meistens auch. Ist das Publikum reserviert, kann es mit dem Konzert nichts werden. Gestern war die Stimmung gut, und Kasabian waren entsprechend engagiert. „Es ist toll, mal wieder in so einer kleinen Location zu spielen, es macht Spaß, den ersten Reihen so nah zu sein.“ Eine interessante Anmerkung, zu der sich Tom Meighan zu Mitte des Programms hinreißen ließ. Was wir er wohl heute sagen, die Bochumer Zeche ist gerade mal halb so groß.
Aber ob es das gute Konzert war, wie es die ausgelassene Stimmung vermitteln mag, ich bin mir nicht sicher. Es geht mir mit dem Kasabian Konzert so wie mit vielen anderen „Britpop“ Konzerten. Eine spontane Begeisterung geht irgendwie nicht. Ich muss sie erst sacken lassen aber meistens merke ich dann Tage später, wie toll es eigentlich war.
Kasabian sind toll. Sie könnten meine Oasis Ersatzdroge werden.

* Bisher habe ich noch kein Konzert auf der Insel besucht, und ehrlich gesagt habe ich auch ein bisschen Respekt davor. Ich stelle es mir wie kick-and-rush vor, nichts für ruhige Zeitgenossen.

Setlist:
01: Mothman
02: Underdog
03: Where did all the love go?
04: Swarfiga
05: Shoot da runner
06: Cutt off
09: Thick as thieves
10: West Rider
11. Empire
12: Take aim
13: Secret alphabets
14: Fire
15. Fast fuse
16: Doberman
17: Club foot
Zugabe:
18. Vlad the Empaler
19. L.S.F. (Lost Souls Forever)

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
Oasis – Düsseldorf, 04.02.2009

Oasis – Zürich, 01.03.2009

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."