| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Palladium, Köln
Vorband: Blonde Redhead

Auf der Rückfahrt fängt es an zu regnen. Im Radio laufen die Weakerthans. Ich denke über das Konzert nach. Über den reservierten Bassisten, dem die großen Gesten abhanden gekommen sind. Über das Publikum, das durchschnittlich nicht jünger war als wir. Und über die vielen männlichen Besucher, die Interpol mögen, (Achtung: These!) weil die Band gut zu ihren musikalischen Jugenderinnerungen passt. Und über einiges mehr. Der Regen nieselt dabei an die Frontscheibe. Das Wetter passt sich der Grundstimmung des Abends an.
Seit langem war ich nicht mehr so zeitig vor Ort wie gestern Abend. Um kurz vor 20 Uhr bog ich in die Schanzenstrasse Richtung Palladium ein und wunderte mich, warum erstens kein Parkplatzchaos herrschte, zweitens keine Schlange von Menschen vor dem Palladium stand und drittens der Innenraum nur gut zu einem drittel gefüllt war.
Schliesslich sollten doch gleich Interpol auf die Bühne steigen, um uns zu unterhalten. Doch bis es soweit war, mussten noch knappe zwei Stunden vergehen. Also, erstmal die Vorband gucken, die wir in voller Länge geniessen durften. Ein lange nicht erlebtes Gefühl. Und gestern war es genau zur richtigen Zeit wieder da. Blonde Redhead gefielen auf Anhieb. Die Band setzt sich aus zwei Herren mittleren Alters an Schlagzeug und Gitarre sowie einer Sängerin / Keyboardertin / Gitarristin zusammen. Hätten sie in ihren gitarrenlastigen Stücken eine Gitarre mehr an Bord, würden sie noch ein Stück stärker an Ride oder Slowdive erinnern. Aber Blonde Redhead nutzen stattdessen Keyboards und bringen so mehr sanfte Melodien und klangliche Strukturen in ihre Songs. Und die waren gut, sehr gut sogar. Von der melancholisch molligen Grundstimmung passten sie sehr gut zu Interpol und gaben so eine perfekte Einstimmung auf die New Yorker Indieband. Blonde Redhead kommen übrigens auch aus dieser Megacity. Woher auch sonst! Interpol Köln
Vom Publikum wurden sie entsprechend gewürdigt und ernteten mehr als nur Anstandsapplaus. Auch hier gilt (wie bei den Blood Red Shoes): Bitte demnächst wieder! Gerne im Gebäude 9!

Interpol spielten rockiger als bei ihrem letzten Auftritt vor 2 Jahren im E-Werk. War seinerzeit ganz viel Nebel auf der Bühne und wurde die Band fast ununterbrochen von hinten angestrahlt, so war die Lichtshow gestern etwas weniger ambient und sphärig. Nebel gab’s auch, aber nicht in der Masse wie man es von älteren Auftritten Interpols gewohnt war. Da Interpol eine Band ist, die Wert auf „ihr Äusseres“ legt, passte die Lichtshow natürlich perfekt und untermalte die insgesamt 17 Songs in wunderbarster Art und Weise. Ganz so, wie man es von einem Interpolkonzert erwartet.

Nachdem Blonde Redhead einen gute dreiviertel Stunde spielen durften (zurecht, und gut für mich, weil ich so die Band besser kennenlernen konnte), betraten Interpol gegen 21.35 Uhr die Bühne. Um zehn vor elf waren sie durch. Es folgten drei Zugaben, von denen „Stella was a diver and she was always down“ den krönenden Abschluss bildete. Das Set war moderat, es fehlten mir einige Kracher („PDA“, „Untitled“) aus der 2001er CD Turn on the bright lights. Mehrheitlich wurden Songs der neuen CD Our love to admire gespielt.
Das soll aber keine Kritik sein. In sich war das Set dann auch stimmig, ein roter Faden zu erkennen. Direkt nach den ersten Takten hatte ich das Gefühl, das es ein guter Abend wird. Es stimmte aber auch alles. Gute Stimmung im Saal, spielfreudige Band auf der Bühne, angenehme Zuschauatmosphäre. Da das Palladium nicht ganz voll war, ich denke zu einem knappen Zweidrittel gefüllt, herrschte kein allzu großes Gedränge und selbst im vorderen Bereich konnte man entspannt Musik schauen. Ganz so, wie man es mag und im Gegensatz zum Frühjahr, als in der Kulturkirche eine unschöne Enge herrschte und das Konzert anstrengend machte. Selbst der Sound, im Palladium oft gescholten, viel heute nicht negativ auf.
Nur der Bassist Carlos Dengler schien nicht zu grosser Form aufzulaufen. Sein mitunter unterhaltsames Posen am Bühnenrand fand gestern nicht statt. Egal und nicht weiter wichtig.
Alles in allem also ein mehr als gelungener Abend. Interpol sind definitiv eine Konzertempfehlung!

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."