Ort: Parkstad Limburg Theaters, Heerlen
Vorband: Ed Prosek
Meine erste Begegnung mit Heather Nova war im August 1994 im E-Werk. Es war im Rahmen des Big Cat Five Festivals. Fünf Bands, darunter Pavement, Blumfeld, Cop shoot cop und zwei weitere Bands, die mich so überzeugten, dass sie mir länger im Gedächtnis blieben: Lotion und Heather Nova. Von Lotion habe ich seitdem nie mehr was gehört und gesehen, von Heather Nova schon. Nach dem Minifestival kaufte ich mir ihr Livealbum Blow. Für elend viel Geld. 32,95 DM zeigt das Preisschild auf der Rückseite des Jewelcase. Seinerzeit, als die meisten CDs unter 30 Mark kosteten, ein stolzer Preis. Auf Blow sind die überragenden Liverversionen von „Sugar“ und „Maybe an Angle“ und zeigen Heather Nova als gitarrenlastige Band, die melancholischen und dunkleren Indierock spielt. Damals fragte ich mich, wie eine junge Frau, die von der ausgewiesenen Sonnen- und Schönwetterinsel Bermudas stammt, so eine herbstliche und triste Musik machen kann. Nachdem Oyster veröffentlich wurde und den verdienten Erfolg einheimste, wurde Heather Nova sowas wie das Indie-Pendant zu Sheryl Crow und Alanis Morissette. Bevor sie in den Mainstream Pop abdriftete machte Heather Nova schöne gitarrenlastige Indiemusik. Sie arbeitete mit der schwedischen Band Eskobar zusammen, spielte Konzerte mit Neil Young, unterstützte den Soundtrack von The Crow und war beim damals sehr angesagten Indielabel Big Cat unter Vertrag. Heather Nova machte in den 1990er Jahren vieles richtig. Blow und Oyster wurden für mich zwei Alben, die ich sehr gerne hörte, weil sie diese schönen, melancholischen und gitarrendominierenden Songs boten. Später wurde Heather Nova für mich belanglos. Ihre Songs wurden gegen Ende des Jahrhunderts immer poppiger und weniger sperrig, so dass ich ihren nächsten Alben keine Beachtung mehr schenkte. Und diese Lücke möchte ich auch nicht schließen. Mir reicht es, ab und an „Higher ground“ im Radio zu hören oder einen ihrer Auftritte beim 3sat Popfestival oder ähnlichen Veranstaltungen zu sehen.
Das Heather Nova Konzert wäre folgerichtig nie und nimmer in meinen Fokus gerückt, wenn es nicht mit dem Zusatz ‘…plays Oyster‘ versehen wäre. Oh, Oyster. „Maybe an angle“, „Walk this way“, „Verona“ und vor allem „Sugar“. Das könnte schon schön sein, diese Songs nochmal live zu hören. „Sugar“ war zwar nur auf der US-Version des Albums (ich kenne es vom 1993er Livealbum Blow), ich sah aber in den älteren Setlisten der Oyster Tour, dass sie ihn in die Konzerte eingebaut hatte und den Song als Zugabe spielen. Genauso wie die B-Seite „Blind“, mit der sie die Oyster Setlist in der Mitte des Plattenkonzertes aufmotzte. „Blind“ ist so ein Sechsminüter, der nur mit Cello und Kontrabass eine zauberhafte Stimmung zu erzeugen vermag und damit sehr gut in das Oyster Programm passt.

Bis dahin machten mir schon „Walk this way“ und „Islands“ besonderen Spaß. Die Band spielte sie laut, die Gitarren wurden schön von einem Cello unterstützt und Heather Novas Stimme ist nach wie vor top. Die hohen Sequenzen schafft sie glasklar und auf den Punkt. „Islands“, das ich sehr, sehr lange nicht mehr gehört hatte, versetzte mich nochmal kurz zurück in eines meiner ersten Heather Nova Konzerte. Ich erschrak über diesen Erinnerungsgedanken, denn er kam überraschend und unvorbereitet. Heather Nova muß im E-Werk einen großen Eindruck auf mich hinterlassen haben, wie sonst ist dieser Flashback zu verstehen. Im nächsten Augenblick wurde dieser Gedanke die endgültige Bestätigung dafür, dass es kein Fehler war, dieses Konzert zu besuchen. Denn natürlich hatte ich vorher Bedenken, dass neben den Oyster Sachen zu viele neuere Songs im Set stehen würden, die mir dann absolut nichts sagen und den Konzertabend verwässern bzw. belanglos machen. Ein unnötiges Bedenken, neuer waren nur „Sea grass“ vom aktuellen Album The way it feels und „Like lovers do“ vom 2002er Album South. Beide Stücke waren folgerichtig die schwächsten im Set. Ach nee, dieser 3sat Pop, ich kann meine Begeisterung dafür nicht hergeben.
„Maybe an angle“ und „Verona“ gefielen mir da um einiges besser. „Verona“ ließen sie mit ein paar Nirvana Zitaten aus „Smells like teen spirit“ enden. War das in den 1990er Jahren auch schon so? Ich glaube, ja. Ein Album spielen heißt immer auch, die schwächeren Songs der Platte im Programm zu haben. „Doubled up“ ist einer der schwächeren Stücke, dummerweise ist er der letzte Song der Platte und somit endet der Hauptteil des Konzertes nicht euphorisch, sondern plätschert irgendwie aus.

Weil Heather Nova anschließend im ersten Teil der Zugabe die neueren Stücke nachlegt, bevor die Band mit „Sugar“ nochmal ins Jahr 1994 zurückkehren, wird das Konzert für 15 Minuten sehr fad. Aber ein Klassesong ist in der Lage, dieses in Sekundenschnelle vergessen zu lassen. Und „Sugar“ ist ein Klassesong, der mir nochmal die interessante Heather Nova präsentiert und meine Argumente, dieses Konzert zu besuchen, mehr als rechtfertigt. Es ist ein dunkler Drücker, den die Band auf der Bühne minutenlang quasi zelebriert. Hätte Heather Nova doch nur hier weitergemacht, sie wäre auch in den 2000er Jahren interessant geblieben. Hätte, hätte Fahrradkette.
Nach der Zugabe kommt sie nochmal mit ihrer Cellistin zurück, um Neil Youngs „Like a hurricane“ akustisch zu präsentieren. Eine unnötige Coverversion, die mir in der Anordnung Akustikgitarre, Cello und Heather Novas Gesangsstimme keinen Spaß machte. Mir aber auch nicht die Suppe versalzte. Ich habe „Sugar“, „Verona“, „Islands“, „Walk this world“ und „Maybe an angle“ in alter Wucht erleben dürfen. Mehr hatte ich mir von diesem Abend nicht erhofft. Was also sonst noch!

Setlist:
01: Walk this world
02: Heal
03: Island
04: Throwing fire at the sun
05: Maybe an angel
06: Truth and bone
07: Blue black
08: Blind
09: Walking higher
10: Light years
11: Verona
12: Doubled up
Zugabe I:
13: Winterblue
14: Sea glass
15: Like lovers do
16: Sugar
Zugabe II
17: Like a hurricane

Kontextkonzerte:

Multimedia:

frank

Hallo, ich heiße Frank und blogge unter pretty-paracetamol seit 2006. Ich schreibe hier über meine Konzertbeobachtungen und über Musik, die mich umtreibt. Vieles davon kommt aus dem sogenannten Indiebereich, manchmal aber auch darüber hinaus.

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