| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Es war fürwahr ein komisches Wochenende. Die Nachwehen der zurückliegenden Woche waren mehr als deutlich, die Müdigkeit steckte nicht nur in den Knochen.
Ich hatte viel erlebt, neue Menschen kennengelernt, Musik gesehen und vor allem wenig geschlafen.
Aber für diesen Samstag stand noch das hochinteressante Intro Intim auf dem Programm. Aus meinem Plan, nach einem entspannten Tag abends ins Gebäude 9 zu fahren, wurde aber so nichts. Die Waschmaschine machte mir einen Strich durch die Rechnung. Sie versagte ihren Dienst, natürlich, just nach dem Mittagessen. Es musste Abhilfe her. Sofort. Die Hilfe traf mich in Form eines Saturn Mitarbeiters. Nach einer halben Stunde war die neue Maschine gekauft. Manchmal können Dinge schnell gehen. „Sie hat kein Jeansprogramm, ich trage jedoch Jeans“, dachte ich auf dem Nachhauseweg. „Ist das nun schlimm?“ Am Kaffeetisch und beim genüsslichem verspeisen des sahnigen Himbeerteilchens verdrängte ich diesen Aspekt. Jeansprogramm, so ein Quatsch.
Hmm, verdrängen ist gut, geht am besten bei lauter Musik. Health machen laute Musik, Noise nennt man das auch.
Health, oder schreibt man HEALTH, gehören zu den Bands, die man entweder bedingungslos liebt oder bedingungslos hasst. Ihr formidables Soundgewülst aus Lärm, Krach und lauter Musik ist nicht jedermanns Ding. Songstrukturen, klar, die gibt es auch, aber sie sind versteckt zwischen dem Geäst und in dem Dickicht aus Gitarrenlärm, treibendem Schlagzeug, allerlei Feedbacks und säuselndem, nicht verständlichem Gesang. Reizüberflutung par excellence. Und das in der Hauptsache und immer, obwohl, Health können auch anders. „Die slow“, im Gebäude 9 nach 15 Minuten eingebaut, hat Melodien und, oh Schreck, ist tanzbar. Ich habe neulich eine interessante Definition zu diesem Song gelesen. „Der Discofox für Noiser“. Das passt.
Health kommen aus Los Angeles und haben in ihren Songs ganz viel von den frühen Sonic Youth und My bloody Valentine, wenn diese mehr Metal wären. Sänger Jake Duzsik, Schlagzeuger Benjamin Jared Miller, Bassist Jupiter Keyes und Gitarrist John Famiglietti gründeten 2006 die Band, mit „Get Color“ haben sie dieses Jahr ein Album veröffentlicht, das man einen Meilenstein nennen könnte.
Ich hatte die Band zuvor im August auf dem Berlin Festival gesehen, und war ob der enormen Wucht und Bühnenkraft dermaßen beeindruckt, dass ich anschließend eine Stunde nichts anderes mehr hören konnte und wollte.
Es war ein Kraftakt sondergleichen, der sich im Gebäude 9 wiederholen sollte. Auch in lärmtechnischer Hinsicht. Health Musik muss laut sein, sonst wirkt sie nicht. Und Health waren laut. Sehr laut sogar. Aber ich war darauf vorbereitet und wusste ich Bescheid.

Es war ein tolles Konzert, knackige 45 Minuten lang und genau der richtige Abgang dieses bis dahin verkorksten Tages. Lärm als Therapie, Health sind dazu perfekt in der Lage.

Vorher hielt der Intro Intim Abend noch zwei andere Künstler bereit. Le Corps Mince De Françoise eröffneten vielversprechend. Ihr tanzbarer Mix aus Retrotechnodancefloor und hibbeligen Beats war lustig. Das finnische Mädchentrio um die beiden Schwestern Emma und Mia Kemppainen plus bester Freundin Mia Nykvist. Begeisterten mit unwiderstehlicher Tanzbarkeit. Ihr Set war kurzweilig, bunt und rasant, ihren Songs geben sie Namen wie „Ray- Ban glasses“ oder „Cool and bored“ und „Bitch of the Bitches“. Selten sagten Songtitel so viel über eine Band aus. Eine Frage bleibt jedoch: Warum nennt man eine Band „Der schlanke Körper von Francoise“?

Als Sandwich agierte Pictureplane aka Travis Egedy. Der 24-jährige stammt aus dem weiteren Health Umfeld, remixte unter anderem „Die Slow“ und begleitet die Kalifornier auf ihrer Europatour. Sein Keyboard- und Knöpfchenpult baute er vor der Bühne auf. Ein bisschen Alufolie drum herum, zwei Farbscheinwerfer und fertig war das DIY Mischpult der 00er Jahre dieses Jahrtausends. Hauptsache, der IPod Adapter funktioniert. In fünf Minuten Intervallen starte Travis neue Songs von seinem IPod, über die er sang und Effekte huschen ließ. Unterhaltsam für 10 Minuten, dachten auch andere. Der Saal leerte sich während seines Sets erklecklich.

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
Berlin Festival 2009 – Tempelhof, 08.08.2008

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."