| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |


„An evening with Greg Dulli and Mark Lanegan“.
Was wie eine Atlantic City Casino Dauerkonzertreihe zweier altehrwürdiger Musiker klingt, ist in diesem Fall eine Konzerttournee zweier Bandleader der einflussreichsten Bands der Grunge und Pre- Grunge Ära, die selbst nie wirklich Grunge waren.
Greg Dulli, ehemals Sänger der wunderbaren Afghan Whigs (wer es nicht glauben mag, dem empfehle ich das tolle „1965“) und Mark Lanegan, Sänger der grandiosen Screaming Trees.
Beide kollaborieren seit längerem (The Gutter Twins und Twilight Singers heißen die Projekte) und ziehen von Zeit zu Zeit mit Akustikshows durch die Lande. Nun war also Düsseldorf eine ihrer Stationen, und das Savoy Theater, das eigentlich ein Kinosaal war, ihr Wohnzimmer für einen Abend.

„Jetzt lauf’ ich die ganze Zeit mit einem Hut für vier Euro durch die Gegend“. Wir gehen die Treppen des Parkhauses hinunter auf die Strasse, als wir die Stimme hören. Neugierig blicken wir uns um und sehen ein älteres, wohl situiertes Ehepaar. Ist nun das Tragen des Hutes der Auslöser der Bemerkung oder die Tatsache, dass die Kopfbedeckung nur vier Euro gekostet hat. Wir vermuten letzteres und meine Mitbewohnerin lenkt verständnisvoll ein. „So sei sie eben, die gehobene Gesellschaft Düsseldorfs.“ Sie muss es wissen, hat sie doch Blutsverwandtschaft in diesen Kreisen.

Wir sind früh dran, vor dem Savoy Theater stehen nur wenige Menschen. (Das soll sich im Laufe des Abends im Kinosaal nicht großartig ändern, die Sitzreihen sind nur knapp zur Hälfte gefüllt). Wir treffen ein bekanntes Gesicht, lassen uns vom Kölner Leonard Cohen Konzert berichten, philosophieren über die Akustik der Köln-, äh Lanxessarena aus gegebenem Anlass und kriegen irgendwie den Schwenk zu Placebo. Ich habe das neue Album „Battle for the sun“ noch nicht gehört, weil ich Placebo seit „Black Market Music“ nicht mehr so bedingungslos mag, und kam gegenüber dem Käufer der Placebo Deluxe CD Box in unserer Runde in leichte Argumentationsnöte.
Es war mal wieder toll, sich über diese Dinge zu unterhalten und schnell war es acht Uhr und die Kinosessel warteten auf unsere Körper.

Der Abend begann erst mal ohne Greg Dulli und Mark Lanegan.
Als Vorspieler hatten sie zwei Vorsänger engagiert, die jeweils eine halbe Stunde ihr Können zum besten gaben. Im Gegensatz zu Duke Garwood, der mich nicht sonderlich begeisterte, ließ mich Jimmy Gnecco, der als zweiter Solokünstler an der Reihe war, aufmerksam bleiben. Er sei seit 13 Jahren nicht mehr in Deutschland gewesen und finde es klasse, sein bald erscheinendes Soloalbum hier präsentieren zu können, erzählte er irgendwann. Nun, wir hatten nicht unbedingt auf ihn gewartet, fühlten uns aber gut unterhalten. Das etwas lautere „The Heart“ im Mittelteil des Sets war berauschend und das abschließende „I heard you singing“ ebenso toll. (Man kann diesen Song übrigens kostenlos hier downloaden.) Seine Stimme hat einen irrsinnigen Tonumfang, und die Dramatik seiner Songs erinnert phasenweise an die britischen Muse. „Bright Antenna“, das Album von Herrn Gnecco, erscheint in Kürze. Eventuell dranbleiben.

Greg und Mark, was hat das Leben aus euch gemacht, bzw. ihr mit dem Leben. Wenn ich in eure Gesichter schaue, sehe ich das, was man sich landläufig unter Rock’n’Roll vorstellt. Aber nicht den Millionen Pfund Rock’n’Roll eines Keith Richards, sondern den realen 100 Dollar Rock’n’Roll eines, na zum Beispiel, Elliott Smith.
Aber hier soll’s um die Musik gehen und nicht um Lebensmodelle. Um da gilt folgendes: Greg Dulli und Mark Lanegan passen zusammen wie kaum zwei andere Musiker. Auf der einen Seite der Blues, Soul und Rock von Greg Dulli, der auch schon die Afghan Whigs so einzigartig machte, und auf der anderen Seite Mark Lanegans düstere, desaströs und zurückgezogen klingende Stimme. Gemeinsam bauen sie als Gutter Twins einen dunklen Soulrock, der viel Verzweiflung und wenig aufmunterndes beinhaltet.
Doch noch mal zu Mark Lanegan. Er scheint der ideale Co-Sänger zu sein. Nach dem Ende der Screaming Trees (1998) und verschiedener Soloalben wirkte er unter anderem als Gastmusiker bei Queens of the Stoneage’s „Rated R“ und „Songs For The Deaf“ mit, sang zusammen mit Isobel Campbell das anstrengende Album „Ballad for the Broken Seas“ ein und war – bevor sie sich zu den Gutter Twins zusammentaten – als Gast bei Greg Dulli’s Twilight Singers mit von der Partie.
Während Greg Dulli Gitarre und Klavier spielte, war Mark Lanegans natürliche Aufgabe das singen. Dass das live ein absolutes Erlebnis ist, ist noch untertrieben. Und im Akustikambiente des Savoy Kinos kommt seine markante Stimme noch mehr Geltung und war das Geld alleine wert.
Nahezu regungslos saß er auf seinem Holzstuhl. Während Greg Dulli jedes Mal Mühe hatte, sich die Gitarre um den Oberkörper zu hängen oder abzunehmen, und hierfür seinem Körper einen extremen Dehnungs- und Streckungsakt abverlangte, bestand Mark Lanegans Bewegungsspektrum aus einem leichten Wippen der linken Sternenhand auf seinen Oberschenkel. Ansonsten herrschte körperliche Ruhe.
Doch nach einer knappen Stunde kam Bewegung in die drei auf der Bühne. (Anmerkung: In Düsseldorf wurden Mark Lanegan und Greg Dulli von einem Gitarristen unterstützt.) Sie standen auf und verließen die Bühne. War es das schon? Ja, das war es leider schon. Noch drei kleine Zugaben und dann waren sie entgültig verschwunden. Schade.

Setlist:
01: The body (The Gutter Twins)
02: The stations (The Gutter Twins)
03: If I were going (Afghan Whigs)
04: Sworn & broken (Screaming Trees)
05: Down the line (Gutter Twins)
06: Creeping coastline of light (Mark Lanegan)
07: Resurrection song (Mark Lanegan)
08: The twilight Kid (The Twilight Singers)
09: Sunrise (Mark Lanegan)
10: Summer’s kiss (Afghan Whigs)
11: The river rise (Mark Lanegan)
12: Sunset machine (Gutter Twins)
13: I am in the heavenly way (Washington White)
Zugabe:
14: Candy cane crawl (The Twilight Singers)
15: One hundred days (Mark Lanegan)
16: Three hours (Nick Drake)

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."