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Ort: Gloria Theater, Köln
Vorband: Caro

Ghostpoet. Der Engländer Obaro Ejimiwe war meine Herbstentdeckung rund um das Crossing Border Festival in Den Haag vor einigen Jahren. Damals kam ich zufällig auf den Briten und war enorm begeistert von seinem Konzert, das er nur mit Keyboardbegleitung auf einer sehr dunklen Bühne präsentierte. An die feine Lichtshow habe ich gute Erinnerungen, ob tatsächlich nur eine Keyboarderin mit dabei war, dafür möchte ich jetzt mal meine Hand nicht ins Feuer legen. Ich bin mir aber ziemlich sicher. Anschliessend hörte ich Some say I so I say light rauf und runter. Die morbid-urbanen Triphop Sounds und die mehr gesprochenen als gesungenen Texte hatten eine große Faszination auf mich. Schnell landete auch sein Debüt Peanut Butter Blues & Melancholy Jam in meinem CD Spieler. „Cash and carry me home“, „Meltdown“, „Run run run“, ich mochte es, abends oder nachts einfach nur dazuliegen, die Alben zu hören und mir vorzustellen, draußen wäre die Großstadt.

Das alles ist fünf Jahre her. 2015 veröffentlichte Ghostpoet Shedding skin, in meinen Augen sein bisher bestes Album. Das Tourkonzert im Kölner CBE war toll. Logisch.
Den Haag war aber gar nicht mein erster Berührungspunkt mit Obaro Ejimiwe. Bereits 2011 sah ich ihn, als er die Amis von TV on the Radio supportete. Seinerzeit fiel er mir aber nicht weiter auf, in meinem Text über das Konzert erwähne ich Ghostpoet mit keiner Silbe. Manchmal dauert es bei mir eben etwas länger, bis es funzt. Seit 2013 bin ich aber Fan. Unter diesen Gesichtspunkten war das Gloria Konzert also Pflicht.

Im Vorfeld hatte ich keine Gelegenheit, mir das aktuelle Album anzuhören. Dark Days and Canapés erschien letztes Jahr, Zeit hätte ich natürlich gehabt, aber nun ja, was willste machen. So wurde das Konzert ein Überraschungsei. Einen Teil kennt man sicher, das große Ding bleibt jedoch unbekannt. Will sagen, die Mehrzahl der Songs wird wahrscheinlich vom neuen Album kommen, und mir unbekannt sein, allerdings erwarte ich schon auch die altbekannten Hits: „X marks the spot“, „Off peak dreams“, „Us against whatever ever“ zum Beispiel. Und was mich noch interessierte: Vor einigen Monaten las ich, dass Obaro Ejimiwe von London aufs Land zog. (Danke Instagram für diese Information.) Werde ich das in den neuen Songs heraushören? Werden sie weniger urban klingen? Werden sie generell ganz anders klingen oder hat der räumliche Wechsel keine musikalischen Spuren hinterlassen?

Das Gloria ist schwach besucht. Die Atmosphäre ist dadurch etwas komisch. Die ersten Reihen sind dünn, links und rechts der Bühne kommt man sich ein bisschen verloren vor. Um die Theke und weiter hinten herrscht reges Treiben. Zu Beginn des Konzertes ist der Geräuschpegel einigermaßen hoch. Es wird geredet, die Leute laufen hin und her. Es kommt mir so vor, als ob viele noch nicht wirklich für das Konzert bereit sind. Verständlich, denn dadurch, dass es nicht voll ist, kann man in der Umbaupause nochmal kurz raus oder an die Theke. Der Platz vorne geht ja nicht verloren, ist ja niemand da, der ihn direkt einnehmen könnte. So ordnet sich alles erst während der ersten Songs. Mir fällt das auf, weil Ghostpoet Songs einige leise Passagen haben, die die Betriebsgeräusche nicht dämpfen können. So richtig aufmerksam wird der Saal erst mit „Off peak dreams“, gleichzeitig auch der erste Hit im Set. Die Band spielt es gitarrenlastiger als auf Platte („Better not butter“). Generell kommen die Songs mit mehr Wumms rüber. So ist zumindest mein Eindruck. Dadurch, dass Ghostpoet als Band auftreten, verschiebt sich die Klangästhetik. Das dunkle und morbide (so nehme ich die Songs auf Platte wahr) rutscht ein wenig raus, dafür rücken Gitarre und Bass in den Vordergrund. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass es dadurch rockiger klingt, denn das tut es nicht, aber ich finde, dass durch die starken Instrumente die Stücke an Charme verlieren. Es fehlt die Kühle, das Distanzierte, und damit genau das, was ich an den Ghostpoet Alben so liebe.
Im Laufe des Konzertes gewöhne ich mich jedoch nur ein wenig an das neue Soundgerüst. Ein fremdeln bleibt, und so ist es nicht überraschend, dass die Songs nicht hundertprozentig bei mir ankommen. Platt gesagt, der Funke springt nicht richtig über. Klaro, ich freue mich über den ein oder anderen Song und grundsätzlich darüber, Ghostpoet nach Jahren mal wieder live zu sehen. Aber der Abend hätte für mich mehr Potential haben können.

Eine Stadt im Schneemantel, dunkel und befremdlich wirkende Karnevalsdekorationen an Straßen und in Kneipen, müde Karnevalstruppen, die aus Bussen steigen um Minuten später auf Knopfdruck die nächste Sitzung zu bespaßen. All das sehe ich, als ich nach dem Konzert zum Bahnhof gehe. Wie toll wäre es gewesen, wenn ich in diesen Augenblicken den Sound des Konzertes im Ohr gehabt hätte: die tolle Stimme von Obaro Ejimiwe und kühle Keyboardklänge. Es hätte perfekt gepasst. Ich hatte ihn aber nicht mehr im Ohr, weil der Sound des Konzertes ein anderer war. Schade, aber vielleicht habe ich zu viel erwartet?

Und, klingen die neuen Songs nun anders? Ich habe keine Antwort, ich habe während des Konzerts nicht darüber nachgedacht und darauf geachtet.

Kontextkonzerte:
Ghostpoet – Köln, 08.05.2015 / Club Bahnhof Ehrenfeld
Crossing Border Festival – Den Haag, 15.11. -16.11.2013
TV on the Radio – Köln, 05.07.2011 / Live Music Hall

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."

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