| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Seit dem Kölner Konzert höre ich „Vexation“ anders. Diese, vorher von mir als eher ruhig empfundene Platte, hat seit meinem letzten Liveerlebnis eine Wandlung vollzogen. Sie kommt mir jetzt viel schmissiger vor, die einzelnen Songs klingen mir dynamischer, näher und eingängiger. Komisch, was ein Abend alles bewirken kann.
Get well soon die Zweite. Wie ist das, eine Band in so kurzer Zeit ein weiteres Mal zu sehen? Toll, antworte ich. Selbst wenn das erste Erlebnis ein nicht zu Übertreffendes war, so wurden unsere Erwartungen nicht enttäuscht. Natürlich nicht.
Auf dem Rückweg zum Auto, die Nacht zog mittlerweile bitterkalt durch die Gassen der 75000 Einwohnerstadt, sagte ich so was wie: „Wenn man mich nachts um drei Uhr wecken und mir Get well soon live vorspielen würde, ich fänd’s auch dann toll.“ Soweit ist es schon, solch überragende Liveerlebnisse hat mir die Band bei ihren letzten Konzerten beschert, dass ich nichts anderes als Begeisterung spüre. Diesmal war es nicht anders.
Heerlen ist nicht Köln, das Nieuwe Nor nicht das Gloria. Vergleiche wären unfair und daher weigere ich mich so was zu schreiben wie: Vor einer Woche ward ihr aber redseliger, oder: Wieso ist das jetzt so-und-so und nicht anders.
Die Grenznähe war erkennbar. Viele haben für diesen Abend rübergemacht. Warum es nicht mehr waren, bleibt mir ein Rätsel. Also wenn ich vor einer Woche im Gloria gewesen wäre, dann hätte ich die 45 Minuten A4 und die 11 Euro Eintritt entzückend entgegen genommen und mich auf den Weg gemacht. Oder war der Tatort vorab so gut besprochen worden…*
So versammelten sich keine 200 Leute im wirklich sehr feinen Nieuwe Nor. Der Klub, überschaubar in seiner Größe und postindustriell in seinem Design, liegt mitten in der Heerlener Innenstadt. Ein Chinese gegenüber, ebenso eine Pizzeria, Dönerladen und einen Steinwurf entfernt Kneipen, die schon in dieser Jahreszeit Außengastronomie auffahren. Auf den ersten Eindruck scheint Heerlen eine gemütliche kleine Stadt zu sein, in der man nicht hungern muss.
Wie wir vermutet hatten, ist das Set identisch mit den bereits gesehenen Konzerten. Nun ja, der Hintergrundfilm ist produziert und lässt diesbezüglich wenig bis gar keinen Spielraum. Überraschungen wäre also nur in den drei Zugabesongs möglich gewesen, aber auch hier fielen sie aus. Da alles bekannt war, konnte ich mir stärker die Umsetzung anschauen. Frei nach dem Motto: „Das Was bedenke, doch mehr bedenke das Wie.“
Einige Filmsequenzen kamen mir unbekannt vor, die hatte ich wohl vor einer Woche nicht wahrgenommen. Auch fiel mir auf, dass die Groppers und Kollegen des Öfteren zur Leinwand blickten, wohl um die Synchronität nicht zu verlieren.
Gefielen mir letztes Mal die „Unterwassersongs“ (“Listen!…“ und “Burial at sea“) am besten, so waren es jetzt “TickTack goes…“ und “We are Ghosts“ mit dem wunderbaren Leinwandchor. Überhaupt die Videos. Hatte ich beim letzten Mal gar nicht hoch genug bewertet. Ob die umklappenden Berge, die radelnden Affengesichter, die Frau, die mit dem traurigen Blick aus dem Autofenster schaut, die Stadtlandschaften und das sich verabschiedende Pärchen an der Haltestelle, die Wohnung und der Fernseher mit laufendem Programm.
Die Erzählstimme im Film, als auch im Opener und im letzten Stück auf „Vexation“, stammt von Liz Roches. Das war noch offen. Das wollte ich noch schreiben.
Alles andere wurde bereits gesagt, ausser: In Heerlen stand ein Song mehr auf der Setlist als in Köln. Mhmmm…

* Es gab gar keinen Tatort. Polizeiruf 110 war angesagt, lese ich gerade.

Setlist:
01: Nausea (Intro)
02: Senecas Silence
03: People magazine front cover
04: We are free
05: 5 steps / 7 swords
06: A voice in the Louvre
07: Listen! Those Lost At The Sea Sing A Song On Christmas Day
08: Werner Herzog gets shot
09: That love
10: Aureate!
11: If this hat’s missing if have gone hunting
12: We are ghosts
13: A burial at sea
14: Ticktack goes my automatic head
15: Angry young man
16: We are the Roman Empire
Zugabe:
17: Christmas in adventure parks
18: Help to prevent Forest fires
19: I sold my hands for food so please feed me

Multimedia:
Fotos: frank@flickr
Fotos: frank@flickr (Musee Mecanique)

Kontextkonzerte:
Get well soon – Köln, 26.02.2010
Get well soon – Nijmegen, 25.04.2009
Get well soon – Köln, 07.12.2008
Melt! 2007

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."