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Elbow 05112008Zu Elbow habe ich zugegebenermaßen ein merkwürdiges Verhältnis. Vor ungefähr drei Jahren habe ich die etwas andere Manchester- Band für mich entdeckt, ihr Album „Asleep in the back“ fand ich toll, doch so 100%ig hat es danach nicht mehr gefunkt.
Bis gestern Abend. Seit diesem wundervollen Konzert sehe ich die Band in einem anderen Licht. Aber der Reihe nach.
Vor gut einer Woche sah ich an gleicher Stelle die wundervollen I am Kloot und dachte, „Mensch, warum gibt es nicht mehr so sympathische, nette Bands.“ Das scheint jemand gehört zu haben, den Elbow, die gestern im ausverkauften Luxor groß aufspielten, sind mindestens genauso sympathisch. Mindestens!
Ich bin immer noch ein wenig sprachlos. Das hatte ich nicht erwartet!
Aber was hatte ich erwartet? Im I-Net habe ich einige Liveschnipsel gesehen, auf denen Elbow bühnentechnisch sehr groß wirkten. Mit Trompeten, Violistinen, Backroundsängerinnen und dem ganzen Kram.
Sollte es das alles heute auch im doch relativ kleinen Luxor geben? Wenn ja, wird die Bühne nicht aus allen Nähten platzen?
Ich war mehr als sehr gespannt…
Die Schönheit des Abends begann früh. Guy Garvey persönlich betrat um kurz nach neun die Bühne, um den Elbow Support Jesca Hoop anzukündigen. Guy Garvey als Conferencier alter Schule. Er tat dies auf so sympathische Art und Weise, dass ich für ihn sofort die Schublade netter Mensch öffnen muss. Keine zweite Chance für einen ersten Eindruck.
„Jesca sei ihre Lieblings-Singer-Songwriterin und man freue sich, dass sie bei der Tour mit dabei sei.“
Als ob es hierfür noch einer Bestätigung bedarf, unterstützen diverse Elbow– Bandmitglieder den Akustikgitarrenauftritt der Amerikanerin gesanglich. Beim dritten Song half eine der Elbow- Violistinen aus, bei „Murder of the birds“ übernahm Guy den zweiten Gesangspart.
Nach dem Song erfahren wir, dass beide dieses Stück gemeinsam eingespielt haben. Jesca nahm ihren Teil in Los Angeles auf und schickte die Bänder anschließend nach Manchester, wo der Elbow- Mann seinen Gesangspart dazumischte. Musikglobalisierung. Veröffentlicht ist das Stück auf der jüngst erschienen Kismet Acoustic EP.Elbow 05112008
Elbow sind live eine Show für sich. Fünf Musiker plus drei Backroundsängerinnen / Violistinnen / Cellistinnen, da erschien die Bühne des Luxors tatsächlich mehrmals zu klein. Craig Potter am Keyboard saß beinahe unsichtbar für uns hinter dem linken Boxenpfeiler, die drei Damen in festlicher Abendkleidung standen gar direkt vor der Bühnenrückwand. Direkt am Bühnenrand standen rechts die Gitarrenbatterie, Pete Turner, Sänger Guy Garvey neben dem erwähnten Boxenturm Gitarrist Mark Potter. Schlagzeuger Richard Jupp saß in seinem Glaskasten irgendwo, wo noch Platz war.
Vom ersten Ton hatte ich ein gutes Gefühl und war voller Begeisterung. Klar, die Sympathiepunkte waren vergeben, so fiel der Einstieg in mein erstes Elbowkonzert nicht sonderlich schwer.
Es begann erwartet opulent mit Trompeten. „Starlings“ und „The Bones of you“ vom neuen Album „The seldom seen kid“ machten den Anfang. Als Ansage zum Song „Mirror Ball“ kam das, was heute einfach kommen musste. „Today is an important day for world politics. The next song is dedicated to the new President Mr Obama and to all the people who voted for him.“
„Everything has changed“, eine Textzeile aus „Mirror Ball“ passt aber auch zu gut zum Tagesmotto. Diese Überleitung durften sich Elbow nicht entgehen lassen.
Spätestens jetzt war das Luxor völlig überwältigt. Spätestens jetzt setzte bei mir dieses wohlige Konzertgänsehautgefühl ein.
Gespickt mit launigen Ansagen, netten Gesten, einem gemeinschaftlichen Likörchenumtrunk am Keyboard und immer einem Lächeln und Augen für das Publikum spielten sich Elbow durch ihr Set.
Guy und Mark suchten in den Songs immer wieder Blickkontakt zum Publikum. Sehr sympathisch, ich muss mich wiederholen. Ich hatte jederzeit das Gefühl, dass die Band wahrhaftig für das Publikum spielt, und nicht zum reinen Selbstzweck. So entwickelte sich eine intime Atmosphäre, die durch die dezente Lichtshow und den hervorragenden Sound treffend untermalt wurde. Beim Sound hatte ich ein paar Bedenken, dass die leisen Passagen in den Songs untergehen würden. Aber gestern war alles perfekt ausgesteuert. Absoluter Hörgenuß.
Zu „New born“ setzte sich Guy auf einen Hocker. „Ich hoffe es ist für euch in Ordnung, wenn ich mich kurz setze. In der britischen Presse wurden wir neulich als „middle-aged“ Band beschrieben…“ …und da darf man sich ab und an ein Päuschen gönnen. Ja klar!
„New born“ kommt unheimlich intensiv rüber. Es war auf „Asleep in the back“ mein erstes Elbow Lieblingslied, und vielleicht mein Höhepunkt des Abends.
Vor dem abschließenden „One day like this“ verabschiedete sich Guy per Handschlag von der kompletten ersten Konzertreihe, und ein Mädel bekam nach den Textzeilen „.kiss me when my lips are thin“ noch ein Küsschen oben drauf.
Paff. Hier scheint niemand Starallüren zu besitzen. Elbow gehören zu den guten.

Elbow 05112008

Auf der Rückfahrt merke ich, wie ich immer mal wieder leise ein paar Textzeilen vor mich hersumme: „A perfect weather to fly, a perfect weather to fly.“
Geht auf Elbow Konzerte! Unbedingt!

Setlist:
01. Starlings
02. The Bones of you
03. Mirror Ball
04. Leaders of the free world
05. The loneliness of a Tower crane driver
06. Great Expectations
07. The Stops
08. Ground for divorce
09. Forget myself
10. New Born
11. Weather to Fly
12. One day like this
Zugabe:
13. Some riot
14. Station Approach
15. Scattered Black and Whites

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frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."