| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Der Abend war meinerseits sehr spontan. Das Angebot, zum Konzert des südafrikanischen (neuerdings) Quartettes mitzukommen, stand schon länger, doch so richtig entschieden hatte ich mich erst am Freitag.
Die richtige Wahl, denn der Abend in gemütlicher Runde entwickelte sich zu einem kleinen Konzerthighlight.
Dear Reader, der Hype des Feulletions zu Beginn des Jahres, ging voll an mir vorbei. Weder das Album, noch ihr Kölner Konzert im Museum Ludwig vor einigen Wochen habe ich beachtet. Im nachhinein war das sträflich, denn Dear Reader verdienen all die wohlwollende Presse und den Status als „Kritikerlieblinge“.
Das wurde mir nach dreißig Sekunden des Openers „Never goes“ klar, und den Button vom Merchandisestand hatte ich zu diesem Zeitpunkt im Geiste schon gekauft. Nach weiteren fünfzehn Minuten war ich bei der CD angekommen.
Völlig ohne Vorkenntnisse ging ich in den Abend, und war skeptisch. Es gibt Bands, bzw. Konzerte von Bands, die funktionieren nicht, wenn man vorher nicht mindestens einmal die Songs gehört hat. Leider hatte ich unter der Woche keine Gelegenheit, die Dear Reader Songs bei Myspace anzuklicken, und so kam es zu einem völligen Überraschungseikonzert.
Dear Reader, eine Band aus Südafrika. Da hat das City Slang’sche Scoutingsystem zu 100% gegriffen. Der AC Mailand der Labels, die George Weah’s der Indies.
Denn solche Musik stammt von woanders: Die leichten Indie-Folk-Popsongs könnte man eher in Glasgow oder Toronto vermuten, vielleicht auch noch in Stockholm, aber ganz sicher nicht in Johannesburg. Hier ist das Dear Reader Quartett um Cherilyn MacNeil, Darryl Torr, Michael Wright und der Bratschistin Jane beheimatet, von hier aus bezaubern sie die Welt. Am Samstag Köln.
Da stehen die vier nun auf der Bühne. Cherilyns Stimme klingt klar und schön. Live fiel es mir noch nicht so auf, aber als ich auf der Rückfahrt die frisch erworbene CD hörte, erinnerte mich die Stimme an Lilly Allen. Zumindest ein kleines bisschen. Ein weitere Punkt, der einem beim Konservenhören entgeht: die Gesangsstimmen werden permanent geloopt. Was zeitweise auf CD wie ein ganzer Gesangschor klingt, sind in Wirklichkeit nur die Stimmen von Cherylin (hauptsächlich), Michael (manchmal) und Darryl (seltener). Obwohl dieser Effekt in fast jedem Song irgendwo auftaucht, wird das ganze nicht langweilig oder einseitig. Dazu sind die Melodien und die Arrangements einfach zu unterschiedlich. „Bend“, ist zum Beispiel ein wunderbarer Folksong, Deerheart eine kleine Indiepopperle, und der Rest einfach nur gut.
Hinzu kommt das sehr sympathische Erscheinungsbild der Band. Herrlich unkompliziert unterhielten uns Cheriylin und Michael zwischen den Songs mit lustigen Geschichten. Warum Polarbären das beste Versteck seien, synchrones Wassertrinken auf der Bühne unglücklich sei und man immer genau die Eigenschaften der Eltern annehme, die man am meisten hasse. Eine unterhaltsame Stunde war das im Gebäude 9.
Wer die CD auch nur ein bisschen gut findet, sollte ein Dear Reader Konzert besuchen. Unbedingt! Zum Beispiel am nächsten Samstag im niederländischen Nijmegen.

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Multimedia:
Fotos: frank@ipernity

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."