Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband:

Oh Mann, was habe ich die Cloud nothings und ihr Album Attack on memory geliebt. Songs wie „No future/no past“, „Stay useless“ und „Wasted days” brachten liebevollen Indierock in mein Frühjahr 2012. Da war mal wieder eine neue, junge, frische Band, die Musik so ganz nach meinen Geschmack machte. Die nächstbeste Gelegenheit, die Cloud nothings live zu sehen, nahm ich war. Ich fuhr nach Dortmund. Ins FZW. Ich war begeistert. In meinem Beobachtungsbericht schrieb ich Sachen wie

Ihre Show ist eine Mischung aus Fugazi und Pavement.

Das liest sich auch heute noch gut. Tatsächlich schien es so, dass ich eine neue Lieblingsband gefunden hatte. 2014 war ich erneut begeistert, die Pitchfork Bühne des Primavera Sound Festivals in Barcelona erwies sich für die Amis als idealer Spielplatz. Bei so viel Begeisterung wäre es logisch, dass ich alles von der Band aufsog, jede Neuveröffentlich noch vor der Veröffentlichung hätte und über jeden Schritt und Tritt der Cloud nothings Bescheid wüsste. Doch nach 2014 kam nichts mehr. Also von meiner Seite. Die weiteren Veröffentlichungen Here and nowhere else and no life for me und Life without sound bekam ich schlichtweg nicht mit. Doch halt, kurzer Einschub.  Life without a sound, hieß so nicht auch ein Dinosaur Jr Album? Nicht ganz, der Titel lautet Without a sound.
Auf der Fahrt ins Gebäude 9 lese ich ein wenig nach. Das aktuelle Album Life without sound  sei glatter, poppiger, eingängiger. Also mehr Melodien und weniger Lo-Fi Rotz. Also mehr Indiepop als Grunge Gitarren. Das folgerte ich aus der Plattenrezension des Internets. Moment, hatten nicht auch Dinosaur Jr mit ihrem Album den Schritt hin zu etwas poppigerem Gitarrennoise gewählt und mit „Feel the pain“ oder „Over your shoulder“ mehr Indiepop als Indierocksongs. Ist das eine Ähnlichkeit zu Without a sound und somit der Albumtitel clever bewusst gewählt oder blanker Zufall?

„No future/no past“. Hätte ich vergessen, wie toll die Cloud nothings live sind, spätestens beim vorletzten Song des Abends wäre es mir wieder eingefallen. „No future/no past“. Minutenlang schrubbt Dylan Baldi seine Gitarrensaiten, feedbackte sich durch den Song, schien scheinbar zu improvisieren um nach Minuten wieder in die Spur zurückzufinden und dann nahtlos in „Wasted days“ hinüberzuwechseln. Es sind dies die letzten 15 Minuten eines bis dahin schon großartigen Konzertes. „No future/no past“ und „Wasted days“ bildeten den verdient grandiosen Abschluss.

Ich hatte aber nicht vergessen, wie toll die Cloud nothings live sind, und so war meine Vorfreude auf den Abend jederzeit ab dem Ticketkauf da, und so lästige Sachen wie Nieselwetter und leichte Erkältung konnten mich nicht von der Fahrt nach Köln abhalten.
Die Band ist mittlerweile fest zu viert. Seit diesem Album verstärkt Chris Brown das ehemalige Bandtrio um Dylan Baldi, Bassist TJ Duke und Jayson Gerycz mit einer zusätzlichen Gitarre und/oder Keyboard. Spürbar anders ist das Liveerlebnis deswegen nicht, zumindest merke ich keinen Unterschied zum Dortmunder oder Barcelona Konzert. Das war genauso laut, genauso wild, genauso druckvoll.
Gute 40 Minuten und damit kurz und knackig dreschen Cloud nothings auf ihre Instrumente. Trotz weiterer Alben (und damit mehr Songmaterial) hat die Band ihre Spielzeit im Vergleich zu 2014 nicht erweitert. 40 Minuten reichten jedoch damals schon, um mich glücklich zu machen, und sie reichen auch jetzt. Die Setlist war gut, die Songs albentechnisch gut verteilt. Und wenn eine Band mit „Stay useless“ das Konzert genauso beginnt wie drei Jahre zuvor und mit „No future/no past“ und „Wasted days“ ein identisches Finale präsentiert, dann ist das im Fall der Cloud nothings ein Qualitätsbeweis und kein Anzeichen von fehlenden besseren neuen Songs. Qualität heißt: gitarrig und laut und schnell. Einzig „Enter entirely“ nimmt das Tempo etwas heraus. Es ist eine Softindiepop Nummer, die nach den schönen Collegerocksachen „I’m not part of me“ und vor „No future/no past“ kurzzeitig etwas Ruhe aufkommen lässt. Also Ruhe im Cloud nothings’schen Sinn, was dann nicht wirklich als Ruhe bezeichnet werden kann.

Ab und an wird in den vorderen Reihen ein bisschen gepogt. Dezent, nicht zu heftig. Diese nicht übertriebene Ausgelassenheit passt bestens zu den Songs, die wild, aber nicht wild energetisch sind. Die zehn Stücke sind schnell rum. Eine knappe Stunde dauert das Konzert. Meiner schwächelnden Ausgehform kam das entgegen, der Güte des Konzerts schadete es nicht. Noch nie war die Masse an Songs Richtschnur für die Qualität eines Konzertabends.

Also: Es war laut, es war wild, es war melodiös, es war gut. Die Cloud nothings sind back on meiner list.

Setlist:
01: Stay useless
02: Internal world
03: Psychic trauma
04: Fall in
05: Darkened rings
06: Pattern walks
07: Modern act
08: I’m not part of me
09: Enter entirely
10: No Future/No Past
11: Wasted days
Zugabe:
12: Now hear In

Kontextkonzerte:
Cloud nothings – Primavera Sound Festival Barcelona, 31.05.2014
Cloud nothings – Dortmund, 04.05.2012 / FZW

frank

Hallo, ich heiße Frank und blogge unter pretty-paracetamol seit 2006. Ich schreibe hier über meine Konzertbeobachtungen und über Musik, die mich umtreibt. Vieles davon kommt aus dem sogenannten Indiebereich, manchmal aber auch darüber hinaus.

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