Buffalo Tom – Maastricht, 07.06.2017


Ort: Muziekgieterij, Maastricht
Vorband:
Meine heimliche Lieblingsband der 1990er Jahre. Heimlich deswegen, weil Buffalo Tom ein bisschen unter meinem Radar liefen, mich aber immer mit ihren tollen Songs begeistert haben. Entdeckt habe ich die Band erst relativ spät gegen Ende des Jahrzehnts. Auf einer CD Börse fiel mir ihr Sampler in die Hand, den ich mir aus reiner Überheblichkeit zulegte. A-Sides heißt die Platte, und wie der Name es sagt, war es eine Singlezusammenstellung. Überheblich war der Kauf deswegen, weil ich bis dahin nur „Kitchen door“ wirklich kannte, und dieser Song der einzige Grund war, mir das Schnäppchenangebot von 7 DM nicht entgehen zu lassen. Lange Zeit hörte ich von diesem Sampler dann auch nur „Kitchen door“ und „Summer“, weil es das erste Lied war und mein Toshiba CD Spieler immer automatisch nach dem Einlegen einer CD mit dem Abspielen startete. „Summer“ gefiel mir nach und nach aber immer besser und auch „Tangerine“ entpuppte sich nach zweimaligem Hören schnell als großer Hit. Diese drei Songs waren für eine Zeit mein Buffalo Tom Kosmos.

College Rock war das Phänomen der 1990er und Buffalo Tom waren mittendrin. Weniger charterfolgreich als Soul Asylum, weniger rau als Dinosaur Jr. zu dieser Zeit und weniger dilettantisch als Pavement, aber Buffalo Tom waren mittendrin. Allerdings auch am wenigsten erfolgreich von allen. Dabei machten Buffalo Tom eigentlich perfekte Teenagerserien-Musik. Unaufgeregt, leicht poppig und melodiös. Doch im TV tauchten Buffalo Tom weder bei Beverly Hills 90210 noch bei Buffy, Dark Angel oder Ally McBeal auf. Rückbetrachtend eine Schande!

Im Laufe der Zeit wuchs ich mehr und mehr in das Gesamtwerk der Band, und irgendwann kaufte ich mir ihr älteres Album Sleepy eyed. Sleepy eyed enthielt neben diesen drei Songs auch „Clobbered“, mein nächstes Lieblingslied. Anfang der 2000er Jahre erschien dann nichts Neues mehr, so dass Buffalo Tom bei mir etwas in Vergessenheit gerieten. Aufgetaucht sind sie dann erst wieder 2007 mit ihrem neuen Album und einem Livekonzert im Luxor, das seinerzeit Prime Club hieß. Vier Jahre später, aus dem Prime Club wurde wieder das Luxor, waren sie erneut zur Stelle. Seitdem war dann nichts mehr, bis vor einigen Monaten die Let me come over Tour angekündigt wurde.

Zwischen Brüssel und Amsterdam liegt an diesem Mittwoch Maastricht. Normalerweise befindet sich Köln auf der gedachten Konzertgeraden zwischen den beiden Hauptstädten, aber Buffalo Tom wollten wohl das Benelux nicht verlassen oder es gab kein Konzertangebot aus Köln. Die Band freute sich über die Gelegenheit in Maastricht aufzutreten, sie fühle sich in Holland sehr wohl und sie hätte in Benelux zweimal so viele Shows gespielt als sonst wo, wie Bill Janowitz vor Konzertbeginn anmerkte. Und ja, auch ich glaube, dass Buffalo Tom in unseren Nachbarländern viel populärer ist als bei uns. Ich meine, dass irgendwo mal gelesen zu haben. Die ausverkaufte Muziekgieterij gab ihnen bei der Standortwahl zumindest uneingeschränkt Recht. Und mir war es egal, Maastricht ist nicht sehr weit entfernt und die Muziekgieterij ist ein tolles Konzertgebäude. In Köln hätte es wohl das G9 sein müssen, um den Rahmen ähnlich groß definieren zu können. Ob das dann ausverkauft gewesen wäre, ich weiß es nicht. Ich überlege gerade, wie gut besucht die Shows damals im Luxor waren. An Menschenmassen kann ich mich jedoch nicht erinnern. Und bevor es bei uns nicht so richtig funzt mit dem Interesse, doch lieber die limburgische Provinz mit einem ausverkauften Saal.

Buffalo Tom feiern dieser Tage das 25jährige Bestehen ihres dritten Albums Let me come over. Und wie Bands das so machen, machen sie – quasi als Geburtstagsfeier – eine Albentour. In Europa spielen sie vier Albenshows, drei davon in Belgien/Niederlande. Bill Janowitz Worte vom Konzertbeginn wurden durch dieses booking belegt. Ja, in Benelux scheinen sie groß! (Und gut, dass ich in der Nähe wohne).
Das Geburtstagsprogramm besteht aus zwei Sets, soviel wusste ich schon vorher. In einem ersten Set werden alle Hits aus allen Dekaden gespielt, Set zwei sind die Albumsongs. Zwischen den beiden Sets liegt eine kleine Pause. Konzertpausen scheinen derzeit in Mode, The Magnetic Fields machten das vor einigen Tagen auch, ebenso diese andere Band, deren Namen ich gerade vergessen habe.

Beginn sei um 21 Uhr, um kurz vor neun Uhr kam ich in Maastricht an. Durch Umstände ging es nicht eher, aber da Buffalo Tom Konzerte im Jahr 2017 in der Hauptsache von Ü40 Männern besucht werden, war der Saal in den vorderen Reihen nicht so stark besucht wie der Getränkestand im Vorraum. Auch die Schlangen an den Jetonautomaten zeigten, der Fokus liegt bei den meisten Besuchern kurz vor Konzertbeginn noch auf etwas anderem.
Dass die Muziekgieterij ausverkauft sein würde, damit hatte ich gerechnet. Auch ich war sehr vorfreudig und mehr als bereit, mir diese Show anzugucken. Die Besonderheit des Abends warf lange im Voraus ihre Schatten aus. Und so oft kommen Buffalo Tom auch nicht über den Teich. Da heißt es, nicht zögern, sondern hinfahren. (Ach, in Boston müsste ich wohnen, dann hätte ich eine Vielzahl meiner Lieblingsband direkt vor der Haustür.)
Das Konzert hatte nur eine kurze Anlaufphase. „Summer“ kam als zweiter Song früh im Best-of Set, das nur mit dem Fehlen von „Clobbered“ glänzte, und brachte den ersten großen Jubel mit sich. Trotz ausverkauftem Haus war ich anfänglich skeptisch, ob Maastricht die gleiche Begeisterung aufbringen kann wie das Ab in Brüssel oder das Paradiso in Amsterdam. Aber Maastricht konnte. „Soda Jerk“ und „Rachael“ waren die nächsten Höhepunkte.
Den zeitgenössischsten Block gab es im zweiten Drittel des ersten Sets. Hier spielten Buffalo Tom „Freckles“, ein neuer Song, der auf dem kommenden, über Crowdfunding finanziertem Album erscheinen wird, und „You’ll never catch him“ vom letzten Album. Aktueller wurde es nicht mehr, mit „Kitchen door“ und „Tangerine“ schließt das erste Set nach gut einer dreiviertel Stunde. Allein diese 11 Songs hätten die Konzertfahrt gerechtfertigt. Es war ein gutes Set, in dem wirklich nur „Clobbered“ fehlte.

Setlist Teil 1:
01: Treehouse
02: Summer
03: I’m allowed
04: Late at night
05: Sodajerk
06: Rachael
07: Wiser
08: Freckles
09: You’ll never catch him
10: Kitchen door
11: Tangerine

Vor dem zweiten Teil wird ein Ventilator auf die Bühne gebracht. Er bläst mir kühle Luft in den Nacken, die Nachjustierung mit Windrichtung auf Bill Janovitz und Chris Colbourn ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Gott sei Dank. Es gibt nichts Schlimmeres als Zugluft. Aber darüber brauchte ich mir keine Gedanken mehr machen, ich konnte mich voll auf „Mineral“ konzentrieren.

„Mineral“, mein emotionales Highlight. Wie toll dieser Song ist, wie schön der Refrain. „Mineral“ ist der perfekte Song. Jeder sollte ihn kennen, jeder könnte ihn lieben. Ich habe „Mineral“ lange nicht gehört, aber vom ersten Ton an war er mir enorm präsent. Das schaffen nur große Hits, denke ich. Ach, der Refrain, die Stimme von Bill Janowitz. Unaufdringlich aber flehend singt er

You’re so green
You’re so green
You’re so green
You’re so green
You’re so green
You’re so green.

Ich habe keine Ahnung, worüber der Text handelt und wie er zustande kam, aber die Melodie und die Worte passen perfekt zusammen. Genauso wie diese seichte, altbacken klingende Rockgitarre, die im Laufe des Songs immer mehr an Bedeutung gewinnt. Sie ist phänomenal. „Mineral“ ist definitiv einer der besten Songs, die je geschrieben wurden. Und live eine einzige Offenbarung. Zuvor schon begeisterten mich „Taillights fade“ und „Staples“ sehr. Au Mann, Let me come over ist voll mit Hits. Und immer und immer wieder diese 1990er Jahre Gitarren. „Larry“ zum Beispiel beginnt sekundenlang mit so einer. Ich mag das sehr.
Die Band spielt das Album in Reihenfolge, so dass „Saving grace“ – das mich immer ein bisschen an Soul Asylum erinnert – das Ende des Konzertes bedeutete. Aber fehlt da nicht noch ein Song? Was ist mit „Crutch“? Das ist doch auch auf der Platte. Schnell kommt die Band zurück und Bill Janowitz erklärt, „Crutch“ als hidden track des Albums sei die erste Konzertzugabe. Und was für ein hidden track das ist! „Crutch“ ist ein echter Knüller, den viele andere Bands gerne als Single hätten und nicht auf ihrem Album verstecken würden. Damit war dann das Album endgültig durch.

Einmal noch kamen sie zurück. „Sunflower suit“ war ein würdiges Finale eines tollen Abends.

Dieses Konzert war eine große und einzige 1990er Jahre Sause, denn sowohl die Pausen- als auch die anschließende Auskehrmusik standen ganz im Zeichen von College Rock. Das haben sie gut gemacht in Maastricht.

Multimedia:

 

Kontextkonzert:
Buffalo Tom – Köln, 29.11.2007 / Prime Club
Buffalo Tom – Köln, 08.03.2011 / Luxor

frank

Hallo, ich heiße Frank und blogge unter pretty-paracetamol seit 2006. Ich schreibe hier über meine Konzertbeobachtungen und über Musik, die mich umtreibt. Vieles davon kommt aus dem sogenannten Indiebereich, manchmal aber auch darüber hinaus.

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3 Kommentare

  • Karsten Heinrichs
    8. Juni 2017 at 21:56

    prima Konzertbericht. Du hast recht: Es war großartig. Ich habe sie heute vor 25 Jahren beim Pinkpop Festival erstmalig gesehen aber das gestern abend war ganz groß !

    • frank
      frank
      10. Juni 2017 at 11:16

      Besten Dank Karsten!
      Ja, das Konzert hat richtig Spass gemacht. Beim Pinkpop sah ich sie nie, mein erstes Mal war irgendwann in den 1990er Jahren in Köln im Theater am Rudolfplatz. Seitdem bin ich Fan.

      • Karsten Heinrichs
        10. Juni 2017 at 22:24

        Das war dann wohl im November 1995 das Konzert mit Teenage Fanclub und the Inbreds. Da war ich auch.

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