- Seit 2002 Dinge über Musik -

Ort: De Koompe, Maastricht
Band: Django Django

Manchmal passiert nix, manchmal ganz viel. Und wie sich dann entscheiden? Münze werfen? Kosten-Nutzen Analysen aufstellen? Oder einfach losfahren?
An diesem Wochenende hieß es also wieder abwägen, überlegen oder einfach losfahren. Gleich einige Festivals standen in meiner Facebook Agenda: die c/o pop in Köln, das Misty Fields in der Nähe von Weert und das Bruis Festival in Maastricht. Die Entscheidung fiel nicht leicht, doch sie viel letztendlich auf Maastricht und das kostenfreie Bruis Festival. Django Django sollten dort am Freitag headlinen. Grund genug, vorbeizuschauen. Auch wenn dies der einzige Grund blieb.
Das Misty Fields und die c/o pop boten am Samstag und Sonntag ein gutes Programm. Der ursprünglich Plan war denn auch, am Samstag die Konzerte am Stadtgarten mitzunehmen und am Sonntag eventuell noch Snail Mail, Pip Bloom und Metz beim Misty Fields ansehen. Allerdings – und jetzt kommt der Alters- respektive Trägheitsaspekt – war der Abend in Maastricht länger als gedacht und der Samstag mit Alltagskram sehr schnell sehr voll, so dass ein Ausflug nach Köln nicht mehr in Betracht kam. Und Sonntag, ach wurscht.

Django Django verfolgen mich, oder besser gesagt ich sie, seit ihrem ersten Album Django Django. Seinerzeit überzeugte mich die Band mit ihrem Synthierumpel-Tanzbeat ohne Ende.  „Hail Bob“, „Storm“ oder „Default“, um meine größten Hits von Django Django zu nennen,  sind wahre Beinschmeichler, die einen quasi zum Tanzen zwingen. Addiere ich den kopflastigen Gesang von Vincent Neff hinzu, der mich unweigerlich an die Talking heads oder Clap your hands say yeah erinnert, entsteht diese nervös-unruhig wirkende Hibbeligkeit, die ich in der Musik so mag. Django Django schienen das so gut zu beherrschen wie die genannten Bands und deswegen wurden sie eine von mir favorisierte Band.
Das war 2012. Es ist also schon ein Weilchen her. Zeit, in der sich einiges relativiert. Das Nachfolgealbum zu Django Django habe ich noch aus den Augenwinkeln heraus wahrgenommen, aber spätestens  in den letzten Jahren haben sie mich abgehängt. Ich bekam gar nicht mit, dass sie mit Marble Skies ein drittes Album veröffentlicht haben. Was man am Merchstand nicht so alles lernt.

Das Bruis Festival ist ein kostenfreies Festival, das sich über drei Tage hinzieht und ein gutes Programm aufweist. Auftritte von Motorpsycho und Giant Rooks am Sonntag, die tollen Dakota und Metz sowie das Go!Team am Samstag. Abwechslungsreicher und gleichzeitig interessanter geht es eigentlich kaum. Indieherz, was willst du mehr?

Überhaupt passierte und passiert in den letzten Jahren musiktechnisch viel in Maastricht. Im Umfeld der Muziekgieterij, ein wirklich toller Laden, den ich jedem Konzertgänger aus dem Kölner Raum empfehlen möchte, laufen einige gute Konzertreihen und Konzerte. Ich fahre gerne hierhin. Mir gefällt die Entspanntheit, mit der man bei unseren Nachbarn an Konzerte herangeht. Wer schon einmal ein Konzert in Belgien oder den Niederlanden besucht hat, weiß, was ich meine. Auch beim Bruis Festival haben die Leute der Gieterij ihre Hände im Spiel. Vor dem Auftritt von Django Django erzählen zwei graumelierte ältere Herren irgendetwas in diese Richtung. Da ich leider kein flämisch verstehe, kann ich aber nichts Konkreteres dazu sagen.
Die beiden Herren hatten bei ihren Ansprachen kurzzeitige Mikrofonprobleme, die ich jedoch kaum beachtete. Mir kam dieser Fakt erst wieder in den Sinn, als Django Django nach drei Songs feststellten, dass man ihren Gesang vor der Bühne überhaupt nicht hörte. Sie selbst bekamen davon scheinbar nicht so viel mit, Monitorboxen und in-ear Kopfhörer versorgten die Ohren der Musiker vortrefflich. Der Unmut vor der Bühne jedoch lechzte lautstark um Beachtung.

Die Technik streikte massiv. Die große Bühne auf dem ehemaligen Sportplatz direkt neben der Maastrichter Polizeistation hat an diesem Abend enorme Soundprobleme. Also wirklich richtige Soundprobleme! Über eine halbe Stunde lang ist im vorderen Bühnenbereich eigentlich nur das Schlagzeug und ein bisschen Gesang aus den Monitorboxen zu hören. Das reicht natürlich nicht! Ein Ärgernis, das viel von der euphorischen Konzertstimmung vor dem Konzert nahm. Schnell murrte das Publikum, doch das Murren wurde nicht gehört oder nicht richtig interpretiert. Also wurde es relativ schnell im vorderen Bereich sehr leer. Vielleicht suchten die Leute weiter hinten eine bessere Akustik, vielleicht waren sie aber auch genervt und gingen lieber Bier trinken. Denn trotz mehrerer Helfer auf der Bühne verging Song um Song, der gesanglich einfach nicht bei uns ankommen wollte.
Erst nach fünf oder sechs Songs, leider fiel auch das tolle „Hail Bob“ darunter, fanden die Techniker den richtigen Stöpsel. Yuhu, endlich Konzertatmosphäre. Also zumindest von der Bühne. Vor der Bühne war es nun sehr übersichtlich voll und die ausgelassene Anfangsstimmung reduzierte sich auf zwei tanzende Mädchen. Der Auftritt war also nicht mehr zu retten? Nein, das nicht. In der letzten halben Stunde spielten Django Django groß auf, die tollen Liveperformances zu „Life’s a beach“, „WOR“, „Default“ und „Silver rays“ machten einiges von dem Schlamassel zuvor wieder wett. Und als echter Fans lasse ich mir von den Ärgernissen ein paar Minuten zuvor nicht den Abend vermiesen.

Sorry about sound tonight Maastricht.. something was wrong with PA beyond our control. DDx

Nochmals zurück zu Django Django. Marble Skies ist wirklich ein ruhiges Album. Die Ausgelassenheit und Unbeschwertheit des Debüts ist ein bisschen weg. Zwar beginnt Marble Skies noch mit einem Synthiequatsch Intro, das sehr nach NDW klingt, aber danach wird es gesetzter. „Sundials“, und das viel mir live schon auf, klingt gar ein bisschen nach den Carpenters.
Interessant, denke ich und greife dann doch wieder zum Debüt Django Django.

Wer das Album mit Kopfhörern hört, hat vielleicht auch dieses bemerkt: In Minute 2:08 von „Hand of man“ knarzt leise ein Mobiltelefon im Hintergrund. Funfact #1.
Funfact #2: Schlagzeuger David Maclean ist der Bruder von Beta Band Keyboarder John Maclean.

Setlist:
01: Marble Skies
02: Shake & tremble
03: Tic Tac Toe
04: First light
05: Hail Bob
06: Sta
07: Waves
08: In your beat
09: Sundials
10: Life’s a beach
11: Default
12: WOR
13: Silver rays

Multimedia:

 

Kontextkonzerte:
Django Django – Köln, 17.11.2012 / Gebäude 9
Django Django – Primavera Sound Festival Barcelona, 24.05.2013
Django Django – Köln, 20.09.2015 / Gebäude 9

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."