- Seit 2002 Dinge über Musik -

Ort: BEC – Bilbao Exhibition Centre, Bilbao
Band: Sun Kil Moon, John Maus, Aphex Twin, Stephen Malkmus and the Jicks, Editors, Belako, Slowdive, Unknown Mortal Orchestra, Rolling Blackouts Coastal Fever, Kurt Vile, MGMT

BIME Live 2018

BIME is Europe’s leading music conference and festival dedicated ​to exploring new opportunities between the music industry and tech, gaming, sync and new technologies.

so schreibt es consequenceofsound.net

und das www.iq-mag.net (bis vor 5 Minuten habe ich noch nie von dieser Webseite gehört) berichtet

BIME Live is Spain’s biggest indoor music festival, held over two days in the Bilbao Exhibition Centre. Boasting an impressive lineup that welcomes established figures from rock, pop, indie and electronic music, the festival is now one of the region’s most popular, with fans returning to the city year after year for the winter weekender. With headline performances from hugely respected names, and room elsewhere for rising stars and underground talent, the festival is a fantastic and diverse musical showcase in one of Spain’s most interesting cities.

Beides trifft zu. Und auch wenn ich nicht an der Musikkonferenz teilgenommen habe und damit alle Neuigkeiten im Themenbecken Musikindustrie, Gaming und neuen Technologien verpasst habe, ergötzte ich mich an dem Festival, das am Freitag und Samstag in der Messehalle 1 in Bilbao stattfand und den Abschluss der BIME Konferenz bildete.

Messehalle 1.
Genau, das klingt erstmal übel. Und ehrlich gesagt war das auch mein Eindruck, als wir durch die großen Schwingtüten des Messefoyers in die Halle kamen. Unten spielte bereits eine Band und der Sound auf der Eingangsempore war schrecklich: es war laut, es hallte, es krächzte. Der Geräuschpegel war allgemein gruslig. Wie kann man auch eine – ich schätze mal – 4 Fußballfelder große Messehalle zu einem Konzertort umfunktionieren? Ich hatte schlimmste Befürchtungen für die anstehenden Konzerte. Gott sei Dank relativierte sich unser erster Eindruck, als wir die Rolltreppen zur Messehalle herunterfuhren. Vor der Bühne, und das galt dann sowohl für die zweite Bühne in der Halle als auch für die in einer kleineren Halle aufgebaute dritte Bühne, war alles okay. Es war zwar immer noch etwas laut, aber der Hall und das typische Hallenecho waren hier nicht mehr wahrzunehmen. Das BIME Live wurde tontechnisch eine saubere Veranstaltung.BIME Live Der Bühnenaufbau in der Messehalle 1 ist schnell skizziert. In den Ecken der Kopfseite steht jeweils eine Bühne und das Programm sah es vor, dass sie mit jeweils 10 minütiger Pause bespielt werden. Ein Superkonzept, wie ich finde. Als Zuschauer muss man – wenn man ganz faul ist – nur den Kopf drehen um die nächste Band zu sehen. Ist man weniger faul, braucht man nur ein paar Meter nach links oder rechts zu gehen, um vor der nächsten Bühne zu stehen. Lange Umbaupausen werden durch diese Anordnung vermieden und auch größere Bewegungen in der Messehalle bleiben dadurch aus. Im hinteren Bereich gibt es den obligatorischen Foodcourt. Mittlerweile, und so auch in Bilbao, werden schnöde Freßbuden durch Food Trucks ersetzt; ein bisschen Berlin ist überall. Die zweite Halle (und dritte Bühne) war einen Gang weit entfernt in der kleineren Messehalle 3 aufgebaut. Hier wurde zusätzlich eine Sitzplatztribüne installiert. In der Messehalle 3 spielen Bands und Musiker wie Damian Jurado, Jose Gonzales oder Sun Kil Moon, daher dachten die Veranstalter wohl, eine Tribüne wäre ganz schick. War es denn auch.

Das BIME Live ist komplett bargeldlos. Am Eingang, oder daheim am Computer, lädt man über eine spanische Webseite seine Chipkarte am Bändchen mit Geldbeträgen auf und alles, aber auch wirklich alles, wird über einen Scanner von diesen Chips verbucht. Selbst am Merchstand bestand keine Chance, mit Bargeld ein T-Shirt zu ergattern. Ich habe so ein digitales Bezahlsystem vor Jahren beim Primavera erlebt, damals wurde der Versuch nach dem ersten Tag abgebrochen, weil es zu viele Systemhänger und Schwierigkeiten an den getränkeständen gab. Beim BIME funktionierte alles tadellos. Allerdings ist es schon komisch und gewöhnungsbedürftig, Bier durch einen Piep auf den Arm abgebucht zu bekommen, denn der Überblick über das Guthaben fällt mir zumindest, schwer. Aber da das Festival angenehm voll war, war es nie ein Problem, den Kontostand an einer der Aufladestationen abzurufen oder ihn direkt beim Thekenpersonal zu erfragen.

Mein Fazit: Von den Rahmenbedingungen her ist das BIME Live ein absolut empfehlenswertes Festival.

Musikalisch in diesem Jahr auch. Seit Sommer bin ich riesengroßer Sun Kil Moon Fan und als Mark Kozelek für das BIME bestätigt wurde war klar, da fahre ich hin. Bilbao ist überdies einen tolle und sehenswerte Stadt, warum also nicht einen Städtetrip mit ein paar Konzertbesuchen verknüpfen. The same procedure as every time, könnte ich sagen. Und so machten wir uns auf den Weg, das Guggenheim, Portugalete und das Bilbao Exhibition Centre zu entdecken.

Der Zeitplan des Festivals kam uns bei den Tagesplanungen sehr entgegen. Die Konzerte begannen spanientypisch spät, so dass wir am Freitag bis 20 Uhr Zeit hatten, die Stadt zu erkunden und auch der Samstagnachmittag bot ausgiebig Freiraum für einen Spaziergang durch Bilbao, inklusive Spätnachmittagsmenü.
Neben Sun Kil Moon spekulierte ich im Vorfeld auf Konzertbesuche von John Maus, Aphex Twin und Stephen Malkmus and the Jicks. Hinzu kamen die Editors, Belako und Slowdive am Freitag sowie Unknown Mortal Orchestra, Rolling Blackouts Coastal Fever, Kurt Vile und MGMT am Samstag.

Ich finde es jedes Mal schwierig, in ein Festival hineinzukommen. Es ist der Ort, mit dem ich mich erstmal vertraut machen muss, die Bühnenanordnung und der Zeitplan, die studiert werden wollen. Wie kommt man hin (und viel wichtiger, wie kommt man nachts wieder zum Hotel), wie sind grundsätzlich die Gegebenheiten. Ein Festival empfinde ich anders als ein Konzertbesuch. Hinfahren, Band angucken, zurückfahren funktionieren da bei mir nicht.BelascoDie spanische Rockband Belako war somit ein willkommener Opener für unseren BIME Ausflug. Erst einmal in Ruhe alles  auskundschaften. Wo ist was und wie sieht es hier aus. Zwischen Orientierungsläufen zur Chipkartenaufladestation, Merchstand und Sitzlandschaft bot die aus der Nachbarstadt Mungia kommende Band dazu einen tollen Postpunk Soundtrack. Und wenn ich ab und an ein Auge auf die Bühne riskierte, sah ich eine sehr junge Band, die einen fulminanten Auftritt hinlegte.John MausJohn Maus war mein erstes ‘richtiges‘ Konzert. Spannend fand ich die Frage, wie er nach dem Tod seines Bruders seine Band neu zusammenstellte. Die Antwort: gar nicht. John Maus kam alleine auf die Bühne. Es war ein trauriges Bild, das der Sänger abgab. Zumindest empfang ich es so. Der eh schon in sich zerrissen wirkende John Maus wirkte auf mich noch zerrissener und aufgewühlter. Wort und kommentarlos spulte er Track um Track ab, um nach einer guten halben Stunde wieder von der Bühne zu verschwinden. Man spürte gleichsam in jeder Sekunde, dass es sein erster Auftritt nach dem Tod seines Bruders war. Ich glaube er war erleichtert, als er ihn hinter sich hatte. Im Akkordtempo spielte er sich durch sein Set, schritt eiligen Fußes nach jedem Song in den hinteren Bühnenbereich, um das nächste Tape abzufahren. Da er auf Bandpersonal verzichtete, war der Laptop sein einziger musikalischer Begleiter und alleiniger Bühnencompagnon. „Maniac“ bringt das Geschehen für mich irgendwie auf den Punkt. Irre getrieben rannte er von einer Bühnenseite zur anderen, schlug sich mit der Hand gegen den Kopf und wirkte apathisch abwesend. Es war ein merkwürdiger Auftritt, den das Publikum vor der Bühne jedoch mit viel unterstützendem Applaus bedachte. John Maus tut mir leid. Hoffentlich erholt er sich schnell.

Setlist John Maus:
01: My whole world’s coming apart
02: Streetlight
03: Rights for gays
04: Teenage witch
05: Castles in the grave
06: The combine
07: Keep pushing on
08: Bennington
09: Maniac
10: Touchdown
11: Cop Killer
12: Pets

Slowdive und die Editors. Was gibt es über zwei Bands zu sagen, die ihre wichtigste und vielleicht beste Zeit hinter sich haben. Gut, dass neue Slowdive Album soll toll sein, ich kenne es leider nicht, aber ich habe die Briten 1991 auf ihrer Just for a day Tour in Bochum gesehen. Damals waren ihre getragenen Songs Straßenfeger, „Catch the Breeze“, „When the Sun Hits“ und „Alison“ bestimmten den Puls der brit-affinen Indiefeunde. Gut 25 Jahre später stehen diese Songs immer noch auf der Setlist. Trotz neuen Albums sind es die Stimmungsbringer und Höhepunkte des Festivalauftritts der Band. Die neuen Sachen scheinen hier niemanden so recht zu jucken, „No Longer Making Time“, „Slomo“, „Star roving“ und „Sugar for the pill“ werden um mich herum regelrecht weggelabbert. Da hilf auch das atmosphärische blaue und grüne Licht nichts.Slowdive

Setlist Slowdive:
01: Slomo
02: Catch the breeze
03: Crazy for you
04: Star roving
05: Souvlaki Space Station
06: No longer making time
07: Alison
08: Sugar for the pill
09: When the sun hits
10: Golden hair

Und die Editors? Ach, ohne Frage funktionieren „The racing rats“, „Munich“ und „Smokers outside the Hospital door“ immer noch. Aber das war es dann auch. Die drei Alben, die die Editors in diesem Jahrzehnt veröffentlich haben, sind dagegen enorm belanglos. Da die Editors aber vermehrt die alten Hits spielten, geht das Konzert ab wie Schmitz Katze. Tom Smith, der tatsächlich erst Mitte 30 ist, ist immer noch der Zappelphilipp, der er früher schon war. Wie fremdgesteuert stolziert er über die Bühne, klammert sich an das Keyboardgestell, zerrt am Mikrofonständer und wuselt über die Bühne. Schon ein bisschen albern theatralisch.Tom Smith (Editors)

Schade. Denn waren die Editors nicht für eine Dekade eine Band, die den Trübsinn im hier und da in mitreißende Energie verwandelte? Nun drohen sie zu versinken. Es tut weh, ihnen beim Strampeln zuzuschauen.

Diese Gedanken des Zeit Blogs aus dem Jahr 2013 sind auch 2018 leider nicht zu revidieren. Und ehrlich gesagt, ich hatte es nicht anders erwartet. Und so ist es vor der Bühne nicht allzu voll. Den Spanier interessieren eh mehr die DJs.

Setlist Editors:
01: Cold
02: Hallelujah
03: All sparks
04: An end has a start
05: A ton of love
06: Sugar
07: Darkness at the door
08: Violence
09: Nothingness
10: Blood
11: Papillon
12: Magazine
13: Ocean of night
14: The racing rats
15: Munich
16: Smokers outside the hospital doors

An der Messehalle 3, in der zur Zeit der DJ Kornél Kovács auflegt, herrscht Einlaßstopp, der zu vielen unverständlichen Äußerungen und Kopfschütteln führt. Auch ich hatte mich kurz hierhin verirrt, nun begleiten mich mehr Festivalbesucher zurück in die Halle 1, in der Apex Twin und Kollegin ihre Pulte aufgebaut haben. Das Set beginnt mit viel knarzen und piepen, bevor sich der erste Track mit leichtem Bass und typischem Aphex Twin Sound aus den Boxen kriecht. Typischer Aphex Twin Sound, das kann ich nicht näher beschreiben, aber wenn man ihn hört, erkennt man ihn direkt.

Was ich noch erkenne ist, dass sich im Saal nach einer ersten Anfangseuphorie das Interesse an dem Konzert merklich legt. Ist es doch zu experimentell? Ist es doch zu wenig dancy? Keine Ahnung, aber da es bereits weit nach Mitternacht ist und die Uhren erst morgen umgestellt werden, entschließen auch wir, so langsam zurück ins Hotel zu fahren.
Die Bahn um 2.30 Uhr bringt uns nach halbstündiger Fahrt ins Stadtzentrum. Es regnet. Es ist frisch. Auch in der Atlantikküste zieht der Herbst so langsam auf. Aphex Twin sollte man mal gesehen und gehört haben, finde ich. Habe ich hiermit getan. Es war gut, aber beileibe kein Ding, was mir länger in Erinnerung bleiben wird.

Das BEC gefällt uns am Samstag noch besser. Wieder ist es kein Problem, einen guten Platz vor den Bühnen zu ergattern, wieder ist die Anreise mit der Metro enorm entspannt und wieder ist das Ambiente in der Messehalle 1 zwar gewöhnungsbedürftig, aber gut und angenehm.Rolling Blackouts Coastal FeverErste Band des Tages ist Rolling Blackouts Coastal Fever. Ich kannte die Amis bisher nur ganz kurz, aber nach zwei Livesongs wurden sie schnell zu meiner neuen Lieblingsband. Der Motorama Bass in Kombination mit Ducktails Gitarren machte einiges her. Ich denke, ich werde mir diese Band mal näher zu Gemüte führen und versuchen, ihr Konzert im Kölner MTC in den nächsten Wochen auf gar keinen Fall zu verpassen. Rolling Blackouts Coastal Fever erinnern in ihrer Spielfreude und Leichtigkeit an die frühen Pavement. Das ist gut. Stephen Malkmus sehe ich später noch. Das ist besser.

Unknown Mortal OrchestraDoch zuvor erst eine Band, die ich bisher nicht genauer kannte. Unknown Mortal Orchestra. Im Vorfeld des diesjährigen Primavera schaute ich mir ein, zwei Videos der Amerikanischer an, entschied mich dann aber, ihr Konzert nicht zu sehen. Ein Fehler, ein großer Fehler, wie sich jetzt herausstellte. Auf unspektakuläre Art spektakulär sind Unknown Mortal Orchestra; nach wenigen Sekunden ist das klar. Bereits zum zweiten Song „Ffunny Ffrends“ springt Sänger und Gitarrist Ruban Nielson von der Bühne und läuft mit der Gitarre um die Schulter quer durch die Halle. Das ist lustig, da zu diesem Augenblick noch große Lücken vor der Bühne herrschen und viele Umstehende es gar nicht mitbekommen, dass vor ihnen der Sänger posiert und dabei munter weiterspielt. Smombies sind auch auf Festivals stark vertreten. Egal, alle, die den ersten Ausflug verpasst hatten, bekamen eine weitere Chance. Die Umtriebigkeit von Ruban Nielson ließ ihn nämlich ein zweites Mal im Zuschauerraum verschwinden. Dieses Mal zwar ohne Gitarre, aber dafür mit Mikrofon und Gesangseinlage inklusive. Das Konzert von Unknown Mortal Orchestra war sehr unterhaltsam und musikalisch hochinteressant. Der easy listening Rock und der teils funkige, mich an Steve Wonder erinnernde Gesang klingen enorm modern und erfrischend nach hab-ich-so-noch-nicht-gehört.
‘This is a never song‘ wird „Multi love“ angekündigt und die Gitarre klingt sowas von nach Prince. Neu ist eben nicht immer neu. Ach, ein herrliches Konzert und nach dem Auftritt von Rolling Dinges liefern Unknown Mortal Orchestra bereits das zweite Festivalhighlight an diesem noch frühen Abend. Zwei Bands gesehen, zwei Mal habe ich großen Spaß gehabt! Was will ich mehr! Nun, Sun Kil Moon vielleicht?

Setlist Unknown Mortal Orchestra:
01: From the sun
02: Ffunny Ffrends
03: Swim and sleep (like a shark)
04: Necessary evil
05: Ministry of Alienation
06: So good at being in trouble
07: American guilt
08: Not in love we’re just high
09: Multi-Love
10: Hunnybee
11: Can’t keep checking my phone

Sun Kil Moon (Mark Kozelek)Sun Kil Moon. Endlich, könnte ich sagen, wenn ich Mark Kozelek nicht im August in Genk gesehen hätte. Seinerzeit habe ich sehr auf seinen Auftritt hin gefiebert und ja, was soll ich sagen, er hat mich umgehauen. So erwartete ich an diesem Abend ähnlich Großes von dem ehemaligen Sänger der 1990er Hitmaschine Red House Painters. Die Messehalle 3 schien ein bisschen suboptimal für einen ruhigen, nur mit Klavier und Akustikgitarre vorgetragenen Auftritt. Die hohe Hallendachhöhe, das Stahlrohrtribünenkonstrukt, der nicht so große Zuschauerzuspruch sahen nicht sehr einladen aus und ich glaube, auch etwas Enttäuschung im Gesicht Mark Kozeleks vor Konzertbeginn entdeckt zu haben.

Ich hätte gerne Kurt Vile gesehen, ich hätte gerne Kurt Vile gesehen

zetert der Sänger ein wenig über seinen parallel stattfindenden Aufritt. Und später dann

ich weiss nicht, ob man die Sounds hört, die Akustik in der Halle ist sehr schlecht.

Hilft aber nichts und ehrlich gesagt, war es gar nicht so schlimm, Kurt Vile zu verpassen. Sun Kil Moon liefen im Laufe des einstündigen Konzertes zur Höchstform auf und enttäuschten mich nicht. Neben den bekannten 15 Minütern stand ein neuer Song im Mittelpunkt des Konzertes. „1983 MTV Era Music is the soundtrack of outcasts being bullied by jocks“ bildete den Höhepunkt des Sets, auf den das Konzert hinsteuerte. Es ist eine Ode an Philadelphia, die Mark Kozelek auf einem Flug von Boston nach eben Philadelphia geschrieben hat. Und hier passt alles! Denn wie sich ein Reisender Gedanken über sein Fahrtziel macht, beschreibt Kozelek in dem Song Dinge, die ihm zu Philadelphia in den Sinn kommen: das sind vor allem Boxen und Kurt Vile, der scheinbar in Philadelphia lebt(e). Zusätzlich und wie selbstverständlich werden diese Gedanken durch die üblichen Kozelek’schen Ausschweifungen wie eine Erzählung über Zahnarztbesuche ergänzt. In diesen Momenten kommt er von Höckschen auf Stöckchen.
Ich lerne etwas über die Boxverbände, über Boxweltmeister, über Rocky Balboa natürlich und erfahre, das Mark Kozelek großer Kurt Vile Fan ist, Parquet Courts mag und von The War on drugs (die Band, in der Kurt Vile früher mitmachte) wenig hält. ‘Der Sänger sind so hoch wie Mark Knopfler‘. „1983 MTV Era Music is the soundtrack of outcasts being bullied by jocks“ ist eine Ode an Philadelphia und ein riesengroßer Song!

Blutspenden, die Nachbarschaft, Mark Kozelek schafft es, Alltagsbanalitäten mit guten Beobachtungen anzureichern und beides zu Songs zu machen. Mich beeindruckt und fasziniert das sehr. Ich bin begeistert und fühle mich während der Stunde Konzert gut in der Messehalle 3 aufgehoben. Ich wiederhole mich gerne: was war das für ein Abend bisher. Und mit Stephen Malkmus sollte noch ein weiteres Highlight folgen.Stephen MalkmusStephen Malkmus and the Jicks. Bereits sieben Alben hat mein Lieblingsindiesänger mit den Jicks seit 2000 veröffentlicht, das letzte, Sparkle hard, erst in diesem Jahr. Aktuell ist er auf Albumtour und es ist immer noch eine Freude, den scheinbar nicht erwachsen werden wollenden Malkmus live zu sehen. Wie er über die Bühne hüpft, urkomische Tanzmoves ungelenk aufs Parkett legt, die Gitarre um seinen Hals baumeln lässt, sie über Kopf spielt und sich ab und an dabei im Kabelgewirr verheddert. Immer noch ist Malkmus für mich das Synonym des sich-nicht-allzu-ernst nehmenden Livemusikers. Egal, wenn mal ein Einsatz verpasst wird, egal, wenn das Mikrofon am Halter baumelt und nur von schräg unten besungen werden kann. Stephen Malkmus ficht all das nicht an. Er spielt und spielt einfach weiter. Genauso wie seine Band, die durch die Bank weg Bandshirts trägt. ‘I’m on a stereo, stereoohoh.‘ Gewohnt unterhaltsam war das.MGMTWarum muss man ein Trimmrad auf die Bühne schleppen, um darauf strampelnd einen Song zu singen? Ich verstehe nicht, warum sich Andrew VanWyngarden zu „She works out too much“ um eine solche Performance bemüht. Nimmt das Gerät nicht Platz im Transporter weg? Ist das Geschleppe auf die Bühne für nur einen Song nicht zu blöd? Lachen ihn die Roadies nicht aus? Mir kommt es blöd vor, aber der Meute vor der linken Bühne in Halle 1 gefällt es. Sie johlt MGMT ohne Ende zu. Zuvor spielten Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser einen ihrer Hits, „Time to pretend“ ließ die Halle erbeben. Das hallt noch ein bisschen in „She works out too much“ rüber, obwohl der Song schwächer ist.MGMT beschließen für uns das BIME Live. Nach 10 erlebten Bands an zwei Abenden ist es ein gutes Finale. Ich hatte die Band bisher noch nicht live gesehen, daher ist es interessant, den Amis zuzusehen. Songtechnisch kenne ich nur die Singles. Da geht es mir scheinbar wie den Meisten. Den größten Jubel verursachen nämlich „Kids“, „Little dark age“ und „When you die“. Logisch. Auffallend aber, dass es ansonsten stimmungsmässig sehr zurückhaltend zugeht. Mir ist das Wumpe, meine Festival aha’s hatte ich an diesem Tag zu genüge. So stehe ich einfach etwas abseits des Bühnengeschehens und genieße ruhig MGMT und das Festival. Es gibt schlechteres, sag ich mal.

Setlist MGMT:
01: When You Die
02: Time to Pretend
03: She Works Out Too Much
04: Flash Delirium
05: James
06: Electric Feel
07: Little Dark Age
08: Weekend Wars
09: Siberian Breaks
10: Me and Michael
11: Kids

Auf dem Weg zurück ins Hotel. Gott sei Dank regnet es nicht und die Metro kommt relativ zügig. Die Bahn ist voll. Es ist Samstagabend, für spanische Verhältnisse der Abend noch jung. Wow, denke ich, was für ein Festival! Der Trip nach Bilbao hat sich mehr als gelohnt.

Oder, um es mit den Worten von Mark Kozelek zu sagen:

I love spain, I love Bilbao, I love Tortillas!

Kontextkonzerte:

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."