| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Perron 55, Venlo
Vorband: Awkward I

Bettie Serveert

Awkward I hat interessante Songtitel. „Ready to die“, „Oxygen mask” oder “Hannah hung heavy”. Der Mann aus Friesland bestritt das Vorprogramm von Bette Serveert an diesem Abend in Venlo.
„Er spielt Gitarre, Okulele und Banjo.“ Mit diesen Worten kündigt Peter Visser den Folksänger gegen halb zehn Abends an. Warum er dabei in der linken Hand einen Hammer hält, ist mir nicht ganz ersichtlich. Vielleicht muss noch hinter der Bühne kurz was gerichtet werden. Egal.
Awkward I ist Djurre de Haan. Früher spielte er Bass in der niederländischen Band Alamo Race Track, seit 2009 veröffentlicht er seine eigenen Alben. Zwei Stück sind es bereits, und wenn er an diesem Abend einen Auszug aus beiden Alben gespielt hat, dann sind diese durchaus einen Kauf wert.
Alleine kämpft er gegen das Geklimper und Gerede von der Bar am Kopfende des Raumes. Es ist sehr lauter im Perron 55, in den Songpausen wirkt es gar zeitweise unangenehm. Aber gut, dass die Musikanlage alles übertüncht und Djurre de Haan’s Gitarrenspiel und Gesang keine Störgeräusche durchlassen. Gitarre und Okulele spielt er auch an diesem Abend. Normalerweise mag ich Musik mit diesem Instrument nur sehr bedingt, aber auf die kurze Dauer von zwei Songs war das okay. Grundsätzlich war ich sehr angetan von seinen Songs, leider verstanden wir seine lustig sarkastischen Ansagen zwischendurch nicht, das Friesländische liegt mir nicht so, aber sie schienen recht unterhaltsam gewesen zu sein, der Reaktion des Publikums nach zu urteilen. Sein ganzer Auftritt erinnerte mich etwas an Beck. Das mag komisch aussehen, heute weiß ich auch nicht mehr so genau, wie ich darauf gekommen bin. Lag es an der Schnodderigkeit, an dem ironisierten Auftreten, an der Musik.
Zum Abschluss noch ein Duett mit Carol van Dyke („Mother’s Last Words To Her Son”) und dann war sein gut 45minütiger Auftritt beendet.
Bettie Serveert. Lieblingsband. Seit vielen Jahren. Carol van Dijk, TOP 3 Lieblingssängerin.
Damit ist es eigentlich klar und alles gesagt: es war ein gutes Konzert und ein schöner Abend. Geht ja gar nicht anders.
Vor einigen Wochen erschien ihr 10. Album „Oh Mayhem!“. Dieses Konzert in Venlo war Teil der Albumtour. Es ist schwer, Bettie Serveert außerhalb der Niederlande spielen zu sehen, letzte Woche hätte ich in Heerlen die Gelegenheit gehabt, allerdings hatte ich keine Zeit. So blieb an diesem Samstag der kleine Ausflug nach Venlo. Das ist auch nicht so weit und wieder einmal macht sich der Standortvorteil „Wohnen in einer Stadt mit Autobahnauffahrt“ deutlich bemerkbar. In einer knappen Stunde erreicht man das Perron55, ein Klub am Stadtrand in der Nähe des Bahnhofs, des sehr raumschiff-esken Bahnhofs der Grenzstadt Venlo.
„Oh Mayhem!“ ist wieder mehr Gitarre und weniger Dance-Elektro-Indie Sound. Bettie Serveert machen hier da weiter, wo sie mit „Pharmacy of love“ aufgehört haben. Ich kenne es noch nicht, daher kann ich nicht so viel dazu sagen außer, dass die aktuelle Single „Shake-her“ diesen Worten entspricht.

„Like Wire, Bettie Serveert are only getting fiercer with age. The 50-something Dutch rockers, who found college-radio indie fame in the 90s, make a surprise return with an album big on catchy melodies and tough lyrics delivered forcefully by Carol van Dijk. Her strong voice (think Kim Deal or Liz Phair) remains the focal point, though wild guitars and thunderous drumming give it the foundation it needs to soar.
Opener Shake-Her is an immediate toe-tapper, Sad Dog has excellent guitar histrionics and a surprising bridge, while Tuf Skin, despite being an in-your-face rocker, offers up a vulnerable chorus: “One day I’ll finally see what I’m headed for. Put my nose to the grindstone once more. Pull myself up by the bootstraps. I need to get my tough skin back.” Past the halfway mark, van Dijk gets soulful on the almost a cappella Monogamous, a sexy song you could imagine Christina Aguilera turning into a monster hit.” http://www.nowtoronto.com

Und wenn das neue Album denn tatsächlich so ist, wie sich der Abend in Venlo anfühlte, dann ist es ein gutes Album. Mitte der 00er Jahre hatten die Betties genauso ihre Elektrophase wie viele andere Bands der 90er Jahre auch, scheinen diese sie aber nun hinter sich gelassen zu haben. Keyboards standen keine auf der Bühne, es ging klassisch zu: Gitarre, Schlagzeug, Bass. Carol van Dijk, Peter Visser, Joppe Molenaar und Herman Bunskoeke.
Zu viert spielten sie einen guten Querschnitt aus fast all ihren Alben, aber mal wieder nichts von „Dust bunnies“, diesem Popmeisterwerk aus den 90ern, als die Betties die Schwermütigkeit der Vorgänger „Palomine“ und „Lamprey“ ablegten und mehr in Pop machten. Also kein „What friends?“, also kein „Sugar the pill“. Schade, ich hätte sie gerne nochmals live gehört. Dafür zauberten sie die viel bessere Version von Bright Eyes „Lover i don’t have to love“ aus dem Hut und wie fast immer live „Tom boy“, „Ballentine“, „Palomine“ und „Kid’s alright“ vom sagenhaften und großartigen „Palomine“ Album.
Es war ein guter Abend, der nur durch den Verlust meines dunkelblau-grünen Schals ein wenig getrübt wurde. Die jüngste Person im Perron55, die Garderobenhilfe, konnte ihn leider nicht mehr wiederfinden. Nun ja, vielleicht bekomme ich irgendwann Post aus Venlo, wenn nicht, muss ein neuer Schal her.

Kontextkonzerte:
Bettie Serveert – Amsterdam, 10.09.2011
Bettie Serveert – Heerlen, 21.03.2010
Bettie Serveert – Köln, 22.03.2007

Multimedia:
flickr-Fotos

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."