| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Bettie Serveert muss man einfach mögen. Und diese Stadt auch, und das Nieuwe Nor erst recht!
Zum zweiten Mal binnen weniger tage machte ich mich auf den Weg nach Heerlen. Also auf ins niederländisch / belgisch / deutsche Grenzgebiet. Knappe 17 Kilometer von Aachen entfernt liegt die 90 000 Einwohner Stadt. Der Stadtkern verbreitet Studentencharme. Straßencafés und Bars säumen den Kirchplatz, der abends kunstvoll beleuchtet wird. Die Stadt erinnert mich an Münster, ähnliche Architektur, ähnlich ausgehfreundlich. Ob meine Augen des Gelegenheitsbesuchers der Wirklichkeit entsprechen, ich weiß es nicht. Aber ich glaube schon.
Das Nieuwe Nor ist ein kleiner Klub mitten in der Stadt. Das Inventar sieht neu aus, die Halle speziell für Konzerte gebaut worden zu sein. So wie das neue FZW und seine kleine Halle. Ähnliche Dimensionen im Nieuwe Nor, das laut Angabe auf dem Ticket (!!) circa 350 Besucher fasst. Eine tolle Konzertanlage und ich hoffe hier finden noch des Öfteren interessante Konzerte statt.

Mit Bettie Serveert spielten an diesem Sonntag Urgesteine des niederländischen Indierock. Seit fast zwei Jahrzehnten gibt es die Band um Sängerin Carol van Dyke, Peter Visser und Bassist Herman Bunskoeke bereits, ihre Musikstile variierten von melodiös getragenem Indiepop über Pop und Indiebeat bis hin zu Indierock. Ihr gerade erschienenes Album „Pharmacy of love“ ist so laut und krachig, wie sie es lange nicht mehr gespielt hatten. „Deny all“ und „Pharmacy of love“ oder auch „Calling“ schließen nahtlos schön an den 90er Jahren Bettie Serveert an, als ob es die letzten zehn Jahre nicht gegeben hätte.
Da „Pharmacy of love“ in Deutschland noch nicht erhältlich war /ist, wusste ich nicht so recht, was mich an diesem Abend erwarten sollte. Ich hatte Bettie Serveert vor einigen Jahren im Kölner Kulturbunker gesehen und anschließend beschlossen, nun in Ruhe Sterben zu können. Die Niederländer waren seinerzeit die letzte Band auf meiner die-muss-ich-unbedingt-noch-live-sehen Liste. Damals herrschte noch ihre orange Phase vor, ruhiger, poppiger, elektromelodischer. Mittlerweile sind sie in der blauen Phase angekommen (Homepage und Cover und Artwork sind mit Blautönen durchsetzt, ach, man sagt glaub ich: Corporate Identity). Blau = Rock, so meine Deutung der Dinge.
„Kid’s alright“, der letzte Song des Abends passte vortrefflich auf The Boheme, die den Abend eröffneten. Talentierte Jungspunde im Abi-alter, die viel Kooks und Arctic Monkeys gehört haben. Ihre Ansagen verstand ich nicht, auch die Worte von Peter Visser musste ich mir später zurechtdenken. Leider entging mir so der Grund des irgendwann aufkommenden Lachens und Grinsens auf der Bühne zwischen Carol und Herman. Tja, so ist das.
Das Nieuwe Nor war angenehm gefüllt. 350 Leute waren nicht da, ich schätze 200; ein angenehmer rahmen also. Genau wie die Band ist auch ihr Publikum gealtert. Und den Bettie’s treu geblieben. Man war also unter sich, dies mein atmosphärischer Eindruck.
Wie gesagt, die neuen Sachen kannte ich noch nicht, und so gab es einige Unbekannte in dem gut 70 minütigem Set. Gleich zu Anfang zum Beispiel. Akklimatisiert wurde ich dann mit den auch mir bekannten Songs von den Alben „Attagirl“ und „Palomine“. „Hands off“ und „Smack“ oder später mit „Tom Boy“. Rockig war es, das viel mir von Anfang an auf. Der Eröffner „Love Lee“ ließ dies unmissverständlich raus. Die drei wirbelten ansehnlich, angetrieben vom exzellenten Schlagzeuger Joppe Molenaar. Zusammen mit Henk Jonkers und Jeroen Blankert. teilte er sich schon den Drum-Job auf dem neuen Album und scheint live zum festen Bestandteil der Bettie’s geworden zu sein.
Ich hatte den Eindruck, dass es die erste halbe Stunde keine Atempause gab. Hohes Tempo, starker Rockeinsatz. Carol wand und schüttelte sich, es war laut in Nieuwe Nor. Es gab kurze Gitarrensoli, mir kam Courtney Love in den Sinn. Ob sie sich auch so gut gehalten hat wie Carol? Ich tippe, dass beide ungefähr gleich alt sein müssten. Na, in einigen Wochen werde ich mich selbst überzeugen können. Ich befürchte jedoch, dass Courtney keinen Stich machen wird, lass mich aber gerne eines besseren belehren. Doch zurück nach Heerlen.
Mit „Receiver“ und „Calling“, die schön ineinander übergingen und jeweils längere sonic youth’sche Instrumentalphasen hatten, ging der Abend zu neige. Bettie Serveert verließen die Bühne und Sekunden später kam eine Frau nach vorne und knibbelte eine Setlist von der Box. Aber es gibt doch noch die Zugabe! Lass den Zettel doch noch vorne liegen, der läuft ja nicht weg. Da aber die Zugabe nicht auf den Setlisten stand, war es nicht dramatisch, dass nun eine weniger auf der Bühne lag. „Wir haben noch zwei Liedchen“ sagte Carol. „What they call love“ ein eher unspektakulär wirkendes, ruhigeres Stück und als Rausschmeißer ihren vermeintlich größten Hit „Kid’s alright“.

Ein schöner Abend, ein stimmiges Konzert. In Würde gealtert, sagt man in solchen Augenblicken gerne. Stimmt. Auf der Rückfahrt läuft „Pharmacy of love“.
Ich glaube, die etwas poppigeren Sachen der beiden Vorgängeralben gefallen mir besser.

Setlist:
01: Love Lee
02: Don’t touch that Dial!
03: Deny all
04: Hands off
05: Smack
06: Private suit
07: The Pharmacy
08: Semaphore
09: Mossie
10: Tom boy
11: Receiver
12: Calling
Zugabe:
13: What they call love
14: Kid‘s alright

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
Bettie Serveert – Köln, 22.03.2007
Bettie Serveert – Hengelo, 21.11.2008

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."