| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Luxor, Köln
Vorband: PINS

Best Coast

Die Überraschung kommt gleich zu Beginn des Abends. „Warum war ich damals eigentlich bei Best Coast im MTC, als sie zusammen mit Sky Larkin auftraten“ wurde ich gefragt, als wir uns im Luxor trafen. „Das weiß ich nicht, ich war ja auch nicht da.“ „Doch du warst da, ich hab’s bei dir nachgelesen.“ „Ach, daran kann ich mich gar nicht erinnern. Sicher?“ „Ja, sicher.“
Tja, so ist das mit den Erinnerungen. Manchmal sind sie weg. Somit bleibt es bei meinen eindrücken von vor 3 Jahren, als wir die Kalifornier in der Witloof Bar der Brüsseler Botanique zum letzten Mal sahen.
Best Coast gehören zu den Bands, die allzeitlich knapp unter meinem Radar laufen. Songs wie „When i’m with you“ oder „Boyfriend“ sind zwar Lieblingslieder, aber um sich dem Gesamtwerk der mittlerweile drei Alben hinzugeben, langte es bisher irgendwie nicht. Trotzdem zähle ich sie zu meinen Lieblingsbands. Klingt komisch, finde ich auch.
Die letzten beiden Konzerte waren herausragend (das im MTC – hab ich gerade nachgelesen) und gut (das in Brüssel). Da konnte im Luxor eigentlich nur wenig schiefgehen. Und es ging auch nichts schief. California nights heißt ihre aktuelle Scheibe, und genauso wie in den beiden Berichten über die Best Coast Konzerte 2010 und 2012 muss ich auch dieses Mal wieder schreiben: ich kenne das Album nicht. Aber dazu besuche ich ja auch Konzerte, um neue Alben kennenzulernen.
Bethany Cosentino und Bobb Bruno – die beiden sind die Best Coast Urzelle – haben noch zwei weitere Gitarristen mitgebracht. Das tut den Songs gut, sie klingen so live noch (indie)rockiger als im Stream aus dem Computer. Best Coast starten so überragend in das Konzert, dass ich sie gedanklich als die Zukunft des (Indie)Rocks abfeiere. „Crazy for you“, „Heaven sent“, „Fine without you“, die ersten Stücke laufen unter voller Gitarrenbesetzung, und sie laufen gut. Der Best Coast Surf-Pop klingt – wie ich finde – sehr nach Kalifornien. Soweit Musik nach einem Bundesstaat klingen kann. Was ich sagen will: er ist so gleichgültig, so unentschlossen, zwar irgendwie traurig aber nicht melodramatisch, so ruhig, so wenig fordernd nach vorne, aber trotzdem nach vorne. Best Coast Rocksongs klingen entspannt, haben eine Art von laziness, die ich bei anderen Rockbands so noch nicht entdeckt habe. Lana del Rey schafft im Pop ähnliches, Hilflosigkeitslieder habe ich in einer Besprechung ihres Albums Honeymoon gelesen. Ob Best Coast auch Hilflosigkeitslieder schreiben, ich bin nicht sicher, aber die gewisse Hollywood sadness haben sie allemal. Die macht Best Coast so interessant und hebt sie ab von all den anderen Indierockbands.
Zu fünft sind sie also auf der Bühne und der Beginn des Konzertes war also top. Genau. Leider wurde es im Mittelteil etwas seichter. „Sie sind jetzt in ihrer Belanglosigkeitsphase“ sagte ich zu meinem Nachbarn, der darauf erwiderte „ja, sie sollten mal wieder die Gitarren auspacken“. Da war was dran. Seit einer Handvoll Songs hatte Bethany Cosentino die Gitarre abgeschnallt und gegen eine sternförmige Rassel eingetauscht. Auch der Gitarrist direkt vor uns setzte nun mehr auf sein Keyboard als auf seine Gitarre. Beides tat dem Konzert nicht gut. In diesen Momenten verwischten die Songs und kamen nicht so prägnant herüber wie die ersten Stücke an diesem Abend. Nun ja, eine rein subjektive Feststellung. Glücklicherweise für uns packten sie die Gitarren im letzten Drittel des Konzertes wieder aus. „Boyfriend“, „Our deal“, diese Songs mit vielen Gitarren aufgeführt, funktionieren hundertprozentig. Jetzt zeigt sich, dass die Kalifornier eine in Deutschland viel zu unterschätzte Band sind, die – im Vergleich zu den USA – in viel zu kleinen Clubs spielt.

Vorband waren übrigens PINS. Ich wusste das bis einige Tage davor nicht. Mein erster Gedanke, als ich die Nachricht hörte, war: ‚ach die schon wieder‘. ‚Ach die schon wieder‘ soll hier aber positiv besetzt sein, nicht mit einer negativ abwertenden Stimmlage ausgesprochen. Denn PINS sind toll. Schöne Songs, gute Konzerte. So war es die dreimal zuvor in diesem Jahr, so war es auch diesmal. Meine meistgesehene Band 2015. Und das bewusst und zu recht, wie sich an diesem Abend zeigte. PINS werden live immer besser, ihre Songs sind eh schon super.

Kontextkonzerte:
Best Coast – Köln, 07.12.2010 / MTC

Best Coast – Brüssel, 22.09.2012 / Botanique

PINS – Antwerpen, 18.03.2015 / C-Halle
PINS – Berlin, 21.03.2015 / TRIX
PINS – Berlin, 25.09.2015 / Musik und Frieden

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."