| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Ort: Botanique, Brüssel
Vorband: Paon


Brüssel ist immer eine Option. War ich dieses Jahr eigentlich schon in der Botanique, dem besten, schönsten und stimmigsten Konzerthaus, das ich kenne? Nun, dann wird es langsam Zeit, denn mindestens einmal im Jahr sollte ich im Norden Brüssels vorbeischauen.
Das Konzert der Los Angeles Band Best Coast bot sich dazu an, näher sollte die Band an Köln nicht herankommen. Grund genug, um sich auf den samstagnachmittäglichen Weg in Richtung Belgien zu begeben. Dass wir diese Idee nicht alleine gepachtet hatten, bemerkten wir am Abend vor der Bühne des kleinsten Konzertsaales des Botanique: bekannte Gesichter standen schon in Reihe eins. Auf manche Dinge ist eben Verlass.
Folgt man Best Coast auf Twitter, lernt man viel über die Band, Los Angeles, Anzugsordnungen bei Konzerten, das Tourleben und anderen Unsinn. Die Band (oder Sängerin Bethany Cosentino) ist eine rege Netzwerkkommentatorin, sie twittert was das Zeug hält. Seit ihrem Kölner MTC Konzert vor ungefähr zwei Jahren bin ich Best Coast Verehrer, ich mag ihren laxen Indiepop und ihre unaufgeregte Art. So lange folge ich ihnen auch bei Twitter, oder besser gesagt folgte ich ihnen, denn vor einigen Monaten wurde es mir zu viel. Kein neues Album und Unmengen an Statusmitteilungen, die mich nur bedingt interessierten, ließen Twitter Twitter sein und ich entfolgte Best Coast. So verpasste ich natürlich die Ankündigung eines neuen Albums und einer spätsommerlichen Tournee. Auf beides musste ich erst aufmerksam gemacht werden, zögerte dann jedoch keine Minute, um unserem Konzertausflug zuzustimmen.
Best Coast spielten im Gewölbekeller, in der sogenannten Witloof Bar der Botanique. Viel Betrieb war an diesem Abend im Kulturzentrum, die Briten von We have band begeisterten in der Orangerie, die Rotonde bot eine Ausstellung zum Thema Frauen und Film.
Das Konzert war seit Tagen ausverkauft, das Parkhaus um die Ecke fast direkt neben dem türkischen Imbiss, den wir gerne und immer wieder als Snackoption vor Konzertbeginn wahrnehmen, überraschend leer. Das lief ja bestens, und wenn man weiß, dass ein belgisches ausverkauft wenig mit einem köln’schen ausverkauft gemein hat, stand einem schönen und entspannten Konzertabend nichts mehr im Weg.
Wir stiegen die Treppenstufen in den Backsteinkeller herab und sahen mit Paon eine lokale Vorgruppe. Schlagzeug, Gitarre, Bass und Keyboard überzeugten uns nicht sehr, zu vorhersehbar erschien uns ihre Musik. Dabei war der Anfang sehr vielversprechend. Das erste Stück klang nach einer Mischung aus Soundgarden und Wüstenrock Gitarren und den Doors. Die weiteren Songs boten allerdings nur noch Doors und etwas Indielektrik. In dieser Kombination nichts für mich. Der Saal war noch nicht sonderlich voll, ein belgischer Insidertipp scheinen Paon nicht zu sein. Und viel weniger unterhaltsam als meine letzte belgische Vorgruppenentdeckung.
Best Coast starteten fünf Minuten zu spät. Die Zettelankündigung versprach 21 Uhr, ganz gehalten werden konnte das nicht. Das neue Album sei ein grower und etwas tighter als das Debüt „Crazy for you“ ließ ich mich vor Konzertbeginn kurz belehren. Nun gut, gleich werde ich mir selbst einen Eindruck darüber machen können. Allerdings starten Best Coast mit alten Sachen, ein neues Stück ließ auf sich warten. Als es dann mit „Last year“ da war, bemerkte ich es kaum.
Best Coast waren in guter Verfassung. Die Songs fluppten und das mittlerweile gut gefüllte Kellergewölbe war sehr angetan von ihrem Konzert. Vielleicht lag es daran, dass dies ihr letztes Europakonzert ist, was sie so euphorisch zu Werke gehen ließ, vielleicht sind sie aber immer so. Zwei Konzerte sind statistisch gesehen kein Konzert, also fehlen mir zur endgültigen Aussage die Messwerte. Mit „Boyfriend“, einem der besten Indiesongs der letzten drei Jahre beendeten sie nach guten sechzig Minuten den Abend. So stand es zumindest auf der Setlist, allerdings kamen sie, als die Saalmusik schon spielte und einige den Raum bereits verlassen hatten, nochmals zurück um uns mit einer feinen Coverversion zu überraschen. „About a girl“, das sie für ein Nirvana Tribute Album eigespielt hatten, setzte eine wunderbaren Glanzpunkt unter das Konzert. Best Coast dürfen das covern.
Ein gutes Konzert, ein schöner Ausflug. Wir hatten unseren Spaß. Brüssel ist immer eine Option.

Kontextkonzerte:
Best Coast – Köln, 07.12.2010

Multimedia:
flickr-Album

 

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."