| Ein Blog über Musik und Konzertbesuche |

Wenn die Welt gerecht wäre, dann würden Athlete Stadien füllen. In Zeiten, in denen MySpace Helden das Palladium ausverkaufen oder Britgröhl-Gruppen das E-Werk füllen, sollte es einer Band, die einem guten zweiten Album ein sehr gutes drittes folgen lässt, doch vergönnt sein, grössere Aufmerksamkeit zu erhaschen. Und um die Verwunderung bzw. die Ungerechtigkeit komplett zu machen, die Sache mit einem guten Nachfolge- Album ist den erstgenannteren bekanntlicherweise nicht so recht geglückt.
Doch Athlete spielen nur im kleinen Prime Club. Doch das gute Menschen einen Gerechtigkeitssinn haben zeigte sich daran, daß zum Dank der Prime Club dann ausverkauft war.
Als Vorband wurde Iain Archer verpflichtet. Ein ganz hervorragender Singer / Songwriter (Zitat Athlete Sänger Joel Pott), dem es sichtlich Spass bereitete hier aufzutretender. Zu Beginn in typischer Alleinunterhaltermentalität mit umgeschnallter Gitarre, wurde sein Set zum Ende hin immer lauter und rockiger. Was natürlich auch daran lag, dass er nun nicht mehr alleine auf der Bühne stand sondern mit Schlagzeug und Bass begleitet wurde. Thematisch passte Ian Archer sehr gut zu Athlete. Eine sinnvolle und gut ausgewählte Konzertergänzung.
Zum Athlete Auftritt fiel mir gestern Abend gegen elf Uhr folgendes ein:
Mensch, du bist gerade mittendrin, im Konzert des Jahres!!!
Zu diesem Zeitpunkt, das Konzert war gut eine dreiviertel Stunde alt, haben Athlete bereits alle grössten Hits abgespielt. Ob sie nun „Hurricane“, „I am Tokyo“ odet „Airport Disco“vom neuen Album „Beyond the neighbourhood“ oder „Wires“, „Half light“, „Changes“ und „Tourist“ vom Vorgängeralbum „Tourist“ heissen. In diesem Moment wurde einem erst so richtig bewusst, wieviel excellente Songs diese Band aus dem Londoner Stadtteil Deptford auf ihren letzten beiden Alben angessammelt hat. Und die grösseren waren bis dahin noch nicht einmal dabei. Aber der Reihe nach:
Eröffnet wurde der Abend mit „I am Tokyo“, ich glaube der neuen Single. Ein Smasher, der gleich vom ersten Ton an klarstellte, was heute Abend Sache sein wird. Nämlich das es nichts wird mit einem seichten, ruhigen Vorweihnachtskonzert. Wer die Stücke auf CD hört entdeckt diese leicht melancholische Grundstimmung, die sich wie ein roter Faden durch die Alben zieht. Man hört viel Klavier und /oder ruhig- harmonische Keyboards, seltener laute Gitarren.
Hier sind Athlete die besseren Coldplay. Was natürlich mal wieder ein grottenschlechter Vergleich ist, aber wie schon bei den Editors muss sich auch diese Band immer wieder mit Chris Martin und Co vergleichen lassen. Und alles nur wegen eines Klaviers und verwandter Songstrukuren. Das neue Album erweitert diese um leichte elektronische Sequenzen, die einen an die Post „OK Computer“ Phase von Radiohead erinnern.
So erwartete ich ein ruhiges Konzert, bei dem man locker minutenlang in sein Bier weinen kann. Doch es kam anders. Die 5 Athleten ordentlich Dampf. Sänger Joel Pott ist die geborene Rampensau, der alle grossen Gesten studiert hat und sie einwandfrei beherrscht. Im Unterschied zu vielen anderen britischen Bands führte er einen regen Austausch mit dem Publikum. Hier eine Ansage, dort eine Anekdote über Dickmilch und Yoghurt. So entwickelte sich ein famoser Auftritt, der Prime Club war begeistert. Von den letzten Konzerten war dieses das mit den meisten Händen in der Luft. Live schaffen es Athlete immer wieder hervorragend, ihren Stücken eine Dynamik mitzugeben, die man beim Hören der CD nicht vermuten würde. Durch die Bank werden sie einen Tick schneller gespielt, die Gitarren treten stärker in den Vordergrund und verleihen dem ganzen einen rockigeren Anstrich. Der Mitklatsch- und Mitwippkompatibilitätsfaktor steigt enorm.
Athlete sind unbedingt eine Konzertempfehlung. Klasse vorgetragene Songs und gutes Entertainment. Ich hoffe, dass sie ihre Ankündigung wahr machen, und nächstes Jahr wiederkommen. Haldern wäre ein guter Ort zum verweilen.
Hatte ich es schon gesagt. Konzert des Jahres!!!
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Multimedia:
– Fotos: –
– Video: GuillaumeDresen
– Lesenswert: freakmagnet


es läuft: –

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."