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Ort: King Georg, Köln
Vorband: The golden dregs

Das King Georg schließt bald seine Pforten. Also zumindest musikalisch. Die derzeitigen Betreiber hören zum Jahresende auf, las ich die Tage, wie es mit Konzerten im King Georg weitergeht, man hat noch keinen Plan. Ein paar Jahre lang war der ex-Nachtklub mit seiner Nicht-Bühne Hort wunderbarer feiner Musikkonzerte. Ein Liebhaberprogramm von Musikliebhabern, sorgsam und spannend zusammengestellt. Der Satz klingt so richtig wie kitschig. Immer wieder spielten hier neben jungen, neuen Bands auch altsemestrige Indiehelden, von denen man glaubte, sie gäbe es gar nicht mehr.
Ein Liebhaberprogramm von Musikliebhabern. Der klingt so richtig wie kitschig. Das King Georg setzt in Köln Maßstäbe, heimste für sein tolles Engagement ein paar Kulturförderpreise ein und wertet den Konzertstandort Köln enorm auf. Oder wie es Gaffel.de nennt:

Die zwischen dem Ebertplatz und Sudermannplatz liegende Klubbar King Georg gehört zu den sagenumworbensten und verstiegendsten Etablisements der Stadt.
Sein puffig-charmantes Ambiente, seine pittoreske Zwielichtigkeit regte bei vielen Nachtschwärmern seit jeher viel Phantasie und Begeisterung aus. Nach 40-järigem Bestehen, hat nun, nach kurzer Unterbrechung, der Betreiber gewechselt. André Sauer, Mitbetreiber der Musikwirtschaft Stadt Venlo und erfahrener Musik- und Kulturveranstalter, wird diesen besonderen Ort ab Anfang September entstaubt haben und mit allwöchentlichen Tanz-, Theater-, Musik- und Literaturveranstaltungen neu beleben. Es wird diverse Kooperationen geben, wie mit dem Kölner Ensemblenetzwerk Freihandelszone (www.freihandelszone.org), dem Raketenklub (http://raketenklub.blog.de/) sowie mit der in Hamburg und Berlin ansässigen New Burlesque-Szene. Somit wird das King Georg auch Kölns erste Burlesque Bar.
Geplant sind des weiteren kleinere Sing- and Songwriter-Abende, schräge Elektronik-Acts sowie Lesungen aus dem Off.

Allzu oft war ich allerdings nicht hier. Mich nervte die Räumlichkeit, die ebenerdige ‘Bühne‘, das zu oft nix sehen. Gerade und erst recht, wenn ich befürchtete, dass es voll werden könnte, blieb ich lieber zuhause oder schaute mir die Bands anderswo an. Denn ein volles King Georg ist der wahre Graus, wenn man nicht direkt zu Einlaßbeginn vor Ort und einen Platz in den ersten vier Reihen vor den Musikern ergattert. Dann sieht man nur Hinterköpfe oder blickt einen Pfeiler an und es fühlt an wie Radio hören in einer Kneipe.
Für mich gab es bei Anna Burch keinen alternativen Spielort. Die Alternative, die Amerikanerin nicht zu sehen, stellte sich aber auch nicht. Zu reizvoll klang ihr Debütalbum Quit the Curse und so musste ich wohl oder übel ins King Georg.

Anna Burch wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Warum? Nun, dass ist schnell erklärt: In ihr „Ask 4 a friend“ verliebte ich mich in den ersten zehn Sekunden, in denen ich den Song vor einigen Wochen erstmals hörte. Er klingt so vertraut, als wäre er schon immer da. Dabei erschien Quit the Curse erst Anfang des Jahres, „Ask 4 a friend“ kann also nicht schon immer da gewesen sein. Anna Burchs Musik ist stark im Indiefolk der 1990er Jahre verdrahtet. Das ist, was die Songs für mich so vertraut klingen lässt. Und als Fan von Brenda Kahn, Juliana Hatfield, Liz Phair bin ich unweigerlich in der Anna Burch Fangruppe.

Insgeheim hoffte ich, dass das Konzert nicht voll sein wird. Ich behielt recht. Ich bin zwar nur pünktlich, aber das Konzert über habe ich einen schmalen Sichttunnel auf die Sängerin. Lass das King Georg mal gut zur Hälfte gefüllt sein. Ich bemerke sofort, Anna Burch war beim Friseur. Das kinnlange Haar ist nun raspelkurz. Die Haare ließ sie in Berlin, wo sie den August verbracht hat, erzählt sie. Was finden nur alle immer noch an diesem Berlin, dass sie dort gar zum Friseur gehen?

Quit the curse ist keine 40 Minuten lang, entsprechend kurz fällt das Konzert aus. Neben Anna Burch musizieren ein Gitarrist, eine Bassistin und ein Schlagzeuger, der zuvor als The Golden Dregs einen unterhaltsamen Kurzauftritt hatte. Empfehlenswert, weil schön, ist „What a life / What a waste“. An diesem Abend lerne ich zwei Dinge: Mein Lieblingslied „Ask 4 a friend“ handelt scheinbar über Arbeitsvermittlungsagenturen (‘A song for your job dealer‘, wie die Sängerin ihn ankündigte) und ich erfuhr, dass Anna Burch in einer Band namens Frontier Ruckus als Backgroundsängerin am Start war.

Neben den Songs von Quit the curse präsentierte uns die Anna Burch einen neueren Song, den sie ohne Bandunterstützung auf der Akustikgitarre spielte. Ich fand, er passte gut zu dem vorherigen countryesken „Belle isle“ und dem eher getragenen Sound des Debütalbums. Nur ab und an wird es an diesem Abend etwas lauter im kleinen King Georg. Dann brummen die Gitarren ein bisschen mehr. Aber nur ein kleines bisschen, denn Quit the curse besticht durch gleichbleibend leise laute Songs, die ohne Aufregung, ohne Soundspitzen, ohne Höhen und Tiefen auskommen und dadurch ihre Schönheit entfachen.

„In your dreams“ beendete den Abend. Lo-Fi in style. Perfekt!

Kontextkonzerte:

frank

"I can't go away with you on a rock climbing weekend - What if somethings on tv and its never shown again - Its just as well I'm not invited I'm afraid of heights - I lied about being the outdoor type."