Eels – Heerlen, 04.04.2013

Ort: Theater Heerlen, Heerlen
Vorband: Nicole Atkins

eels

Mark O. Everett. Immer wenn ich sein Gesicht vor Augen habe und seine Songs höre, muss ich an Physik denken. Und ich hasse Physik. In der Schule war es eines meiner noch weniger geliebten Fächer, was Wechselstrom ist und wie ein Fernseher funktioniert, werde ich nie begreifen, mal ganz abgesehen von diesem Teilchenkram und Einstein. Manchmal frage ich mich schon verwundert, wie ich es geschafft habe, Ingenieur zu werden und warum. All das ganze Technikgedöns hinterfrage ich nicht, verstehe ich nicht. Aber sagt man das nicht Ingenieuren nach: Technikaffinität und ein Gespür für das naturwissenschaftliche. Wenn dem so sein sollte, bin ich ein falscher Ingenieur, einer, der sich für all das nicht begeistern kann. Da halfen auch zwei Vorlesungsstunden bei Mr. E nicht. Leider. Aber etwas blieb immerhin hängen: ein Zustand wird durch den Beobachter Realität. Das tut gut zu wissen.
Die Vorlesungsstunden bekam ich 2008. Zweimal. Mark Everetts Vater Hugh Everett III war ein berühmter Physiker und Wissenschaftler. Er hat in den 50ern wichtiges in der Quantenphysik entdeckt und im Rahmen der 2008er Tour gab es die BBC Dokumentation über Hugh Everett III. als Vorprogramm zum Konzert. Es waren zwei tolle und interessante Abende. Auch mein letztes Eels Konzert war interessant. Es war genau wie heute im Theater in Heerlen, allerdings in einem größeren Saal. Seinerzeit gab es im Vorprogramm einen Clown, der Luftballons verteilte und weitere kindergeburtstagsartige Späße aufführte. Ihn fanden wir nur bedingt lustig, sein Auftritt brachte überdies den Zeitplan soweit nach hinten, dass wir erst gegen Mitternacht aus der Grenzstadt loskamen.
An diesem Abend war mir so ziemlich alles egal. Ich hatte Zeit, ich freute mich auf die Eels und auf die Fahrt nach Heerlen. Endlich mal wieder in aller Ruhe CDs hören. Also zwei, eine pro Weg. Nach Heerlen fahre ich sehr gerne, ich finde die Stadt schön und ansehnlich. Genau wie das Theater. Insgesamt drei Säle beherbergt das Parkstad Limburg Theaters. Das Eels Konzert findet im Limburgzaal statt, dem zweitgrößten Veranstaltungsraum mit knappen 1500 Plätzen. „Uitverkocht“ steht auf einem Schild neben dem Eingang, darüber hängt digital der Zeitplan: 20.30 – 22.45 Uhr Eels.
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Eels – Heerlen, 20.06.2011

Ort: Parkstad Limburg Theaters, Heerlen
Vorband: Jesca Hoop

Eels - Heerlen, 20.06.2011

Die Eels. Die Band um Mark O. Everett ist immer für eine Überraschung gut. Auf ihrer vorletzten Tour gab es im Vorprogramm eine Dokumentation über Mark O. Everetts Vater, den Physiker und Quantenforscher Hugh Everett (hier nachzulesen).
Beim letzten Mal enterten die beiden Musiker Chet und Mark O. Everett wie Boxer den Saal und spielten ein Akustikset. Vor Jahren reichte den Eels die eigene Band nicht, im Frack und Zylinder traten sie zusammen mit einem kleinen Orchester in eine stickig warmen Live Musik Hall aus.
Die 2008er Konzerte waren mit das interessanteste und verstörteste an Liveauftritten, die ich gesehen habe. „Weird“, war Mr E.’s Lieblingswort. Jedes Kapitel, jeder Song, das Publikum, die Geschichten des Tages vor dem Konzert, alles „weird“. Mr E. selbst war es auch. Kauzig, merkwürdig, „superweird“.
Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen hatten all meine bisherigen Eels Abende eine große Gemeinsamkeit. Es waren hervorragende Konzerte.
Vor einigen Tagen spielten die Eels, die derzeit auch auf beinahe jedem Festival auftauchen, ein Konzert in Köln. Da allerdings zuvor der Termin in Heerlen bestätigt wurde, hatte ich mein Ticket bereits für die niederländische Stadt in der Tasche und ließ das näherliegende Köln Konzert links liegen.
Heerlen bietet wunderschöne Konzertsäle. Das Theater, verkehrsgünstig an der A4 bzw. N281 gelegen oder das Nieuwe Nor im Stadtzentrum. Beides moderne, gut funktionierende und von der Akustik her ansprechende Säle, die eigentlich mehr als nur gelegentliche Fahrten über die Grenze rechtfertigen würden. Und da die niederländische Grenze nicht allzu weit entfernt ist, fanden wir uns ratzfatz auf der A4 wieder.
Im Foyer überraschte uns der detaillierte Ablaufplan. Ein lokaler Künstler sollte um 20.20 den Abend eröffnen, bevor um 20.50 Jessica Hopp und um 21.40 Uhr die Eels auf die Bühne gehen sollten. Für 23.45 Uhr war die „Sperrstunde“ angesetzt.
Na dann ist ja alles klaro. Zeitlich zumindest. Es wird ein langer Abend. Aber wer ist der „lokale Künstler“.
Der Saal im Theater ist toll. Es ist nicht der Theatersaal selbst, sondern ein kleiner Veranstaltungsraum. Ich schätze mal, ausgelegt für ca. 1000 Besucher, die ihn im Laufe des Abends auch füllten.
Mit Parkettboden empfängt uns der Raum, der breiter als tief ist. Die Temperaturen sind angenehm, das Licht theateresk. Im hinteren Teil schließen sich in zwei Ebenen Sitzplatzreihen an, die Bühne, gegenüberliegend, ist sehr aufgebaut hoch. Ich könnte mein Kinn an der Bühnenkante aufstützen mache das aber nicht. Stattdessen schaue ich mir die Schuhe eines Clowns an.
Marcello heißt der lokale Luftballon-Figurenbastler-Clown, der den Abend eröffnet. Clown ist dabei wörtlich gemeint, nicht im übertragenen Sinn. Heerlen ist zwar eine Karnevalshochburg, auf einer meiner vorherigen Fahrten in die Stadt entdeckte ich kurz hinter der Autobahnabfahrt eine Filiale des Karnevalswirtz, aber muss man deswegen einen Mann im Clownskostüm auf die Bühne schicken.
Ein wenig verwundert blickten wir uns an, als Marcello der Clown knappe 20 Minuten lang Luftballons zu Hunden, Herzen und anderlei Figuren formte. Nicht mehr und nicht weniger.
„Weird“, hätte Mark O. Everett vor einigen Jahren dazu gesagt.
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Sarah Bettens – Heerlen, 17.11.2008

„Hello Holland“, so begrüßte die amerik. Band Social Distortion vor einigen Jahren das Publikum beim belgischen Pukkelpop Festival. Dummheit oder Jetlag?
Ein ähnliches Problem beschäftigte mich am gestrigen Nachmittag, als ich meinen abendlichen Ausflug ins (noch) in der Nähe gelegene Heerlen antrat. Niederlande oder Belgien? Wo liegt diese Stadt denn nun, in der am Abend Sarah Bettens mit ihrer Theatertour gastieren sollte.
Um Aachen herum ist ja alles möglich, sowohl die Niederlande als auch Belgien sind nur Steinwürfe entfernt, und unweit der alten Kaiserstadt treffen sich gar Deutschland, Belgien und die Niederlande (Koordinate: 50.754507 N, 6.021087 O).
Die Streckenrecherche in Google-Maps brachte die Lösung: Heerlen, Niederlande. Okay, dann ist alles klar. Vorberechnete Fahrzeit knappe 95 Minuten.
Wenn ich also um kurz nach fünf loskomme, dann könnte ich vor Konzertbeginn um 20 Uhr noch kurz in die Stadt und ordentlich leckere Fritjes essen. Vielleicht sogar mit Zwiebeln (hallo Sitznachbar, bzw. –nachbarin. Es waren mehrheitlich Frauen anwesend) und als Sättigungsbeilage eine Frikandel obendrauf. Der Plan war gefasst, und so erreichte ich ohne Stau um kurz nach halb sieben Heerlen.
Das Rabotheater liegt verkehrsgünstig im autobahnzugewendeten Teil der Stadt und besitzt eine eigene Parkgarage. So ist die Fahrt mit den vier ausgedruckten Google- Maps Screenshots, die ich auf dem Beifahrersitz griffbereit platziert hatte, kein Problem. Das hätte ich zur Not auch ohne Wegbeschreibung gefunden.. Die Gegend um das Theater sieht relativ neu gestaltet aus und macht einen einladenden Eindruck. Der Vorplatz ist groß und unbebaut, links und rechts vom Theater finden sich im klaren Design gebaute Apartmenthäuser mit großen Fenstern und Balkon in Richtung Theaterplatz.
Sarah Bettens 17112008Der Vorplatz ist nahezu menschenleer. Noch deutet nichts auf die abendliche Veranstaltung hin. Just in dem Moment, in dem ich am Springbrunnen vorbei laufe, hört dieser auf zu plätschern. Es wird Abend in Heerlen. Es ist für einen kurzen Moment totenstill. Als ich mich über die nichtbefahrene Strasse in Richtung Fußgängerzone aufmache, kommt mir kein Mensch entgegen. Beim Erreichen der Einkaufsstrasse bin ich irritiert. Alle Geschäfte sind bereits geschlossen. Den einzigen Lärm verbreiten Marktleute, die ihre Stände für den nächsten Tag aufbauen. In der nächsten halben Stunde begegnen mir vielleicht 20 Menschen. „Hier ist ja noch weniger los als in meiner Stadt“, denke ich, und: „Sieht doch ganz nett hier aus. Schönes Städtchen, dieses Heerlen“ So schlendere ich durch die Einkaufsstrassen und suche eine Abendessengelegenheit.
Doch ich finde keine Fritjes- Bude, laufe dafür an gefühlten 20 Dönerläden vorbei. Hat also die osmanische Fastfoodinvasion auch in der Heimatregion der Kartoffelstäbchen die kleinen Pommesbuden aus dem Stadtbild verdrängt. Schade. Nach Kebap steht mir aber nicht der Sinn, und so einige ich mich mit mir auf den einzig verbleibenden Kompromiss, esse mein mitgebrachtes Käsebrot und gönne mir einen Kaffee im einzig geöffneten Laden der Einkaufsstrasse.
Als ich zum Theater zurückkehre, ist das Foyer schon gut gefüllt. Sarah Bettens 17112008Gegen 20 Uhr nehme ich im Theatersaal Platz. Es ist ein schöner Raum, die Sitzreihen sind mit rotgepolsterten Stühlen ausgestellt, die Wände mit rotem, samtigen Stoff bezogen. Neben der Parterre gibt es 2 Balkonreihen. Die obere bleibt heute aber geschlossen. So groß ist der Zuschauerzuspruch nicht. Das Parterre ist nahezu voll, der offene erste Oberrang nur vereinzelt belegt. Ich schätze mal 500 Besucher sind vor Ort, um sich Sarah Bettens und ihren musikalischen Begleiter Tom Kestens anzuhören. Mehr brauchte es heute nicht. Dazu ein Klavier, ein Keyboard (beides je nach dem von Tom Kestens benutzt, eigentlich immer im Wechsel, so ergab sich ein lustiges Hin- und Her zwischen den Songs), eine Akustikgitarre auch gespielt von Tom) und eine weitere Akustikgitarre und eine E-Gitarre (beide für Sarah).
Als es um kurz nach acht mit den beiden losgeht, eine Vorband gab es nicht, das war aber bekannt, ist der Theatersaal stockdunkel. Die beiden nehmen ihre Plätze ein, Sarah vorne am Bühnenrand auf einem niedrigen Hocker, Tom am Keyboard. Es wird das Bild von Marvin Gaye auf eine rückwärtige Leinwand projiziert und eine kurze Tonsequenz von ihm eingespielt. Dann beginnen Sarah und Tom mit „I heard it through the grapevine“. Die erste Coverversion des Abends.
Das Theaterkonzert wird eine Konzertreise voller Coverversionen. Sarah Bettens nutzt die herbstliche Jahreszeit, um ihre Lieblingslieder aus vergangenen Tagen – eigehüllt in einen seichten Akustikmantel – in diversen Theatern Belgiens und den Niederlanden zu präsentieren.
So wühlt sie sich kreuz und quer durch die Musikgeschichte der letzten 30 Jahre.
Sarah Bettens 17112008Das Schema ist dabei immer gleich: Nach jedem Song geht kurz das Scheinwerferlicht aus, die beiden nehmen ihre Plätze ein (Tom am Klavier oder Keyboard; Sarah je nachdem ob sie Gitarre spielt auf dem kleinen Hocker oder, wenn sie das Instrument nicht benötigt, auf einem Bahrhocker am Klavier) und als Einstimmung zur nächsten Coverversion gibt es einen kurzen Tontrailer des Künstlers. Bei den drei eigenen Kompositionen „I can do better than you“ , „Shine“ und „Slow you down“ erzählt Sarah kurz selbst was zu ihren Liedern.
Zur Hälfte des Sets gibt es, nach „Cry me a river“, eine längere Pause. Zeit für Nikotinnachschub, wenn man ihn benötigt, oder um das Klo aufzusuchen.
Auf der Bühne werden neue Setlist- Zettel ausgelegt. Ich frage mich, ob es mit Coverversionen weitergeht, oder ob die Pause auch einen Bruch im Programm einläutet undSarah Bettens 17112008 nun mehr Sarah Bettens oder gar K’s choice Songs (auf den ein oder anderen warten doch eigentlich alle) gespielt werden.
Jaques Breul und ABBA geben schnell die Antwort. Es geht im alten Stil weiter. Natürlich ist es immer ein Hochgenuss, wunderbar arrangierte Coverversionen zu hören, doch ein wenig mehr Sarah Bettens hätte dem Abend gut getan. So wurde es ein Abend voller persönlicher Lieblingslieder. Ob es die Lieblingslieder aller waren, weiß ich nicht. Ich fand’s phasenweise anstrengend und langweilig. Die Commodores und Prince mochte ich noch nie, und ihre Songs wurden auch im Theater nicht besser.
Und ganz so klein ist doch Sarah Bettens Songkosmos nicht, an Songauswahl hätte es nicht gemangelt. Das auf dieser Tour Coverversionen und Lieblingslieder gespielt werden, war klar, jedoch das war zuviel.
Schade. So war mein mittlerweile fünftes K’s choice / Sarah Bettens Konzert nicht das beste. Sie bleibt meine Lieblingsbelgierin, aber neu verliebt habe ich mich heute leider nicht.

Setlist:
01. Marvin Gaye – I heard it through the grapevine
02. Ella Fitzgerald – Ev’rytime we say goodbye
03. Sarah Bettens – I can do better than you
04. Bill Withers – Just the two of us
05. The Commodores – Three times a lady
06. Stevie Wonder – Don’t you worry ‘bout a thing
07. Captain & Tennille – Do that to me one more time
08. Otis Redding – Sitting on the dock of the bay
09. Julie London – Cry me a river
10. Jacques Brel – Ne me quitte pas
11. ABBA – Money, money, money
12. Sarah Bettens – Win me over
13. Prince – Little red corvette
14. Janis Ian – At seventeen
15. Sarah Bettens – Shine
16. Woodface – I will carry you
17. Counting Crows – A long December
18. Sarah Bettens – Slow you down
Zugabe:
19. Bonnie Raitt – I can’t make you love me

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