Lüften! Festival – Frankfurt, 22.06.2012

Ort: rund um und in der Jahrhunderthalle, Frankfurt
Bands: Air Bag One, Get well soon, The Notwist, Ja, Panik, Breton, The Shins, The whitest boy alive

Wenn dieser Freitag ein Radiosender wäre, würde er mit dem Slogan “und das beste aus dem Indie Deutschlands, Österreichs und den USA sowie den grössten Newcommern unserer Tage” werben.
Dieser Freitag ist aber kein Radiosender, sondern der erste Tag des Frankfurter Lüften! Mouson Arts & Music Festivals 2012. So die offizielle Langform.
Was die Macher hier und heute zusammengetragen haben, kann sich sehen und hören lassen: die besten deutschen Bands (Get well soon, The Notwist), die Band mit dem wichtigsten “deutschsprachigem” Album des letzten Jahres (Ja, Panik), meine neueste Lieblingsband (The whitest boy alive), meine allerneueste Lieblingband (Breton) und die neuen Phoenix (Air Bag One). Mehr Programm liesse sich in einen Abend nicht packen, Zeit zum verschnaufen und / oder um sich all die andere Kunst auf dem Gelände der Jahrhunderthalle anzuschauen blieb kaum.
Mir fehlen die Worte. Aber was soll ich auch schreiben? Get well soon und The Notwist sind hinlänglich bekannt und jedes ihrere Konzerte eine Ohr- und Augenweide; Breton und Air Bag One hatte ich auch schon vorgetellt. Bleiben nur Ja, Panik und die Shins. Zu Ja, Panik fallen mir spontan zwei Sätze ein: Es war ein langerwartetes Konzert, dessen Ankündigung letztendlich den Ausschlag gab, nach Frankfurt zu fahren. Und es war grossartig.
Über die Shins schrieb ich im April 2004, nachdem ich sie als Hauptband nach Preston School of Industries im Gebäude 9 gesehen hatte, folgendes:

“The Shins” überraschten mich durchaus im positiven Sinn. Ihr Musikstil ist nicht wirklich einordbar, mit keiner anderen dezeitigen Band vergleichbar. Am Abend fielen mir spontan die Beach Boys und Lemonheads ein, die man als stärkere Vorbilder eindeutig heraushört. Mmmhhh, welche Band bezieht sich eigentlich nicht auf die Erstgenannte der beiden Genannten? Na egal, ob es zu einem CD Kauf reicht, vermag ich im Moment noch nicht entgültig zu sagen. Ich bleib aber dran, an “The Shins”.
Zusatz: Ich glaube nicht, dass “The Shins” so richtig gross werden. Ihnen, und wohl leider auch PSoI wird das gleiche widerfahren wie “Built to spill” oder “Guided by Voices”. Grossartig, aber immer underground.
Fazit des Abends: Ohne Glamour gehts auch!

Ich habe keine Ahnung von Musik.

Multimedia:
Fotos: flickr
Video: Ja, Panik – Suicide
Video: Breton – December

The Shins

Die Shins sind zurück. Das gefällt mir. Nach fünf Jahren und einer gefühlten Ewigkeit erscheint in diesem Jahr ihr neues Album “Port of Morrow”. Ich bin sehr darauf gespannt, am Wochenende habe ich Zeit und werde es mir kaufen. “Wincing the night away” und „Chutes too narrow“ liefen bei mir rauf und runter. Zwei tolle Alben, die so wunderbar in die Zeit passten. James Mercer’s Broken Bells Zwischending kam da leider nicht ran.
Gerne erinnere ich mich auch an ihre beiden Kölner Konzerte, obwohl – wie ich gerade nachgelesen habe – das letzte in der Live Music Hall zwar gut, aber nicht überragend gewesen sein muss. Die Shins seien irgendwie langweilig, schrieb ich seinerzeit. Als Begründung galt, dass die Shins zu fröhlich seien.
Komische Gedanken, du uns damals beschäftigten und interessante Thesen, die daraus entstanden. Denn eigentlich sind die Shins traumhaft und vielleicht schauen sie ja wieder vorbei, damit ich meine Livemeinung revidieren kann. Bis es soweit ist, muss dieses Live on Letterman Konzert reichen. Gleich nach der Werbung:
Live from New York’s Ed Sullivan Theatre on Tuesday, March 20, 2012.

Der Rest von Port Of Morrow aber präsentiert die Shins in einem anderen Licht: „It’s Only Life“ schmeichelt sich derart gefällig in die Gehörgänge, dass der kritische Indie-Fan zunächst „Ausverkauf!“ schreien möchte. Doch dann entfalten die sanften Falsettgesänge ihre Wirkung und treiben Tränen selbst in hinter Hornbrillen versteckte Augen: „You used to be such a little lion / Before you got into all this crying“. (musikexpress)

Und noch ein Zitat:

The Shins sind nur was für Erwachsene.

Sagt die Welt. Also die Zeitung. Na, denn möchte ich erwachsen sein!

The Shins – Köln 3.4.2007

Die Shins wurden verlegt. Vom kleinen, schnuckeligen, abgewrackten Gebäude 9 in die grössere Live Music Hall. Das hat mich ein wenig überrascht, denn das neue Album ist kritikmässig nicht so gut weggekommen, dass ein grosser Andrang zu erwarten gewesen wäre. Aber: ausverkauft! meldete bereits letzte Woche der Kölner Stadtanzeiger.
Hier wirkt die Umkehrung der Seachange These.
“Die Shins sind schon ein bischen langweilig”, sagte ich zu meiner Mitbewohnerin, als wir nach Konzertende zum Auto gingen. Nicht falsch verstehen, es war ein gutes Konzert, voller Spiellaune und enthusiastisch vorgetragen, abgefeiert vom Publikum. “Das liegt daran, dass sie zu fröhlich sind. Sie haben keine Moll-Töne, das wirkt dann uninteressant”, entgegnet sie. “Vielleicht sind sie dewegen eine Mädchenband, weil man zu ihrer Musik so unbeschwert wippen kann.” entgegnete ich. Zu dieser Ansicht bin ich schon vor einigen Jahren gekommen, als wir die Shins im Gebäude 9 sahen (eigentlich eher zufällig, Fokus unseres Interesses war damals die Vorband, “Preston School of Industry“) und – so schien es mir – auffällig viele weibliche Menschen vor Ort waren. Gestern empfand ich es ähnlich.
Was noch? Live gespielt sind die Stücke rauher und gitarrenlastiger als auf CD. Sanft, fröhlich und nach Sommerluft klingen sie weiterhin, nur ihre Dynamik verschiebt sich in Richtung rockiger. Soviel zur Musik. Ansonsten passierte nicht allzuviel auf der Bühne. 5 Menschen machen Musik. Lied, Pause, Lied, vereinzelt knappe Ansagen. Das war’s, aber das reicht auch.
Rockshows sind für Stadien.
Die Shins hatten Spass, das Publikum hatte Spass. Ein gutes Konzert.

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