The hundred in the hands – Köln, 11.10.2012

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Swearing at Motorists

“The scarlet beast o’seven bells”. Ich werde mit diesem Album nicht recht warm. Auf der abendlichen Fahrt zum Gebäude 9 habe ich die neue Get well soon Platte dabei, sie läuft im Auto-CD Spieler. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich sie nicht mögen mag. Die älteren Alben gefallen mir sehr, Get well soon Konzerte sind immer ein Fest und schlussfolgernd will ich auch das neue Album mögen. Aber es gelingt mir nicht. Auf “The scarlet …” ist mir von allem zu viel, zu viel alter Kinokram, zu viel Get well soon.
Ich denke an Konstantin („dann trink ich eben noch was“) Groppers Auftritt bei Roche und Böhmermann vor einigen Wochen. Frau Roche interessierte sich nicht wirklich für den Musiker, dabei – und das merke ich an der Ausfahrt Köln-Deutz, hätte sie doch nur das neue Album hören müssen und sie hatte den perfekten Intervieweinstieg: im Song „Dear Wendy“ benutzen Get well soon ähnliche Tonfolgen wie die Roche & Böhmermann Einspieljingles. Das hätte ihnen auffallen müssen.
Was all das mit The hundred in the hands zu tun hat? Nichts. Aber Anfahrtgeschichten gehören zu einem Konzertbesuch wie das Konzert selbst.
Jetzt aber zu The hundred in the hands:
Ein Fazit dieses Sommers könnte lauten, dass ich das Duo Eleanore Everdell und Jason Friedman viel zu lange links liegen gelassen habe. Viel zu lange.
Das Debütalbum der in New York lebenden Briten bekam ich vor 2 Jahren, ein kurzer Rückblick in das Jahr 2010 bringt mir das ins Gedächtnis zurück, was ich bereits im Sommer in Hannover feststellen durfte: diese Band hat gute Songs.
Über die Qualitäten von „Dressed in Dresden“ und „Commotion“ brauche ich nicht zu diskutieren, die sind unbestritten, es sind Riesenhits. Und „Pidgeon“ und „Lovesick“ stehen nur knapp dahinter. Für ein Album ist das eine enorme Hitdichte, wie ich finde.
Weiterlesen

The Lemonheads – Köln, 12.05.2012

Ort: Luxor, Köln
Vorband: Swearing at Motorists

„Oh, Dortmund führt 1:0.“ Einen Satz, den ich nicht hören wollte. Ich stieg gerade aus dem Zug aus, als ich im Vorbeilaufen auf dem Bahnsteig diesen Gesprächsfetzen unfreiwillig aufschnappte. So hatte ich mir das an diesem Abend nicht vorgestellt. Den ganzen Tag hatte ich mit mir gerungen, ob ich am Abend des Pokalendspiels, des spannendsten, ausgeglichendsten und herausragendsten der letzten Jahre, zum Lemonheads Konzert fahren solle oder nicht. Würde ich historisches verpassen? Wäre es nicht besser, live die Fernsehübertragung zu verfolgen als mich in einem Club rumzutreiben und die Lemonheads zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit zu sehen?
Nicht leichter machte mir die Entscheidung der Luxemburger Abend am Ende des letzten Monats, als Evan Dando und Band ein wirklich tolles Konzert spielten, das unbedingt große Lust auf mehr machte. Und vielleicht wiederholen sie das ja an diesem Abend. Es später nur nachlesen zu können würde mich dann ziemlich ärgern. Überdies lag das Ticket im Korb, schon seit Wochen. Eine Zwickmühle, in der ich saß, die mich jedoch dazu trieb, gegen halb acht in den Zug zu steigen und Richtung Köln zu fahren. Für einen Samstagabend war der Nahverkehr spärlich besucht, und – bildetet ich es mir nur ein, oder war der Frauenanteil im Wagon wirklich deutlich höher als an anderen Tagen. Es war wahrscheinlich Einbildung denn als ich in Köln ankam schien alles so wie immer. Klar, der Kölner ist wahrscheinlich nicht in erster Linie Borusse oder Bayern-Fan, der Lokalkolorit im Fantum ist auch in der selbsternannten fröhlichsten Stadt Deutschlands stark ausgeprägt, selbst wenn es derzeit fussballtechnisch wenig zu lachen gibt. (Woran auch Herr Stanislawski wenig ändern wird!)
Mein Plan war der, mir das Pokalspiel im Anschluss an das Konzert aus der Konserve anzuschauen und bis dahin nichts von Ergebnissen oder Tendenzen aus Berlin an mich herankommen zu lassen. Dass dieser Plan schon nach wenigen Minuten scheiterte, war ein blöder Umstand. Auf der anderen Seite waren erst wenige Minuten gespielt, das machte den Videoabend nur bedingt kaputt. Gott sei Dank – damit dann auch genug des nicht musikalischen Berichtteils – sollte es die letzte Wasserstandsmeldung bleiben, die ich mitbekam.
Die Lemonheads also. Zum zweiten Mal wollte ich mir das Über-Album „It’s a shame about Ray“ live anhören. Laut und in voller Länge.
Weiterlesen