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Paul Weller – Köln, 18.05.2010

Was für ein berauschender Abend. Paul Weller und Moke, eine Kombination, die schon beim letzten Kölner Konzert des Modfathers – wie man so sagt – funktionierte. Es war mein ach-was-weiß-ich wievieltes Weller Konzert, und auch dieses Mal schafften Paul und Stevie, Andy Lewis, und Andy Crofts sowie Schlagzeugmonster Steve Pilgrim es nicht, mich zu enttäuschen. Und ich vermute, dass ich mit diesem Gedanken nicht allein die Live Music Hall gegen elf Uhr verlassen habe.
Gute zwei Stunden lang herrschte pure Begeisterung, sowohl vor als auch auf der Bühne. Und so funktioniert ein Paul Weller Abend: Wenn der Kollege merkt, dass sein Publikum gut drauf ist, dann lässt er sich sofort davon anstecken. Dann wir auch gerne noch eine Extraschicht in Form einer weiteren Zugabe gespielt. Dann wird gelacht, abgeklatscht, geraucht und getrunken auf der Bühne. Dann legt er Twists ein und auch Stevie Cradock guckt nicht allzu verärgert, wenn er seine Gitarre über die Monitorboxen nicht richtig hört und die Techniker im Hintergrund fuchtelnd Schwerstarbeit leisten müssen. „More guitar please“, heißt es dann nur. Mittlere technische Probleme bringen sie heute nicht aus der Ruhe.
Ja, es war sehr ausgelassen, sehr unterhaltsam! Dazu trugen auch die sog. Security Bühnenwächter bei. Das ausgegebene Motto vonseiten der Bandleitung hieß wohl, keine Filmaufnahmen. Also versuchten die drei in den grauen T-Shirts alles, um jegliche Handy- oder Digitalkamerafilmaktionen zu unterbinden. Selbst der Chefroudie beteiligte sich mit einer kleinen Laserlampe daran, die „Attentäter“ am Aufnehmen zu hindern. Sehr unzeitgemäß! Sehr unentspannt! Aber nichts Neues bei einem Paul Weller Konzert.
Die Zusammenstellung der Band war identisch mit der der letzten Tournee. Ach, diese vier, es sind schon exzellente Multiinstrumentalisten, die Paul Weller da beisammen hat.
Viele neue Stücke hatten sie mit dabei. Und davor hatte ich ein bisschen Angst. Denn, seien wir doch mal ehrlich, „Wake up the nation“, das aktuelle Weller Album, ist nicht sein bestes. Eigentlich ist es schwach. Ich hatte es vor einigen Wochen günstig von meinem Englischlehrer in Berlin erstanden, es auf der sechstündigen Heimfahrt mehrmals gehört. Begeistert war ich nicht besonders. Einen oder gar mehrere Hits, ich könnte beim besten Willen keine nennen.
Aber live war davon nicht allzu viel zu spüren. Puhh! Zwar waren die weniger starken Momente des Konzerts die, wenn neue Sachen gespielt wurden, aber es ging auch umgekehrt. „Wake up the nation“ zum Beispiel, überzeugt live total, auf CD eher gar nicht. „Trees“ und vor allem „Fast cars / slow traffic“ ebenso. Letzterer entwickelte sich zu einem wahren Reißer.
Angefüllt wurde das Set mit, natürlich, einigen The Jam Sachen, Songs von „22 Dreams“ und diversen alten Schinken. Da durfte sich auch Keyboarder Andy Crofts die Gitarre umschnallen und bei „Art school“ die Leadstimme übernehmen. Die alten Herren Paul und Steve hatten ihren Spaß am dahingerotzten, alten und ewig jungen The Jam Klassiker.
Unerreicht blieb die letzte Zugabe, die sich nicht auf der Setlist befand und wohl spontan initiiert wurde. „Wild wood“ und „Echoes by the sun“. Beatherz, was willst du mehr?
A propos Beat. Selbst ohne Paul Weller Konzert lohnt sich ein Paul Weller Konzert. Will sagen, es ist immer wieder toll, einfach der Umbaupausenmusik zu lauschen. Hier gibt es kostenlosen Nachhilfeunterricht in Sachen Beat-Mod-Sixies Britkram. Und den habe ich bitter nötig. Kaum eines der tollen Stücke kenne ich, Bandnamen abseits der Kinks sind mir nicht geläufig. Meine Eltern haben Schuld daran! Ganz klar! Wieso bin ich in einem Haushalt von Schlagerfuzzies aufgewachsen und nicht mit coolen Beatplatten? Die Flippers, Milva, Udo Jürgens, Conny Froboess, in unserem eh schon spärlich bestückten Schallplattenschrank tummelte sich nur übelste deutschsprachige Schlagermusik. Wir hatten noch nicht mal eine Beatles Platte!!
Tja, das ist leider die Wahrheit. Aber ich habe mich davon nicht infizieren lassen, sondern startete die Gegenrevolution! Nur leider war ich alleine auf weiter Flur und oftmals nur zweiter Sieger im Beschallen des elterlichen Wohnzimmers. Es war eine harte Zeit, gerade wenn ich an diverse Familienfeiern zurückdenke. Aber das sind andere Geschichten…..
Noch drei Sätze zur Vorband. Mal wieder hatte sich Paul Weller seine niederländischen Frisurenklone (Gitarrist Phil Tilli) als Aufgalopp engagiert. Und nicht nur Paul haben es Moke angetan, auch für mich sind sie so was wie eine Lieblingsband geworden.
Und manchmal ist das schon eine komische Sache mit Lieblingsbands. Wo kommen sie her?
Warum mag man eine Band mehr als eine andere? Wieso gerade die? Fragen, die wohl jeder kennt, Fragen, die dennoch nicht jeder beantworten kann. Ist halt so, fertig. Ist ja auch nicht schlimm, höchstens peinlich (also manchmal).
Mit Moke ist das so. (Nein, nicht peinlich.) Vor einigen Jahren waren sie da, im Vorprogramm von Paul Weller. Ich fand sie größenwahnsinnig, aber toll. Über die niederländische Band wusste ich damals nichts, im Nachhinein habe ich mir dann Dinge angelesen, die sehr gut zu meinem Liveeindruck passten. Ihre Songs, voller Pathos, Größe und klassischen britisch gehalten. Das ergänzte sich gut zu Paul Weller, Moke schienen die perfekte Vorband zu sein.
Dreimal habe ich sie danach noch mal gesehen, einmal im Gebäude 9, vor dem noch nie ein so großer Tourbus parkte wie an diesem Abend, einmal als Rockpalast Event in der Bonner Harmonie und einmal im Amy Macdonald Vorprogramm.
Jetzt haben Phil Tilli, Bassist Marcin Felis, Schlagzeuger Rob Klerkx und Keyboarder Eddy Steeneken sowie Sänger Felix Maginn ihr zweites Album „The long & dangerous sea“ veröffentlicht, und sie begleiten ihren Buddy Paul erneut auf dessen Tour. Sieben Songs lang dauerte ihr Vorspiel, sie spielten vier neue Stücke und die bekannten Hits des Debütalbums. „This plan“, „Here comes the summer“ und „Last dance“. Die neuen Sachen erschienen mir beim ersten Hören nicht mehr so U2lastig und pathosbesessen, es stehen die Keyboards etwas mehr im Vordergrund. Ich kann mich aber auch irren. Ihre großen Gesten haben sie aber immer noch. Das wirkt manchmal sehr lustig, wenn unmotiviert ein Plektron ins Publikum fliegt, und wir mehrmals zum mitklatschen animiert werden. In der Live Music Hall funktioniert das so gerade noch. Mensch, ich glaube, Moke können nicht anders, sie wollen das so. Daher gilt weiterhin: Moke sind fürs Stadion geboren. Vielleicht schaffen sie den Sprung auch irgendwann. Ich würde es ihnen gönnen.
Setlist
01: Sea spring
02: Aim high
03: Into tomorrow
04: Moonshine
05: Up the dosage
06: Wake up the nation
07: Strange town
08: Trees
09: Let it be me
10: Empty ring
11: One bright star
12: Dust & Rocks
13: No tears to cry
14: 7 & 3 is the strikers name
15: Pretty green
16: Start
17: Fast cars / slow traffic
18: Come on let go
Zugabe I:
19: Black river
20: Broken stones
21: Pieces of dreams
Zugabe II:
22: Find the torch burn the places
23: Art school
24: Scrape away
Zugabe III:
25: Wild wood
26: Echoes by the sun
Multimedia:
Fotos: frank@flickr
Kontextkonzerte:
Paul Weller – Köln, 06.10.2008
Paul Weller – Washington DC, 13.09.2008
Paul Weller – Köln, 18.09.2007
Moke – Bochum, 26.02.2009
Moke – Köln, 10.03.2009
Moke – Bonn, 27.03.2009
Paul Weller – Köln, 06.10.2008
Um es vorweg zu nehmen. Es war ein weiterer grandioser Abend mit Paul Weller und Band.
Er war zwar nicht ganz so überragend wie vor vier Wochen, als die Band neben absoluter Spiellaune auch Lust auf Feiern und Fußballatmosphäre auf der Bühne hatte, aber damit hatte ich auch nicht gerechnet. Einen solchen Glücksfall von Konzert kann man als Band nicht routinemässsig wiederholen, sondern er ist ein Ergebnis von begeisternden Umständen. Und wer will schon jeden Abend „All you need is love“ spielen?
Aber dass es so gut werden wird, wie es schließlich wurde, damit habe ich auch nicht gerechnet. Insgeheim hatte ich mich auf einen enttäuschenden Abend vorbereitet, der all das vermissen lassen würde, was er in Washington geboten hat.
Doch mit dieser Vermutung lag ich meilenweit von der Wirklichkeit entfernt. Einzig die Ausgelassenheit fehlte, doch die Spiellaune und die Lust aufs Publikum, die waren gestern abend da. Und spürbar! Merklich spürbar!
Am Anfang meines Konzertabends stand ein deja-vu Erlebnis der lustigen Art. Als ich das E-Werk betrat und mir einen schönen Platz vor der Bühne suchte, dachte ich, ich seh’ nicht recht. Erblicke ich doch tatsächlich in der ersten Reihe ein Gesicht, das ich auch vor 4 Wochen beim Washingtoner Paul Weller Konzert gesehen habe. So ein Zufall. War sie nun Groupie oder Frau / Freundin eines Crewmitglieds? Oder war es doch nur – wie in meinem Fall auch – ein zufälliger Zusammenfall von Konzertgelegenheit und einem anderem Termin. Neugierig war ich schon, und es wäre bestimmt interessant gewesen zu erfahren, wie sie im Vergleich dieses Konzert erlebt hat, jedoch habe ich mich natürlich nicht getraut, sie zu fragen.
Aber auch sie hätte allen Grund gehabt, begeistert zu sein.
Oder wie die beiden Briten neben mir voller Respekt und Anerkennung feststellten: „An old-school Gig!“ In der Tat, es war viel Gitarre im Spiel, die Sixtiesmelodien wurden bis aufs Äußerste ausgelebt und zum Konzertfinale erhob sich bei „Wild Wood“, „Echoes“ und „Come on“ ein wahres Gitarreninferno und Gewimmer der besseren Kategorie. Im Zugabeblock wurde mit „Changing man“ nochmals einer draufgesetzt. Wunderbarst!
Bevor jedoch Paul Weller und seine Begleitmusiker die Bühne betraten, standen Moke für eine halbe Stunde im Rampenlicht. Wegen meiner hätten sie dort noch eine weitere halbe Stunde stehen dürfen.
Moke sind eine niederländische Gitarrenband, bei der alles stimmt. Einheitliches Bühnenoutfit, schwarze Hose, schwarzes Hemd, schwarze oder dunkelgraue Krawatte, und Melodien die von Escobar, über U2 (in der Frühphase) bis hin zu Interpol reichen. Moderne Indiegitarrenmusik eben!
Die Band um den aus Nordirland stammenden Sänger Felix Maginn gründete sich 2007 in Amsterdam und hat in unserem Nachbarland bereits einen mittleren Erfolgslevel erklommen. So wurde der Song Last Chance vom holländischen Fernsehen zur Untermalung der Champions League Highlights benutzt und ihr Debütalbum „Shorland“ landete beim Musikmagazin OOR in den TOP 20 der Alben 2007.
Moke, sehr interessant, sehr beachtenswert. „Shorland“ wird in Deutschland im Januar bei PIAS veröffentlicht.
21 Uhr: Paul Weller, Steve Cradock, Andy Lewis, Andy Crofts und Steve Pilgrim schlenderten zu ihren Instrumenten. Nach dem zweiten Song war meine anfängliche Skepsis verflogen. Ich wurde nicht enttäuscht, der Abend war auch dieses mal herausragend.
Nur war alles eine Klasse größer als im 9:30 Club. Die Bühne, dreimal so groß, die Halle ebenso. Und die Stimmung war mindestens doppelt so groß. Und das lag nicht nur an den zahlreich anwesenden Briten.
Paul Weller überraschte mit einer stark modifizierten Setlist. Es war zwar die gleiche Tour, dennoch fragte ich mich mittendrin, ob ich all das wirklich schon vor vier Wochen live gesehen habe. Das Set kam mir angenhem frisch und unbekannt daher. Ein Viertel der Songs wurde ausgetauscht, die Reihenfolge stark verändert. Nur das Grundgerüst aus rockigem Anfang, Klavierteil, Akustikteil und rockigem Ende blieb bestehen.
Die einzelnen Songs erschienen psychedelisierter (na ja, was man Oasis nachsagt kann der Modfather schon lange) und ausufernder als beim letzten Gig. Paul Weller verzichtete diesmal auf große Songtitel wie „Shout to the top“ oder „Town called Malice“ und brachte stattdessen mit andere Ausrufungszeichen.
Im Akustikteil, der mit „Misty morning“, „Butterfly“ und „Brand new start“ drei Songs umfasste, durfte dann der Nachwuchs ran. Beim unfasslichen Brand new start übernahmen sowohl der Drummer Steve Pilgrim als auch der Keyboarder Andi Crofts, die nun beide Gitarre spielten, für jeweils eine Strophe den Gesangspart. Und Papa Paul hatte seinen Spaß.
Mit besagtem „Brand new start“ wurde der beste Teil des Konzertes eingeleitet. Als die Hocker von der Bühne geräumt wurden, kamen die Gitarren. Mit „Wild Wood“ nahm die Band langsam wieder Fahrt auf, und „Echoes around the sun“ ist live eine Bank. Diese letzte Viertelstunde allein war das kommen wert.
Ach ja, jeder, der nicht vor Ort war, hat ein Konzert des Jahres verpasst!
Setlist:
01. Out of the sinking
02. Shadow
03. All i wanna do
04. From the floorboards up
05. 22 Dreams
06. Sea Spray
07. Empty Ring
08. One bright Star
09. Let it be me
10. Push it along
11. Have you made up your mind
12. Porcelain Gods
13. Picking up Sticks
14. Broken stones
15. 111
16. All on a misty morning
17. The Butterfly Collector
18. Brand new start
19. Wild Wood
20. Echoes around the sun
21. Come on, let’s go
Zugabe:
22. The Changingman
23. Whirlpools end
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Multimedia:
Fotos: frank@ipernity
Video: -
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Archiv: Paul Weller – Washington DC, 13.09.2008
Archiv: Paul Weller – Köln, 18.09.2007
Paul Weller – Washington DC, 13.09.2008
Paul Weller und Band spielen “All you need is love” am Ende eines mehr als zweistündigen Konzertabends im Washingtoner 9:30 Club. Mehr brauchen wir auch nicht mehr.
Was für ein Abend. Erst die Rifles, die, wenn es besser für die Band aus London gelaufen wäre, Maximo Park sein könnten, und anschließend Paul Weller auf einer Bühne. Um dieses britischste aller Pakete sehen zu können, bedurfte es keiner Reise ins UK, nein, die Wassermenge, die ich überquerte, war ungleich grösser. Washington DC, und hier genauer im 9:30 Club sollte es passieren.
Der 9:30 Club ist die erste Konzertadresse der Hauptstadt. Am Montag spielten hier die Kooks, in der nächsten Woche Mogwai, Build to Spill und die Meat Puppets.
Als ich vor einigen Wochen das Ticket für diesen Abend buchte war ich mir nicht sicher, was mich erwarten würde. Haben es britische Bands nicht traditionelle schwer in den USA Fuß zu fassen, wenn sie nicht The Beatles heißen? Wie wird also die Atmosphäre sein? Kennt man hier überhaupt eine Band wie die Rifles?
Der 9:30 Club liegt im Norden der Stadt, in unmittelbarer Nähe zur U Street, dem derzeit ziemlich angesagten Kultur-Melting-Pot der Stadt.
Gegen kurz vor 20 Uhr tauschte ich meinen Internet Voucher gegen das Ticket ein und stellte mich in die wartende Menschenschlange vor der Eingangstür. Diese “Will call” Geschichte ist wirklich extrem einfach, Ticket übers Netz gekauft, Gutschein ausgedruckt und am Box Office gegen die Tickets eingetauscht. Sehr bequem.
Am Einlass noch schnell den “Ich-darf-Alkohl-trinken-weil-ich-bin-über-21″ Stempel abgeholt und hinein. (Ja, auch deutlich älter aussehende Menschen wie ich müssen ihren Ausweis vorzeigen!)
Rifles 9:15, Weller 10:30 stand auf den Zetteln, die überall herumhingen. Wer bereits Konzerte in den USA besucht hat weiß, dass diese Zeitangaben gut eingehalten werden. 
21 Uhr 15. Joel Stoker, Rob Pyne, Grant Marsh und Lucas Crowther betreten die Bühne. The Rifles beginnen fulminant mit “Local Boy”, “Robin Hood” und “She’s got standards”. Ich habe ihr Album “No Love lost” länger nicht gehört, aber die Ohrwürmer, und davon gibt es auf dem Album einige, erscheinen mir nach wie vor sehr vertraut. Was haben sie bloß so lange gemacht? 2006 erschien ihr bisher einziges Album, fortan war es eher ruhig um die Band. Doch heute Abend spielten sie einige neue Songs. Das lässt auf ein neues Album hoffen! Und das wäre gut, denn das erste Album zeigt, dass in der Band eine Menge Potential steckt.
Ob The Rifles in den Staaten viele Freunde haben, ich weiß es nicht genau. Der Club war während ihres halbstündigen Gigs halbvoll, einige schienen aber sehr vertraut mit den bekannten Rifles Songs zu sein.
Bis zu diesem Zeitpunkt waren die vier Rifles die bestangezogesten Männer im 9:30. Aber Fashion Paule sollte ja noch folgen. Nach einer gut halbstündigen, zügigen Umbaupause ging’s weiter.
Doch was war das?! Die Stilikone war relativ unspektakulär mit einem schwarzen Kragenshirt und dunkler Hose gekleidet, und auch die Frisur saß nicht perfekt. Sollte das auf einen eher hingeschluderten Abend deuten?
Paul Weller legte sofort los. Am Anfang wirkt er immer nervös, die Bewegungen staksig und abgehackt. Die ersten drei Songs “Out of the sinking”, “Peakock suite” und “22 dreams” gingen weg wie nix.
Leider ist der Sound unterirdisch. Der Gesang total übersteuert, Keyboard und Bass sind fast gar nicht zu hören. Alles klang sehr unausgewogen, und viel besser sollte es im Laufe des Abends auch nicht werden.
Die vier sind bester Laune. Es ist eines ihrer letzten Konzerte der siebenwöchigen Asien-,Australien- und Us-Tour. Alle freuen sich auf zu Hause. Doch bevor es Richtung Richtung UK geht, wollen alle nochmal so richtig einen drauf machen. Eine gute Entscheidung, und eine bessere ist die, dieses an diesem Abend auf der Bühne zu tun. So haben wir auch was davon. Wir sind gut 1000 Leute, der 9:30 Club erscheint nicht ganz ausverkauft zu sein. Mit “Shout to the top” (Paul kündigte ihn simpelst mit „an old song“ an) ist die Band endgültig angekommen. Von dem Moment an war der Bann gebrochen, das zuvor noch eher
abwartende Publikum war nun völlig begeistert. Paul Weller und Kollegen schienen das zu spüren und entwickelten eine sagenhaften
Spiellaune.
Nach einer Stunde verschwanden sie zum ersten Mal von der Bühne. War es bis hierher schon ein gutes Konzert, muß jetzt der Superlativ her. Ich habe keine Ahnung, was hinter der Bühne abging, aber ab sofort wurde es eine einzige große Party mit Fußballstadionatmosphäre auf der Bühne. Es wurden vier Hocker auf der Bühne platziert. Aha, Akkustiksession.
Drummer Steve Pilgrim griff jetzt auch zur Gitarre und lieferte obendrein den zweiten gesangspart. Paul nannte ihn “the man with the 1000 wings”. Die beiden scheinen sich zu mögen. Während er Akkustiksession schmiss Herr Weller spontan die Setlist, als er losgelöst nach “All on a misty morning” einfach weiterspielte und der Bassist vergeblich seinen Kontrabass installierte. Irritiert griff er daraufhin zum E-Bass und begleitete hiermit. “War das schon die Abteilung Zugabe?”, fragte ich mich nach einem kurzen Blick auf die Uhr. Nach einer guten Stunde Spielzeit hätte es ja gepaßt.
Doch wie gesagt, es war ein Abend der Superlative. Irgendwann zündete sich Paul eine Zigarette an. Ja ja, da hatten die Washingtoner Spaß. Hier raucht einer auf der Bühne eines Klubs, wo man doch sonst nicht nur erst draußen, sondern erst in einigem Abstand von der Eingangstür draußen rauchen darf. Angetrieben von Steve Cradock lief Paul Weller zur Höchstform auf. Oft sprachen sich die beiden ab, änderten die Setlist oder machten waghalsige Ausflüge in den Songs. Aus dem Rückraum unterstützte mit ausdrucksstarkem Schlagzeugspiel Steve Pilgrim die Szenerie. Saß Paul Weller am Piano links am Bühnenrand, feuerte er seine Kollegen von der Seite aus
an: hüpfend, rauchend, Cola plus x trinkend. So, als wolle er immer mehr….
Gegen Ende des regulären Sets gab es immer wieder Umarmungen und high-fives. Haben die hier gerade die Champions Legue gewonnen, oder was waren zu viele Aufputschmittel im Essen? Es herrschte eine unglaubliche Stimmung. Sogar Chefroudie Roger kam nicht umher, den Refrain eines Songs mitzusingen, als er mal wieder eines der vielen Saiten-Plättchen am Mikrofonständer von Paul Weller befestigte. Und da er gerade auf der Bühne stand, gab’s das Geburtstagsständchen zu seinem heutigen Geburtstag obendrein.
Es folgte ein Zugabeblock mit den abschließenden “The changingman” und “A town called Malice”. Es war aber noch nicht Feierabend, einen hatten sie noch: ein letztes Mal kamen sie zurück, “All you need is love”.
Die Rifles, die die Show vom Bühnenbalkon aus verfolgten, alle im Club und wahrscheinlich ganz Washington sangen mit: “All you need is love, bababababaaa”
Setlist:
01. Peacock Suit
02. 22 Dreams
03. Out Of The Sinking
04. All I Wanna Do (Is Be With You)
05. From The Floorboards Up
06. Sea Spray
07. Happy Birthday Roger
08. Shout To The Top
09. Wild Blue Yonder
10. Empty Ring
11. Invisible
12. Have You Made Up Your Mind
13. Porcelain Gods
14. Picking Up Sticks
15. Wishing On A Star
16. The Butterfly Collector
17. All On A Misty Morning/Magic Bus!
18. Wild Wood
19. Echoes Round The Sun
20. Come On, Let’s Go
21. Broken Stones/Oh Happy Day!
22. The Changingman
23. Town Called Malice
24. All You Need Is Love
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Multimedia:
Fotos: frank@ipernity und frank@ipernity (The Rifles)
Video: -
Lesenswert: dcist.com
Archiv: Paul Weller – Köln, 18.09.2007
Paul Weller – Köln, 18.09.2007
Platz 5, Reihe 20. Was klingt wie ein Platz mitten im Konzertsaal entpuppt sich in Wirklichkeit als letzte Reihe hinten rechts. Das Theater am Tanzbrunnen war fast voll, im rechten Parkett waren nur am Rand einige freie Sitzplätze, so dass es egal war, sitzenzubleiben oder drei vier Reihen vorzurücken und dabei nach aussen wegzudriften. Ein Sitzplatzkonzert also. Es hat seine ganz besondere Atmosphäre. Mehr wie Theater. Es geht ruhiger zu, auch entspannter. Alle haben ihren Platz, keiner braucht einen weiteren Meter Raumgewinn erobern. Eine interessante Erfahrung. Doch derzeit muss ich noch sagen: Stehplatz ist besser!
Das Vorprogramm bestritt eine nette Schottin Namens Amy Macdonald auf der Akkustikgitarre. Spontan hängengeblieben ist die sehr gelungene “Mr Brightside” Coverversion und der schön klingende Schottisch- Akzent. Gegen 21 Uhr dann Paul Weller und Steve “Stevie” Cradock. Letzteren könnte man kennen, wenn man Anfang / Mitte der 90iger Supporter der Gruppe Ocean Colour Scene war. Deren Sänger/ Songwriter war Steve Cradock. Ocean Colour Scene gab es gefühlte zwei, drei Alben lang (Ocean Colour Scene, Moseley Shoales und Marchin’ Already), dann entschwanden sie leicht aus dem Blickfeld. Schade eigentlich, denn so wurde deren Berühmtheit nie der Leistung gerecht. Gestern gab es aber einige Steve Craddock Kenner im Publikum. Vorne links saßen sie. Aus England kamen sie. Was wäre das gewesen, wenn es als Zwischenspiel “Better Day” oder “The Riverboat Song” gegeben hätte. Diese Glanzlichter britpopischer Musik.
Gab es aber nicht. Stattdessen ein buntes Weller’sches Pottporrie aus all seinen Musikerstationen. Dabei Paul Weller immer schön an der Akkustikgitarre, Steve Cradock wahlweise an der E-Gitarre oder auch akkustisch und stimmlich als Refrainchor. Zweimal verliessen die beiden ihre Sitzhocker am vorderen Bühnenrand. Das erste mal nach einer halben Stunde, um sich ans Keyboard und Klavier zu begeben, das zweite Mal um das Feuerzeug zum Zigarretten anzünden abzuholen.
Paul Weller, der Übervater des Britpops. Dreimal liefen wir uns schon über den Weg: Das erste mal in Haldern vor einigen Jahren, dort mit grösserem Bühnenpersonal unterwegs. Dann bei Rock am Ring 2006 mit Band und nun gestern als Zwei-Mann-Combo. Doch Paul Weller funktioniert immer. Je nach Anlass werden anderen Songs aus dem scheinbar unerschöpflichen Fundus herausgepickt. Soll’s tanzlastig sein, läuft “Shout to the top” oder “Science”, soll’s ruppiger sein irgendwas aus The Jam Zeiten, ist es ruhig akkustisch darf natürlich “English rose” nicht fehlen. Und eh man sich umguckt oder noch ein Bier geholt hat, ist man gefangen von der Stimmung und Ausdruckskraft Paul Wellers. So war es dann auch logischerweise im Tanzbrunnentheater.
Gegen halb elf endete dieser recht unterhaltsame Abend nach drei Zugaben. Um 23.11 Uhr fuhr der Zug. Zum Glück gab es beim Verlassen des Tanzbrunnens ein altes Rolling Stone Heft für lau. So wurde auch die gut halbstündige Zugfahrt unterhaltsam über die Bühne gebracht.
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Multimedia:
- Fotos: Christoph!
- Video: English rose
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