Paul Weller – Köln, 18.05.2010

Was für ein berauschender Abend. Paul Weller und Moke, eine Kombination, die schon beim letzten Kölner Konzert des Modfathers – wie man so sagt – funktionierte. Es war mein ach-was-weiß-ich wievieltes Weller Konzert, und auch dieses Mal schafften Paul und Stevie, Andy Lewis, und Andy Crofts sowie Schlagzeugmonster Steve Pilgrim es nicht, mich zu enttäuschen. Und ich vermute, dass ich mit diesem Gedanken nicht allein die Live Music Hall gegen elf Uhr verlassen habe.
Gute zwei Stunden lang herrschte pure Begeisterung, sowohl vor als auch auf der Bühne. Und so funktioniert ein Paul Weller Abend: Wenn der Kollege merkt, dass sein Publikum gut drauf ist, dann lässt er sich sofort davon anstecken. Dann wir auch gerne noch eine Extraschicht in Form einer weiteren Zugabe gespielt. Dann wird gelacht, abgeklatscht, geraucht und getrunken auf der Bühne. Dann legt er Twists ein und auch Stevie Cradock guckt nicht allzu verärgert, wenn er seine Gitarre über die Monitorboxen nicht richtig hört und die Techniker im Hintergrund fuchtelnd Schwerstarbeit leisten müssen. „More guitar please“, heißt es dann nur. Mittlere technische Probleme bringen sie heute nicht aus der Ruhe.
Ja, es war sehr ausgelassen, sehr unterhaltsam! Dazu trugen auch die sog. Security Bühnenwächter bei. Das ausgegebene Motto vonseiten der Bandleitung hieß wohl, keine Filmaufnahmen. Also versuchten die drei in den grauen T-Shirts alles, um jegliche Handy- oder Digitalkamerafilmaktionen zu unterbinden. Selbst der Chefroudie beteiligte sich mit einer kleinen Laserlampe daran, die „Attentäter“ am Aufnehmen zu hindern. Sehr unzeitgemäß! Sehr unentspannt! Aber nichts Neues bei einem Paul Weller Konzert.
Die Zusammenstellung der Band war identisch mit der der letzten Tournee. Ach, diese vier, es sind schon exzellente Multiinstrumentalisten, die Paul Weller da beisammen hat.
Viele neue Stücke hatten sie mit dabei. Und davor hatte ich ein bisschen Angst. Denn, seien wir doch mal ehrlich, „Wake up the nation“, das aktuelle Weller Album, ist nicht sein bestes. Eigentlich ist es schwach. Ich hatte es vor einigen Wochen günstig von meinem Englischlehrer in Berlin erstanden, es auf der sechstündigen Heimfahrt mehrmals gehört. Begeistert war ich nicht besonders. Einen oder gar mehrere Hits, ich könnte beim besten Willen keine nennen.
Aber live war davon nicht allzu viel zu spüren. Puhh! Zwar waren die weniger starken Momente des Konzerts die, wenn neue Sachen gespielt wurden, aber es ging auch umgekehrt. „Wake up the nation“ zum Beispiel, überzeugt live total, auf CD eher gar nicht. „Trees“ und vor allem „Fast cars / slow traffic“ ebenso. Letzterer entwickelte sich zu einem wahren Reißer.
Angefüllt wurde das Set mit, natürlich, einigen The Jam Sachen, Songs von „22 Dreams“ und diversen alten Schinken. Da durfte sich auch Keyboarder Andy Crofts die Gitarre umschnallen und bei „Art school“ die Leadstimme übernehmen. Die alten Herren Paul und Steve hatten ihren Spaß am dahingerotzten, alten und ewig jungen The Jam Klassiker.
Unerreicht blieb die letzte Zugabe, die sich nicht auf der Setlist befand und wohl spontan initiiert wurde. „Wild wood“ und „Echoes by the sun“. Beatherz, was willst du mehr?

A propos Beat. Selbst ohne Paul Weller Konzert lohnt sich ein Paul Weller Konzert. Will sagen, es ist immer wieder toll, einfach der Umbaupausenmusik zu lauschen. Hier gibt es kostenlosen Nachhilfeunterricht in Sachen Beat-Mod-Sixies Britkram. Und den habe ich bitter nötig. Kaum eines der tollen Stücke kenne ich, Bandnamen abseits der Kinks sind mir nicht geläufig. Meine Eltern haben Schuld daran! Ganz klar! Wieso bin ich in einem Haushalt von Schlagerfuzzies aufgewachsen und nicht mit coolen Beatplatten? Die Flippers, Milva, Udo Jürgens, Conny Froboess, in unserem eh schon spärlich bestückten Schallplattenschrank tummelte sich nur übelste deutschsprachige Schlagermusik. Wir hatten noch nicht mal eine Beatles Platte!!
Tja, das ist leider die Wahrheit. Aber ich habe mich davon nicht infizieren lassen, sondern startete die Gegenrevolution! Nur leider war ich alleine auf weiter Flur und oftmals nur zweiter Sieger im Beschallen des elterlichen Wohnzimmers. Es war eine harte Zeit, gerade wenn ich an diverse Familienfeiern zurückdenke. Aber das sind andere Geschichten…..

Noch drei Sätze zur Vorband. Mal wieder hatte sich Paul Weller seine niederländischen Frisurenklone (Gitarrist Phil Tilli) als Aufgalopp engagiert. Und nicht nur Paul haben es Moke angetan, auch für mich sind sie so was wie eine Lieblingsband geworden.
Und manchmal ist das schon eine komische Sache mit Lieblingsbands. Wo kommen sie her?
Warum mag man eine Band mehr als eine andere? Wieso gerade die? Fragen, die wohl jeder kennt, Fragen, die dennoch nicht jeder beantworten kann. Ist halt so, fertig. Ist ja auch nicht schlimm, höchstens peinlich (also manchmal).
Mit Moke ist das so. (Nein, nicht peinlich.) Vor einigen Jahren waren sie da, im Vorprogramm von Paul Weller. Ich fand sie größenwahnsinnig, aber toll. Über die niederländische Band wusste ich damals nichts, im Nachhinein habe ich mir dann Dinge angelesen, die sehr gut zu meinem Liveeindruck passten. Ihre Songs, voller Pathos, Größe und klassischen britisch gehalten. Das ergänzte sich gut zu Paul Weller, Moke schienen die perfekte Vorband zu sein.
Dreimal habe ich sie danach noch mal gesehen, einmal im Gebäude 9, vor dem noch nie ein so großer Tourbus parkte wie an diesem Abend, einmal als Rockpalast Event in der Bonner Harmonie und einmal im Amy Macdonald Vorprogramm.
Jetzt haben Phil Tilli, Bassist Marcin Felis, Schlagzeuger Rob Klerkx und Keyboarder Eddy Steeneken sowie Sänger Felix Maginn ihr zweites Album „The long & dangerous sea“ veröffentlicht, und sie begleiten ihren Buddy Paul erneut auf dessen Tour. Sieben Songs lang dauerte ihr Vorspiel, sie spielten vier neue Stücke und die bekannten Hits des Debütalbums. „This plan“, „Here comes the summer“ und „Last dance“. Die neuen Sachen erschienen mir beim ersten Hören nicht mehr so U2lastig und pathosbesessen, es stehen die Keyboards etwas mehr im Vordergrund. Ich kann mich aber auch irren. Ihre großen Gesten haben sie aber immer noch. Das wirkt manchmal sehr lustig, wenn unmotiviert ein Plektron ins Publikum fliegt, und wir mehrmals zum mitklatschen animiert werden. In der Live Music Hall funktioniert das so gerade noch. Mensch, ich glaube, Moke können nicht anders, sie wollen das so. Daher gilt weiterhin: Moke sind fürs Stadion geboren. Vielleicht schaffen sie den Sprung auch irgendwann. Ich würde es ihnen gönnen.

Setlist
01: Sea spring
02: Aim high
03: Into tomorrow
04: Moonshine
05: Up the dosage
06: Wake up the nation
07: Strange town
08: Trees
09: Let it be me
10: Empty ring
11: One bright star
12: Dust & Rocks
13: No tears to cry
14: 7 & 3 is the strikers name
15: Pretty green
16: Start
17: Fast cars / slow traffic
18: Come on let go
Zugabe I:
19: Black river
20: Broken stones
21: Pieces of dreams
Zugabe II:
22: Find the torch burn the places
23: Art school
24: Scrape away
Zugabe III:
25: Wild wood
26: Echoes by the sun

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
Paul Weller – Köln, 06.10.2008
Paul Weller – Washington DC, 13.09.2008
Paul Weller – Köln, 18.09.2007
Moke – Bochum, 26.02.2009
Moke – Köln, 10.03.2009
Moke – Bonn, 27.03.2009

Moke, Novastar – Bonn, 27.03.2009

Das Crossroads Festival, eine 4-Tage Veranstaltung in der Bonner Harmonie, durchgeführt durch den WDR Rockpalast, findet jedes Jahr statt. So bekannte oder unbekannte Bands wie Kettcar, Olli Schulz oder Seachange spielten hier in intimstem Rahmen in den letzten Jahren auf.
2009 umfasst das Programm Bands wie Tim Christensen und Peter Ben am Mittwoch Todd Thibaud und Terry Lee Hale (Donnerstag) sowie Mike Tayler und Baskery am Samstag. Und an diesem Freitag eben Novastar und Moke.
Moke, meine Konzertlieblinge der letzten Wochen, u. a. sah ich sie vor Paul Weller, Amy MacDonald sowie vor einigen Wochen im Gebäude 9, waren der Grund meiner Stippvisite in der ehemaligen Hauptstadt und jetzigen Bundesstadt Bonn.
Den Abend eröffneten zur besten “casual Friday” Primetime um 19.15 Uhr die belgischen Novastar.
Eine Band, von der ich vorher nur ein zwei Soundschnipsel auf MySpace gehört habe, also letztendlich gar nicht kannte, und nun, da ich ca. 90 Minuten Material von ihnen gehört habe, gar nicht weiter kennenlernen möchte.
Soviel sei gesagt.
Novastar ist Joost Zweegers. In Belgien und den Niederlanden ist er ein kleiner Held, verkauft dort doch größere Hallen wie das Paradiso locker aus und ist der derzeit populärste Singer-Songwriter.
Neben Joost Zweegers, der den Gesang, Gitarre und Klavierparts übernahm spielte die Band mit Aram Van Ballaert an der Gitarre, Jeroen Swinnen (Bass) und Schlagzeuger Karel De Backer.
Bei uns sind sie – so behaupte ich – nur wirklichen Liebhabern des gesetzteren Beneluxpop ein Begriff. Diesen Umstand zollte auch der Ticketvorverkauf Tribut. Niederländische Konzertgänger bekamen im Vorverkauf zwei Tickets zum Preis von einem. Damit erhoffte man sich wohl eine verstärkte Reisewelle aus dem Nachbarland und so überraschte es wenig, das man in der Harmonie in den vorderen Reihen bevorzugt niederländisch (oder flämisch?) sprach. Der Plan schien aufgegangen zu sein, die angereisten Fans zeigten sich passagenweise sehr textsicher und gaben der Veranstaltung einen TV Übertragungswürdigen Rahmen.
Wie schon gesagt, Novastar machen gesetzten Pop der gemütlichen Art. Wem die niederländische Band Rancon ein Begriff ist, weiß Bescheid. Novastar haben bereits drei Alben veröffentlicht, die in ihrem Heimatland, die Band kommt aus dem schönen Antwerpen, Belgien Platinstatus erreicht haben.
„Novastars drittes Schaffenswerk „Almost Bangor“ ist eine elektrische ebenso wie eklektische Tour de Force, ein Popalbum mit einem Unplugged-Herzen in der Mitte, das ganz von selbst schlägt.“, soweit die EMI.
Für mich war ihr Auftritt langweilig bis belanglos, anfangen kann ich mit dieser Art von Musik nur sehr wenig. Hängen blieb einzig das letzte Lied Because. Ein schmissiges und schönes Stück Popmusik mit solidem Rhythmus und angenehmen Tempo. Naja, Hörproben gibt es hier und hier.
Die wohl lustigste Sequenz mit einem Handy oder Diktiergerät, so genau war das nicht mehr erkennbar, habe ich denn auch durch einen Besuch an der Bar und auf dem Herrenklo (in umgekehrter Reihenfolge) locker verpasst. Egal, so wichtig war es nun auch nicht.
Moke, der niederländische Vierer mit nordirischem Einfluss folgte nach der Umbaupause. Nachdem ich sie erst kürzlich im Kölner Gebäude 9 gesehen hatte, wusste ich, was mich erwartet. Und tatsächlich, die Setlist war identisch und musikalisch waren somit keine Überraschungen zu erwarten. Kleidungstechnisch waren Moke wie immer extrem stilsicher unterwegs, doch ich hatte den Eindruck, dass die Bügelfalte im lagerfeldschen Dress noch einen Tacken zackiger saß als sonst.
Mit Shorland haben sie erst einen Longplayer veröffentlicht, der aber soviel Hitpotential enthält, dass der Konzertbeginn mit Emigration und „Bygone“ sowie das Ende des regulären Sets mit „This plan“ und Summer so hochkarätig rüberkommen, das viele Bands mit zwei oder drei Alben nur neidvoll nach Amsterdam Blicken können.
Angekündigt wurden Moke mit „Paul Weller titelt über ihr Album „fuckin smashin‘ tunes“. Dieses, „ach, das ist Paul Wellers Lieblingsband in 2008“ wird ihnen wohl noch eine Zeit hinterherlaufen, auch oder obwohl die Sache eigentlich schon längst durch ist. Nötig haben sie diese Reputation nicht mehr, doch die Artverwandtschaft im Stil und der Musik ist zu hoch, um es unerwähnt zu lassen. Wenigstens blieb ihnen der Verweis auf den Lagerfeld Ausrüstervertrag erspart.
Das Set kam schwerfällig in die Gänge. Im Vergleich zum Gebäude 9 Auftritt wirkte es wie mit angezogener Handbremse gespielt, nicht so elanvoll und rau. Haben sie sich von Novastar anstecken lassen oder war das Abmischen fernsehgerechter herunter geregelt? Sei es wie es war, Moke begeisterten mich auch so.
Den Abschluss des Konzerts bildete -wie gehabt- Long way. Ein typischer Finisher, langsam und ruhig zu Beginn, baut es sich von Minute zu Minute immer mehr auf, bis es in verschwenderischen Gitarren dem Ende entgegen strebt. Einige würden den Song schnulzig und banal nennen, ich sage: schön schnulzig und wunderbar vorhersehbar. „Long way“ ist das Moke’sche Bad. Dieser Gedanke kam mir gegen Mitte des Songs und ich glaube, der Vergleich passt ganz gut. Auch, um Mal eine andere Referenz ins Spiel zu bringen und nicht immer nur die Northern Soul Musikbande zu bemühen. Moke sind nämlich viel mehr The Mission und 80er U2 als Paul Weller.
Blieb nur noch eine Frage offen. Wer war der Mann auf dem Foto auf der Gitarre von Sänger Felix Maginn?

Setlist Novastar:
01. Bangor
02. Weller weakness
03. Tunnelvision
04. Faith
05. Lost & Blown away
06. Smooth Flavors
07. Wings on me
08. Wrong
09. When the lights go down on the broken hearted
10. Waves
11. 1011
12. Mars Needs Woman
13. Waiting So Long
14. Miles
15. Because

Setlist Moke:
01. Emigration song
02. Bygone
03. Last dance
04. Cupar Street Riot
05. Rule the world
06. Song that you sing
07. Heart without a home
08. Enjoy the Silence (Depeche Mode Cover)
09. Only one I had
10. This plan
11. Here comes the Summer
Zugabe:
12. This life
13. Terrible End
14. Long way

Fernsehtipp: Der Moke Auftritt wird am 06.06.2009 um 2 Uhr nachts auf 3sat gesendet.

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Multimedia:

Fotos Moke: frank@ipernity
Fotos Novastar: frank@ipernity
Archiv: Amy MacDonald – Bochum, 26.02.2009
Archiv: Paul Weller – Köln, 06.10.2008
Archiv: Moke – Köln, 10.03.2009

Moke – Köln, 10.03.2009

Es gab keine Vorgruppe.
Bewertet man die Größe einer Band nach der Größe des Nightliners, mit dem sie durch die Lande gondelt, dann zählen Moke zu den ganz großen. Ein solches Gefährt sieht man selten auf dem Hof des Gebäudes 9.
Das es aber eben hier steht, und nicht ein paar Meter weiter vor der Kölnarena, verrät dann doch die wahren Machtverhältnisse. Moke sind (noch) nicht das, was sie auf den Autobahnen scheinen zu sein. Wenigstens nicht in Deutschland. In den Niederlanden mag das anders sein. Genau weiß ich es nicht, aber wer im Champions League TV läuft, und Kategorie ‘Best Alternative Rock Band’ bei den 3FM Awards des niederländischen öffentlich-rechtlichen Radiosender gewinnt, der kann dort nicht vor 200 Leuten spielen.
Auch bei uns kennen Moke die größeren Hallen. Sie waren im letzten Jahr Vorband vor Paul Weller, Keane und vor ein paar Tagen Opener vor Amy MacDonald. Somit haben sie die Mainstreammasse kennengelernt, und die Mainstreammasse kennt Moke. Die halbstündigen „Vorband- Moke“ scheint dem Gelegenheitskonzertgänger aber zu genügen, denn im Gebäude 9 unterhielten die Niederländer gerade mal geschätzte 200 Menschen. Das klingt nicht nach viel, ist in meinen Augen aber beachtlich, wenn man bedenkt, dass Moke radiotechnisch überhaupt nicht existieren und auch in den Musikzeitschriften eher Mitläufer als Headliner sind. (Da fällt mir ein und auf: warum machte 1live After-Show Interviews bei einer Band, die bis dato null Airplaysekunden bekommen hat? Egal.)
Vielleicht hat jemand in der Radioredaktion Bildzeitung gelesen, dort diese Schlagzeile entdeckt und sich gedacht, „Mhh, interessant, da schauen wir mal vorbei.“
Also, ein nicht allzu leerer Konzertsaal wartete geduldig bis die fünf stilsicher gekleideten jungen Männer die Bühne betraten.
Mit „Bygone“ und „Last chance“ hauen Moke zum ersten Mal in die Vollen. Gitarrist Phil Tilli, rechts außen am Rand der zu klein wirkenden Gebäude 9 Bühne platziert, reißt erstmals seine Gitarre in die Luft. Alles klar, die Band ist angekommen. Die nächsten Songs gehen ihnen zügig von der Leber. Somit ist die Hälfte des Sets schon rum, als das erste aha Erlebnis aufkommt. Diesen Synthieanfang, den kenn ich doch! Ach ne, sie covern Depeche Mode. Sehr schön. Der anfangs gewebte Synthieteppich (Musikzeitschriftenjargon) weicht im Verlauf des Songs mehr und mehr den Gitarren. „Enjoy the silence“ ist ein gut gewähltes Cover, es passt wunderbar in den Moke Kontext und harmoniert schön zu Felix Maginns Stimmlage. Mehr als ein Highlight! Dieses Stück sollte nicht auf einer B-Seite verschimmeln!
Moke beweisen musikalische Stilsicherheit. Genau wie auf der Bühne. In der Hauptsache dunkles Bühnenlicht schafft eine altmodisch wirkende Konzertatmosphäre. Die Verstärkerboxen sind orange umkleidet, die Band trägt schwarz. Gerade erst haben die Mods aus den Niederlanden einen Ausrüstervertrag mit dem Modemann Lagerfeld unterzeichnet. Das Outfit in Slimfit Hemden sieht gut aussieht, keine Frage.
All das wirkt sehr stimmig und durchdacht. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass die Moke-Propagandamaschine bis ins kleinste durchkonzeptioniert ist. Am Nachmittag ein kleiner Auftritt im Normal Plattenladen, Moke Sticker schon beim Amy MacDonald Konzert an jeder Tür, die durchgestylte Webseite und eben die perfekt passende Bühnenkomposition. Hier will niemand etwas dem Zufall überlassen. Das Management plant großes!
Mit „This plan“ und „Summer“ endet nach einer Stunde das reguläre Set. Vor „Summer“, das mich bei jedem Hördurchgang mehr und mehr an The Mission erinnert) spielen sie als quasi Intro ein gothic- und ebm-geschwängertes Stück mit starken Keyboards und Drums, das nahtlos in eben jenes „Summer“ übergeht. Wer oder was hier gecovert wird, muss ich noch herausfinden, aber wiederum gilt: sehr passende Anleihe an den so tollen britischen Indiesound der Endachtziger.
Mit „Terrible End“ haben Moke den idealen finalen Konzertsong, doch das zweite Lied der Zugabe ist nicht das Ende des Konzertes. Den Abschluss bildet, wie schon im Amy Vorprogramm, das live sehr wuchtige „The Long Way“.“My favorite song at the moment“, bemerkte Sänger Felix Maginn. Meiner auch.
So ziehen die 75 Minuten Moke ins Land wie geschnitten Brot. Das war kurzweilige Unterhaltung der gehobenen Art.
Die wahren Indienerds bevorzugten gestern vielleicht das „School of seven Bells“ Konzert im Kölner Stadtgarten. Da ich traditionell mehr den britischen Popperlen zugeneigt bin und von einem Nerd weit, weit entfernt, verschlug es mich ins Gebäude 9. Ich erlebte einen soliden Abend mit feinsten Popperlen. Natürlich noch nicht so klar wie bei The Verve oder Paul Weller, aber schon ziemlich nah dran.
Moke haben mit Shorland erst ein Album veröffentlicht, dem Set merkte man dies in keiner Sekunde an. Und, was mir schon bei Amy und Paul im Vorprogramm aufgefallen ist, bemerkte ich auch hier. Live entwickeln die Songs mehr Dynamik, werden rauer und dramatischer interpretiert.
Als ich die CD das erste Mal hörte, musste ich bei den Klängen von „This plan“ an die Editors denken. Live ist das anders. Moke haben vielmehr von den endachtziger U2, von The Mission, von Duran Duran und all den anderen Bands dieser Generation.
Die Editors oder Interpol, mit denen sie gerne in einem Atemzug genannt werden, hörte ich gestern nicht.
„Moke ist die Rückkehr des 80er-Jahre-Gitarren-Rock“, schreibt der Musikexpress. Recht so!

Setlist:
01. Emigration song
02. Bygone
03. Last dance
04. Cupar Street Riot
05. Rule the world
06. Song that you sing
07. Heart without a home
08. Enjoy the Silence (Depeche Mode Cover)
09. Only one I had
10. This plan
11. Here comes the Summer
Zugabe:
12. This life
13. Terrible End
14. Long way

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Multimedia:
Fotos: frank@ipernity
Archiv: Amy MacDonald – Bochum, 26.02.2009
Archiv: Paul Weller – Köln, 06.10.2008

Moke, Amy Macdonald – Bochum, 26.02.2009

Lass uns nicht über die unglücklichen Anfahrtsumstände sprechen, und lass uns nicht über die schöne, aber für Konzerte eher ungeeignete Jahrhunderthalle reden. Es ist ein riesiger Schuhkarton, in dem, wenn man zu spät ankommt, nur noch das Motto „hinten anstellen“ gilt. Durch die langgezogene Bauweise der alten Fabrik mit den Eingangsbereichen auf nur einer Längsseite hat man so gut wie keine Chance, sich am Rand in vordere Bereiche vorzumogeln. (siehe auch: Palladium) Und hinten meint, im Fall der Jahrhunderthalle, ganz weit hinten. Das Gebäude ist ewig tief und im ausverkauften Zustand gefühlt mit 28000 Menschen besetzt. Tatsächlich waren es 3500 (1live Angaben).
Wir waren pünktlich zu spät um acht vor Ort. Ein kurzer Blick in die Halle genügte, um festzustellen dass es ein Konzert aus den hinteren Regionen werden wird. Und wir sahen Steve Cradock auf der Bühne. Sehr ärgerlich, nirgends stand im Vorfeld geschrieben, dass der begnadete Steve schon vor 20 Uhr Auftritt. Ihn wollte ich nicht verpasst haben, nun reihte sich dieses Dilemma in den bisherigen blöden Abendverlauf passend ein.
Moke waren der zweite wichtige Grund für diesen Konzertbesuch. Die Niederländer hatte ich zuvor im Weller’schen Vorprogramm gesehen und dort haben sie mich sofort überzeugt.
Im Nachbarland ist die Band bereits eine feste Größe, und Auftritte vor zahlreichem Publikum Alltag. Das merkte man den fünf Kollegen, wie immer uniform in schwarzen Slim-Fit Hemden und Anzugshosen gekleidet, sehr deutlich an. Akklimatisierungsprobleme hatten sie keine, die Größe der Halle schüchterte sie nicht ein. Sofort setzte die (bei uns kleine) Band mit großen Gesten Duftmarken. Das wirkte abgeklärt. Musikalisch ist die Affinität zu Bands wie Keane, Mansun. den Editors oder Paul Weller unverkennbar. Pop heisst das Rezept.
Ihr Set war sechs oder sieben Songs lang. Alle Hits des Debütalbums Shorland waren vertreten. Durch die Bank wurden die Stücke rockiger und rauer als auf CD zu hören, präsentiert. Das klang gut, passte teilweise sogar besser zu den Songs. „This Plan“, das zweite Stück des Abends, was zu Beginn sehr Editors-lastig ist, war so einer. Oder „Here comes the summer“, dass mich bei jedem hören an The Mission erinnert.
Es war ein feiner Auftritt, allerdings war er so schnell vorbei, das ich ihn kaum genießen konnte. Sehr gespannt bin ich auf ihr Kölner Konzert in ein paar Wochen. Moke sind in ihrer Ausrichtung eher eine Band für größere Bühnen. Mal schauen, ob das ganze auch im heimeligen Gebäude 9 funktioniert. Ich habe da Bedenken, aber zu gegebener Zeit mehr darüber…
Dann Amy Macdonald.
Das 70 Minuten Set war solide, gut hörbar und hübsch anzusehen. Aber es war unspektakulär. Amy ist nun ein Star, gewinnt den Echo, wofür sie sich nochmals bedankte, und hat einen weiteren Fernsehauftritt bei Stefan Raabs WOK WM. Genauso wie das klingt, fühlte sich der Abend an.
Interessant war das Publikum, das am treffensten mit „Wetten, dass…“- Publikum beschrieben werden kann. Von jedem etwas dabei: Junge, Alte, Gelegenheitskonzertgänger und Enthusiasten, eine lustige inhomogene Masse. Es machte Spaß, die einzelnen Typen zu beobachten. Denn ehrlich gesagt fiel mir hier im hinteren Teil der Jahrhunderthalle, die Bühne war schon verdammt weit weg, die Konzentration auf die vorderen Geschehnisse schwer. Ablenkungspotential war denn auch genug vorhanden: Menschen, die sich immer noch über die Vorband beschweren, Paare, die Discofox tanzen oder Männer, die sich einfach nur permanent unterhalten. Wollen die denn nicht Amy Macdonald hören? Ich hatte mir denkbar schlechten Platz ausgesucht, es kam aber auch alles zusammen!
Musikalisch war ich enttäuscht. Mir gefällt die Umsetzung ihrer Songs in den Stadienkontext mit den entsprechenden Zutaten (Mitklatschaufforderungen, E-Gitarrensoli) nicht. Das passt nicht zusammen. „Footballer’s wife“ und all die anderen Songs verlieren vieles von ihren inneren Werten.
Amy’s Mr Brightside zum Beispiel zieht seinen Charme aus der reduzierten Akkustvariante. Erst so wird die Klasse dieses Songs und das musikalische Feingefühl der Schottin erkennbar. Leider wurde „Mr Brightside“ völlig zerspielt, indem er mit kompletter Band und in einer angerockten Variante vorgetragen wurde. Das war zu nah am Original und eher nachgespielt als zitiert. Amy, es ist eine schlechte Entscheidung, diesen Song so zu interpretieren. Besser kam die zweite Coverversion rüber, gleichzeitig erste Zugabe. „Dancing in the dark“ war Amy pur. Alleine, sich selbst auf der Gitarre begleitend, stand sie auf der großen Bühne und war mit sich und ihrer schönen, dunklen Stimme allein.
So hatte ich sie vor guten anderthalb Jahren im Vorprogramm von Paul Weller kennen- und lieben gelernt. Doch so wird es sie wahrscheinlich nicht mehr geben. Ich finde es schade, denn so mag ich die klasse Songs am liebsten hören.

Setlist Moke:
01. We’ll dance
02. This Plan
03. Last Chance
04. Bygone
05. Here comes the summer
06. The long way

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Multimedia:
Fotos: christoph!
Archiv: Amy Macdonald – Köln, 06.03.2008
Archiv: Paul Weller – Köln, 18.09.2007

Paul Weller – Köln, 06.10.2008

Um es vorweg zu nehmen. Es war ein weiterer grandioser Abend mit Paul Weller und Band.
Er war zwar nicht ganz so überragend wie vor vier Wochen, als die Band neben absoluter Spiellaune auch Lust auf Feiern und Fußballatmosphäre auf der Bühne hatte, aber damit hatte ich auch nicht gerechnet. Einen solchen Glücksfall von Konzert kann man als Band nicht routinemässsig wiederholen, sondern er ist ein Ergebnis von begeisternden Umständen. Und wer will schon jeden Abend „All you need is love“ spielen?
Aber dass es so gut werden wird, wie es schließlich wurde, damit habe ich auch nicht gerechnet. Insgeheim hatte ich mich auf einen enttäuschenden Abend vorbereitet, der all das vermissen lassen würde, was er in Washington geboten hat.
Doch mit dieser Vermutung lag ich meilenweit von der Wirklichkeit entfernt. Einzig die Ausgelassenheit fehlte, doch die Spiellaune und die Lust aufs Publikum, die waren gestern abend da. Und spürbar! Merklich spürbar!Paul Weller 06102008
Am Anfang meines Konzertabends stand ein deja-vu Erlebnis der lustigen Art. Als ich das E-Werk betrat und mir einen schönen Platz vor der Bühne suchte, dachte ich, ich seh’ nicht recht. Erblicke ich doch tatsächlich in der ersten Reihe ein Gesicht, das ich auch vor 4 Wochen beim Washingtoner Paul Weller Konzert gesehen habe. So ein Zufall. War sie nun Groupie oder Frau / Freundin eines Crewmitglieds? Oder war es doch nur – wie in meinem Fall auch – ein zufälliger Zusammenfall von Konzertgelegenheit und einem anderem Termin. Neugierig war ich schon, und es wäre bestimmt interessant gewesen zu erfahren, wie sie im Vergleich dieses Konzert erlebt hat, jedoch habe ich mich natürlich nicht getraut, sie zu fragen.
Aber auch sie hätte allen Grund gehabt, begeistert zu sein.
Oder wie die beiden Briten neben mir voller Respekt und Anerkennung feststellten: „An old-school Gig!“ In der Tat, es war viel Gitarre im Spiel, die Sixtiesmelodien wurden bis aufs Äußerste ausgelebt und zum Konzertfinale erhob sich bei „Wild Wood“, „Echoes“ und „Come on“ ein wahres Gitarreninferno und Gewimmer der besseren Kategorie. Im Zugabeblock wurde mit „Changing man“ nochmals einer draufgesetzt. Wunderbarst!
Paul Weller 06102008Bevor jedoch Paul Weller und seine Begleitmusiker die Bühne betraten, standen Moke für eine halbe Stunde im Rampenlicht. Wegen meiner hätten sie dort noch eine weitere halbe Stunde stehen dürfen.
Moke sind eine niederländische Gitarrenband, bei der alles stimmt. Einheitliches Bühnenoutfit, schwarze Hose, schwarzes Hemd, schwarze oder dunkelgraue Krawatte, und Melodien die von Escobar, über U2 (in der Frühphase) bis hin zu Interpol reichen. Moderne Indiegitarrenmusik eben!
Die Band um den aus Nordirland stammenden Sänger Felix Maginn gründete sich 2007 in Amsterdam und hat in unserem Nachbarland bereits einen mittleren Erfolgslevel erklommen. So wurde der Song Last Chance vom holländischen Fernsehen zur Untermalung der Champions League Highlights benutzt und ihr Debütalbum „Shorland“ landete beim Musikmagazin OOR in den TOP 20 der Alben 2007.
Moke, sehr interessant, sehr beachtenswert. „Shorland“ wird in Deutschland im Januar bei PIAS veröffentlicht.
21 Uhr: Paul Weller, Steve Cradock, Andy Lewis, Andy Crofts und Steve Pilgrim schlenderten zu ihren Instrumenten. Nach dem zweiten Song war meine anfängliche Skepsis verflogen. Ich wurde nicht enttäuscht, der Abend war auch dieses mal herausragend.
Nur war alles eine Klasse größer als im 9:30 Club. Die Bühne, dreimal so groß, die Halle ebenso. Und die Stimmung war mindestens doppelt so groß. Und das lag nicht nur an den zahlreich anwesenden Briten.
Paul Weller überraschte mit einer stark modifizierten Setlist. Es war zwar die gleiche Tour, dennoch fragte ich mich mittendrin, ob ich all das wirklich schon vor vier Wochen live gesehen habe. Das Set kam mir angenhem frisch und unbekannt daher. Ein Viertel der Songs wurde ausgetauscht, die Reihenfolge stark verändert. Nur das Grundgerüst aus rockigem Anfang, Klavierteil, Akustikteil und rockigem Ende blieb bestehen.
Die einzelnen Songs erschienen psychedelisierter (na ja, was man Oasis nachsagt kann der Modfather schon lange) und ausufernder als beim letzten Gig. Paul Weller verzichtete diesmal auf große Songtitel wie „Shout to the top“ oder „Town called Malice“ und brachte stattdessen mit andere Ausrufungszeichen.Paul Weller 06102008
Im Akustikteil, der mit „Misty morning“, „Butterfly“ und „Brand new start“ drei Songs umfasste, durfte dann der Nachwuchs ran. Beim unfasslichen Brand new start übernahmen sowohl der Drummer Steve Pilgrim als auch der Keyboarder Andi Crofts, die nun beide Gitarre spielten, für jeweils eine Strophe den Gesangspart. Und Papa Paul hatte seinen Spaß.
Mit besagtem „Brand new start“ wurde der beste Teil des Konzertes eingeleitet. Als die Hocker von der Bühne geräumt wurden, kamen die Gitarren. Mit „Wild Wood“ nahm die Band langsam wieder Fahrt auf, und „Echoes around the sun“ ist live eine Bank. Diese letzte Viertelstunde allein war das kommen wert.
Ach ja, jeder, der nicht vor Ort war, hat ein Konzert des Jahres verpasst!

Setlist:
01. Out of the sinking
02. Shadow
03. All i wanna do
04. From the floorboards up
05. 22 Dreams
06. Sea Spray
07. Empty Ring
08. One bright Star
09. Let it be me
10. Push it along
11. Have you made up your mind
12. Porcelain Gods
13. Picking up Sticks
14. Broken stones
15. 111
16. All on a misty morning
17. The Butterfly Collector
18. Brand new start
19. Wild Wood
20. Echoes around the sun
21. Come on, let’s go
Zugabe:
22. The Changingman
23. Whirlpools end
——
Multimedia:
Fotos: frank@ipernity
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Archiv: Paul Weller – Washington DC, 13.09.2008
Archiv: Paul Weller – Köln, 18.09.2007