Radiohead – Köln, 15.10.2012

Ort: Lanxess Arena, Köln
Vorband: Caribou

„Penny, ich bin Physiker, ich habe fundierte Kenntnisse über das gesamte Universum und alles, was darin ist.“
„Wer ist Radiohead?“
„Ich habe bedeutende Grundkenntnisse über die WICHTIGEN Dinge des Universums.“
(Big Bang Theory, Staffel 2 Folge 18)

Wie kann ich einen perfekten Abend beschreiben? Ich weiß es nicht, vielleicht will ich ihn auch gar nicht groß in Worte fassen. Dass, was Radiohead, und davor Caribou abgeliefert haben, war nicht mehr und nicht weniger als das Konzert des Jahres. Ein kleines Konzert einer großen Band in einer großen Halle. Wow!
Warum „kleines Konzert“? Weil es mir nicht als Stadionkonzert vorkam, was uns Radiohead zweieinhalb Stundenlang boten. Aus mehreren Gründen fühlten wir uns eher in einen kleineren Konzertsaal versetzt. Lag es daran, dass wir vorne standen, lag es daran, dass Radiohead keine große Bühnenshow aufboten oder lag es einfach daran, das Thom Yorke es schaffte, die Arena Arena sein zu lassen und Gefühle von Nähe und Intimität versprühte, die man diesem hibbeligen kleinen Mann gar nicht zutrauen würde?
Es lag sicherlich an allem. Wenn sich die Videoplatten wie eine zweite Decke über die Köpfe der Band absenken, wird das Hallendach ganz nah, der Raum nach oben sehr klein. Es schmeckt dann nach Kellergewölbe und Flaschenbier, weniger nach Nachos und Pfandbechern mit Henkel. Bei „15 steps“ setzten sie dieses Stilelement ein und just ab diesem Zeitpunkt, war ich völlig gefangen. Sprachlos und paralysiert vom Rest des Abends.
Ich habe Radiohead unterschätzt, sehr unterschätzt. Vorher unterhielten wir uns noch darüber, ob Radiohead wirklich so wichtig sind, wie ich nicht glauben wollte, dass sie es sind. Nachher, oder besser gesagt nach zwei Stunden und einem famosen „Weird fishes“ muss ich alle Gedanken revidieren. Radiohead sind so bedeutend, wie man nur sein kann. Punkt.
Das erwähnte „Weird fishes“ und „Reckoner“ waren meine herausragenden Momente. Auf der Zugfahrt heim ließ mich dieser Intimgedanke des Konzertes nicht los. Wieso schaffen das Radiohead? Klar, wenn Coldplay Konfetti, Zweitbühne und Feuerwerk einsetzen, ist der Intimgedanke schnell verflogen. Wenn Muse das Klavier unter der Hallendecke aufbauen, auch.
Also weniger Schnickschnack gleich Intimität? So einfach ist es wohl auch nicht, ein bisschen was muss die Band noch dazutun und ein bisschen muss der Moment auch magisch sein.
Mit Caribou fing es schon gut an. Fünf Songs spielten die vier Mannen um Dan Snaiths. Was nach wenig klingt, waren immerhin fast fünfunddreißig Minuten Spielzeit; ein annehmbarer Wert für eine Vorband bei einem solchen Konzert. Vorne am Bühnen Rand standen sie eng beieinander, Schlagzeug und Keyboard nahezu umringend. So, wie man sie sich vorstellt. Mit „Odessa“ und „Sun“ endete ihr Set größtmöglich.
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The hundred in the hands – Köln, 11.10.2012

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Swearing at Motorists

“The scarlet beast o’seven bells”. Ich werde mit diesem Album nicht recht warm. Auf der abendlichen Fahrt zum Gebäude 9 habe ich die neue Get well soon Platte dabei, sie läuft im Auto-CD Spieler. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich sie nicht mögen mag. Die älteren Alben gefallen mir sehr, Get well soon Konzerte sind immer ein Fest und schlussfolgernd will ich auch das neue Album mögen. Aber es gelingt mir nicht. Auf “The scarlet …” ist mir von allem zu viel, zu viel alter Kinokram, zu viel Get well soon.
Ich denke an Konstantin („dann trink ich eben noch was“) Groppers Auftritt bei Roche und Böhmermann vor einigen Wochen. Frau Roche interessierte sich nicht wirklich für den Musiker, dabei – und das merke ich an der Ausfahrt Köln-Deutz, hätte sie doch nur das neue Album hören müssen und sie hatte den perfekten Intervieweinstieg: im Song „Dear Wendy“ benutzen Get well soon ähnliche Tonfolgen wie die Roche & Böhmermann Einspieljingles. Das hätte ihnen auffallen müssen.
Was all das mit The hundred in the hands zu tun hat? Nichts. Aber Anfahrtgeschichten gehören zu einem Konzertbesuch wie das Konzert selbst.
Jetzt aber zu The hundred in the hands:
Ein Fazit dieses Sommers könnte lauten, dass ich das Duo Eleanore Everdell und Jason Friedman viel zu lange links liegen gelassen habe. Viel zu lange.
Das Debütalbum der in New York lebenden Briten bekam ich vor 2 Jahren, ein kurzer Rückblick in das Jahr 2010 bringt mir das ins Gedächtnis zurück, was ich bereits im Sommer in Hannover feststellen durfte: diese Band hat gute Songs.
Über die Qualitäten von „Dressed in Dresden“ und „Commotion“ brauche ich nicht zu diskutieren, die sind unbestritten, es sind Riesenhits. Und „Pidgeon“ und „Lovesick“ stehen nur knapp dahinter. Für ein Album ist das eine enorme Hitdichte, wie ich finde.
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… and you will know us by the trail of dead – Duisburg, 05.10.2012

Ort: Grammatikoff, Duisburg
Vorband: Maybeshewill

Uiuiui, das war ja was gestern Abend im Dusiburger Grammatikoff. Trail of dead wie gewohnt laut, wild und sehr begeisternd. Trotz einer überschaubaren Setlist von 11 Songs brachten sie es auf gute 90 Minuten Konzert.
Im nachhinein bin ich mir aber nicht sicher, ob die papiernernde Variante den tatsächlich gespielten Songs entspricht. Zum Ende hin verlor ich etwas den Überblick, und ich meine auch, mehr als nur zwei neue Songs (“Pinhole cameras”, “Up to inifinty”) vom kommenden Album gehört zu haben. Und war da nicht auch “It was there that i saw you”? Ich muss überlegen …
Eine grosse Band.
Setlist:
01: Will you smile again for me
02: Worlds apart
03: Pinhole cameras
04: up to infinity
05: Mistakes & regrets
06: Blight takes all
07: Caterwaul
08: Strange news from another planet
Zugabe:
09: Another morning stoner
10: Bells of creation
11: A perfect teenhood

Kontextkonzerte:
…and you will know us by the trail of dead – New York, 12.11.2006
…and you will know us by the trail of dead – Köln, 14.05.2009
…and you will know us by the trail of dead – Bochum, 11.07.2009
…and you will know us by the trail of dead – Düsseldorf, 27.03.2011
…and you will know us by the trail of dead – Esch-Alzette, 13.04.2011

Multimedia:
flickr-Album

 

Best Coast – Brüssel, 22.09.2012

Ort: Botanique, Brüssel
Vorband: Paon


Brüssel ist immer eine Option. War ich dieses Jahr eigentlich schon in der Botanique, dem besten, schönsten und stimmigsten Konzerthaus, das ich kenne? Nun, dann wird es langsam Zeit, denn mindestens einmal im Jahr sollte ich im Norden Brüssels vorbeischauen.
Das Konzert der Los Angeles Band Best Coast bot sich dazu an, näher sollte die Band an Köln nicht herankommen. Grund genug, um sich auf den samstagnachmittäglichen Weg in Richtung Belgien zu begeben. Dass wir diese Idee nicht alleine gepachtet hatten, bemerkten wir am Abend vor der Bühne des kleinsten Konzertsaales des Botanique: bekannte Gesichter standen schon in Reihe eins. Auf manche Dinge ist eben Verlass.
Folgt man Best Coast auf Twitter, lernt man viel über die Band, Los Angeles, Anzugsordnungen bei Konzerten, das Tourleben und anderen Unsinn. Die Band (oder Sängerin Bethany Cosentino) ist eine rege Netzwerkkommentatorin, sie twittert was das Zeug hält. Seit ihrem Kölner MTC Konzert vor ungefähr zwei Jahren bin ich Best Coast Verehrer, ich mag ihren laxen Indiepop und ihre unaufgeregte Art. So lange folge ich ihnen auch bei Twitter, oder besser gesagt folgte ich ihnen, denn vor einigen Monaten wurde es mir zu viel. Kein neues Album und Unmengen an Statusmitteilungen, die mich nur bedingt interessierten, ließen Twitter Twitter sein und ich entfolgte Best Coast. So verpasste ich natürlich die Ankündigung eines neuen Albums und einer spätsommerlichen Tournee. Auf beides musste ich erst aufmerksam gemacht werden, zögerte dann jedoch keine Minute, um unserem Konzertausflug zuzustimmen.
Best Coast spielten im Gewölbekeller, in der sogenannten Witloof Bar der Botanique. Viel Betrieb war an diesem Abend im Kulturzentrum, die Briten von We have band begeisterten in der Orangerie, die Rotonde bot eine Ausstellung zum Thema Frauen und Film.
Das Konzert war seit Tagen ausverkauft, das Parkhaus um die Ecke fast direkt neben dem türkischen Imbiss, den wir gerne und immer wieder als Snackoption vor Konzertbeginn wahrnehmen, überraschend leer. Das lief ja bestens, und wenn man weiß, dass ein belgisches ausverkauft wenig mit einem köln’schen ausverkauft gemein hat, stand einem schönen und entspannten Konzertabend nichts mehr im Weg.
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Muse – Köln, 20.09.2012

Ort: E-Werk, Köln
Vorband: -


Muse, so ganz bin ich mir nicht darüber im klaren, warum ich Dienstag letzter Woche um 10 Uhr morgens wie wild bei Ticketmaster um ein Ticket für das 1live Radiokonzert kämpfte und es schlussendlich doch bekam. Schon klar, die ersten vier Alben sind großartig, das letzte, „The Resistance“, allerdings besonders scheußlich. Da setzte bei mir Kaufverweigerung ein und Muse wurden mir gleichgültiger.
Anfang der Nuller- Jahre war ich ganz klar auf ihrer Seite. „Showbiz“ und „Origin of symmetrie“ mit einem sehr beeindruckenden Konzert in eben diesem E-Werk (oder war es gar schon hochverlegt auf die andere Straßenseite?) setzten große Ausrufungszeichen und Matt Bellamy war einer der Musiker der Stunde. Stilistisch wurden Muse eher mit Radiohead als mit Oasis in einen Topf geworfen, was genauso richtig ist wie sie nicht mit den Emo Bands ihrer Zeit gleichzusetzen, auch wenn Muse mit denen durchaus die ein oder andere Gemeinsamkeit hatten. Aber dann setzten Veränderungen ein. Zu Queen wurden Muse mit „Soldier’s Poem“ und “Map Of The Problematique” vom Album Black Holes And Revelations, und ich wurde stutzig. Das Album ist voller Pathos und Bombast und Matt Bellamys hohe Kopfstimme erschien mir noch nie so aufdringlich Mercury-esk wie hier. Damit hatte ich zugegebenermaßen kleinere Probleme und Muse verloren für mich an Reiz.
The Résistance brachten diesen Reiz nicht zurück. Ein schlimmes „Undisclosed desires“ und die Symphonien am Ende des Albums ließen mich nicht wirklich begeistern. Trotzdem besuchte ich ihr Konzert in der Lanxass Arena und fand es großartig. Dieses Erlebnis muss mir unterbewusst so hängen geblieben sein, dass ich mir Tickets für diesen Abend unbedingt sichern wollte. Wie überragend Muse live sein können, hatte ich ja schon erlebt.
„Da hat aber jemand zu viel George Michael gehört.“ Im Radio sang jemand “I can’t get this memories out of my mind” und das schrie förmlich nach George Michael’s „I want your sex“. Oh nein, wir wussten nicht, welcher geschmacksverirrte Sänger sich an dem ex-Wham Frühwerk derart vergriff, dass es schon wieder beeindruckend war. Zwei Tage später, der Song lief erneut im Radio, lernte ich in der Abmoderation, dass es sich um die neue Muse Single „Madness“ handelt. Wow, dachte ich, es geht tatsächlich noch abstruser als bei „Undisclosed desires“.
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2:54 – Köln, 18.09.2012

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Lingby


Nachdem er aus London zurückgekehrt ist, erhält Mac Taylor in der vierten Staffel CSI:NY jeweils um 3.33 nachts anonyme Telefonanrufe. Scheinbar hängen diese Anrufe nicht mit den aktuellen Mordfällen zusammen.Um 11:14 abends spielen sich in einer amerikanischen Kleinstadt merkwürdige Dinge ab, ein Angestellter überfällt seinen eigenen Supermarkt, ein Mann entdeckt, dass seine Tochter einen Mord begangen hat versucht diesen zu vertuschen und es werden zwei Menschen überfahren.
Was sich um 2:54 Uhr ereignete, weiß ich nicht. Ich will es auch gar nicht wissen. Ich unterstelle dem Bandnamen einfach eine Uhrzeit, ohne mir die Mühe machen zu wollen, dieses zu recherchieren. In irgendeinem Interview oder auf irgendeinem Musikblog würde ich sicherlich die Antwort finden, aber in diesem Fall ich finde die Ungewissheit spannender.
2:54 sind die beiden Schwestern Colette und Hannah Thurlow aus London. Vor einigen Wochen spielten sie im Vorprogramm der XXe – was ihre musikalischen Eck-Koordinaten passend definiert – nun sind sie für drei Konzerte kurz zurück. Eine EP (Scarlet) und ein Album (2:54) sind bereits veröffentlicht, Anfang 2010 gründeten sie ihre Band, zu der mittlerweile auch Alex Robins und Joel Porter zählen.
Als ich am Gebäude 9 ankam, spielte die Vorband Lingby bereits.
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