Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Parakeet

Multimedia:
flickr Fotos
Ort: E-Werk, Köln
Vorband: Robin Foster

Ich bin einmal mehr sprachlos. Auch noch nach zwei Tagen. Als Archive nach guten zwei Stunden ihr Kölner Konzert mit zwei weiteren Zugaben („Bullets“ und „Waste“) beendet hatten, fragte ich mich, was ich da gerade erlebt hatte. Ich hatte keine Erinnerungen mehr. Nur noch bruchstückhaft ließ sich das Konzert für mich zusammensetzen. Es war wie morgens nach einer angenehm durchträumten Nacht, wenn man die Hälfte des Traums vergessen hat. Man wacht mit einem wohlig ausgeschlafenem Gefühl auf, kann sich aber beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wie dieser Zustand zustande gekommen ist bzw. was ihn ausgelöst hat.
So waren für mich Archive gestern. Nachts wurde ich noch gefragt, ob sie „Again“ gespielt haben, ich wusste es nicht mehr. Einzig an das famose „Collapsing clouds“ zum Ende der ersten Zugabe, an „Fuck you“ und „Stick me in my heart“ habe ich genauere Erinnerungen. Das sind die Bruchstücke. Alle anderen Songs sind irgendwie weg, weggeschmolzen in einem Konzertabend, der so schlüssig, flüssig und glückselig machend war wie ein Schweizer Fondue. Und ein ebensolcher Brocken.
Zwei neue Songs gab’s obendrauf: “Black and blue” und “Build and construct”. Toll!
Aber mir fehlen Worte, die andere gefunden haben, wie hier zu lesen ist.
Setlist:
01: Wiped out
02: You make me feel
03: Sane
04: Interlace
05: Stick me in my heart
06: Conflict
07: Violently
08: Build and Construct
09: Again
10: Fuck U
11: Pills
12: Black and Blue
13: Dangervisit
14: Damage
Zugabe I:
15: Rise
16: Silent
17: Hatchet
18: Controlling crowds
Zugabe II:
19: Bullets
20: Waste
Kontextkonzerte:
Rolling Stone Weekender – Weissenhäuser Strand, 12.11.2011
Archive – Köln, 23.10.2009
Multimedia:
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Ort: Luxor, Köln
Vorband: Jherek Bischoff

„Hat sie ihre Stimme wieder?“ Diese Frage erreichte mich am Samstagnachmittag via sozialem Netzwerk und traf mich relativ überraschend. „Wieso?“ fragte ich daher zurück. Mit dem Amanda Palmer Konzert am Abend im Kölner Luxor hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht beschäftigt, fügte aber ein „ist sie kränklich?“ an dies einsilbige „Wieso“. Die Antwort ließ nur einige Minuten auf sich warten. Am Freitag in Paris sei ihr Konzert in eine Art Karaoke Show mutiert, nachdem Amanda Palmer im Laufe des Abends die Stimme total versagt blieb. Leute aus dem Publikum wurden auf die Bühne geholt und durften die Gesangspart übernehmen. Am Samstag dann hätte Amanda gepostet, dass sie zwar in Köln sei, aber total hinüber und dass ihr Saturn-Gig jetzt nur noch aus Signieren bestünde und ohne kleine Gesangseinlage auskommen müsse und dass sie für heute Abend eine ähnlich interessante Show erwarte wie die gestrige in Paris.
Ohne Gudrun vom Konzerttagebuch hätte ich das alles nicht erfahren und wäre ahnungslos ins Luxor gelatscht. Gudrun scheint tief drin zu sein im Amanda Palmer Fantum, ich bin es beileibe nicht.
Nach der freitäglichen Zuspätkommen-Pleite machte ich mich am Samstag zeitig auf den Weg. „Theatre is evil“, die neue Amanda Palmer Scheibe hatte ich mir zuvor noch gedownloadet, ganz unvorbereitet wollte ich dann doch nicht sein. Das etwas ältere Album „Who killed Amanda Palmer“ mochte und mag ich sehr, „Leeds united“ oder „Oasis“ höre ich sehr oft. Über „Theatre is evil“ kann ich noch nichts sagen, zwei nebenbei Hördurchgänge reichen nicht aus, um es irgendwo einzuordnen. Da ich es aber beide Male nicht vorschnell ausgemacht habe, muss es gut sein.
Also das Luxor, also Amanda Palmer, der mittlere Konzertabend an diesem Wochenende.
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Ort: Essigfabrik, Köln
Vorband: Villagers

Ich hatte diesen Abend falsch eingeschätzt. In allen Belangen. Als kurz vor der Essigfabrik „Two weeks“ aus den Lautsprechern erklang, erinnerte ich mich plötzlich wieder: Ach ja, Grizzly Bear sind die mit diesem Fernsehwerbungslied. Das hatte ich völlig vergessen, genauso, wie ich das Album „Veckatimest“ völlig verdrängt hatte. Es war mein Grizzly Bear Erstkontakt, und zugegeben ein recht kurzer. Direkt nach der Veröffentlichung kaufte ich es mir, hörte es gefühlt ein halbes mal und legte es dann in den CD Schrank. Als zu einschläfernd und folkig klassifizierte ich es damals. Es geriet in Vergessenheit. Als nun vor einigen Wochen das Nachfolgealbum „Shields“ erschien, erinnerte ich mich gar im ersten Augenblick nicht mehr an „Veckatimest“. Stattdessen mochte ich ihr neues Album von einem auf den andern Augenblick sehr. Ich glaube, ausschlaggebend war ein dreimaliges nacheinander hören an einem Sonntagnachmittag bei Kaffee und Kuchen. Tafelmusik und Grizzly Bear, das passte, und besonders stark im Gedächtnis blieb mir immer wieder (also drei Mal) „Yet again“, ein Riesenhit.
Das war Anlass genug, für ihr Kölner Konzert ein Ticket zu kaufen. Die Essigfabrik auf der anderen Rheinseite kannte ich noch nicht, Grizzly Bear hatte ich noch nicht gesehen (obwohl ich mir da seit gestern Abend nicht mehr so sicher bin); also noch anderthalb Gründe, den Freitagabend für ein Konzert zu nutzen.
Als wir an der Essigfabrik ankamen, war es bereits voll. Draußen als auch drinnen. Dies war direkt meine erste Fehleinschätzung: Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass die New Yorker so viele Menschen ziehen. Die Essigfabrik, die ich auch nicht in dieser Größe erwartete hatte, war proppenvoll. Hätte ich es gewusst, ich wäre nicht erst um kurz nach acht an Ort und Stelle gewesen.
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Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Der Rest

I like trains kenne ich. Ein bisschen. Vor knapp zwei Jahren besuchte ich ihr Konzert an gleicher Stelle und war sehr angetan. Das war 2010 und ihr Album „He who saw the deep“ war just erschienen. Ich hörte es sehr oft und Songs wie „Progress is a snake“ oder „Broken bones“ brannten sich in mein Gedächtnis. Damals fand ich das alles passend, die Musik, die Jahreszeit, das Wetter. Also mollige gitarrenlastige Melancholie, Winter, nasse Kälte.
Zwei Jahre später sind die Eingangsparameter nahezu identisch. I like trains haben derweil ein drittes Album veröffentlicht und letzte Woche erinnerte ich mich an die Band und ihr wohliges Konzert. Mit Paul Cezanne beschloss ich seinerzeit den Abend, sein Satz “I think, everything is lost.” kam mir damals sehr passend als eine ein-Satz Zusammenfassung vor.
„Everything is lost.“ Das passt irgendwie immer. Aber „es ist erst das Ende, wenn es gut ist“ auch. Und da New York nach jetzigem Stand der Dinge nicht untergehen wird (allerdings der tolle Atlantic City Boardwalk teilweise verschwunden ist), ist nichts verloren. Weder hier noch drüben, und erst recht nicht gestern Abend im Gebäude 9.
I like trains. Es war ein gutes Konzert, überraschenderweise kannte ich viele der gespielten Songs. Das bedeutet, zum Leidwesen meines Konzertfreundes, der die dunkle Seite der Band sehr zu schätzen weiß, dass die Nordengländer viele Songs ihres vermeintlich schwächsten zweiten Albums gespielt haben. So waren ein Drittel der Setlist von „We saw the deep“, zugespitzt in der einzigen Zugabe des Abends, „Sea of regrets“, dieses wundervoll getragene poppige Etwas.
Wie schon knapp zwei Jahre zuvor hatte ich auf dem Nachhauseweg das gute Gefühl, in I like trains eine Band gefunden zu haben, zu deren Konzerten man gefahrenlos gehen kann. Mögen ihre bisherigen Alben auch musikalisch indifferent und sehr unterschiedlich sein, live schafft es die Band, einen roten Faden zu spinnen, der die unterschiedlichen Ausrichtungen sehr gut in der Reihe hält und Brüche oder komische Momente überhaupt nicht erst aufkommen lässt.
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Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Maybeshewill

„Machen die etwa Postrock?“ Viel Skepsis schwang in dieser Frage mit, die mir kurz vor dem Beginn des Maybeshewill Auftritts gestellt wurde. Dieses Biest Postrock, oft ohne Gesang, ist für die einen anstrengender langweiliger Kram, für die anderen ist er das nicht. Für mich ist er das oft nicht, für meine gestrige Begleitung in der Regel schon.
John Helps, Andy Jackson, Robin Southby und Schlagzeuger James Collins machen Postrock. Ohne Worte. Mit Gitarren, Keyboard und Schlagzeug. Das ganz links aufgebaute Mikrifon brauchten sie nur, um sich zu bedanken und um allen viel Spaß zu wünschen. Maybeshewill kommen aus Leicester, dem Norden Englands, sie könnten auch aus Schottland stammen, dem Land der Postrockbands.
Es sah lustig aus und es war sicherlich auch dem wenigen Platz auf der Bühne geschuldet, wie die fünf sich in einer Reihe am Bühnenrand aufstellten. Wie an der Schnur gezogen standen sie nebeneinander und als nach wenigen Minuten jeder für sich auf seinen Anderthalb Quadratmeter Platz anfing zu tanzen, sah das nach Kasperletheater und sehr komisch aus. Gute 40 Minuten spielten Maybeshewill das, was man von Postrockbands erwartet: Laute, melodiöse, gitarrenlastige Rockmusik. Auf große laut-leise Sequenzen wie Mogwai oder Goodspeed you! black emperor verzichten sie, ihre Songs folgen mehr der Machart langsamer Beginn und Spannungsaufbau, Eruption, Spannungsabbau / Songende. Das klingt vorhersehbar und war es auch. Das wiederum ist jedoch nicht schlimm, ganz im Gegenteil, mir gefielen Maybeshewill sehr.
… and you will know us by the trail of dead seien eine große Band, schrieb ich nach ihrem Duisburger Konzert vor zwei Wochen. Dem ist nach diesem Abend wenig hinzuzufügen. Eventuell das Wörtchen „sehr“, zumindest jedoch „ziemlich“.
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