The Enemy – Köln, 30.01.2008

Jetzt geht wieder alles von vorne los. 2008. Das erste Konzert des Jahres, das eigentlich schon letztes Jahr hätte stattfinden sollen. Das eigentlich schon vor 2 Wochen hätte stattfinden sollen. Das gestern abend stattfand. The Enemy, diese kleine junge britische Band aus Coventry spielte endlich im Gebäude 9.
The Enemy - Köln 30.01.2008
Nach zweimaligem Absagen der Tour gab es nun keine Ausreden mehr. Keine Viruserkrankung, keine anderen Auftrittsverpflichtungen. Der Kontinent wartete lang genug und muss endlich bedient werden. Und das wurde er.
Die Frage, die ich mir seit dem ersten CD Durchlauf von “We’ll live and die in these towns” gestellt habe, ist: Sind The Enemy nur ein 2007er Hype des NME (Breakthrough Act 2007) oder überleben sie auch in 2008. Der Abend beantwortete die Frage mit einem klaren: ja, sie überleben auch die nächsten Jahre!
Im Gebäude 9 war noch Platz. Es war gut besucht, aber nicht rappelvoll. Klar, vielen passt ein Neuansetzungstermin nicht in den Kalender, erst recht, wenn es der zweite innerhalb weniger Tage ist. Und auch klar, wegen der Kurzfristigkeit ist es schwer, Werbung zu lancieren und die Bude richtig voll zu bekommen. Denn The Enemy sind noch nicht The Police. Wie komm ich da jetzt drauf? Egal!
Die Stimmung war erwartungsvoll und gut. Neugierde lag in der Luft und ich war gespannt.
Dabei standen meine Vorzeichen gar nicht so günstig. Eine aufkommende Halsentzündung, die mich durch den Tag schleppen ließ, das Wetter eher zum daheim bleiben anstatt sich ins Auto zu setzen und nach Köln zu fahren, liessen mich kurz zweifeln. Aber ich konnte mich aufraffen. Und das war gut so.
Um kurz nach zehn legten The Enemy grandios vor. “Away from here” war der Opener, der die Richtung vorgab. Die nächsten Songs wurden ohne Unterbrechung runtergebrettert. Das Tempo war atemberaubend. Wenn die CD- Konserve ein Fahrrad ist, dann war es live das Space Shuttle mit March 3. Keine Atempausen. Keine Ruhe auf der Bühne. Extreme Lautstärke im Raum. Waren die drei Jungs auf der Flucht? Es fühlte sich so an.
Dieses Wahnsinnstempo, das bei den rockigen Nummern gut funktionierte, zerstörte aber leider Sachen wie “We’ll live and die in these towns” oder das wunderbare “Happy Birthday Jane”, dass mich auch live stark an Oasis “Little James” erinnert. Hier wäre ein bischen weniger mehr gewesen. Die Melancholie ging verloren, auch wenn Sänger Tom Clarke für “Happy Birthday Jane” zur Akkustikgitarre griff.The Enemy - Köln 30.01.2008
(Es scheint also immer noch so zu sein, dass ein wie-auch-immer aussehender Akkustikgitarrenpart zu einer britischen Konzertshow gehört wie das Aschenkreuz zu Aschermittwoch.) Doch hier und heute hätten sie es sich sparen können. Es ging gnadenlos unter. Hätte man mehr draus machen können. Genau wie die fürs Publikum prädestinierten Mitgröllparts in “You’re not alone” oder “Aggro”, die so schnell runtergerissen wurde, dass die ersten Reihen nicht den Hauch einer Chance bekamen.
Apropos Tom Clarke. Dieser, eher klein von Statur, hat tatsächlich schon alle grossen Gesten drauf, die man an Liam Gallagher so liebt. Arrogant wirkender, leicht abgehakter Schlendergang, provozierender Gesichtsausdruck. Very british und so typisch british working class, dieses spezielle Lebensgefühl zwischen Fussball und Bier, diese Mischung aus Stolz und Verzweifelung. Irgendwo zwischen The Jam und Oasis, irgendwo zwischen Mitgröhlpop und grossen Melodien. An den Trainingsjacken von Adidas und Fila erkennt man sie alle, die britischen Lads der Post Oasis Ära. Also kein Zufall, dass dies das Bühnenoutfit von The Enemy war.
Nach 45 Minuten war dann unspektakulär Schluss. Eine kurze, letzte Ansage, die, wie alle “Thank you’s” oder “This is…”, in den ersten bzw. letzten Takten der Songs unterging, noch einmal für drei Minuten alles geben, und dann runter von der Bühne. Es wurde alles gesagt bzw. gespielt was es zu spielen gibt. Licht an. Schluss. The Enemy - Köln 30.01.2008
“Warum nicht noch eine Coverversion als Zugabe, wenn das eigene Material durch ist?”, könnte man fragen. Wir hätten es verdient gehabt, und Molotov Jive, die schwedische Vorband (gar nicht mal so schlecht), machte es mit “Police on my back” doch hervorragend vor?
haben wir aber nicht. Das Gebäude 9 akzeptierte relativ klaglos. “Die haben halt nicht mehr”, schienen alle zu denken. So richtig unzufrieden war niemand. Dafür waren die letzten 45 Minuten zu intensiv, zu beeindruckend.

Last exit The Enemy. Das war für gut eine Woche das letzte musikalische Kontrastprogramm dieser Stadt zum Karneval. Und es war ein gutes!
“Ich hab’ne Zwiebel auf dem Kopf ich bin ein Döner!” Alaaf
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Lesenswert: isdasniedlich (Playlist stimmt mit Köln überein)

The Enemy – Köln, 10.01.2008

ABGESAGT!
The Enemy haben vorgestern ihr Konzert in Köln abgesagt. Ein kleiner, dicker Hinweis auf der Seite des Gebäudes 9 berichtet über eine Viruserkrankung, die die Band zu einer Absage bewegt hat. Früher in der Schule haben wir auf den Entschuldigungszettel immer “grippaler Infekt” geschrieben. Das klang auch gut, und jeder wusste irgendwie Bescheid, dass man einfach nur keine Lust hatte.
Das ist immerhin die zweite Konzertabsage, nachdem die Gigs im November auch schon gecancelt wurden. Die Vollidioten!
Spielen eigentlich die Babyshambles und Mr Pete Doherty am 22.01. in Köln?

New Model Army – Köln, 22.12.2007

1645 begründete Oliver Cromwell die New Model Army. Sie war war im englischen Bürgerkrieg (1642 bis 1649) auf der Seite des Parlaments aufgestellt, und Oliver Cromwell befehligte die Reiterschaft der New Model Army, die sogenannten Ironsides.
1980 gründete Justin Sullivan die Band New Model Army. New Model Army wurden im Laufe der 80er Jahre zu der politischen Band ihrer Tage. Ihre Songs waren textlich gefüllt mit den Problemen Englands der 1980er, wie dem Falklandkrieg und dem wirtschaftlichen Stadt-Land-Gefälle. Gegen Ende der 80iger waren sie Headliner jedes grösseren und kleineren Festivals und auf den Konzertbühnen gefühlt allgegenwärtig. Es verging scheinbar kein Tag ohne ein New Model Army Konzert irgendwo in Europa.
Alle Jahre wieder kommen nicht nur das Christkind, sondern kommen auch New Model Army zu Besuch. So auch gestern abend, als sie im Rahmen ihrer mittlerweile traditonsträchtigen Weihnachtstournee mal wieder das Palladium füllten. Und zwar von vorn bis ganz hinten, und somit mehr Leute aus der warmen Wohnung lockten als seinerzeit Interpol. Was doch überraschend ist, denn, wenn man ehrlich ist, ist seit guten 20 Jahren die Zeit der New Model Army vorbei. Damals, Ende der 80er, als sie mit “Thunder und Consolation” und “Impurity” zwei Wahnsinnsalben in Folge veröffentlichten, fehlten sie auf keiner grossen Festivalbühne. Und alle durften und konnten mitfühlen bei den politisch geprägten Texten wie “51st state” oder den melancholisch angehauchten “Green and Grey”, was so gut den Nerv der damaligen (nicht nur) englischen Gefühlslage traf. Und alle konnten so wütend sein wie Justin Sullivan und die Faust ballen und schreien: “Don’t ask any more stupid questions.”
Und 20 Jahre später? Sie sind immer noch da. New Model Army und die Fans von damals. Und sie feiern immer noch gemeinsam. Und sie ballen immer noch die Fäuste und singen lauthals mit. Aber so richtig passt es eigentlich nicht mehr zusammen. man kommt sich vor wie auf einem zwanzigjährigem Klassentreffen, für 2 Stunden nochmal zurück zu den alten Zeiten. Als ob die Zeit stehenblieb.
Müssig zu erwähnen das die neuen Stücke von New Model Army eher wohlwollend als enthusiastisch aufgenommen wurden. Die mochte man nicht hören, deswegen ist man nicht hier. “51st state”, “Vagabounds”, “Green and Grey”, “Get me out”, “Love the world” und wie sie alle heissen stehen auf dem Wunschzettel.
Einiges kommt, anderes nicht. Überraschenderweise auf der Liste: Vagabounds. Das wurde selbst beim 2000 Doppelkonzert aussen vor gelassen. Und ich hab es schon bestimmt 10 Jahre nicht mehr gehört. Sehr schön.
Nach guten 140 Minuten ist dieser Konzertabend vorbei. New Model Army entlassen uns nach der dritten Zugabe wie immer mit “Love the world” in den kalten Dezemberabend.
Als Vorband spielten heute Therapy?. Kennt die noch jemand? Therapy? – mit Ypsilon – spielen Knüppelgitarrenrock der übleren Sorte, den man heute nicht mehr hören möchte. Songs wie “Diane” oder “Nowhere” oder “Die laughing” stehen für ihre Zeit, sind aber irgendwie durch. Therapy? passten historisch sehr gut zum Motte des Abends. Daher eine gute Vorbandwahl. Zum Schluss ihres Sets spielten sie noch Joy Divisions “Isolation” so dermassen vercovert, das man sich ein Ende herbeiwünschte. Vom Publikum gab es Höflichkeitsapplaus, als sie nach einer Stunde die Bühne verliessen. Hier und da spürte man auch ein bischen Erleichterung.
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es läuft: I Am Kloot – 3 Feet Tall
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Athlete – Köln, 12.12.2007

Wenn die Welt gerecht wäre, dann würden Athlete Stadien füllen. In Zeiten, in denen MySpace Helden das Palladium ausverkaufen oder Britgröhl-Gruppen das E-Werk füllen, sollte es einer Band, die einem guten zweiten Album ein sehr gutes drittes folgen lässt, doch vergönnt sein, grössere Aufmerksamkeit zu erhaschen. Und um die Verwunderung bzw. die Ungerechtigkeit komplett zu machen, die Sache mit einem guten Nachfolge- Album ist den erstgenannteren bekanntlicherweise nicht so recht geglückt.
Doch Athlete spielen nur im kleinen Prime Club. Doch das gute Menschen einen Gerechtigkeitssinn haben zeigte sich daran, daß zum Dank der Prime Club dann ausverkauft war.
Als Vorband wurde Iain Archer verpflichtet. Ein ganz hervorragender Singer / Songwriter (Zitat Athlete Sänger Joel Pott), dem es sichtlich Spass bereitete hier aufzutretender. Zu Beginn in typischer Alleinunterhaltermentalität mit umgeschnallter Gitarre, wurde sein Set zum Ende hin immer lauter und rockiger. Was natürlich auch daran lag, dass er nun nicht mehr alleine auf der Bühne stand sondern mit Schlagzeug und Bass begleitet wurde. Thematisch passte Ian Archer sehr gut zu Athlete. Eine sinnvolle und gut ausgewählte Konzertergänzung.
Zum Athlete Auftritt fiel mir gestern Abend gegen elf Uhr folgendes ein:
Mensch, du bist gerade mittendrin, im Konzert des Jahres!!!
Zu diesem Zeitpunkt, das Konzert war gut eine dreiviertel Stunde alt, haben Athlete bereits alle grössten Hits abgespielt. Ob sie nun “Hurricane”, “I am Tokyo” odet “Airport Disco”vom neuen Album “Beyond the neighbourhood” oder “Wires”, “Half light”, “Changes” und “Tourist” vom Vorgängeralbum “Tourist” heissen. In diesem Moment wurde einem erst so richtig bewusst, wieviel excellente Songs diese Band aus dem Londoner Stadtteil Deptford auf ihren letzten beiden Alben angessammelt hat. Und die grösseren waren bis dahin noch nicht einmal dabei. Aber der Reihe nach:
Eröffnet wurde der Abend mit “I am Tokyo”, ich glaube der neuen Single. Ein Smasher, der gleich vom ersten Ton an klarstellte, was heute Abend Sache sein wird. Nämlich das es nichts wird mit einem seichten, ruhigen Vorweihnachtskonzert. Wer die Stücke auf CD hört entdeckt diese leicht melancholische Grundstimmung, die sich wie ein roter Faden durch die Alben zieht. Man hört viel Klavier und /oder ruhig- harmonische Keyboards, seltener laute Gitarren.
Hier sind Athlete die besseren Coldplay. Was natürlich mal wieder ein grottenschlechter Vergleich ist, aber wie schon bei den Editors muss sich auch diese Band immer wieder mit Chris Martin und Co vergleichen lassen. Und alles nur wegen eines Klaviers und verwandter Songstrukuren. Das neue Album erweitert diese um leichte elektronische Sequenzen, die einen an die Post “OK Computer” Phase von Radiohead erinnern.
So erwartete ich ein ruhiges Konzert, bei dem man locker minutenlang in sein Bier weinen kann. Doch es kam anders. Die 5 Athleten ordentlich Dampf. Sänger Joel Pott ist die geborene Rampensau, der alle grossen Gesten studiert hat und sie einwandfrei beherrscht. Im Unterschied zu vielen anderen britischen Bands führte er einen regen Austausch mit dem Publikum. Hier eine Ansage, dort eine Anekdote über Dickmilch und Yoghurt. So entwickelte sich ein famoser Auftritt, der Prime Club war begeistert. Von den letzten Konzerten war dieses das mit den meisten Händen in der Luft. Live schaffen es Athlete immer wieder hervorragend, ihren Stücken eine Dynamik mitzugeben, die man beim Hören der CD nicht vermuten würde. Durch die Bank werden sie einen Tick schneller gespielt, die Gitarren treten stärker in den Vordergrund und verleihen dem ganzen einen rockigeren Anstrich. Der Mitklatsch- und Mitwippkompatibilitätsfaktor steigt enorm.
Athlete sind unbedingt eine Konzertempfehlung. Klasse vorgetragene Songs und gutes Entertainment. Ich hoffe, dass sie ihre Ankündigung wahr machen, und nächstes Jahr wiederkommen. Haldern wäre ein guter Ort zum verweilen.
Hatte ich es schon gesagt. Konzert des Jahres!!!
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Sarah Bettens – Köln, 09.12.2007

Vorletzter Teil der dezemberlichen Prime Club Wochen. Gestern also Sarah Bettens. Eine meiner Lieblingssängerinnen und -frauen und lange Zeit Frontfrau der belgischen Band K’s Choice.
Mitte der 1990er Jahre gab es einen Sommer, in dem auf einmal zwei von drei Beneluxländer auf die Indiebühnen dieser Welt kamen. Bettie Serveert aus den Niederlanden sowie dEUS und eben K’s Choice aus Belgien. Während Bettie Serveert eher Velvet Undergroundesken Schrammelrock produzierten und dEUS sehr experimentell daherkamen, spielten K’s Choice unter der Obhut der Geschwister Gert und Sarah Bettens lupenreinen Indiepop, wie er sonst nur englischen oder amerikanischen Bands in die Wiege gelegt wird. Mit “Not an addict” hatten sie 1995 ihren ersten kleinen Indietanzflächenhit. Bevor sie zusammen mit ihrem Bruder “The Choice” (nach namensrechtlichen Querelen wurde die Band später in K’s Choice umbenannt) gründete, hatte sie in Belgien einen kleinen Solohit.
Mit den Jahren etablierten sich K’s Choice und hatten mit dem 3. Album “Cocoon Crash” ihren grossen Durchbruch auch ausserhalb Belgiens. In Belgien waren sie zu diesem Zeitpunkt schon länger Top of the Pops. Singles wie “Believe” oder “Everything for free” (letzteres mit einem sehr schönen Video unterlegt) sind für mich zeitlose Klassiker. 2003 wurden K’s Choice für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt und Sarah Bettens begann ihre Solokarriere.
So gastierte sie gestern im Prime Club, im Rahmen der Tour zu ihrem zweiten Album Shine. Dieses wurde in Belgien übrigens kostenlos der Tageszeitung “De Morgen” beigelegt. Nach Radiohead, den Charlatans und vielen anderen wurde so auch hier ein neuer Vertriebsweg gesucht und gefunden.
Das unglükliche an Prime Club Konzerten ist die relativ späte Anfangszeit von 21 Uhr. Da der Zug heimwärts stündlich um 17 nach fährt, und man nicht immer auf den letzten Zug um 0.17 Uhr ausweichen möchte, kommt man mitunter nicht drumherum, Konzerte eher zu verlassen.
Na ja, wenn es am schönsten ist soll man ja bekanntlich gehen.
Und gestern war es schön! Sarah Bettens und Band gaben von Beginn an ein gutes Konzert.
Der Prime Club war gut gefüllt, ich würde schätzen zu 3/4 voll. Das wunderte mich ein wenig, denn weder das neue Album noch die Tour wurden hierzulande grossartig promotet. Auf die alteingesessene Stammfanschaft scheint Verlass zu sein!
Sarah Bettens ist der Typ Mensch, der sich eher unspektakulär gibt. T-Shirt und Jeans tun es. Früher war es schon mal ein Fussballtrikot zur Khaki Bermuda, wie ältere Liveaufnahmen zeigen.
Dann noch schnell die Gitarre umgeschnallt, ein kurzes “Hallo!” an alle, und los geht’s. Ohne Intro, ohne Bühnenklimbim. Schön unprätentiös.
Zu Beginn gleich ein, zwei schnellere Stücke, und das Publikum war gebannt. Und es war Textsicher. Der Refrain zu “Come over here” wurde komplett vom Publikum gesungen und auch bei “Believe” und “Not an addict” gab es keine Textaussetzer. Letztere beide kamen nach gut einer halben Stunde zum ersten Konzerthöhepunkt. Dazwischen lag eine sehr gelungene Coverversion von Snow Patrols “Chasing cars“, das sich stilistisch bestens in den Sarah Bettens- Klangkosmos einfindet und auch sonst gut zu ihr passt. Eine vortreffliche Wahl.
Da Sarah Bettens erst gegen viertel nach zehn begann, und ich nicht total übermüdet in die Woche starten wollte, musste ich das Konzert noch während des regulären Sets verlassen. Zu den Klängen von “Scream” holte ich meine Jacke ab und verliess den Prime Club.
So bin ich dann knapp nach dem schönsten Moment gegangen, um noch pünktlich am Bahnsteig zu sein. Schade eigentlich!
Bevor aber Sarah Bettens & Band die Bühne betraten, spielte dort eine mir unbekannte belgische Band Namens Hollywood Porn Stars. Die drei Jungs kommen aus Lüttich und die zwei Stücke, die ich hörte, kamen gut rüber. Hier erinnerten sie mich ein bischen an Supergrass.
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Kate Nash – Köln, 06.12.2007

Wer kann schon von sich behaupten, bei den musikalisch gewordenen Sorgen, Nöten, Wünschen und Erlebnissen eines jungen Mädchens dabeisein zu dürfen. Mehrere hundert Menschen, meist im gleichen Alter wie die Protagonistin auf der Bühne, können die Frage mit ja beantworten. Kate Nash war gestern im Rahmen ihrer ersten Kontinent-Headlinertour zu Besuch in Köln, und das geplante Prime Club Konzert musste wegen reger Kartennachfrage in die Kantine verlegt werden. Die war folglich ausverkauft.
Kate Nash erzählt Geschichten aus der Vorstadt. Geschichten über Sommersprossen, betrunkene Teenager und unglücklichem Verliebtsein. Schön nachzulesen im Booklet der CD, und damit’s auch jeder versteht gibt es die deutsche Übersetzung – gesponsert von New Yorker, die sich dadurch sicherlich eine Steigerung des Röhrenjeans- und Haarreifumsatzes versprechen – gleich mit dazu. Man erfährt so einiges aus dem Kate Nash Kosmos. Da steht sowas wie:

“Mich so anzusehen, wie du noch keine andere angeschaut hast;
Erzähl mir bloss nicht, dass du nicht meinen Hintern abchecken wolltest;
Denn ich weiss, dass du es versucht hast, weil dein Freund mir erzählt hat, dass du ihn gutfandest.”
(Merry Happy – Froh glücklich).

So funktioniert sie, die Identifikation des Publikums mit Katie. Musikalisch ist es überdies noch hinreissend zuckersüsser Mädchen-Folk-Pop mit Attitüde. Strassenpoesie im nicht akzentfreien Nordlondoner Dialekt. Mike Skinner für Mädchen!
Die Kantine, irgendwo zwischen A57 und B9. Lange nicht mehr hier gewesen. Das letzte Mal vor sieben oder acht Jahren, damals noch in der alten Kantine. Die neue Kantine ist ein sehr angenehmer, guter Konzertort mittlerer Grösse. Ich war spät dran, der Saal rappelvoll. Draussen auf einer Bank lag bereits – von Sanitätern betreut – das erste Ohnmachtsopfer. Hysterie.
Drinnen dann noch mehr Mädchen. Doch die waren nicht alleine gekommen, einige hatten ihren Freund mitgebracht. Die fanden Kate Nash zwar gut, aber nicht überragend toll. Daher langweilten sie sich schnell und konnten gerade mit den nicht “Foundation”- affinen Stücken wenig anfangen. “Jetzt könnte sie mal wieder was schnelleres spielen, ich werd’ müde.” oder “Ist das auf der CD? Kenne ich gar nicht.” hörte man ab und an von links oder rechts. Und man konnte gut lauschen, denn der Sound von der Bühne war verhältnismässig leise. Unterhaltungen in normaler Lautstärke waren möglich, so dass die Nachbarschaft auch noch was davon hatte. Ob sie wollte oder nicht.
Vorne erzählte Kate Nash, das am Abend zuvor in München zum ersten Mal zu ihren Songs gecrowdsurft wurde. Prompt wurde ein Mädel beim nächsten Stück durch die vorderen Reihen getragen. Als Dank (Belohnung?) bekam sie von Kate ein Plastikblümchen aus der Bühnendeko geschenkt. Darüberhinaus gab es wenig spektakuläres. Kate Nash sass entweder hinter ihren Keyboards oder spielte Akkustikgitarre. Schlagzeuger, Bassist und Gitarrist verrichteten ihre Arbeit, hielten sich aber dezent im Hintergrund. Kate Nash KantineDas Bühnenbild bestand aus einem schicken Neonschriftzug vor einem roten, in der Mitte geteiltem Vorhang. Sehr schlicht, sehr dezent, aber 100%ig passend.
Das Konzert begann kurz nach zehn. Katie und Band mussten ja erst noch aus Bochum, wo sie bei der 1live Krone auftraten, nach Köln chauffiert werden. Zu Klängen des Musicals Der Zauberer von Oz kamen sie auf die Bühne. Ab jetzt galt: Voller Fokus auf die Hauptperson. Und die heisst Kate Nash. Wegen ihr sind alle hier, auf sie ist alles ausgerichtet. Nach einiger Zeit merkt man, wie sie sich mit dem Publikum identifiziert, oder das Publikum mit ihr. “Ich bin so wie du”, sieht man sie sagen. Oder: “Lasst uns zusammen einen schönen Abend haben. Ich bin deine Freundin.” Sie steht nicht aussen vor, sie ist mit dabei. Einziger Unterschied: Katie steht auf der Bühne und nicht vor der Bühne.
Es war ein typisches “erstes Album”- Konzert. Nach 80 Minuten war das Reportoire erschöpft und alles gesagt. Dem Publikum war’s egal, es freute sich, dass es Kate Nash live gesehen hatte und war entsprechend begeistert. Mir war es auch egal, denn es war ein durchwachsener Konzertabend ohne längere Gedächtnisverweildauer. Man brauchte nicht unbedingt mehr. Erwartungen wurden erfüllt, Klischees bedient.
Trotzdem war es kein schlechtes Konzert. Es war okay.

Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein. Möchtest du? Und bist du ein Mädchen zwischen 17 und 25 Jahre? Dann lasse dir die Haare in etwa schulterlang wachsen und entscheide dich für einen Seitenscheitel mit schräg von hinten nach vorn gekämmten Pony. Fertig.
Die Haarschnitts-Uniformitätsdichte war extrem hoch gestern abend. Aber es gibt schlimmeres, auch frisurentechnisch.
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- Fotos: christoph | subtle sarcasm
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es läuft: Sarah Bettens – Scream-
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