dEUS, Editors, The Teenagers, Zoot Woman – Melt!, 18.07.2008

Der Andrang an innerdeutschen Grenzstationen zur Jahreswende 1989/90 kann nicht grösser gewesen sein als am Freitag im Melt! “check-in” Zeltchen. Ein Gedränge und Geschiebe aus allen Richtungen. Die Wellenbrecher verfehlten komplett ihre Wirkung. Veranstalter, das kann man besser machen! Auch der Sicherheit wegen! Genauso wie die katastrophale Parkplatzsituation. Wenn man weiss, dass man im Vorverkauf über 20000 Tickets abgesetzt hat – wie ein Parkplatzwärter als Entschuldigung(!) anfügte – dann sollte man entsprechenden Park- und Campraum zur Verfügung stellen. Dicker Minuspunkt!Melt! Festival 18. - 20.07.2008
Musikalisch starteten wir mit den letzten Klängen der Blood Red Shoes in das Festival. Das Duo aus Brighton spielte auf der Hauptbühne ein gutes, heftiges Set und begeisterte den noch spärlich angefüllten Platz voll und ganz.
In relativ kurzer Zeit haben sie es geschafft, sich aus den kleinen Klubs heraus auf die ganz grossen Bühnen zu spielen. Zu recht, denn das sie auch hier eine starke Präsenz zeigen können haben Blood Red Shoes beim Melt! eindrucksvoll bewiesen.
The “Oh Germany, we love Germany” Teenagers, die nächste Bands unseres Vertrauens, überzeugte in ihren 35 Minuten Festivalleben. Obwohl sie aus Paris kommen, wollen sie lieber Engländer sein und verpassen auch keine Gelegenheit, dies dem Publikum mitzuteilen (“We hate french!”) Musikalisch fahren sie mit ihren stark limitierten Gesangskünsten im seichten Fahrwasser des Pops der belangloseren Art. Gut genug für einen Festivalauftritt um 20 Uhr, wahrscheinlich zu substanzlos für mehr als einen Sommer Berühmtheit.Melt! Festival 18. - 20.07.2008
Als der Regen kam, liess Kate Nash auf sich warten. Nach über eine Stunde verriet uns ein Ansager den Grund: technische Probleme. (aha!). Nachher erfahre ich, dass die gute Kate öfter mal auf sich warten lässt. Scheinbar leichte Starallüren.
Wir liessen daraufhin Kate Nash im Regen stehen und schauten uns Zoot Woman im Gemini-Zelt an. Was soll man sagen, ein einziger Best-of Auftritt. All killers no fillers! Zoot Woman, it’s a physical feeling! Das Zelt bebte. Ihr Auftritt war der erste Höhepunkt des Melt! und die Band die erste persönliche Festivalentdeckung. Wir haben alles richtig gemacht!
Als dEUS gegen halb eins auf die Bühne kommen, durch Kate’s Verspätung ist der Zeitplan gehörig nach hinten gerutscht, hat der Regen aufgehört. Im Gegensatz zu ihrem Kulturkirchenauftritt im Frühjahr spielen sie nur Sachen vom neuen Album “Vantage Point”. Ausnahmen bildeten “Instant street”, was als zweites Lied direkt nach dem Opener Melt! Festival 18. - 20.07.2008“Slow” kam, “For the roses”, “Theme from Turnpike” und das finale “Suds & Soda”, das ausufernd und selbstverliebt nicht enden wollte.
Sonst alles wie gehabt, Tom Barman gab den Chef, die Lichtshow eher düster und klar. Auch in diesem einstündigen Festivalset wussten dEUS zu überzeugen.
Doch eine Frage bleibt: Warum durfte Keyboarder Klaas Janzoons aus der Banduniform der schwarzen Oberteile ausbrechen und ein blaues Karohemd tragen? Hat Tom Barman scheinbar einen Moment nicht aufgepasst…
Den Abschluss des ersten Tages besorgten die Editors. Sie haben sich mittlerweile eine grosse Fangemeinde erspielt, der Platz vor der Mainstage füllte sich bei den ersten Klängen erheblich. Da die Aussentemperaturen doch eher Herbst als Sommer signalisierten, wurde es so denn auch – nicht nur ums Herz – ein wenig wärmer.
Melt! Festival 18. - 20.07.2008Apropos Intro. Nein, nicht die Zeitschrift, sondern die ersten musikalischen Lockrufe einer Band. Sie müssen bei Festivals ausdauernder sein als bei regulären Konzerten. Wie soll man es sonst schaffen, vom Pommesstand zur Bühne zu gelangen ohne das erste Lied zu verpassen? Das ist nahezu unmöglich. Daher: Liebe Bands, spielt Intros wie Kirchenglockengeläut am Sonntag morgen vor dem Hochamt. Lang, laut und leicht nervig! Nur so haben wir die Chance, alles von euch zu sehen!
Wie bei dEUS liessen auch die Editors keine Wünsche offen. Neben den Reissern aus den beiden Alben “The back room” und “An end has a start” spielten sie auch zwei neue Stücke.
Gegen drei Uhr beendeten die Editors den ersten Festivaltag mit dem obligatorischen “Fingers in the factory”.
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Fotos: frank@ipernity
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Kate Nash – Köln, 06.12.2007

Wer kann schon von sich behaupten, bei den musikalisch gewordenen Sorgen, Nöten, Wünschen und Erlebnissen eines jungen Mädchens dabeisein zu dürfen. Mehrere hundert Menschen, meist im gleichen Alter wie die Protagonistin auf der Bühne, können die Frage mit ja beantworten. Kate Nash war gestern im Rahmen ihrer ersten Kontinent-Headlinertour zu Besuch in Köln, und das geplante Prime Club Konzert musste wegen reger Kartennachfrage in die Kantine verlegt werden. Die war folglich ausverkauft.
Kate Nash erzählt Geschichten aus der Vorstadt. Geschichten über Sommersprossen, betrunkene Teenager und unglücklichem Verliebtsein. Schön nachzulesen im Booklet der CD, und damit’s auch jeder versteht gibt es die deutsche Übersetzung – gesponsert von New Yorker, die sich dadurch sicherlich eine Steigerung des Röhrenjeans- und Haarreifumsatzes versprechen – gleich mit dazu. Man erfährt so einiges aus dem Kate Nash Kosmos. Da steht sowas wie:

“Mich so anzusehen, wie du noch keine andere angeschaut hast;
Erzähl mir bloss nicht, dass du nicht meinen Hintern abchecken wolltest;
Denn ich weiss, dass du es versucht hast, weil dein Freund mir erzählt hat, dass du ihn gutfandest.”
(Merry Happy – Froh glücklich).

So funktioniert sie, die Identifikation des Publikums mit Katie. Musikalisch ist es überdies noch hinreissend zuckersüsser Mädchen-Folk-Pop mit Attitüde. Strassenpoesie im nicht akzentfreien Nordlondoner Dialekt. Mike Skinner für Mädchen!
Die Kantine, irgendwo zwischen A57 und B9. Lange nicht mehr hier gewesen. Das letzte Mal vor sieben oder acht Jahren, damals noch in der alten Kantine. Die neue Kantine ist ein sehr angenehmer, guter Konzertort mittlerer Grösse. Ich war spät dran, der Saal rappelvoll. Draussen auf einer Bank lag bereits – von Sanitätern betreut – das erste Ohnmachtsopfer. Hysterie.
Drinnen dann noch mehr Mädchen. Doch die waren nicht alleine gekommen, einige hatten ihren Freund mitgebracht. Die fanden Kate Nash zwar gut, aber nicht überragend toll. Daher langweilten sie sich schnell und konnten gerade mit den nicht “Foundation”- affinen Stücken wenig anfangen. “Jetzt könnte sie mal wieder was schnelleres spielen, ich werd’ müde.” oder “Ist das auf der CD? Kenne ich gar nicht.” hörte man ab und an von links oder rechts. Und man konnte gut lauschen, denn der Sound von der Bühne war verhältnismässig leise. Unterhaltungen in normaler Lautstärke waren möglich, so dass die Nachbarschaft auch noch was davon hatte. Ob sie wollte oder nicht.
Vorne erzählte Kate Nash, das am Abend zuvor in München zum ersten Mal zu ihren Songs gecrowdsurft wurde. Prompt wurde ein Mädel beim nächsten Stück durch die vorderen Reihen getragen. Als Dank (Belohnung?) bekam sie von Kate ein Plastikblümchen aus der Bühnendeko geschenkt. Darüberhinaus gab es wenig spektakuläres. Kate Nash sass entweder hinter ihren Keyboards oder spielte Akkustikgitarre. Schlagzeuger, Bassist und Gitarrist verrichteten ihre Arbeit, hielten sich aber dezent im Hintergrund. Kate Nash KantineDas Bühnenbild bestand aus einem schicken Neonschriftzug vor einem roten, in der Mitte geteiltem Vorhang. Sehr schlicht, sehr dezent, aber 100%ig passend.
Das Konzert begann kurz nach zehn. Katie und Band mussten ja erst noch aus Bochum, wo sie bei der 1live Krone auftraten, nach Köln chauffiert werden. Zu Klängen des Musicals Der Zauberer von Oz kamen sie auf die Bühne. Ab jetzt galt: Voller Fokus auf die Hauptperson. Und die heisst Kate Nash. Wegen ihr sind alle hier, auf sie ist alles ausgerichtet. Nach einiger Zeit merkt man, wie sie sich mit dem Publikum identifiziert, oder das Publikum mit ihr. “Ich bin so wie du”, sieht man sie sagen. Oder: “Lasst uns zusammen einen schönen Abend haben. Ich bin deine Freundin.” Sie steht nicht aussen vor, sie ist mit dabei. Einziger Unterschied: Katie steht auf der Bühne und nicht vor der Bühne.
Es war ein typisches “erstes Album”- Konzert. Nach 80 Minuten war das Reportoire erschöpft und alles gesagt. Dem Publikum war’s egal, es freute sich, dass es Kate Nash live gesehen hatte und war entsprechend begeistert. Mir war es auch egal, denn es war ein durchwachsener Konzertabend ohne längere Gedächtnisverweildauer. Man brauchte nicht unbedingt mehr. Erwartungen wurden erfüllt, Klischees bedient.
Trotzdem war es kein schlechtes Konzert. Es war okay.

Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein. Möchtest du? Und bist du ein Mädchen zwischen 17 und 25 Jahre? Dann lasse dir die Haare in etwa schulterlang wachsen und entscheide dich für einen Seitenscheitel mit schräg von hinten nach vorn gekämmten Pony. Fertig.
Die Haarschnitts-Uniformitätsdichte war extrem hoch gestern abend. Aber es gibt schlimmeres, auch frisurentechnisch.
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Multimedia:
- Fotos: christoph | subtle sarcasm
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es läuft: Sarah Bettens – Scream-
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