Wieder eine dieser lustigen Zufallsgeschichten. Im Urlaub las ich eine Kurznotiz über eine Band Namens Condo Fuck und dachte mir nicht allzu viel dabei.
Daheim, nach dem Kuchenkauf beim Bächer um die Ecke noch kurz im Plattenladen vorbeigeschaut, sah ich die CD im Regal stehen. „This is not the new Yo La Tengo“ Album. Ein Aufkleber als Warnung oder Beruhigung pappte auf der Hülle.
Mmhh, las ich denn nicht in dem Artikel, dass die Condo Fucks irgendwas mit der amerikanischen Band aus Hoboken gemeinsam haben? Meine Neugierde war geweckt, und für 9 Euro die CD gekauft.
3 Tage später, ich sitze im Auto, höre ich die ersten Klänge.
Der Sound ist sehr Lo-Fi. Sehr, sehr Lo-Fi. 11 Songs beinhaltet „Fuckbook“, die Spieldauer ist 32 Minuten. Im Inlay des Albums lese ich, dass die Aufnahme 35 Minuten gedauert hat. Von 3:00 bis 3:35. Und so klingt es denn: roh, ungeschliffen. Heruntergespielt und gut. Nachbearbeitung? Wozu! Ist die Platte doch direkt in Matador’s „New improved full dimensional Stereo“ Sound aufgenommen. Klingt also eh’ super breitwandig.
Haha…
Die Songtitel sagen mir erst mal nichts, dennoch glaube ich, dass ein oder andere Lied zu kennen. Ich recherchiere ein bisschen und lerne, jeder Song ist eine Coverversion. Da die 60er und 70er Musikwelt für mich eher dunkel ist, kenne ich leider all die Slade („Gudbuy T’Jane“), Small Faces („Wat’cha gonna do about it“), Kinks („This is where i belong“) und Beach Boys (“Shut down”) Originale nicht. Einzig „With a girl like you“ von den Troggs war mir vertraut.
„Shut down“ muss es den Condos besonders angetan haben, es wurde gleich zweimal verbraten, einmal mit und einmal ohne Gesang.
Neben den bereits erwähnten wurden noch Songs von Electric Eels („Accident“), Richard Hell („The kid with the replaceable head“), Flamin’ Grooves („Dog meat“), Zantees(„So easy baby“) und Young Rascals („Come on up“) interpretiert.
Doch zurück zu den Condo Fucks.
Eine erste Erwähnung finden Condo Fucks in einem Werbeflyer, der dem 1997er Yo La Tengo Album „I can here the heart beating as one“ zugefügt ist. Der Flyer bewirbt einen fiktiven Plattenkatalog Matadors. Neben anderen Bands tauchen auch die Condo Fucks auf. „Punk Rock smashingly paraded as only New London’s bad boys can.“So wird über sie berichtet.
Im Inlay zu „Fuckbook“ werden weitere Alben der Band vorgestellt, die aber alle schon vergriffen sein sollen. Hier wird die spinnerte Idee einer richtigen Band konsequent umgesetzt. Ebenso im Internet, wie dieses Filmchen demonstriert. Eine erste Gegenbewegung New Londoner Bürger („wir haben unsere eigenen guten Bands“) gibt es auch schon. (Blog).
Das Condo Fucks zu einhundert Prozent Yo La Tengo sind, erkennt man spätestens, wenn man sich das Bandfoto anschaut und die Namen der Bandmitglieder liest: Kid Condo, Georgia Condo und James McNew.
Der Sprung zu Ira Kaplan, Georgia Hubley und James McNew ist nicht weit und gelingt im ersten Versuch.
So ist „Fuckbook“ für mich das zweite Coveralbum der Yo La Tengo Geschichte.
1994 erschien bereits Fakebook, ein Album voller Neuinterpretationen von Folk- und Singer-/ Songwritersongs (Cat Stevens, Gene Clark,..).
Was vor 15 Jahren eine eher ruhige Angelegenheit war, ist 2009 eine laute. Garage, Surfpunk, Rock; die Klassiker werden vollends in den Yo La Tengo Kosmos überführt. Gefangene machen sie dabei nicht. Entweder oder. Ein zurück, sprich eine zweite Aufnahmemöglichkeit, gibt es nicht. Schnoddrige Anzählerei, Verspieler und geplante ungeplante Rückkopplungen. Soundverzerrungen bis der Arzt kommt. Und „So easy Baby“ muß zweimal gestartet werden, bis der Song steht. Egal, ob das Aufnahmeband läuft.
Fuckbook ist kein „must-have“ Album, aber es ist toll, es zu besitzen!
Links:
Condo Fucks Homepage
Yo La Tengo Homepage
What’cha gonna do about it? bei YouTube