I am Kloot – Düsseldorf, 03.11.2010

Ort: zakk, Düsseldorf
Vorband: Agnes Obel

Pete Jobson ist Bassist in der Band I am Kloot. Auf dem Foto ist natürlich nicht Pete Jobson, aber im Düsseldorfer zakk habe ich ihn gesehen. Was lapidar dahergeschrieben ist und total bescheuert klingt, ist eine kleine Sensation.
Meine letzten I am Kloot Konzerte waren allesamt im Kölner Luxor, in einem der unübersichtlichsten Konzerträume, die ich kenne. Wenn man in diesem Schlauchsaal nicht in den ersten vier, fünf Reihen steht, sieht man nicht mehr allzu viel von der Bühne. Und wenn man dann noch das Pech hat, zu weit nach links abzudriften, dann versperrt einem zu allem Überfluss auch noch ein Boxenturm die Sicht.
Im Luxor habe ich Pete Jobson nie spielen gesehen. Nur gehört. Was auch daran liegt, dass er die gesamte Konzertdauer über sitzend den Bass bedient und somit für das Luxorpublikum nahezu unsichtbar wird.
Im zakk war das anders.
Die Bühne ist deutlich höher, auch breiter und keine Boxenaufbauten versperren einem die Sicht.
Im Gegenteil: Selbst das abblätternde Kolophonium am Cellobogen von Anne Ostsee war bei genauem hinsehen zu erkennen. Anne war in Düsseldorf eine Hälfte des Duos Agnes Obel, das gute vierzig Minuten lang im Vorprogramm spielte. Die Dänin Agnes Obel, die sich live immer mal eine Verstärkung dazuholt, die andere.
Sie spielten gut, mich jedoch hatten sie auf dem falschen Fuß erwischt. Ihre sanften und zarten Töne kamen nicht zu mir durch, ich langweilte mich nach kurzer Zeit und erhoffte insgeheim auf ein rasches Ende. Gehen wollte ich jedoch nicht, und da ich weder eine Raucherpause benötige noch mich am Merchandisestand rumdrucksen wollte, harrte ich vor der Bühne aus. Belohnt wurde ich mit einer tollen Coverversion des John Cale Songs „Close watch“ und dem Song Just so, den ich – so vermutete ich spontan – aus irgendeiner Werbung kenne. (Richtig vermutet, das Internet sagt: Die Telekom mal wieder). Es waren Agnes Obels stärkste Songs.
Dafür verpasste ich lustige Rauchergespräche, wie ich in der Umbaupause erfuhr. Ich weiß nicht, was das kleinere Übel war.

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I am Kloot – Köln, 28.03.2010

Das ist das England der verrauchten, diskussionsfreudigen und trinkfesten Pubs. Das ist eine richtige Pubband. Gitarre, egal ob die akustische oder nicht, Bass und Schlagzeug. Standardinstrumentalisierung. Unspektakuläre Songs, wunderschöne Melodien. Das sind I am Kloot.
Sie begeisterten mich mal wieder maßlos. Zum dritten oder vierten Mal sah ich nun schon die Band um John Bramwell, und jedes ihrer Konzerte war ein kleines Fest. Stimmungszauber in lachenden Gesichtern. Sie schaffen es einfach, quasi aus nichts, aus einer musikalischen Spärlichkeit heraus, eine Stimmung zu zaubern, die meinem Wohlfühlambiente sehr, sehr nahe kommt.
Diese Band aus Manchester, was nichts zu bedeuten hat, hat so unglaublich viele Hits. Ich zähl sie jetzt nicht alle auf. Was bleibt einem anderes übrig, als beim leicht und seicht verzerrten Bossanova und Rumba bekleideten „Morning rain“ dahinzuschmelzen, den Refrain von „Twist“ leise, mit leichten Lippenbewegungen, mitzusummen und bei der ersten Zugabe „To you“ nicht an einen netten Menschen zu denken. Nichts bleibt einem übrig, als genau das zu tun.
Das sehen nicht nur wir so, die wir uns schon seit einigen Tagen auf diesen Abend freuen. Wir sind restlos begeistert, das wir von einem „was gibt es für einen besseren“ Sonntagabend sprechen. Auch das Luxor sieht das so. Selten habe ich einen so lang anhaltenden Applaus am Ende eines Konzertes gehört. I am Kloot, die Band, die alle lieben. Zurecht!
Etwas überraschend kommen sie noch ein zweites Mal zurück. Bramwell singt solo eine Coverversion, abschließend kommen die anderen beiden, Schlagzeuger Andy Hargreaves und Bassist Pete Jobson dazu. „Life in a day“, ist der Song zum Finale. Schon wieder ein Hit!

Damit endet das Konzert, wie es begann. „From your favourite sky“ und „A strange arrangement of colour“ eröffneten den Abend. „From your favourite sky“ ist eines meiner I am Kloot Lieblinge. Ich hatte gehofft es heute zu hören. Nun bin ich schon direkt zu Beginn glücklich mit dem Konzert. Grandios! „Someone like you“, „Storm Warning“, nach einer guten halben Stunde kam ich vor wie in einem Best-of Set. Ich erlebte gerade mein erstes Konzert des Jahres. Grandioser!
Im Juni erscheint ihr neues Album, zwei, drei neue Songs hatten sie auch mit dabei. Dezent wurden sie in das Set eingebaut. Genau kann ich mich nicht mehr erinnern, aber qualitativ bleibt das I am Kloot Niveau hoch. Die neuen Songs fallen nicht ab und bestehen in diesem Hits! Hits! Hits! Set allemal.

I am Kloot sind ein Phänomen. Ihre Deutschlandtour umfasst vier Konzerte. Samstag spielten sie in Hamburg, zuvor in München und Berlin. Köln war die letzte Station in Deutschland. Ich schätze, dass in den anderen Städten ähnlich viele Leute zu ihren Konzerten gingen. Das Luxor war, wie schon bei den letzten Auftritten der drei, nahezu ausverkauft. Eigentlich merkwürdig, denn presserelevant ist I am Kloot so unterbewertet wie 30stm überbewertet werden. Ihre Konzerte wurden nicht sonderlich angekündigt, in A-, B- oder C-Blogs gab es nicht die üblichen Ankündigungszeremonien. Das gerade veröffentlichtes B-Seiten Album ging genauso unter wie ihre letzte Albumveröffentlichung „I Am Kloot Play Moolah Rouge“. Voll ist der laden trotzdem, alle sind da: Die, die immer da sind, wenn Livemusik gespielt wird genauso wie die Gelegenheitskonzertgänger. Das spricht für I am Kloot’s intakte Fankultur jenseits von Hypes. Trittbrettfahrer sieht man nicht, Gelegenheitsfans gibt es keine. Wer I am Kloot kennt, der mag sie und weiß um die Qualität der Konzerte. Wer die kleinen Artikel über die Band in den Musikzeitschriften überliest, hat selber schuld. Na ja, vielleicht erhalten die Manchesteraner im Vorfeld des neuen Albums die ihnen zustehende Aufmerksamkeit. Sie hätten sie mehr als verdient.
Vieles erinnert an ihren letzten Luxor Auftritt. Rechts das Mikrofon, links der Hocker, auf dem Bassist Pete Platz nehmen wird und während des gesamten Konzerts nicht mehr aufsteht. Im Hintergrund thront Andy Hargreaves, der häufig mit geschlossenen Augen die Band unterstützt.
Sehr sympathisch sind die drei. Bodenständig kommen sie rüber, wie Typen aus der Nachbarschaft. Familienväter, Kneipengänger, Kombifahrer. Dieses Unspektakuläre nehmen sie mit in ihre Songs. Sänger und Schreiber John Bramwell schwangt dabei zwischen Zynismus und Zärtlichkeit, Selbsthass und Alltagsbeobachtung. „It’s a song about drinking and desaster“ die Standardansage der letzten Konzertrunde schenkte er sich, das Publikum rief sie ihm jedoch förmlich in den Mund. „Well, you saw us the last time.“ Ja, wir wissen Bescheid.
Es war toll. Aber irgendwann endet auch der schönste Abend. Dieser war nach einer Stunde und 45 Minuten vorbei. Eigentlich lang genug, eigentlich viel zu kurz.

Morgen spielen I am Kloot im nicht weit entfernten Nijmegen.

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
I am Kloot – Köln, 24.10.2008
Elbow – Köln, 05.11.2008
The National – Köln, 27.11.2007

I am Kloot – Köln, 24.10.2008

Als das Luxor noch Prime Club hieß spielten I am Kloot schon mal hier. Das Konzert bleibt mir aus zweierlei Gründen in Erinnerung. Zum einen, weil ich mit einem derartig gefühlsbeladenem Konzertabend nicht gerechnet hatte und ich seitdem definitiv I am Kloot Fan bin, und weil da dieses Mädchen war, das – im sehr vollem Prime Club – direkt vor mir stand, und mit ihren längeren Haaren ständig mein Gesicht pinselte und mir tierisch auf die Nerven ging. Da das wohl noch nicht genug war, raunzte sie mich nachher noch an, ich hätte ruhig einen Schritt zurückgehen können um ihr nicht zu dicht auf die Pelle zu rücken. Das ich direkt vor dem Mischpult stand, hatte sie wohl übersehen…I am Kloot, Cologne 24.10.2008
Auch gestern Abend war das Luxor sehr gut gefüllt. Auch gestern Abend war es sehr gefühlsbeladen und sympathisch. I am Kloot sangen von menschlichen Katastrophen und anderen Desastern. Denn das können I am Kloot wie keine andere Band. All die üblen und runterziehenden Dinge eines Menschenlebens thematisieren und ausschlachten, bis man sich die Seele aus dem Leib gekotzt hat. „It’s a song about desaster“ kündigt John Bramwell ein ums andere Mal das nächste Lied an. „It’s a song about drinking and desaster.“
Dunkle Industriehäfen, abgewrackte Hotelzimmer oder karge Vororte. Und es ist immer Nacht, und es ist nie blauer Himmel. Bilder, die mir sofort in den Kopf schießen, wenn ich I am Kloot Songs höre. In ihrer Welt kommen wenig Menschen vor. „Turn the blue sky black.“
John Bramwells Stimme ist live noch dominanter und kaputter als auf digitalem Datenträger, der Sound noch einen Hauch rauer, roher und romantischer. Die Band trägt schwarz. Bassist Peter Jobson sieht aus wie Nick Cave. Wenn man ihn denn zu Gesicht bekommt, denn er hockt die ganze Zeit am Bühnenrand auf einem Stuhl und raucht eine Marlboro Light nach der anderen. Der Kopf ist gesenkt und so steigt der komplette Rauch in sein Gesicht. Ein Bild, das zu I am Kloot passt. Sie wollen keine Stars sein, sie wollen die Musik für sich sprechen lassen. Das die Band nicht zu verschroben rüberkommt liegt an den sehr charmanten Zwischentönen John Bramwells. Hier entdeckt man den ehemaligen Straßenmusiker, der sein Publikum anlocken und unterhalten muss, um Pennys zu ergattern. Jawohl, I am Kloot sind eine sehr sympathisch wirkende Band. Wahrscheinlich die sympathischste Band seit Pavement. Pete Doherty beschreibt ihn als den besten britischen Songschreiber der Gegenwart, und ich denke, der gute Pete hat recht. Twist, Storm warning, From your favourite sky, Morning rain, die Liste der wirklich guten Songs ließe sich (fast) unendlich fortsetzen. Hinter mir höre ich immer wieder jemanden sagen: „Das ist so gut! Das ist so gut! Die haben ja nur Hits! Die haben ja nur Hits!“.I am Kloot 24102008
Das gleiche denken auch all die Mädchen, die sich vor der Bühne drängeln und schwelgerisch die Songs mitsummen und mitsingen. I am Kloot sind sichtlich eine mädchen-affine Band. Songs wie To you oder „Someone like you“, die beide an diesem Abend gespielt wurden, sind einfach sowas von trunken und träumerisch, die muss man als Mädchen (und auch als Junge) einfach mögen.
Und so war das Luxor auch gut gefüllt, wenn nicht gar ausverkauft. Man könnte meinen, ein wenig überraschend, denn es gab nicht viel Aktionismus um das vor einem halben Jahr erschienene neue Album, und auch in den Medien gab es keinen großen I am Kloot Rummel. Aber, die Band aus Manchester hat es geschafft, sich in den letzten neun Jahren einen Fankreis zu erspielen, der ohne Promotionaktionen oder Airplay verschiedener Singles treu zur Band hält und ihnen bei Konzerten die Bude füllt. So erfährt diese Band dennoch ihren gerechten Ruhm. Denn, wenn die Welt gerecht wäre, dann dürfte nicht nur Amy MacDonald das Palladium füllen, sondern auch I am Kloot. Und ich wette, sie würden dort auch funktionieren.
„Für 1000 Euro, ein Bett für die Nacht und einen Easyjet Flugticket spielen wir an jedem Ort.“ So ähnlich zitierte vor einigen Wochen die Visions John Bramwell. Hoffentlich zahlt einer die Zeche, dachte ich sofort. Ich beteilige mich auch. Nach gestern muss ich sagen: Gott sei Dank bezahlte einer die Zeche. Ich hätte ansonsten einen wundervollen Abend nicht erleben dürfen.
“There’s blood on your legs, i love you. Da da da da da…”
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Multimedia:
Fotos: frank@ipernity
Setlist: konzerttagebuch.de
Video: From your favourite sky
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