
Dion‘s Stimme ist gewöhnungsbedürftig, auf Dauer anstrengend. Sie singt wie meine Schwester. Und wenn meine Schwester singt, ist das nicht schön. Sie kann nämlich keinen Ton halten, quakt und quält sich durch die Strophen. Mir geht es nicht besser, und auch Dion Lucas fällt das Halten der Tonlage schwer. Ihre Stimme leiert, pendelt zwischen den Tönen.
Das wirft zwangsläufig die Frage auf: Muss man gut singen können, um gute Musik zu machen? Schaden verursacht eine Ausbildung natürlich nicht, aber genauso wichtig ist der Wiedererkennungswert. Markant sollte eine Stimme sein, unverwechselbar der Gesang. Whitney Houston kann gut singen, sehr gut sogar, aber unterscheidet sie sich groß von Mariah Carey? Will sagen: Nico’s Gesang erkennt man sofort, und Soko’s I kill her blieb seinerzeit für einen Moment hängen, weil Frau Sokolinskis Gesang besonders ist. So wird ein Schuh draus.
Das Geschwisterduo Dion und Shem Luca sind Good Weather Girl. Während Dion die Gesangsparts übernimmt, begleitet sie Bruder Shem auf der Gitarre. Das ursprünglich auf rein akustische Klänge ausgerichtete Duo mutiert auf ihrem Debütalbum “Boon” zu einer kleinen Band mit Vollinstrumentalisierung. Schlagzeug, Bass, Gitarre, ab und zu hört man Streichinstrumente. Es ist das typische Indie-Anti-Folk-Folk Paket, das geschnürt wurde.
“Boon” hat tolle Lieder. Die Melodien stimmen, die Songs, größtenteils kurz und knackig unter zweieinhalb Minuten, klingen nach Samstagnachmittagen. Entspannt, unaufgeregt, ruhig. Und Dion‘s nicht-Gesang macht definitiv süchtig.
“I’ve never seen Paris” heißt einer ihrer Songs. Vielleicht schaffen Good Weather Girl es ja dieses Jahr. Es würde mich nicht wundern.
Good Weather Girl @ myspace