Esben and the witch – Köln, 22.02.2013

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Thought Forms

Esben and the witch

Action Mike gibt alles. Es ist bereits nach Mitternacht, als wir noch im Vorraum des Gebäude 9 herumstehen und versuchen, gegen die laute Musik des DJs anzureden. Der Raum hat sich geleert, und die wenigen, die es nach dem Esben and the witch Konzert noch nicht in die kalte Nacht getrieben hat, interessiert die Musik wenig. Einzig Charlie Romijn tanzt neben uns zur Dinosaur Jr. Version von „Just like heaven“. Soviel Elan versprühte sie Stunden zuvor auf der Bühne des G9 nicht. Es hätte auch nicht zu der Musik ihrer Band Thought Forms gepasst. Die machen eher eine Mischung aus Shoegaze und indisch-psychodelischen Post-Rock. Das klingt interessant, es war jedoch leider nicht Fisch und nicht Fleisch. So richtig überzeugen konnten mich die drei Briten also nicht, allerdings a) habe ich nicht – wie viele andere – während ihres Auftritts den Saal verlassen und allerdings b) erkannte ich sie als Vorband und nicht als Esben and the witch (was nicht jedem im Publikum gelang) und allerdings c) war es nicht so schlimm, wie ich zu Beginn des ersten Songs befürchtet hatte. Da kniete der Gitarrist Deej Dhariwal neben seinem Mikrofonständer und brüllte oder brummelte unverständliches ins Publikum, während Charlie Romijn mit ihrer rechten Hand indische Rasseln schlug. In den 80ern hätte man das als Hare-Krishna Zeugs abgetan, heute hat dieser Begriff nur noch wenig Existenzberechtigung (zumindest habe ich seit Kula Shaker nichts mehr über Hare Krishna gelesen oder gehört). Thought Forms‘ Bandaufstellung war klassisch, das Schlagzeug in der Mitte der Bühne wurde von den beiden Gesangsstimmen, die sich in und mit den Songs abwechselten, eingerahmt. Die drei wurden für mich immer dann gut, wenn sie die Lethargie etwas ablegten und sich in wilderen Gitarren austobten. Doch leider waren diese Momente selten, nicht jeder ihrer langen Songs endete in einem kleinen Inferno. Thought Forms waren nicht schlecht, aber sie rissen mich eben nicht vom Hocker und meine Füße im zugigen Gebäude 9 wurden nicht unbedingt warm. Oh Gott ja, es war kalt. Weiterlesen

Mono – Köln, 27.11.2012

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Dirk Serries’ Microphonics

Es ist einfach Postrock Musik.
Auf der Bühne steht kein einziges Mikrofon. Die beiden Gitarristen Takaakira Goto und Hideki Suematsu sitzen auf Drehhockern, der Schlagzeuger hat hinter sich eine riesige Metallscheibe stehen, auf die er ab und an schlägt und die Bassistin Tamaki Kunishi spielt bei drei neuen Songs Keyboard.
Das sind Mono.
Die japanische Band entdeckte dich eher zufällig vor ein paar Jahren. Ich glaube, es war so: ich hatte mal wieder ein paar Tage Langeweile und litt unter Konzertabstinenz als ich durch diese beiden Dinge getrieben, spontan ins Auto stieg um nach Dortmund ins FZW zu fahren. Dort sollten Mono an jenem Abend auftreten. Die Band kannte ich bis dato nur vom lesen, ich wusste: sie machen Postrock.
Da ich in dieser zeit sehr oft Mogwai und ähnliche Scheiben hörte, hielt ich meinen Ausflug ins Ruhrgebiet für nicht allzu gewagt. Postrock ist ja doch immer irgendwie gleich: lange Songs, viele Gitarren.
Bei Mono ist das nicht anders. Oder doch. Ich gebe zu, ich bin nicht so ganz fit in Sachen Postrock. Gefährliches Halbwissen ist das, was ich habe. Und so finde ich es immer wieder hoch interessant und unterhaltsam, wie unterschiedlich Postrockbands klingen können. Mogwai klingen komplett anders als Mono, Maybeshewill sehr different zu den erstgenannten. Diese Bands fallen mir spontan ein, wenn ich an Postrock denken muss. Mogwai, weil ich sie sehr mag (vielleicht sind sie die einzige Postrockband, die ich wirklich anhimmele), Maybeshewill weil ich sie erst letztens gesehen habe und Mono, weil sie mich faszinieren. Warum alle Bands mit ‘M‘ anfangen, ist mir allerdings schleierhaft.
Mono spielen instrumental. Ihre Songs bewegen sich meist jenseits der 10 Minuten Grenze. Das kann anstrengend werden. Gerade an einem Abend, der einen nervigen Tag nach sich zieht und einen abgehetzt und müde in den Konzertsaal schleift. Gelingt es dann nicht, sich auf die sehr strukturiert und durchdacht aufgebauten Songs einzulassen, wird es schwer. Ich glaube, mein Nachbar hatte einen solchen Tag. Bereits nach einer halben Stunde (drei Songs), wippte er von links nach rechts und schaute angestrengt. Man merkte, dass er zu kämpfen hatte. Er wurde hibbeliger, je mehr Zeit verstrich, ihm gelang es definitiv nicht so ganz, sich auf Mono einzulassen. Ich hatte weniger Probleme damit.
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Wild nothing – Köln, 25.11.2012

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Entertainment for the braindead

Ach die waren das.
Ich kann mir keine Namen merken und so kommt es, dass ich ähnlich klingende Bandnamen gerne durcheinander werfe. Bei den Wild nothing war ich mir lange Zeit sehr sicher, dass das die Band sein muss, die wir im Frühjahr nach vier Tagen Primavera völlig erschöpft Samstagnacht auf den Stufen zur drittgrößten Festivalbühne sitzend irgendwie wahrgenommen haben. Sie waren es aber nicht, das waren die Wild beasts. Und Wild nothing sind auch nicht die Band, die wir im Frühjahr in Köln verpasst hatten, das waren die Cloud nothings. Ich war mal wieder verwirrt (siehe Antlers – Crystal Antlers – Crystal Castles) und als ich am Sonntagnachmittag via Internet das letzte und aktuelle Album „Nocturne“ der Wild nothing hörte gar nicht mehr sicher, ob ich diese Band überhaupt kenne. Natürlich klingt „Nocturne“ vertraut, bekannt, schön. Aber das klingen viele Scheiben. Die Single „Paradise“ bestätigte mich jedoch sehr darin, mir die Band um Jack Tatum am Abend im Gebäude 9 anzusehen.
„Weisst du noch, die spielten vor den Stars.“ Aha, also so war das. Ich konnte mich kaum daran erinnern, aber es doch gut, wenn man sich auf das Gedächtnis eines Freundes verlassen kann. Bei den Stars also.
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Django Django – Köln, 17.11.2012

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Eaux

Für die einen sind es die Stone Roses, für die anderen die Beatles.
Als sich am Samstagabend nach getaner Arbeit die Frage stellte, ob es sich lohnen würde, spontan ins Gebäude 9 zu fahren um die britischen „Newcomer“ Django Django anzuschauen, war die Antwort nach zwei Songs via spotify schnell gefunden. Die klingen nach den Stone Roses, also ja!
Gut, was Freude und Anreiz für den einen sein kann, kann für den anderen wie eine Drohung klingen. An diesem Abend tat es das jedoch nicht und so ging es kurzentschlossen Richtung Gebäude 9. Ausverkauft würde es nie und nimmer sein, das es dann aber doch recht voll war, überraschte mich schon. Django Django laufen doch bei uns unter ganz ferner liefen. Naja,die erste Überraschung dann im Eingangsbereich, das Konzert schien sehr gut besucht zu werden.
Selten parkte ein größerer Bus vor dem Gebäude 9. Der Nightliner war nicht zu übersehen, er war von einer anderen Kategorie als die, die sonst hier parken. Das sind meistens Sprinter oder Kleinbusse. Scheinen ja groß zu sein, diese Django Django, dachte ich im vorbeigehen. Beim Bühnenaufbau bestätigte sich dieser Eindruck. Eine große Videoleinwand im Rücken (die Projektionen funktionierten jedoch leider nicht so ganz), das Tonpult hinten rechts auf der Bühne (hatte ich hier noch nie so erlebt) und gefühlte 10 Roadies kümmerten sich um Instrumente und Handtücher. Großes Programm bereits im Vorfeld.
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I like trains – Köln, 29.10.2012

Ort: Gebäude 9, Köln
Vorband: Der Rest

I like trains kenne ich. Ein bisschen. Vor knapp zwei Jahren besuchte ich ihr Konzert an gleicher Stelle und war sehr angetan. Das war 2010 und ihr Album „He who saw the deep“ war just erschienen. Ich hörte es sehr oft und Songs wie „Progress is a snake“ oder „Broken bones“ brannten sich in mein Gedächtnis. Damals fand ich das alles passend, die Musik, die Jahreszeit, das Wetter. Also mollige gitarrenlastige Melancholie, Winter, nasse Kälte.
Zwei Jahre später sind die Eingangsparameter nahezu identisch. I like trains haben derweil ein drittes Album veröffentlicht und letzte Woche erinnerte ich mich an die Band und ihr wohliges Konzert. Mit Paul Cezanne beschloss ich seinerzeit den Abend, sein Satz “I think, everything is lost.” kam mir damals sehr passend als eine ein-Satz Zusammenfassung vor.
„Everything is lost.“ Das passt irgendwie immer. Aber „es ist erst das Ende, wenn es gut ist“ auch. Und da New York nach jetzigem Stand der Dinge nicht untergehen wird (allerdings der tolle Atlantic City Boardwalk teilweise verschwunden ist), ist nichts verloren. Weder hier noch drüben, und erst recht nicht gestern Abend im Gebäude 9.
I like trains. Es war ein gutes Konzert, überraschenderweise kannte ich viele der gespielten Songs. Das bedeutet, zum Leidwesen meines Konzertfreundes, der die dunkle Seite der Band sehr zu schätzen weiß, dass die Nordengländer viele Songs ihres vermeintlich schwächsten zweiten Albums gespielt haben. So waren ein Drittel der Setlist von „We saw the deep“, zugespitzt in der einzigen Zugabe des Abends, „Sea of regrets“, dieses wundervoll getragene poppige Etwas.
Wie schon knapp zwei Jahre zuvor hatte ich auf dem Nachhauseweg das gute Gefühl, in I like trains eine Band gefunden zu haben, zu deren Konzerten man gefahrenlos gehen kann. Mögen ihre bisherigen Alben auch musikalisch indifferent und sehr unterschiedlich sein, live schafft es die Band, einen roten Faden zu spinnen, der die unterschiedlichen Ausrichtungen sehr gut in der Reihe hält und Brüche oder komische Momente überhaupt nicht erst aufkommen lässt.
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