BootBooHook Festival – Hannover, 25.08.2012

Ort: Eine Wiese auf dem / am ehemaligen Expogelände neben IKEA
Bands: French Films, Gravenhurst, Fehlfarben, Superpunk, We have band, The hundred in the hands

„Es ist so richtiges Erkältungswetter“ sagte ich noch Freitagnachmittag, als sich Sonne und 20 Grad mit zugigen Windböen und bedecktem Himmel abwechselten. Ich hätte es nun wirklich nicht beschreien sollen, der Samstagmorgen zeigte es mir sehr deutlich. Neben dem obligatorischen Hang-over eines anstrengenden Tages und eines langen Abends merkte ich deutlich eine schniefende Nase und diese untrügliche, aufkommende Mattheit.
Aber ein ausgiebiges Frühstück brachte verbrauchte Energien zurück. Festivals mit Hotelanbindung sind was Feines und für mich als fourty-plus ein wichtiges Kriterium bei der Open Air Auswahl. Das muss wohl mit meinem elenden Heuschnupfen zusammenhängen, der mich früher alle sommertagelang quälte und den ich erst vor drei Jahren gut in den Griff bekam. Evan Dando sagte einst „i lied about being the outdoor type.“ Ich unterschreibe das.
Gegen 12 Uhr war ich bereit für den zweiten Festivaltag. Da dieser erst zwei Stunden später beginnen sollte, blieb Zeit, die Schönheiten des Hannoveraner Stadtteils Latzen zu erkunden. Gehässig könnte ich anmerken, dass dies schnell erledigt war, weil es in diesem messenahen Ortsteil außer vierspurigen Straßen und Hotels nicht viel zu sehen gab. Aber auch mehrstöckige Wohngebäude im Waschbetonstil der 70er haben ihren Charme. Das Einkaufcenter glänzt zwar mit eindimensionaler Küche (drei Asiaten) aber ansonsten mit allem notwendigen, was ein Vorstädter so braucht. Nach dieser kleinen Ortsbesichtigung ging es dann bei immer noch ungemütlich windigem aber trockenem Wetter zurück zum Festivalgelände.
Die jungen Männer von French Films sollten den Nachmittag eröffnen. Mit so einer Band macht ein Festivalveranstalter nichts falsch. Früh versprühte ihr Charme aus Cure Gitarren und Interpolesang gute Laune unter den kaffeetrinkenden Besuchern. Das war sehr tanzbar und klang trotz der Wohlvertrautheit von Gesang und Gitarren keineswegs langweilig. French Films ist eine dieser Bands, die auf einem Festival am Nachmittag sehr gut funktionieren. Ob das ganze über den Festivaltag anhält wird man sehen, ich denke aber dass die noch sehr jungen Finnen sich berechtigte Hoffnungen machen können. „Imaginary future“ ihr letztjährig veröffentlichtes Debütalbum hört sich zumindest für mich am Tag danach noch immer sehr gut an.
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BootBooHook Festival – Hannover, 24.08.2012

Ort: Eine Wiese auf dem / am ehemaligen Expogelände neben IKEA
Bands: Locas in love, Like a stuntman, To Rococo Rot, Palais Schaumburg, Japandroids, Of Montreal, Tocotronic

Das gibt es tatsächlich noch! Ein mittelgroßes deutsches Indiefestival ohne die beiden musikalischen Vorzeigeathleten Get well soon und The Notwist. Nun gut, ich bin nicht der Dauerfestivalgast, für mich gibt es keine Festivalsaison, für mich gibt es zwei, drei Festivals pro Sommer, aber in den letzten Jahren hiess es tatsächlich, kein deutsches Festival ohne eine der beiden Bands. Egal ob das Juicy Beats vor einem und vor zwei Jahren, das Maifeld Derby, das diesjährige Lüften Festival oder das tolle, bald stattfindende New fall Festival, eine der beiden Bands kamen uns immer unter.
Beim diesjährigen BootBooHook in Hannover wird mit dieser Tradition gebrochen. Dass Get well soon letztes Jahr hier spielten und The Notwist im Jahr davor ist schön zu wissen. Wo diese beiden Bands spielen, kann kein schlechtes Open Air sein, so meine schon lange gezogene Schlussfolgerung. Dass das 2012er BBH aber locker ohne die beiden auskommen kann zeigt allein der Freitag: Locas in love, Like a stuntman, die Japandroids, of Montreal und Tocotronic. Für unsere Favoriten reicht so gerade eine Hand, und dann sind da ja noch Palais Schaumburg und To Rococo Rot. An den übrigen Tagen sieht das nicht anders aus. Das ist jedoch nicht sonderlich verwunderlich, wenn man liest, dass die Menschen von Tapete Records mit viel Fachverstand und Musikgespür über das BootBooHook Festival wachen.
Egal, der Freitag sollte den ersten Schwung an Bands bringen, wegen denen wir uns nach Hannover aufmachten. Japandroids, ja! Of Montreal, ja! Tocotronic, kann man mitnehmen. Am Samstag kamen dann noch Whitest Boy Alive und We have Band dazu, so dass aus einem Tagesausflug planerisch schnell ein 2-Tagesausflug gemacht wurde. Als wir uns dann die Ticketpreise und die Übernachtungsmöglichkeiten im Messeviertel der Landeshauptstadt ansahen, war uns auch das nicht genug. Nein, wir nahmen das volle Programm und wenn es Erklärungsrechtfertigungen benötigte, dann diese: ein drei Tagesticket kostet genauso viel wie zwei Ein-Tagestickets. Und am Sonntag spielen ja noch Ja, Panik, eine der unbedingt sehenswerten Bands. Als sich dann herausstellte, dass die Luxusabsteige in knappen 800 Metern Festivalentfernung auch nicht das kostet, was sie kosten könnte oder gar musste, wurde aus einem Festival-Freitag ein komplettes Festivalwochenende. Wenn schon, denn schon. 3 Tage Hannover also.
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Lüften! Festival – Frankfurt, 22.06.2012

Ort: rund um und in der Jahrhunderthalle, Frankfurt
Bands: Air Bag One, Get well soon, The Notwist, Ja, Panik, Breton, The Shins, The whitest boy alive

Wenn dieser Freitag ein Radiosender wäre, würde er mit dem Slogan “und das beste aus dem Indie Deutschlands, Österreichs und den USA sowie den grössten Newcommern unserer Tage” werben.
Dieser Freitag ist aber kein Radiosender, sondern der erste Tag des Frankfurter Lüften! Mouson Arts & Music Festivals 2012. So die offizielle Langform.
Was die Macher hier und heute zusammengetragen haben, kann sich sehen und hören lassen: die besten deutschen Bands (Get well soon, The Notwist), die Band mit dem wichtigsten “deutschsprachigem” Album des letzten Jahres (Ja, Panik), meine neueste Lieblingsband (The whitest boy alive), meine allerneueste Lieblingband (Breton) und die neuen Phoenix (Air Bag One). Mehr Programm liesse sich in einen Abend nicht packen, Zeit zum verschnaufen und / oder um sich all die andere Kunst auf dem Gelände der Jahrhunderthalle anzuschauen blieb kaum.
Mir fehlen die Worte. Aber was soll ich auch schreiben? Get well soon und The Notwist sind hinlänglich bekannt und jedes ihrere Konzerte eine Ohr- und Augenweide; Breton und Air Bag One hatte ich auch schon vorgetellt. Bleiben nur Ja, Panik und die Shins. Zu Ja, Panik fallen mir spontan zwei Sätze ein: Es war ein langerwartetes Konzert, dessen Ankündigung letztendlich den Ausschlag gab, nach Frankfurt zu fahren. Und es war grossartig.
Über die Shins schrieb ich im April 2004, nachdem ich sie als Hauptband nach Preston School of Industries im Gebäude 9 gesehen hatte, folgendes:

“The Shins” überraschten mich durchaus im positiven Sinn. Ihr Musikstil ist nicht wirklich einordbar, mit keiner anderen dezeitigen Band vergleichbar. Am Abend fielen mir spontan die Beach Boys und Lemonheads ein, die man als stärkere Vorbilder eindeutig heraushört. Mmmhhh, welche Band bezieht sich eigentlich nicht auf die Erstgenannte der beiden Genannten? Na egal, ob es zu einem CD Kauf reicht, vermag ich im Moment noch nicht entgültig zu sagen. Ich bleib aber dran, an “The Shins”.
Zusatz: Ich glaube nicht, dass “The Shins” so richtig gross werden. Ihnen, und wohl leider auch PSoI wird das gleiche widerfahren wie “Built to spill” oder “Guided by Voices”. Grossartig, aber immer underground.
Fazit des Abends: Ohne Glamour gehts auch!

Ich habe keine Ahnung von Musik.

Multimedia:
Fotos: flickr
Video: Ja, Panik – Suicide
Video: Breton – December

Primavera Sound Festival – Barcelona, 31.05.2012

Ort: Parc del Forum, Barcelona
Bands: Friends, Archers of loaf, Mudhoney, Kleenex girl wonder, The xx, Franz Ferdinand, Japandroids

Dreimal ist Tradition. So oder so ähnlich sagt man doch, oder?! Zum dritten Mal besuchten wir dieses Jahr das Primavera Sound Festival, zum dritten Mal verließen wir nach vier Tagen Musik mächtig beeindruckt Barcelona. Auch wenn es dieses Jahr kein großes P zu bestaunen gab (das 2010 P, das 2011 P), dieses Festival auszulassen stand selten zur Diskussion. Als dann gegen Ende des letzten Jahres The Cure als eine der großen Bands bestätigt wurde, waren alle Argumente hinfällig. Wem von uns bis dahin noch ein „ach ich weiss nicht“ in den Sinn kam, der wurde mit „und Saint Etienne“ überrumpelt. Saint Etienne bereiteten uns bei den Reiseplanungen die größten Kopfschmerzen. Ihr Konzert war am Tag vor des eigentlichen Festivals in einem Park in Barcelona angesetzt worden, ein Flug früh am Mittwochmorgen war das Übel, das wir eingehen mussten um die britische Ausnahmeband am Abend nicht zu verpassen. Flugpläne von Billigairlines sind ein Graus, aber ihre Flüge bei geschickter Buchung eben auch günstig. Es blieb die einzige Reiseschwierigkeit, das Hotel in geeigneter Nachtspaziergangnähe zum Festivalgelände war unproblematisch aufzutreiben. Dass dann Saint Etienne aufgrund des kurzzeitigen Ausfalls von Björk erst am Samstagabend spielen sollten, geschenkt, so war uns das Konzert von The Wedding Present, die ebenfalls am Mittwochabend am Arc de Triomf auftraten, sicher.
Mein erster Festivalabend begann mit Friends. Die Band aus New York war gegen 19 Uhr unser anvisiertes Einstiegskonzert in das Festival. Aus irgendwelchen Gründen wollte ich mir im Frühjahr ihren Auftritt in Köln angeschaut haben, habe es dann aber verpasst. Nun bot Barcelona die Gelegenheit, dieses nachzuholen. Nach guten 20 Minuten hatte ich jedoch genug gesehen, viele weltmusikähnlichen Klänge vertrieben mich zügig von der zweitgrößten Festivalbühne.
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Rolling Stone Weekender – Weissenhäuser Strand, 11.11.2011

Ort: Feriendorf Weissenhäuser Strand, Ostsee
Bands: The Notwist, Portugal.the man, Lanterns on the lake, Wilco

Wenn gut ausgestattete Mittelklassewagen die Parkplätze und Zufahrtswege des Ostseeferienparadieses Weissenhäuser Strand besiedeln, wenn situierte Männer in schwarzen Outdoorjacken den Strand bewandern, wenn auf den Balkonen der unzähligen Appartements Becks- Bierkästen, Weinflaschen und Gläser stehen, wenn sich morgens um halb zwölf eine unendliche Schlange um die Bäckerei des EDEKA Marktes rekelt und wenn mitten auf dem Platz ein ca. 1000 Zirkuszelt aufgebaut ist, dann muss etwas Besonderes sein. Erst recht, wenn es Anfang November ist und wenn sich all das in einem rustikal, vor 70er Jahre Charme sprühenden Ferienpark (neudeutsch Center-Park) abspielt.
Und wie die letzten zwei Jahre so auch in diesem: Der Rolling Stone hatte zu seinem herbstlichen Festival geladen („das Indoor-Komfort-Festival“) und die Zielgruppe ist vor Ort.
Sorgsam und passend ausgewählt spielen die Bands in den vier Konzertsälen: Elbow und Wilco, die täglichen Headliner, The Notwist, Death Cab for cutie, Cake, Archive und Nada Surf, sowie die Howling Bells, Lanterns on the lake, Thees Uhlmann, An Horse und Portugal.the man waren vor Ort, um die mir wichtig erscheinenden zu nennen.
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Juicy Beats – Dortmund, 30.07.2011

Ort: Westfalenpark, Dortmund
Bands: The Thermals, The Notwist, Bonaparte, Gisbert zu Knyphausen

The Notwist - Juicy Beats 2011

Immer wenn Markus Acher seine Brille abnahm und sie zu seinem Kleinspielzeug neben die Turntables legte, begannen die sehr guten Phasen der Notwist Songs.

The Notwist - Juicy Beats 2011

“Gloomy Planet” war ein Kraftakt. Erst mussten sie das Stück abbrechen und neu beginnen (was nicht dramatisch ist) um im zweiten Anlauf erneut festzustellen, hier stimmen Schlagzeug und der Notwist-Rest nicht überein. Aber sie gaben sich keine weitere Blöße, spielten die Grundmelodie weiter bis Markus Acher irgendwann im Refraingesang für alle nachvollziehbar die Kurve kriegte.

The Thermals - Juicy Beats 2011

Die Thermals sahen wir kurz. Die Schlange am Eingang zum 16. Juicy Beats hatte uns doch länger aufgehalten als geplant. Aber nix verpasst, ich empfinde die amerikanische Band aus Portland um Kathy Foster , Hutch Harris und Westin Glass als für mich nicht so bedeutend.

Bonaparte - Juicy Beats 2011

Bonaparte. Naja, lieferten wie erwartend eine gute Show. Nur leider gilt hier: Zuviel ist zu viel und so wurde mir ihr Auftritt auf Dauer etwas zu anstrengend und zu übertrieben. Ich denke auch, dass sie mit ihrer Bühnenperformance zu sehr von ihren guten Songs ablenken. „Computer in love“, das Stück, das mir am stärksten hängen blieb, ging vor lauter Tanz und Skulpturengehabe beinahe unter. Ich als nicht Bonaparte- Kenner fühlte mich überfordert.
Fazit: Ein zu abgedrehter Bühnenzirkus.

Gisbert zu Knyphausen - Juicy Beats 2011

Ach ja, der Gisbert. Nett und charmant und auf gar keinen Fall in einen Topf mit all den wehklagenden jungen Männern (Poisel, Bendzko, Bourani) zu werfen.
Ruhige Klänge zum Abschluss der Bühnenprogramme auf dem Juicy Beats. Mir nicht unangenehm.

Gisbert zu Knyphausen - Juicy Beats 2011

Gisbert zu Knyphausen, Frenzy Suhr (Bass), Jens Fricke (Gitarre), Gunnar Ennen (Tasten und Gitarre), Sebastian Deufel (Schlagzeug)

Multimedia:
Fotos: frank@flickr

Kontextkonzerte:
Juicy Beats 2010 – Die Sterne
Juicy Beats 2010 – Tocotronic
Juicy Beats 2010 – Hundreds
The Notwist – Köln, 14.08.2009
The Notwist – Köln, 14.04.2009

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