Eine Geschichte aus dem Leben.
Naivität ist meine größte Schwachstelle. Zu oft glaube ich, dass Menschen generell so handeln, wie ich in bestimmten Situationen handeln würde. Sehr oft wurde ich belehrt, dass dies nicht so ist. Trotzdem, das Denken an den guten Menschen lässt mich diese Enttäuschungen vergessen und mich – ohne groß darüber nachzudenken – zu Handlungen hinreißen wie dieser:
Im April musste es schnell gehen. Die lange vorher gekaufte Konzertkarte für das K’s Choice Konzert in der Kölner Kulturkirche wollte ich nicht unnütz verfallen lasen. Da mir ein Termin einen Strich durch die Besuchsrechnung gemacht hatte, dachte ich, ein Verkauf wäre die ideale Lösung. Ich könnte jemanden anderes glücklich machen, in dem ich ihm ein Ticket für ein ausverkauftes Konzert überlasse, und ich selbst könnte so den Kartenpreis wieder hereinwirtschaften. Ein lohnenswerter Deal für zwei Leute, wie er tausendmal gemacht wird. Mehr als den Originalpreis wollte ich nicht verlangen. Schon kurz, nachdem ich eine Anfrage über last-fm gestartet hatte, meldete sich Frau Schmitz*. Nach kurzem Mail hin und her entschied ich, die Karte für glatte 30 Euro abzugeben. Da die Zeit voranschritt und ich sichergehen wollte, dass das Ticket rechtzeitig bei der neuen Besatzerin ankommt, verschickte ich es umgehend per Post. Der Betrag, so dachte ich, mein Gott, wird dann schon überwiesen. Warum auch nicht?
Genau, warum denn nicht …
An diesem Punkt – denn natürlich ist der Fortgang der Geschichte sehr vorhersehbar – denkt bestimmt der ein oder andere: Schön blöd, selber schuld. Und ich sage: Stimmt. Wie erwähnt: Gutgläubigkeit ist meine große Schwachstelle.
Ich warte immer noch auf die Überweisung, aber vielleicht ist ja auch was dazwischengekommen. Mittlerweile aber habe ich einen Gegenvorschlag: Du lädst mich zum nächsten Kölner K’s Choice Konzert ein.
Ach, so was ist ärgerlich und im höchsten Maß unsportlich. Leider werden die Leidtragenden Mal wieder andere sein, denn natürlich werde ich jetzt nicht mehr auf diese Art Tickets weiterreichen. Aber so ist es ja immer. Und, nun ja, einige Menschen denken halt nur bis zur eigenen Wohnungswand.
Leider ist es nicht die erste unsportliche Aktion, die ich im Rahmen von K’s Choice Konzerten beobachten konnte. Ich weigere mich aber zu glauben, dass dies kein Zufall ist.
Everything’s for free
* im Kölner Telefonbuch gibt es über 1700 Einträge zum Namen Schmitz, so las letztens in der Zeitung. Namensübereinstimmungen können rein zufällig sein.