Detroit7

Wenn man Musik von japanischen Bands hört, hat man oft das Gefühl, dass die Musikkultur in Japan hinterher hinkt. Sobald eine japanische Band keinen Quietsche-Pop machen möchte, was hoch anzurechnen ist, werden westliche Muster mehr oder weniger übernommen. Es scheint so, als ob japanische Bands noch in der Phase der Aufarbeitung westlicher Stile sind, und wenig bereit, eigene Ideen umzusetzen. Ist das der Karaoke-Effekt? Macht es einfach zu viel Spaß, fremde Sachen nachzusingen oder westliche Stile zu kopieren?
Oder kennt man von japanischer Pop-Musik einfach nur das, was nach Europa oder in die USA hinübergerutscht ist, und das klingt eben wie westliche Musik, weil die Produzenten dem europäischen Konsumenten keine Experimente zutrauen?
Viele Fragen, die ich mir beim hören des neuen Detroit7 Albums „Black & White“ stelle.
Detroit7 gehört in die Rubrik Garagenrock auf der einen, und Riot Grrrl auf der anderen Seite. Die Riot Grrrl “Bewegung”, darunter fasste man die rockigen Frauenbands Anfang der 90er: Hole, L7, Babes in Toyland. Das ist nicht gerade die angesagte Musik des beginnenden Jahrzehnts. Garagenrock noch weniger. Kaum jemand will das hören, niemand möchte sich mit diesem alten Zopf. Garagenrock klingt staubig, klingt wie nach einer längst vergangenen Zeit, in der Bands in kleinen, nach Schweiß riechenden Klubs wilde Konzerte geben. Das Bild von Iggy Pop mit nacktem Oberkörper und verschwitzten Haaren kommt mir dann immer in den Sinn. Und von Iggy Pop bis zu “Louie, Louie” ist es kein weiter Weg. Wieso Louie, Louie? Nun, genau wie Iggy Pop 1991 covern Detroit7 diesen Song.
Detroit7 sind Sängerin und Gitarristin Tomomi Nabana, Schlagzeugerin Miyoko Yamaguchi und Bassist Nobuaki Kotajima. Frauenüberschuss. Gegründet haben sie sich 2001 in Tokio. Neun Alben hat die Band seither produziert. Eine stattliche Anzahl, wie ich finde, und wenn man noch die EPs hinzuzählt, kommt man auf einen Output von 12 Veröffentlichungen in knapp 9 Jahren.
Klischeemäßig steht Detroit7 der wilde, raue Rock der Spätsiebziger gut.
Musikalisch irgendwo in der Schnittmenge zwischen MC5, den Ramones und den Stooges, stilistisch und optisch sehr modern und zeitgemäß. Das Albumcover ist ein Traum und blättert man die Fotos im Booklet durch, dann erblickt man gut gekleidete junge Menschen. Ja, so müssen japanische Bands sein.
Revolution Girl Style Now!

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