Kommt bald – New Fall Festival

Nein so ein Zufall! Beim wochenendlichen recherchieren über den Konzertherbst 2012 stolpere ich über eine interessante Konzertansetzung. Im Rahmen des New Fall Festivals in Düsseldorf kommt es zu einer mir sehr bekannten Konzertkonstellation: Get well soon und Dear Reader teilen sich eine Bühne. Vor dreieinhalb Jahren sah ich beide Bands schon einmal nacheinander eine Konzertbühne betreten, es war im niederländischen Nijmegen und einer meiner ersten Konzertausflüge ins Nachbarland.
Was sollte also dagegen sprechen, im Oktober den direkten Vergleich zu vorgestern zu suchen? Nichts! ich bin da!
Wo? New Fall Festival – 04. Oktober, Robert Schumann Saal, Düsseldorf. Get well soon und Dear Reader.

Man sieht sich immer zweimal.

Berlin Festival 2009 – Tempelhof, 07.08.2009

Der Freitag stand ganz im Zeichen der britischen Saint Etienne. Als ich vor einigen Wochen hörte, dass die beste und meistunterschätzte englische Band der letzten 15 Jahre ihre Zusage für das Festival gegeben hat, war klar, da muss ich hin. Zu selten hat man die Gelegenheit, die drei Musiker live zu sehen und so gilt es, jede Chance gnadenlos zu nutzen.
Um es vorweg zunehmen und die Chronologie zu durchbrechen, Saint Etienne haben nicht enttäuscht und waren ähnlich souverän wie seinerzeit beim Monsters of Spex, ihrem letzten Deutschlandauftritt vor einigen Jahren.
Fox Base Alpha, ihr 1991er Debütalbum bildete im Mai diesen Jahres das Grundgerüst für einige Auftritte in England, bei denen Saint Etienne das komplette Album spielten.
In Tempelhof war ihre Mischung ausgewogener, zu Fox Base Alpha Klassikern wie „Only love can break your heart“, „Girl VII“ oder „Nothing can stop us“ gesellten sich die wunderbaren „Heart failed“, „Good thing“ (mit „You probably know that from the Spanish Film Volver“, wurde der Song angekündigt) und ein Abschlussdreier, der seines Gleichen sucht (und wohl nicht findet!): „Like a motorway“, „Sylvie“, He is on the phone“. Mehr geht nicht.
Diese Band ist erstaunlich. Zwei kleine Keyboardtürmchen stehen mittig auf der Bühne. Davor, fast am Bühnenrand, ein Mikrofonständer. Das ist der Platz von Sängerin Sarah Cracknell. Neben Kim Gordon und Beth Gibbons ist sie die dritte Grand Dame des ausgehenden letzten Jahrtausends. Divenhaft und souverän swingt sie sich durch die Beats. Die kommen von Bob Stanley und Pete Wiggs, die sich hinter ihren Soundmaschinen positioniert haben.
Am Ende des Sets landete Sarah Cracknells Federboa im Publikum. Das gute Stück wurde gerecht geteilt. Saint Etienne waren das erhoffte Highlight. Doch bevor es soweit war, galt es, anderen Bands zuzujubeln.

Dear Reader zum Beispiel. Die Südafrikaner waren das erste, was wir an diesem Freitag hörten. Ich hatte die Band dieses Jahr schon zweimal live erleben dürfen und somit war meine Neugierde nicht ganz so gut. Die Konzerterinnerungen aus Köln und Nijmegen waren noch zu präsent und darüber hinaus hatte ich mich vorher schon darauf festgelegt, dass die große Festivalbühne nicht zur Dear Reader Musik passt. Überrascht war ich ob des großen Zuschaueranspruchs. Waren zu Beginn des knapp 45 minütigen Sets die Menschenmassen noch überschaubar, so füllte sich die Halle doch recht ordentlich und mehrere Hundert lauschten den Klängen um Cherilyn MacNeil, Darryl Torr und Michael Wright. Ach ja, die Violistin aus Köln war auch wieder mit dabei und jemand mit Insiderwissen erzählte mir, dass sie jetzt festes Dear Reader Mitglied sei.
Nach „Heavy“, ihrem dritten oder vierten Song verließen wir daher den Hangar und schlenderten hinüber zur Second Stage. Hier spielten Telepathe. Auf die beiden Mädchen war ich schon gespannter, sie wollte ich mir unbedingt anhören. Anfang des Jahres erschien ihr Debüt „Dance Mother“, und nicht nur im Kölner Stadtanzeiger gab es eine vielversprechende Plattenrezession. Mein Interesse wurde also schon frühzeitig geweckt. Telepathe sind Melissa Livaudais und Busy Gangnes aus New York. Klar, woher auch sonst, zu ihren avantgardistischen Club-Pop-Dance-Techno-Sound passt nur diese Stadt. Und Telepathe passten mit ihrem Sound punktgenau in das Berlin Festival. Irgendetwas ließ mich noch aufdem Heimweg zum Hotel denken, gut, dass ich Telepathe gesehen habe.
Zurück an der Hauptbühne. These New Puritans. Ehrlich gesagt habe ich nach zwei Tagen Festival keine großen Erinnerungen mehr an die Band aus Southend. Das ist wohl kein gutes Zeichen.

These New Puritans - Berlin Tempelhof, 07.08.2009

Und dann kam Peter. Ich glaube er nennt sich jetzt lieber Peter als Pete, aber das nur als Nebensächlichkeit. Ich bleib mal bei Peter. Peter Doherty war pünktlich. Er hatte zwei Tänzerinnen dabei, und eine Gitarre, und seinen Hut, und – ach scheiß Klischeeverwirklichung – er hatte Alkohol im Blut. Ich vermute dies, weil sein leicht schwankender Gang darauf hindeutete. Aber er war da, und der Hangar zum ersten Mal voll. Also mit Leuten, nicht ähh, na ja.
Peter Doherty schnallte sich also seine Gitarre um, und spielte los. Songs von seinem Soloalbum, den Babyshambles und den Libertines. Warum nur wollen so viele Peter Doherty sehen? Was hat der Mann außer seinen Skandalen und einer begnadet tollen Stimme? Ich kam nicht hinter das Geheimnis, und nach einer guten halben Stunde hatte ich genug gesehen und gehört. Genug Musik für heute, aber morgen ist ja noch ein schöner Tag.

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Fotos: frank@flickr

Dear Reader – Köln, 18.04.2009

Der Abend war meinerseits sehr spontan. Das Angebot, zum Konzert des südafrikanischen (neuerdings) Quartettes mitzukommen, stand schon länger, doch so richtig entschieden hatte ich mich erst am Freitag.
Die richtige Wahl, denn der Abend in gemütlicher Runde entwickelte sich zu einem kleinen Konzerthighlight.
Dear Reader, der Hype des Feulletions zu Beginn des Jahres, ging voll an mir vorbei. Weder das Album, noch ihr Kölner Konzert im Museum Ludwig vor einigen Wochen habe ich beachtet. Im nachhinein war das sträflich, denn Dear Reader verdienen all die wohlwollende Presse und den Status als „Kritikerlieblinge“.
Das wurde mir nach dreißig Sekunden des Openers “Never goes” klar, und den Button vom Merchandisestand hatte ich zu diesem Zeitpunkt im Geiste schon gekauft. Nach weiteren fünfzehn Minuten war ich bei der CD angekommen.
Völlig ohne Vorkenntnisse ging ich in den Abend, und war skeptisch. Es gibt Bands, bzw. Konzerte von Bands, die funktionieren nicht, wenn man vorher nicht mindestens einmal die Songs gehört hat. Leider hatte ich unter der Woche keine Gelegenheit, die Dear Reader Songs bei Myspace anzuklicken, und so kam es zu einem völligen Überraschungseikonzert.
Dear Reader, eine Band aus Südafrika. Da hat das City Slang’sche Scoutingsystem zu 100% gegriffen. Der AC Mailand der Labels, die George Weah‘s der Indies.
Denn solche Musik stammt von woanders: Die leichten Indie-Folk-Popsongs könnte man eher in Glasgow oder Toronto vermuten, vielleicht auch noch in Stockholm, aber ganz sicher nicht in Johannesburg. Hier ist das Dear Reader Quartett um Cherilyn MacNeil, Darryl Torr, Michael Wright und der Bratschistin Jane beheimatet, von hier aus bezaubern sie die Welt. Am Samstag Köln.
Da stehen die vier nun auf der Bühne. Cherilyns Stimme klingt klar und schön. Live fiel es mir noch nicht so auf, aber als ich auf der Rückfahrt die frisch erworbene CD hörte, erinnerte mich die Stimme an Lilly Allen. Zumindest ein kleines bisschen. Ein weitere Punkt, der einem beim Konservenhören entgeht: die Gesangsstimmen werden permanent geloopt. Was zeitweise auf CD wie ein ganzer Gesangschor klingt, sind in Wirklichkeit nur die Stimmen von Cherylin (hauptsächlich), Michael (manchmal) und Darryl (seltener). Obwohl dieser Effekt in fast jedem Song irgendwo auftaucht, wird das ganze nicht langweilig oder einseitig. Dazu sind die Melodien und die Arrangements einfach zu unterschiedlich. „Bend“, ist zum Beispiel ein wunderbarer Folksong, Deerheart eine kleine Indiepopperle, und der Rest einfach nur gut.
Hinzu kommt das sehr sympathische Erscheinungsbild der Band. Herrlich unkompliziert unterhielten uns Cheriylin und Michael zwischen den Songs mit lustigen Geschichten. Warum Polarbären das beste Versteck seien, synchrones Wassertrinken auf der Bühne unglücklich sei und man immer genau die Eigenschaften der Eltern annehme, die man am meisten hasse. Eine unterhaltsame Stunde war das im Gebäude 9.
Wer die CD auch nur ein bisschen gut findet, sollte ein Dear Reader Konzert besuchen. Unbedingt! Zum Beispiel am nächsten Samstag im niederländischen Nijmegen.

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Fotos: frank@ipernity